The Spirit Of Django

Das Herrenzimmer hat bekanntlich ein Faible für Gypsy Swing, die Musik, die durch Django Reinhardt und  das Quintette du Hot Club de France kreiiert und verfeinert wurde. Heute berufen sich zahlreiche Musiker, vor allem natürlich Gitarristen, auf ihren großen Ahnen, dessen hunderster Geburtstag im Januar 2010 gefeiert wurde, auch wenn Django selber nur 43 Jahre alt wurde.

Zu den zahlreichen Nachfolgern, es seien genannt Bireli Lagrène, Tchavolo Schmidt, Angelo Debarre, Ninine Garcia, Stochelo Rosenberg, Lollo Meier und natürlich der deutsche Virtuose Joscho Stephan gehört auch ein gerade 20 Jahre junger Mann aus Wien - Diknu Schneeberger. Mit seinem Debütalbum "Rubina" (o-tone music, Edel Kultur), sorgte der damals erst 17-jährige Wiener Gypsy vor zwei Jahren für Furore. Er erhielt mit dem Hans-Koller-Preis die wohl wichtigste Auszeichnung für Musik in Österreich, Auftritte mit seinem Trio in Radio und TV folgten. Aus – manchmal auch spärlich besuchten – Clubauftritten, wurden ausverkaufte „Große Häuser“, wie etwa das Münchener Prinzregententheater. Auftritte, in Frankreich, Deutschland, England und Luxemburg gehören nun zum Alltag des Wiener Ensembles. Mit seiner aktuellen CD ehrt der junge Schneeberger nun einen der ganz Großen im Jazz: die Gitarren-Legende Django Reinhardt – pünktlich zu dessen 100 Geburtstag in diesem Jahr. Diknu Schneeberger: "The Spirit of Django“.

Und wenn man bei seinem Erstling „Rubina“ schon begeistert war über die Virtuosität des jungen Gitarristen, so wird man hier, über den jungen Gypsy Jazz Freak nur staunen können. So stammen fünf Kompositionen direkt von Django Reinhardt von dem Diknu sagt: „Django Reinhardt ist ein wahres Genie. Ich habe bis jetzt noch keinen Gitarristen gehört der so ein Feingefühl für Melodie und Rhythmik hat wie er. Seine Ideen und seine Präzision sind unerreicht, die Improvisationen voller Überraschungen und seine Technik der linken und besonders der rechten Hand verblüfft mich immer wieder. Django Reinhardt ist mein großes Vorbild.

Aber es gibt auch andere Vorbilder oder Stars für ihn: „ Ja, es gibt sehr viele gute Django Nachfolger. Stochelo Rosenberg hat meinen Stil sehr geprägt und ist einer der besten Gitarristen im Stile von Django Reinhardt. Bireli Lagrene ist ein Großmeister in mehreren Stilen, ich bewundere seine Kreativität - ein echtes Vorbild für mich.“

Es gibt natürlich auch Titel von anderen Komponisten, wie 280 SE von Gitarrenikone Häns’che Weiss, von dem Diknu sagt: „Es ist eines meiner Lieblingsstücke auf der CD“ oder Lulus Swing von Lulu Reinhardt, das für Diknu ein echtes gute Laune Stück“ ist. Bestechend ist der junge Schneeberger auch auf der Eigenkomposition First Love einem Stück, das uns dann doch nachfragen ließ, war doch einer der Wünsche die Diknu beim Interview zu seinem letzten Album äußerte, der eine Freundin zu finden. Und Bingo: „Dieses Stück ist meiner ersten großen Liebe gewidmet!“ so Diknu – mehr hat er leider nicht verraten.

