herrenzimmer - Dienstag, 7. September 2010
Druckversion der Seite: Toll trieben es die alten Götter
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Geile Götter, neckische Nymphen.

Geben Sie zu, meine Herren - wer mit wem, das interessiert Sie doch genau so wie die Frauen. Nur ist für uns die Auswahl an Informationsquellen geringer - während die Damen sich ungeniert beim Frisör in der einschlägigen Knallpresse schlau machen können liegen für uns nur die ausgelesenen Golf- und Segelzeitschriften des Arztes bereit, in denen nur selten einmal  Pikantes zu lesen ist. So ist es vorprogrammiert, dass wir über die aktuellen Tendenzen bei Adel, Showbusiness und Co. nur sehr unzureichend informiert sind.

Allerdings hat unsere heutige Zeit an Skandalen nur wenig zu bieten, Highlights wie der Wunsch eines englischen Dauerprinzen, der Tampon seiner Angebeteten sein zu dürfen sind eher die Ausnahme. Hingegen früher, was waren das für Zeiten! Da gab es neben den Normalsterblichen nämlich auch noch die Götter, deren Eskapaden dank überirdischer Fähigkeiten noch ganz andere Dimensionen erreichten. Heute gibt es keine solchen Götter mehr, und was in unserer Zeit manche Gottesdiener aktuell auf die Beine bringen ist zwar höchst unappetitlich, kann aber die triebgesteuerten Taten eines Zeus oder Alpheios auch nicht im Ansatz erreichen.

Nun gibt es ein Buch, in dem auch der gebildete Herr seinen Wissensdurst in Bezug auf Sex and Crime in der Antike stillen kann: Die berühmten Liebschaften der Antike - Von Eros & Psyche bis Caesar & Kleopatra. Hier kann man alles über den schlimmen Finger von Gottvater Zeus lernen, dessen Masche in der Verwandlung in harmlose Lebenwesen wie Schwan, Kuckuck oder Adler bestand, was auch fast immer gut ging, wofür eine nennenswerte Zahl von Nachkommen zeugt. Ob man damit heute noch durchkäme? Und auch die Damen unter den höchsten Wesen waren keineswegs immer ein Abbild von Tugend, vor allem auf unschuldige Jünglinge hatten sie es abgesehen, siehe den nächsten Absatz.

Auch irdische Gestalten der Antike, denen die Listen und Ränke der Götter verwehrt blieben, haben einiges an pikanten Geschichten zu bieten. Der alte Zausel Cäsar und die kaum volljährige Kleopatra, über deren Ablauf der ersten Nacht bis heute spekuliert wird, Helena und Paris, deren Verhältnis gar zu einem Krieg führte und der in Allem recht unkonventionelle Römerkaiser Nero und die ebenso wollüstige Popea - da tun sich Abgründe auf, gegen die ein gelegentlicher Ausrutscher in einem heutigen Königshaus wie ein Kinderstreich wirkt. Und besonders spannend wird es, wenn sich Götter oder Göttinnen mit Sterblichen einlassen, was sogar recht oft vorkam, so zwischen der Liebesgöttin Aphrodite und dem Jüngling Adonis, dem Namensgeber der Adonisfeste, die einen denkbar schlechten Ruf besaßen, würden sie doch voreheliche Formen der Sexualität fördern.

Das Buch der Autorin Angelika Dierichs liest sich weitaus unterhaltsamer und lehrreicher als die frei erfundenen Ergüsse der heutigen Knallpresse, und auch der Humor kommt nicht zu kurz ("Art der Beziehung: Harmonisch, abgesehen vom tödlichen Fußtritt"). Und man kann wirklich viel lernen über mythologische und reale Gestalten der Antike, deren Namen man zwar schon oft gehört hat, über deren Liebesleben man aber vielleicht kaum etwas wusste. Zudem dieses ja immer in einem Gesamtzusammenhang steht, aus dem sich wiederum andere Geschehnisse der Antike erklären lassen. Insofern liest man dieses Buch nicht aus purer Lüsternheit, sondern aus rein wissenschaftlichen Gründen...

Dr. Angelika Dierichs ist eine ausgewiesene Kennerin der Themen Erotik und Liebe im Kontext antiker Kunst und Literatur. Sie wurde in Regensburg in Klassischer Archäologie und Kunstgeschichte promoviert, ist seither in der Erwachsenenbildung tätig und arbeitet für verschiedene Museen, Auslandsgesellschaften und Kulturinstitute. Zuletzt erschien von ihr im Verlag Philipp von Zabern der Bildband »Erotik in der Kunst Griechenlands« (2008).

"Die Bedenken, die mir zuerst kamen - Lässt der Titel des Buches nicht zu viel erwarten? -, schwanden, weil ich mich zu meinem potentiellen Lesepublikum hinträumte: Ich schrieb für Personen, die sich grundsätzlich für antike griechische Mythologie interessieren, desgleichen für antike griechische und römische Geschichte. Ich schrieb für Berufsgruppen, die ein Faible für griechische und römische Antike haben, aber aus Zeitgründen nur ein kleines Taschenbuch bewältigen mögen. Ich schrieb für eine Leserschaft, die antike Themen aus Mythos und Geschichte spannend findet, sie angenehm lesbar und kurzweilig wünscht, wissenschaftliche Überfrachtungen scheut und gern auf Fußnoten verzichtet. Ich schrieb selbstverständlich auch für alle, die „Erotisches in kulturhistorischer Verpackung“ favorisieren."

A. Dierichs über die Arbeit an diesem Buch.

 

awb

 

Angelika Dierichs
Die berühmten Liebschaften der Antike

176 Seiten; 14,5 x 22 cm; 13 s/w-Abb.; Flexicover;
ISBN 978-3-8053-4172-1
EUR 19,90
SFR 33,90