Sie kamen bis Konstantinopel - eine literarische Reise ins Frühmittelalter

Historische Romane haben eine große Fangemeinde. Auch oder gerade weil sie nicht zur Hochliteratur gehören. Sie bieten dafür meist gute Unterhaltung durch ihre Story, und zudem erfährt der Leser noch eine Menge über die Zeit, in der der Plot spielt. Zumindest, wenn der Autor oder die Autorin sorgfältig recherchiert hat.

Dies kann man dem deutschen Autor Frank S. Becker durchaus bescheinigen. Nach zwei im antiken Rom spielenden Büchern hat er sich in seinem neuen Werk "Sie kamen bis Konstantinopel" eine Zeit vorgenommen, über die man selbst im Geschichtsstudium nur wenig erfährt, die Zeit um die Mitte des 7. Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung.

Damals stürmen im Osten die islamischen Glaubenskrieger voran, während Europa in Barbarei versinkt. Zu dieser Zeit verlässt Pelagia, eine verwöhnte junge Frau, ihre Heimat auf der Suche nach Rang und Reichtum. Sie erlebt Rom als gespenstische Ruinenstadt und trifft auf Sizilien den größenwahnsinnigen Kaiser Konstans. Von Piraten nach Damaskus verschleppt, lebt sie am Hofe des Kalifen und findet sich zwischen zwei Männern hin- und hergerissen: dem Araber Daud und dem irischen Priester Patricius. Als die muslimische Flotte zum Sturm auf Konstantinopel rüstet und sie von einer Erfindung erfährt, die den Lauf der Geschichte wenden kann, muss sie eine folgenschwere Entscheidung treffen …

Das klingt in der Kurzbeschreibung vielleicht etwas kolportagehaft, ist aber beim Lesen des Romans durchaus unterhaltsam und kurzweilig, und warum muss man immer von einem Buch mehr verlangen? Die Kriterien eines Kritikerpapstes dürfen nicht angelegt werden, aber auf diese Idee sollte man auch gar nicht erst kommen, denn hier geht es in erster Linie um gute Unterhaltung, die durchaus auch gehobenen Ansprüchen genügt. Zudem der Autor, der seit seiner Kindheit an der Geschichte rund um das Mittelmeer interessiert ist, die Epoche, das dunkle Zeitalter vor 800, durch seine lebendige Sprache und die gut recherchierten Fakten, die wohl seinem besonderen Interesse für das frühe Aufeinandertreffen von christlicher und islamischer Kultur entspringen, dem Leser näherbringt. Dass dabei einzelne Schicksale die Handlung vorantreiben ist nichts Ungewöhnliches, nichts anderes machen Filme, die am Beispiel einiger Figuren ein historisches oder - wie bei Science Fiction Filmen - fiktives Geschehen darstellen.  Im vorliegenden Fall ist es das Schicksal der Karthagerin Pelagia. Man kann je nach Interesse beim Lesen mehr auf ihr Schicksal blicken oder mehr die Schilderung der historischen Umstände der Zeit beachten, in beiden Fällen wird man von dem Buch gut unterhalten und lernt noch etwas dabei über eine Zeit, von der man noch immer viel zu wenig weiß. Schön, dass ein Buch sich dieser Zeit auf literarische Weise widmet.

d.r.

 

Frank S. Becker
Sie kamen bis Konstantinopel

Gebundene Ausgabe | 360 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 3805340818
ISBN13: 978-3805340816
Herausgeber: Philipp von Zabern

 

Über den Autor

Frank S. Becker, geb. 1952, ist promovierter Physiker und in einem großen Unternehmen für bildungspolitische Fragen zuständig. Der Autor war schon früh von der Römerzeit fasziniert und reist seit über drei Jahrzehnten auf den Spuren der Antike durch Europa und den Mittelmeerraum: Grundlage für seine sorgfältig recherchierten historischen Romane. Nach „Der Abend des Adlers“ (2004) und „Der Preis des Purpurs“ (2007) ist „Sie kamen bis Konstantinopel“ sein dritter Roman, der in der Spätantike spielt. Er spiegelt das zunehmende Interesse des Autors an der Begegnung zwischen europäischem und islamischem Mittelalter. Becker lebt in München.