Der – am 17. Januar 2010 – gerade 20 Jahre alt gewordene Diknu Schneeberger verbindet perfekte Technik mit lockerer Verspieltheit, natürliche Musikalität und Melodiegefühl mit Virtuosität! Er fügt hie und da leichte latin-orientierte Sounds und Licks ein, das seinen Gypsy-Sound extrem sympathisch macht. Das Zusammenspiel mit dem renommierten Wiener Jazzgitarristen Martin Spitzer – „Ich möchte mich ganz herzlich bei meinem Freund und Bandkollegen Martin Spitzer bedanken, weil er mich in jeder Hinsicht unterstützt!“ so Diknu – und mit Vater Joschi Schneeberger am Bass – „ Das Verhältnis zu Joschi kann ich mir nicht besser vorstellen. Er ist mein Vater und mittlerweile auch ein sehr guter Freund. Nebenbei ist er auch der beste Bassist der Welt! :-).“  – ist noch natürlicher und genauer geworden! Besser kann Gypsy Jazz nicht sein! Diknu Schneeberger hat sich musikalisch unglaublich mit seinem Trio weiterentwickelt. Er wird das neue Album auch  ausführlich international  live präsentieren und meint dazu: „Mein Traum ist dass ich mir mit dem Diknu Schneeberger Trio einen Namen auf der ganzen Welt mache.“

Nun es hat sich auch sonst viel getan seit seinem ersten Silberling Rubina: „Ich bin musikalisch reifer geworden und habe in der Musik und im Leben sehr viel dazugelernt. Ich hab den Führerschein gemacht und mir wächst sogar schon ein Bart :-)

Ich hab mit meinem Trio viele Konzerte gespielt, in Jazzclubs aber auch in großen Häusern wie dem Münchener Prinzregententheater und auf Festivals. Es ist alles so schnell gegangen, plötzlich war ich auf Bühnen in ganz Europa. Das waren so viele Eindrücke und Erfahrungen, dass ich sie noch gar nicht alle verarbeiten konnte“.

Den Rückhalt für das alles, den bekommt er von seiner Familie, in der auch viele andere Musiker wie er und sein Vater sind. Wie ist es eigentlich in einer Musikerfamilie aufzuwachsen, Diknu? „Es ist super! Ich glaub ein großer Bestandteil meiner Musikalität besteht daraus, dass ich seit meiner Jugend sehr gern Musik höre und oft bei den Proben meines Vaters zugehört habe. Es ist früher bei uns immer musiziert worden.

Mit meiner Mutter, Schwestern, Schwäger, Nichten und Neffen versteh ich mich auch ausgezeichnet. Meine Familie und ich sind unzertrennlich

Ja, man glaubt ihm die Antwort auf die Frage, wie es ihm denn gehen würde:Danke, mir geht es sehr gut!“

 

Diknu in einigen kurzen Sätzen zu den Nummern der CD

First Love ist meine dritte Eigenkomposition, hab ich für meine erste große Liebe geschrieben. Es ist ein Gipsy Bossa mit spanischen Elementen und viel Romantik und Gefühl ;-) | Lulu’s Swing ist ein echtes ”gute Laune Stück“, komponiert von Meistergitarrist Lulu Reinhardt. | Joseph Joseph hörte ich zum ersten Mal instrumental und gefiel mir sofort. Original wird dieses Stück gesungen, in unserer Version ist es ein richtiger ”Fetzer“! | I’ll See You In My Dreams ist ein Klassiker des Gipsy Swing weil Django diesen Standard ausgezeichnet interpretierte. Auf der CD spiele ich zuerst das originale Djangosolo bevor ich zu meiner eigenen Improvisation wechsle. | Made for Wesley kenne ich von einer Jimmy Rosenberg CD. Ich war von diesem Stück sofort inspiriert und begeistert. | Micro ist ein Up-tempo Swingstück von Django Reinhardt. | La Gitane ist der spektakulärste Musettewalzer den ich kenne. | Arttillerie Lourde macht immer gute Stimmung und animiert das Publikum zum mitswingen, wurde von Django Reinhardt geschrieben. | Minor Swing ist die berühmteste Komposition von Django Reinhardt. Ich hab einen kleinen ”Diknu Funk” hinzugefügt. | Minor Blues ist ein genialer Moll Blues und wurde auch von Django Reinhardt komponiert. | Als ich Djangos Tiger zum ersten Mal hörte ging es mir sofort ins Ohr und machte mir gute Stimmung. | Bossa Dorado ist eine Komposition von Dorado Schmitt aber ich hörte den Song zuerst vom Rosenberg Trio. Bossa Dorado war eines der ersten Lieder die mich in diesem Stil sofort verzaubert haben. Auf der CD spiele ich einen Teil von Stochelo Rosenbergs Interpretation und den anderen Teil spiele ich auf meine Art. | Vipers Dream ist ein super Blues. | 280 SE schrieb die Gitarrenikone Häns‘che Weiss. Es ist eines meiner Lieblingsstücke auf der CD.

