
Schon der erste Titel - Edo Zankis "Gib mir Musik" weist die Richtung, in die das Album vorantreibt: Soul und Pop mit voller Power, mit kraftvollen Stimmen und einer Band, die so schnell von nichts aufgehalten werden könnte: Die SWR BIG BAND blickt auf beinahe sechs Jahrzehnte von ihr mitgestalteter Musikgeschichte zurück. Seit den frühen 1950er Jahren ist sie in allen Bereichen des Big Band-Genres erfolgreich.

Sie tritt stets mit wechselnden Dirigenten auf und je nach Projekt werden Swing, Big Band Jazz und gehobene Unterhaltungs- oder Popmusik erfolgreich interpretiert. Zwischen 2002 und 2004 machte sie durch drei aufeinander folgende Grammy- Nominierungen Schlagzeilen, die vierte Nominierung folgte 2010. Die Konzertreihe »Swing-Legenden« stellt eine weitere Referenz des »Daimlers unter den Big Bands« dar. Die versierten Musiker bedienen nahezu alle Stilrichtungen und sind bei Radio und Fernsehproduktionen sowie in Studios und Konzertsälen gleichermaßen zuhause. Neben Auftritten mit Miles Davis, Chick Corea, Astrud Gilberto, Chet Baker, Catarina Valente oder Arturo Sandoval wurden ihre Konzerte mit klassischen Vertretern der Soulmusik wie zum Beispiel »The Temptations« und »The Sound Of The Supremes« vom Publikum begeistert aufgenommen.
Mit BIG SOUL widmet sich die SWR Big Band dieser Stilistik daher nun erneut – mit Leib, Seele und illustren Gästen: Regy Clasen, Rolf Stahlhofen und Dirk Zöllner.
„Die traditionsbewusste Verbindung zwischen Big Band Jazz und Soulmusik und das moderne Mitwirken der Sänger/in Regy Clasen, Dirk Zöllner und Rolf Stahlhofen machen die Tracks dieser Qualitätsproduktion zu wirklichen Perlen der deutschsprachigen Soulmusik. Die mir gesandte Anfrage: ›Gib mir Musik‹ habe ich deshalb ganz klar mit ›ja‹ beantwortet.“ EDO ZANKI
Neben den gesungenen Titeln findet man auch einen rein instrumentalen Titel, das Thema der TV Serie Straßen von San Francisco, hier spielt die Band ihr ganzes Potential aus und kommt als "Wall of Sound" daher, um einen Ausdruck aus der hohen Zeit des Motownsounds zu verwenden. Einziger Makel des Albums: es ist mit weniger als 50 Minuten Spielzeit zu kurz.
BIG SOUL
Erscheinungsdatum: 7.5.2010
Content Records

Ein Paddelboot ist wendiger, sein Kapitän kann auch viel spontanere Entschlüsse treffen. Aber so majestätisch und eindrucksvoll wie ein Ozeanriese pflügt das kleine Boot natürlich niemals durch die Fluten. In etwa so lässt sich der Unterschied zwischen einer Band und einer veritablen Big Band bebildern. Und wenn vor einer solchen dann auch noch drei Stimmen wie die von Regy Clasen, Rolf Stahlhofen und Dirk Zöllner stehen, ist das Resultat nur noch schwer zu toppen. Oder doch? Aber ja: Das Trio hat nun mit der SWR Big Band „Big Soul“, ein Album voller deutscher Soul-Perlen (doch, so etwas gibt es, sogar schon etwas länger) aufgenommen, sozusagen der Klassenprimus des Genres mit drei der besten Stimmen des Landes. Jeder der drei steuerte hierfür Favoriten aus dem eigenen Liederfundus und auch solche von anderen Lieblingskünstlern bei, die alle von der SWR Big Band neu arrangiert wurden. Hören wir also, wie Regy, Rolf und Dirk die famose Allianz kommentieren, die von offenbarem Respekt auf allen Seiten geprägt ist.
Regy Clasen:
„Für mich war es die erste Zusammenarbeit mit einer Big Band. Die sind wirklich eine Macht, für mich war es, als surfte ich auf einer großen Welle. Und keines der gängigen Klischees vom schwergängigen Apparat hat sich bestätigt, die Musiker legen eine unglaubliche Sicherheit an den Tag und sind überhaupt nicht weniger offen für Experimente als eine kleine Band. Mir kam das eher so vor, als hätte jemand eine riesige Lokomotive vor den Zug gespannt. Singen musste ich natürlich anders, viel disziplinierter als sonst, gegen so eine Big Band musst du dich richtig behaupten. Unter uns drei Sängern war ich der Norden, die etwas ruhigere, sanfte Seite. Dirk ist der Osten, den ich vor allem für seine Gefühlstiefe mag, und Rolf ist der Süden, der macht keine Gefangenen.“
Rolf Stahlhofen:
„Regy hat Recht mit ihren Himmelsrichtungen, auch wenn der Soul ja eigentlich meine Grenzen kennt. Und die Klasse dieser Big Band offensichtlich auch nicht. Die hat mich anfangs echt fix und fertig gemacht, da kam eine regelrechte Wand angeflogen. Deine Stimme wird von dieser Band wirklich getragen, du setzt dich einfach drauf auf den Wall of Sound. Die Musiker sehen natürlich nicht aus wie coole Typen auf dem Weg zum Mitternachtsgig, aber wenn die erstmal spielen, haben sie nichts Altmodisches mehr. Der Zug rüttelt und schüttelt beim Anfahren, doch hat er Tempo aufgenommen, hält ihn nichts mehr auf in seiner eleganten Fahrt. Und seit ich mit ihrem 70jährigen Bandleader Dieter Reith gearbeitet habe, der im Körper eines 50-Jährigen und mit der Offenheit eines frischen Twens herumläuft, freue ich mich direkt aufs Altwerden.“
Dirk Zöllner:
„Vor so einer Big Band musst du aus dem Stand gut drauf sein, Die tüfteln nicht lange herum, das ist eine Topband, die einen First Take total abgehangen spielen kann, notfalls auch in einer irren Geschwindigkeit. Das ist ein Klangkörper von allerhöchster Meisterschaft, die auch mir als Sänger geradezu einen neuen Kosmos eröffnet hat. Ich war heilfroh, dass Regy mit ihrer wunderbaren weiblichen Note und Rolf mit seinen emotionalen Qualitäten und als echte Rampensau dabei waren, ich hatte nämlich als langjähriger Fan der SWR Big Band ganz schön Muffen. Diese Musiker kannst du nicht irgendwo hin ziehen, die stehen felsenfest hinter dir. Die SWR Big Band, das weiß ich jetzt noch viel besser als vorher, ist viel mehr als bloß eine Institution – und sie groovt, mal ganz salopp gesagt, einfach wie Sau.“