
„Dies ist eine großartige Zeit für die Trompete“, konstatierte Dave Douglas. Als einer der Besten seines Fachs weiß er genau, wovon er spricht. Im Windschatten von Chet Baker und Miles Davis wird ein Instrument neu positioniert, das dem humanen Gesang am nächsten ist. In voller Breitseite zwischen spitzen Attacken und schwelgerischer Melancholie meldet sich die nächste Generation. Höchstens dem immer noch und immer mehr anhaltenden Sängerinnen-Boom ist das vergleichbar. Allenthalben neue Namen. Da bedarf es schon originärer Fähigkeiten und unverwechselbarer Konzepte, will man sich im diesem Kontext abheben.
Der Österreicher Lorenz Raab (Jahrgang 75) verfügt über beides in ganz außerordentlichem Maß. Auch deswegen hat er es gar nicht nötig, das orthodoxe Thema-Solo-Thema-Ding zu strapazieren oder anderswie unsere Hörgewohnheiten zu bestätigen. Vielmehr flirtet er mit Jazz, Pop und Rock, mit Groove und Beats, mit Klassik und Volksmusik sogar, wie man das so noch nicht gehört hat. Im Ergebnis entsteht etwas unbedingt Zeitgemäßes, das überraschend eingängig ist, originell und unverbraucht. Daheim bekam Raab dafür 2003 und 2004 gleich zweimal den renommierten Hans Koller-Preis, trat auf wichtigen Festivals auf und ist enorm nachgefragt bei den Kollegen.
Lorenz Raab wuchs als Sohn eines Kapellmeisters in Oberösterreich auf, heute ist er erster Trompeter der Wiener Volksoper. Unter Granden wie Kent Nagano, Claudio Abbado oder Pierre Boulez praktizierte er Disziplin im Dienste einer Sache. Die Freiheit der Improvisation aber lotet er in eigenen Bands aus, die über die Jahre stabil geblieben sind. Gern besetzt er sie ungewöhnlich. In seiner „:XY Band“ zum Beispiel versammelt er neben sich zwei Kontrabässe, Drums und Zither. Gern führt er das Ganze in die Nähe des Rock und lässt es mit moderner DJ-Technik verfremden. „Zoé“ heißt das Oktett, in dem er seine beiden Bands zusammenführt: :XY und BLEU. Routine und Redundanz sind ihm fremd, deswegen sind seine Projekte so erfrischend neben jeder Szene-Hermetik.
Immer neue Klangbilder interessieren ihn. Und man wird lange suchen müssen, will man eine Formation finden, die Überraschendes und wie selbstverständlich Schönes mit so anmutiger Leichtigkeit fusioniert wie sein Trio BLEU. Zehn Jahre schon existiert das Trio mit Drummer und Perkussionist Rainer Deixler und Ali Angerer an Tuba und Dulcimer. Dies ist ihre dritte CD. Immer weiter hat sich das Zusammenspiel verfeinert. Die Besetzung ist unorthodox, was man hört, ist frappierend stringent, von wundervoller Transparenz und Leichtigkeit. Das lässt einem gar nicht erst die Zeit, über die sonderbare Instrumentierung nachzudenken.
Diese Musik besteht vom Start weg als Unikat. Und sie vergisst ihren Hörer nicht. Im Gegenteil. Weite Melodieschleifen, haben ihren festen Grund, von dem sie abheben können. Power und Poesie changieren ineinander. Die Atmosphären sind offen, nichts ist zugestellt mit Überflüssigem. Die Dramaturgie ist abwechslungsreich und spannend, ohne je beliebig zu werden. Eins geht aus dem anderen hervor, wird gespeist aus einem Füllhorn kurzweiligen und scheinbar unerschöpflichen Spielwitzes. Das braucht keine revolutionäre Attitüde und ist dennoch neu neben jedem Mainstream.