 

"Natürlich das Feeling!" Ein paar Fragen an Diknu Schneeberger

Foto © Ralf Dombrowski

Archi: Diknu, kannst du dich daran erinnern, als du zum ersten Mal Gypsy Swing gehört hast?

Diknu: Naja zum ersten Mal nicht aber ich kann mich noch erinnern als ich sehr jung war, so 4 oder 5 Jahre alt, da gab es eine Band mit Paul Fields an der Geige, meinen 2 Ex-Schwagern an den Gitarren und meinem Vater am Bass. Es wurde ständig bei uns zu Hause geprobt oder gejammt. Ich hörte bei uns im Probekeller immer sehr neugierig zu, ich bin so zusagen mit dem Gypsy Swing aufgewachsen.

Archi: War das Musik von Django Reinhardt selber oder von anderen Interpreten?

Diknu: Bis auf die berühmten Stücke von Reinhardt wie der „Minor Swing“ oder „Nuages“ wurden viele Eigenkomposition oder Jazzstandards gespielt.

Archi: Wie hast du das als Kind empfunden, was hast du dabei gedacht? Hat es gleich deinen Wunsch geweckt, auch solche Musik zu machen?

Diknu: Mir hat die Musik von Anfang an gut gefallen, da sie einfach swingt und gute Stimmung macht. Ich war sehr begeistert von den Improvisationen, da es immer frisch und spannend zum Zuhören war. Die Rhythmusgitarre hat mir besonders imponiert, sodass ich meistens den Rhythmus am Tisch oder auf meinem Brustkorb mitklopfen musste, daher begann ich auch Schlagzeug zu spielen. Den Wunsch Gitarrist zu werden hatte ich damals noch nicht.

Archi: Wie hast du das Spielen gelernt und wann hast du damit angefangen?

Diknu: Ich hab zu meinem 14. Geburtstag eine Gitarre von meinem Vater geschenkt bekommen...

Archi: Das ist ja gerade einmal 6 Jahre her!

Diknu: Ja, noch gar nicht so lange... Ich bekam dann zuerst Unterricht von Striglo Stöger, der mir den Rhythmus dieser Musik beibrachte. Mein Vater nahm mich nach ein paar Monaten in seine Band.  Da Striglo und ich nun in derselben Band spielten, übten wir gemeinsam regelmäßig das Programm des Joschi Schneeberger Quintetts, unter anderem auch für die CD Aufnahme, die ich noch in meinem 14. Lebensjahr einspielte. Als ich 15 Jahre alt war nahm ich Unterricht bei meinem jetzigen sehr guten Freund und Band-Kollegen Martin Spitzer. Er lernte mir das Improvisieren mit Single-Notes und einen besonders wichtigen Aspekt meines jetzigen Spiels, nämlich die spezielle rechte-Hand-Technik die Django Reinhardt damals anwendete. Der Unterricht dauerte ca. 1 Jahr.

2006 gründeten Martin Spitzer, Joschi Schneeberger und ich das Diknu Schneeberger Trio. Ab diesem Zeitpunkt lernte ich durch Transkribieren und Analysieren von verschiedenen Gitarrensoli, die ich auf CDs hatte. Ich konnte damals sehr viele Lieder komplett nachspielen und setzte die auch bei Konzerten ein. Mittlerweile hab ich mich davon gelöst und habe meine eigenen Ideen entwickelt. Im Moment lerne ich sehr viel dazu, indem ich mir verschiedene Musiker, meistens Gitarristen, anhöre und mich inspirieren lasse.

Archi: Schon unglaublich, in welcher Zeit du dich eingespielt hast, Respekt! War es denn immer ein spielerisches Lernen für dich oder auch manchmal eher eine Qual?

Diknu: Soweit ich mich erinnern kann ist es mir immer leicht gefallen und ich war mit viel Spass, Leidenschaft und Begeisterung dabei. Als Plage hab ich es nie empfunden.

Archi: Auf was legst du beim Musikmachen den größten Wert? Auf die technische Finesse? Auf das "Feeling"?

