
Seit vielen Jahren gibt es die HB Bildatlanten, HB wie die gleichnamige Zigarettenmarke, ein knapp DIN A 4 großes dickes Heft, das im Laufe der Jahre wohl schon zu jedem Reiseziel dieser Erde ein nützlicher Begleiter war. Der Bildatlas will keinen Reiseführer ersetzen, sondern vor allem - der Name sagt es - mit vielen Bildern Lust auf das Reiseziel machen. Er eignet sich daher vor allem bei Reiseplänen und -vorbereitungen.
Nun gibt es ganz neu aus dem Hause Dumont Reiseverlag den DuMont Bildatlas, und dessen Aufmachung gleicht dem HB Bildatlas so sehr, dass man vermuten kann, dass diese neue Reihe den HB Bildatlas ablösen soll, vielleicht ist der Name HB wegen der Verbindung zur Tabakindustrie nicht mehr so ganz koscher? Egal, der DuMont Bildatlas vereint alle guten Eigenschaften der anderen Publikation.
Die Reihe beginnt in diesem Monat mit einem Parisheft, und unser Parisexperte (dessen Parisliteratursammlung aneinander gereiht sicherlich von Flensburg nach Paris reichen dürfte) hat ihn sich angesehen. Sein Urteil: sehr empfehlenswert!
Die Bilder stammen vom Fotografen Frank Heuer, der sich wirklich überall in der Stadt umgesehen hat. Nicht nur die weltbekannten Sehenswürdigkeiten sondern auch stille Ecken une verstecktere Attraktionen hat er für den Band zusammengetragen, wobei seine offensichtliche Vorliebe für hübsche Frauen zu erkennen ist, immer wieder setzt er sie ins Bild. Was andererseits auch kaum zu vermeiden ist, Paris ist nun einmal nicht zuletzt die Stadt der Liebe und das Straßenbild wird nicht selten von der Weiblichkeit bestimmt.
Inhaltlich ist der Band nach Themen sortiert und natürlich nach den geografischen Gegebenheiten. Das linke Ufer (rive gauche), das rechte Ufer (rive droite), die Himmelsrichtungen. Und am Boulevard Péripherique, der Stadtautobahn, die den Pariser Stadtkern manifestiert, ist nicht Schluss, es geht darüber hinaus auch in die immer wieder in die Schlagzeilen geratenden Vororte, die Banlieus (die man als Tourist nicht unbedingt auch live erleben muss), dann im Westen nach Versailles und in den Osten nach Eurodisney. Auch lohnenswerte Ziele wie der Wald von Fontainebleau sowie die nördlich an Paris anschließende Stadt St. Denis mit ihrer Kathedrale wurden berücksichtigt. Die Texte sind angenehm lesbar und kundig geschrieben und eignen sich vor allem zur Planung eines ersten Parisbesuches. Es gibt über das Heft verteilt mehrere detaillierte Stadtplansegmente, mit denen man sich gut zurechtfindet, nützlich wäre noch ein Metro- und Busplan gewesen. Und natürlich gibt es viele Tipps und Adressen für alles, was man in Paris unternehmen kann, vom Einkaufen übers Essen bis zum nächtlichen Clubbing. Die Hoteltipps sind allerdings für Reisende mit nicht ganz so üppigem Budget uninteressant, da nur Häuser der gehobenen bis höchsten Kategorie empfohlen werden. Das hat einen unschönen elitären Beigeschmack. Aber es gibt ja reichlich andere Quellen für Hoteltipps wie das Internet, wo man auch Zimmer weit diesseits der 500,- Grenze findet.
Der Reiseatlas Paris ist ein vielversprechender Auftakt für die neue Reihe von DuMont und bietet für einen günstigen Preis von 8,50 viel fürs Auge und den Kopf. Er kommt vor Beginn des Frühlings gerade richtig, denn wie sang schon Sarah Vaughan? "April in Paris..."
DuMont Bildatlas
Ca. 120 Seiten mit Reisekarten oder Cityplänen
rund 170 Farbfotos
Format: 20,8 x 28,2 cm
Preis: € 8,50 (D) / € 8,80 (A) / sfr 15,80
Erhältlich überall, wo es Bücher gibt sowie im Zeitschriftenhandel.
-> Sarah Vaughan singt "April in Paris"