Das ist populäre, klar einleuchtende, ungeschwätzige Musik, die ohne Klischees auskommt. Einerlei ob es zur traumverlorenen Ballade zusammenrückt, von intensivem Groove getrieben wird oder die tiefe Tuba auf die Tube drückt, das öffnet Türen zu neuen Räumen, in denen der Hörer nicht als Fremder steht, sondern sich als staunender Gast umgehend wohlfühlt. Lorenz Raab brilliert auf Trompete und Flügelhorn, er brilliert aber auch als großartiger Gestalter einleuchtender Klangarchitekturen, die ohne Vergleich sind. Diese Souveränität ist berückend und faszinierend. Sie macht diese Aufnahme zu etwas sehr Besonderem, zu einem unverhofften Kleinod, das wächst und wächst mit jedem Hören.
Lorenz Raab
Bleu
Label: JAZZ'n'ARTS
JNA 4710

... lässige und entspannte Lounge-Musik - die neue CD des mittlerweile national wie international agierenden Heidelberger Schlagzeugers Dirik Schilgen setzt das bisherige Konzept konsequent fort. Vielseitigkeit und Vielfarbigkeit ziehen sich, wie ein roter Faden, durch die neuen Kompositionen und vereinen auf wunderbar leichte Weise die vielen Facetten von Jazz, Soul, Brasilianischer und Lateinamerikanischer Musik.
Die ausgereiften Kompositionen und Arrangements des Bandleaders bestechen durch ihre Klarheit und zeugen von einem sehr feinen Gespür für Rhythmus und Melodie. Neben den eingängigen, oft 2 stimmig gesetzten Themen bleibt aber auch viel Platz für spannende Improvisationen.
Getragen von Kontrabass, Piano und dem auffallend transparenten Drumsound greifen Saxophon und Trompete die Themen auf, nuancieren und improvisieren sie abwechslungsreich. Fetzige Bläser-Riffs, Funky Beats, swingende bis rockige Grooves, schwebende Latin- und Lounge-Rhythmen lassen so eine sehr lässige und entspannte Lounge-Musik entstehen.
In seiner Band JazzGrooves versammelt Schilgen ein "Who is Who" der reichhaltigen Mannheimer / Rhein-Neckar Jazz-Szene. Mit Matthias Dörsam ( Trio 3D, Coleümes, Mardi Grass, Rotgau Monotones) spielt Dirik Schilgen schon seit mehr als 15 Jahren in verschiedenen Formationen zusammen. Hinzu kamen der neue Mannheimer Ausnahme-Pianist Daniel Prandl und der aus Speyer stammende Bassist Matthias Debus.
Zur Veröffentlichung ihrer neuen CD " Plenty of..." im Frühjahr 2010 sind Dirik Schilgen JazzGrooves wieder auf Tournee. Seit Erscheinen der ersten CD im Jahre 2006 hat die Band auf vielen Bühnen in In-und Ausland gespielt.
Eine schöne farbliche Bereicherung kommt durch die in Brasilien geborene Cris Gavazzoni an den Percussions. Komplettiert wird die Band durch den Labelchef und Trompeter Thomas Siffling.
Dirik Schilgen - Schlagzeug,
Matthias Debus - Bass
Daniel Prandl - Piano,
Matthias Dörsam - Tenor und Sopran Saxophon
Thomas Siffling - Trompete, Flügelhorn
Cris Gavazzoni - Percussion
Tourdaten 2010
26.03. Worms
11.04. Heidelberg, Zungenschlag
17.04. Erfurt
18.04. Rüsselsheim
22.04. Mannheim, JAZZ´n´ARTS Night in der Alten Feuerwache
01.05. Heilbronn
19.05. Heidelberg
20.05. Mannheim Käfertal
21.05. Dortmund
05.06. Karlsruhe
22.10. Mannheim
03.12. Kaiserslautern
Das Album erscheint am 26. März 2010
Dirik Schilgen
Jazzgrooves - Plenty of...