Diknu: Natürlich auf das Feeling! Viele Gitarristen, besonders im Gypsyjazz, sehen sich gezwungen, sich mit anderen Gitarristen technisch zu messen und vergessen dabei die Musik selbst. Eine gute Technik ist super, da man die Musik noch spannender und spektakulärer machen kann, solange man nicht nur schnell spielt und es zum Selbstzweck wird. Ich finde zu einer guten Technik gehört nicht nur das Schnellspielen sondern auch ein gutes Phrasing, eine saubere Akzentuierung und eine gute Tonbildung. Der Großmeister Django Reinhardt vereinte all dies in seinem Gitarrenspiel.

Archi: Das macht sicher Djangos überragende Stellung bis heute aus. Kannst du einige Worte zur Rolle des Rhythmusgitarristen in einer Gypsy Swing Gruppe sagen? Manche Leute denken, die schrammeln einfach immer nur das Gleiche vor sich hin, aber so ist es ja sicher ganz und gar nicht...

Diknu: Du hast es auf den Punkt gebracht . Die Rhythmusgitarre im Gypsyjazz unterscheidet sich komplett von anderen Stilen. Ich hab mich mit verschiedenen Rhythmusgitarristen beschäftigt, und dachte selbst nicht, dass es auf so viele Einzelheiten und Feinheiten ankommt. Der Rhythmus wird ganz fein und trotzdem sehr druckvoll gespielt. Die Länge der Töne, das Timing und sogar die Akkorde selbst spielen beim Feeling der Musik eine sehr große Rolle. Da die Rhythmusgitarre das Schlagzeug ersetzt, ist sie fast wie ein eigenes Instrument.   

Archi: Ende Mai findet in Djangos Geburtsort, dem belgischen Dorf Liberchies ein Festival statt, jetzt zum achten Mal, das ist immer ein Ereignis, das ganze Dorf ist dann drei Tage auf den Beinen, das dürfte dir auch gefallen...

Diknu: Ich war leider noch nie bei so einem Festival dabei weil es sich terminlich noch nicht vereinbaren lies. Neben den tollen Konzerten kann man auch mit vielen Leuten jammen, da sehr viele Musiker hinkommen und das Instrument mitnehmen, wie im Paradies.

Archi: Dann wünsche ich dir sehr, dass du bald einmal die Gelegenheit findest, eine solche Atmosphäre mitzuerleben. Auch in Samois sur Seine, Djangos letztem Wohnort vor seinem Tod findet im Sommer wieder ein Festival statt. Für deine Antworten herzlichen Dank und ganz viel Erfolg mit deiner großartigen CD und auf der Tournee!

 

Tourdates 2010

 

22.01.      Augsburg-Göggingen - Parktheater
24.01.      (A) Gmunden – Kulturcafe Lehmann
01.02.      (A) Wien - Jazzland
07.02.      Fürth  - Stadttheater
16.02.      (A) Gitarrefestival Wien
19.02.      Potsdam  - Nicolaisaal
25.02.      Bad Reichenhall  - Magazin 4
27.02.      Sulzbach-Rosenberg
12.03.      (A) Wien - Stranddomizil            
16.04.      München - Prinzregententheater
18.04.      Stuttgart - Theaterhaus
08.05.      (A) Mödling - Lupo
29.06.      Rheingau – Musik Festival            
30.06.      Rheingau – Musik Festival
01.07.      Rheingau – Musik Festival
08.07.      (A) Bad Schallerbach – Musiksommer
18.07.      Freiburg - Zeltmusikfestival            
14.08.      Hersbruck – Gitarrenfestival
17.09.      Potsdam - Schlosskonzerte          (tbc)
02.10.      Baden-Baden – Festspielhaus
08.10.      (A) Wien – Vienna Hot Swing Jam
31.10.      (A) Salzburg - Jazzherbst            
04.11.      Hamburg
– Audi Music Night (tbc)
05.11.      Berlin – Passionskirche (tbc)
19.11.      Wachtendonk – Kulturkreis

 

more dates comin’ soon: www.o-tonemusic.com

 

www.joschischneeberger.at/diknu.htm

www.jivemusic.at 

www.diknuschneeberger.com