
Seit Jahrzehnten ist der südafrikanische Musiker Hugh Masekela fester Bestandteil des weltweiten Musikgeschehens, und auch wer seinen Namen noch nie gehört hat, dürfte einige seiner Stücke kennen, so seinen Ohrwurm “Grazing In The Grass” aus den Sechziger Jahren oder auch den Hit "The Boys Are Doin' It", mit dem er in den us-amerikanischen Pop Charts vertreten war. Und auch bei der Eröffnungsfeier der Fußball WM 2010 war er mit dabei, immerhin fand diese ja in seinem Heimatland statt.
71 Jahre alt ist Masekela inzwischen, seine musikalische Vitalität ist weiterhin ungebrochen. Durch die Apartheidspolitik in Südfarika war er in den 1960er Jahren gezwungen, seine Heimat zu verlassen, ebenso wie der Pianist Dollar Brand, der sich später Abdullah Ibrahim nannte und mit dem Masekela die erste südafrikanische Jazzband, die ein Album aufnehmen durfte, gründete. Das rassistische Regime verhinderte weitere Platten. Masekela ging zunächst nach London und später in die USA, seine musikalische Stimme erhob er immer wieder gegen Kolonialismus und Apartheid, so in seinem Album Colonial Man von 1976, auf dem er radikal mit den im Westen so gefeierten "Entdeckern" wie Vasco Da Gama, Dr. Livingstone, Stanley oder Cecil Rhodes abrechnete. Die Reaktion der weißen Mächtigen war entsprechend: Hugh kam auf die schwarze Liste der US-amerikanischen Regierung, sein Vertrag mit dem amerikanischen Label Casablanca wurde gekündigt, und das Album in den USA verboten. Weil da einmal jemand die Wahrheit über den Kolonialismus gesagt und gesungen hatte.
Im vergangenen Jahr stellte das Herrenzimmer sein Album Phola vor.
Ein anderer Trompeter, der im Herrenzimmer häufig Erwähnung findet, ist Till Brönner, und dieser ist seit langem ein glühender Bewunderer des Menschen und Musikers Hugh Masekela. Was nun zum Erscheinen eines großartigen Doppelalbums geführt hat: Anfang Juli ist HUGH! The Best of Hugh Masekela, presented by Till Brönner erschienen. 28 Titel zeigen Masekela in allen Phasen seines bisherigen Schaffens, und natürlich fehlen auch seine großen, weltweiten und nicht nur Jazzfans bekannten Kompositionen nicht. Seine Kollaborationen mit Afrobeat-Maestro Fela Kuti und Trompeten-Kollege Herb Alpert sind eben so mit dabei wie aktuell für diese Compilation erstellte Remixe und auch die Brönner-Masekela-Kollaboration „Win The World“. Und ebenfalls zu hören: Witch Doctor vom Colonial Man Album.
Wer sich anhand von mitreißenden Rhythmen auf eine Zeitreise von mehr als 40 Jahre Musik mitnehmen lassen will, der findet in dieser Doppel CD das perfekte Vehikel.
awb
-> Hugh Masekela - Grazing In The Grass bei der WM Eröffnung 2010