Label: JAZZ'n'ARTS

Lars Binder, bitte wer? Viele werden sich fragen: wer ist dieser Lars Binder, obwohl Sie Ihn wahrscheinlich schon des Öfteren unterbewusst wahrgenommen haben.
Als Schlagzeuger der mehrfach national wie international preisgekrönten Band „L 14,16“ feierte er Konzerterfolge im In- und Ausland und wurde von der deutschen Fachpresse u.a. 2 x mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Nun begibt sich der Schlagzeuger und Komponist Binder selbst in die erste Reihe und stellt mit seiner Band „Jazz Syndrom“ seine erste CD als Bandleader vor, in der er sich mit führenden Musikern der jungen deutschen Jazz Szene umgibt.
Musikalisch werden groove- und sound-orientierte Kompositionen des Bandleaders, mit zum Teil sehr intimen, schon fast kammermusikalischen Elementen bis hin zu hoch energetischen und impulsiven Momenten geboten. Binder, der während seines USA-Aufenthalts u.a. mit Jackie Mc Lean und Ed Thipgen in Kontakt kam, hat sich mittlerweile einen eigenen Namen innerhalb der deutschen Jazz Szene gemacht und spielt regelmäßig mit Musikern wie Axel Schlosser oder Sarah Kaiser.
Mittlerweile ist er auch selber Dozent an der Berufsfachschule Krumbach und der Musikhochschule Augsburg.
Besetzung
Lars Binder - Schlagzeug
Frank Spaniol - Saxophone
Günter Weiss - Gitarre
Rainer Böhm - Piano
Markus Bodenseh - Bass
Lars Binder
my personal songbook
Label: Personality Records

Die Inspiration zu diesem doch sehr ungewöhnlichen Projekt bekam der Komponist und Pianist Christoph Schöpsdau nach einem Vortrag über gregorianische Musik im Kloster Lorsch vor einigen Jahren. Schnell war er infiziert von der Idee, gregorianische Chorgesänge in einen Jazz-Kontext zu setzen. Aber nicht einen Chor musikalisch zu begleiten, nein, sondern sich intensiv mit der musikalischen Materie auseinander zu setzen war Schöpsdaus Intention. So dienen nun die gregorianischen Gesänge als Ausgangspunkt für grenzüberschreitende Neuinterpretationen, die von Jazz oder auch Weltmusik beeinflusst sind, aber sich einer eindeutigen stilistischen Zuordnung entziehen, was die stilistische Vielseitigkeit der Band auch deutlich macht.
Die Originalmelodien wurden rhythmisiert und mit passenden Akkorden bzw. Grooves oder synthetischen Klängen unterlegt. Dazu wurden dann Intros und Outros komponiert. So entstanden im Prinzip instrumentale „Re-Kompositionen in einem Jazzkorsett“. Die harmonische und rhythmische Offenheit gregorianischer Hymnen bietet viel Spielraum für einen kreativen Umgang mit dem Material, ihre Bezogenheit auf bestimmte Kirchentonarten (Modi) korrespondiert mit modernen Improvisationstechniken. So entwickelt die Gruppe, deren Mitglieder ihre musikalischen Wurzeln im Jazz haben, auf Basis der überlieferten Gesänge spannende aktuelle Bearbeitungen, welche sich teilweise auch durchaus eng am Original orientieren.
Die interessante Instrumentierung rückt die Gesänge in ein gänzlich neues Licht, zudem sind Improvisationen über das Material wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Um den Gregorianik-Bezug zu betonen, wurden bei einigen Stücken die Original-Gesänge integriert. Bei der Auswahl der Stücke stand Schöpsdau der Musikwissenschaftler Christoph Münch zu Seite.
Eine Musik, die sich derzeit häufig in der Atmosphäre des Herrenzimmers bewegt.
Christoph Schöpsdau
EXULTATIO
Label: Personality Records
Hörproben