Da sitzen zwei alte Männer zusammen in einer großen Wanne oder einen Zuber. Man hört das Wasser plätschern, während sie sich unterhalten. Sie mögen sich offenbar nicht und benehmen sich hörbar daneben, einer von ihnen sogar riechbar.
Felipe ist sehr neugierig und quält Barclay unablässig mit seinen Fragen. Barclay beginnt schließlich eine uralte, recht banale Liebesgeschichte zu erzählen. Er wird dabei immer wieder von seinem Gegenüber unterbrochen – und so verliert Barclay bald die Lust am erzählen. Doch Felipe läßt nicht locker. Er will unbedingt erfahren, wie diese Geschichte ausging, damals, vor ungefähr 60 Jahren. Barclay erinnert sich nur ungern an das peinliche Ende dieser Liebesbeziehung, deshalb “literarisiert” er die Handlung ein wenig, ohne dass Felipe davon etwas merkt. Barclay erzählt auch, dass er aus Irland stamme, Felipe sagt, er komme aus Spanien. Langsam lernen sich die beiden alten Männer näher kennen.
Aber schnell wird auch klar: Beide unterscheiden sich deutlich in ihren Lebensansichten, Gewohnheiten und Charakteren. Irischer Eigensinn trifft auf katalanisches Temperament. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Der eine sagt von sich, daß er Schriftsteller sei, der andere behauptet, ein bekannter Maler zu sein. Beide haben einmal zur gleichen Zeit als Künstler in Paris gelebt, dort sind sie einander jedoch niemals begegnet. War dies Zufall oder Absicht? Dabei hatten beide in der Stadt einige gemeinsame Bekannte: Dichter, Maler, Kunstmäzene. Jedoch die einstigen Weggefährten sind alle längst gestorben und beerdigt. Es scheint fast so, als wären Barclay und Felipe die letzten beiden Exemplare einer aussterbenden Gattung. Jetzt sind auch sie von Alter und Krankheit gezeichnet. Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit. Sie vertreiben sich diese mit Erinnerungen und fallen sich so in unterschiedlichster Art und Weise bald gegenseitig auf die Nerven.
Doch je länger sie sich unterhalten, umso mehr mißtrauen sie einander, können aber trotzdem nicht voneinander lassen. So entwickelt sich nach und nach eine Schicksalsgemeinschaft. Der Sinn ihrer „Anwesenheit“ wird ergründet. Barclay und Felipe geben schließlich ihre „wahre“ Identität preis. Sind sie aber tatsächlich diejenigen Personen, die sie vorgeben zu sein? Handelt es sich vielleicht doch bei beiden um „Double“ derjenigen Künstlerpersönlichkeiten, die sie darzustellen versuchen? Barclay und Felipe reden viel daher, streiten miteinander, versöhnen sich aber auch schnell wieder. Doch immer wieder wird das Vertrauen des einen zum Spielball des anderen – und das absurde Spiel spitzt sich mehr und mehr zu.
Diese surreale Komödie spielt an einem unheimlichen Ort. Es könnte ein Altenheim für betagte Künstler sein, wenn nur nicht die Unterkunft mehr einem Gefängnis ähnelte. Oder befinden sich die Alten etwa doch in einer Irrenanstalt, in der sie ihre Phantasmen scheinbar grenzenlos ausleben können? Der sinnliche, mal witzige, mal melancholische Dialog nimmt am Ende eine überraschende Wende…
Barclay steht für Samuel Barclay Beckett (1906-1989) und Felipe für Salvador Felipe Jacinto Dalí (1904-1989). Der Autor des Hörspiels, Peter Eckhardt Reichel, vermutet, dass sie sich zu Lebzeiten niemals begegnet sind, aber das halte ich für unwahrscheinlich. Beide lebten zur gleichen Zeit in Paris und verkehrten in den gleichen Kreisen, Vierteln und Lokalen. Da war eine Begegnung geradezu vorprogrammiert. In seiner Autobiografie “So wird man Dalí” erwähnt der Surrealist den Autor von “Warten auf Godot” allerdings nicht.
Barclay, der irische Kraftmensch, wird von Otto Sander gesprochen, Felipe von Manfred Steffen. Man hätte keine bessere Wahl treffen können, diesen beiden gelingt es vom ersten Dialog an, den Hörer in das Geschehen hineinzuziehen. Unter diesem Link kann man sich davon in einer Hörprobe überzeugen.
Mit der Jury-Begründung
“Der Reiz dieses Stückes liegt in der unaufwändigen Form und der gelungenen Umsetzung seitens der Sprecher. Der Hörer wird in die fiktiven Begegnungen herein geholt, wird zum Zeugen. Barclay & Felipe ist ein gelungenes, skuriles Hörspiel mit kammerspielartigem Charakter, das bis zum Schluß Spaß macht.”
wurde Barclay und Felipe für den Deutschen Hörbuchpreis 2008 in der Kategorie: Beste Fiktion nominiert.
Barclay und Felipe
1 Audio CD / Stereo
Laufzeit: ca. 68 Minuten
Produktion: SFB (heute RBB) 1996
Regie: Hans Gerd Krogmann
Preis: *EUR 14,95 / *SFR 24,70
*unverbindliche Preisempfehlung


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