DER HERR DER SIEBEN MEERE

Filmfans kennen diesen Moment: das Licht geht langsam aus, das Geschwätz der Leute hinter einem ebenso, und dann setzt Musik ein, mal laut mit einem wahren Paukengewitter, mal leise und einschmeichelnd. Man rutscht in seinem Sitz noch mal ein wenig hin und her, um die bequemste Stellung zu finden, und dann verliert man sich in das Geschehen auf der Leinwand. Wenn nur der Gestank des Popcorns ringsum nicht wäre…

Was wäre Film ohne Musik? Sie ist dazu da, die Stimmungs- und Gefühlsebene eines Films zu unterstreichen, ja manchmal spielt sie sogar eine Hauptrolle, man denke an Kompositionen wie die von Ennio Morricone oder Nino Rota.

Zumeist wird Filmmusik speziell für den jeweiligen Film komponiert, und ihr Genre ist so alt wie das Medium Film. Bereits 1895 ließen die Brüder Lumière ihre kurzen Stummfilme von einem Pianisten untermalen, wobei der künstlerische Effekt nicht der einzige Grund für die musikalische Begleitung war – man wollte mit ihr auch das Rattern des Projektors übertönen.

Mit der Entwicklung des Mediums Film in den folgenden Jahrzehnten wuchs auch die Bedeutung der Filmmusik, und so war es nur folgerichtig, das immer mehr Musiker und vor allem Komponisten sich der Arbeit für den Film verschrieben.

Nicht wenige der Filmkomponisten, die für Hollywood arbeiteten, kamen aus dem deutschsprachigen Raum, bekannte Namen sind Max Steiner (Kink Kong und die weiße Frau, Casablanca, Arsen und Spitzenhäubchen), Franz Waxman (Frankensteins Braut, Die Marx-Brothers auf der Rennbahn, Das Fenster zum Hof, ), Bernhard Kaun (Frankenstein, Das Haus des Grauens) und Erich Wolfgang Korngold, der seit 1934 in Hollywood arbeitete.

Korngold (1897-1957) begann mit 11 Jahren zu komponieren und im Alter von 30 Jahren konnte er bereits auf drei Opern zurück blicken; er war zu dieser Zeit neben Richard Strauß der meistgespielte deutschsprachige Opernkomponist. Als Jude musste er mit dem Aufkommen des Faschismus seine Heimat verlassen und begann in den USA eine zweite Karriere als Filmkomponist.  Er hat die Musik für insgesamt 19 Filme geschrieben und zwei Oscars bekommen.

Einer der ganz großen Filme, für die Korngold schrieb, ist The Sea Hawk (Der Herr der sieben Meere) von 1940 mit Errol “drin wie” Flynn als Freibeuterkapitän Geoffrey Thorpe. Und diese Komposition ist nun in einer erstmals vollständigen Neueinspielung mit dem Moscow Symphony Orchestra mit Chor unter der Leitung von William Stromberg bei NAXOS  als Doppel CD erschienen. Die Musik steht dem aufwändigen und dramatischen Film (“Ein Abenteuerfilm der besten Art, voller Action und Spannung.” – Heyne-Filmlexikon) absolut kongenial zur Seite und zeigt beim Hören eindrucksvoll, was große Filmmusik zu leisten im Stande ist: nämlich auch ohne Bilder vor den Augen des Hörers Bilder entstehen zu lassen.

Ebenfalls auf der Doppel CD enthalten ist die Musik Korngolds für den Film Trügerische Leidenschaft (Deception) mit Bette Davis von 1946 und sein darin aufgeführtes Cellokonzert. In diesem Film stellt Bette Davis eine Pianistin dar, und da sie als Kind Klavierspielen gelernt hatte wollte sie ursprünglich für eine Szene die Musik einstudieren. Sie wurde aber von Regisseur Irving Rapper davon abgehalten. “Warum willst du dir die Mühe machen, Bette? Das Publikum würde eh nicht glauben, dass du das selber gespielt hast.”

Ein überaus informatives Booklet von 24 Seiten rundet die Doppel-CD ab. In diesem kann man unter anderem lesen, mit welchem Aufwand die Produktion zustande kam. Insgesamt 115 Minuten Musik für Der Herr der sieben Meere kam so zusammen, denn auch im Film später nicht verwendete Elemente sowie die speziell für den Kinotrailer geschriebene Musik wurden mit aufgenommen. Auf Grund des zum Teil nicht mehr vollständig erhaltenen Notenmaterials von Korngolds Kompositionen gestaltete sich die Produktion dieses Albums recht schwierig, hier hat der Hollywood Komponist John Morgan entscheidend zum Gelingen des Projektes beigetragen. Das Ergebnis ist absolut hörenswert.

 
 
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