Ernst Jünger – Martin Heidegger: Briefwechsel 1949 bis 1975

“Sehr verehrter Herr Professor” beginnt Ernst Jünger am 11.6.1949 seinen ersten Brief an Martin Heidegger, in dem es um Fragen im Zusammenhang mit der Gründung einer neuen Zeitschrift geht, und der Philosoph antwortet wenige Tage später mit der Vorbemerkung: “Zunächst möchte ich Sie bitten, den ‘Professor’ wegzulassen.”

Jüngers letzter Brief an den Philosophen datiert vom 8. Mai 1975, drei Wochen später verstirbt Heidegger.

Der bisher unveröffentlichte Briefwechsel zwischen Ernst Jünger und Martin Heidegger geht hervor aus Gesprächen der Nachkriegszeit über ein großangelegtes Zeitschriften-Projekt, an dem neben Jünger und Heidegger, Gerhard Nebel, Friedrich Georg Jünger und Werner Heisenberg beteiligt sein sollten. Ein Vorhaben, das nicht verwirklicht wurde, und das doch einen schriftlichen Austausch zwischen den beiden Autoren initiierte, der bis zum Tod Heideggers dauerte. Neben der Organisation des schriftstellerischen Lebens, den Publikationen und öffentlichen Reaktionen auf sie, den Einladungen und polemischen Einwürfen gegen den Zeitgeist sind es vor allem Betrachtungen zur Sprache, denen dieser Austausch gilt. Die Verflachung unseres Sprachgebrauchs durch Spezialisierung, der Wert der (rapide verschwindenden) Dialekte, die Rolle der Sprache als Erkenntnismittel, die Sprachphilosophie Rivarols – das sind einige der wichtigen Stichworte dieser Dokumente.Zusätzlich aufgenommen in diesen Band sind die Festschrift Jüngers zu Heideggers 60. Geburtstag, »Über die Linie«, Heideggers Aufsatz »Zur Seinsfrage« und die Texte des Bändchens »Federbälle« – Sprachnotizen, von Jünger dem Philosophen zum 80. Geburtstag als Privatdruck gewidmet.

Zu Beginn der Korrespondenz bezieht sich Ernst Jünger auf das nicht verwirklichte Vorhaben, im Verlag Ernst Klett eine Zeitschrift mit dem Namen ‘Pallas’ herauszugeben. Als Mitabeiter waren unter anderem Ernst Jünger, sein Bruder Friedrich Georg, Martin Heidegger und Werner Heisenberg vorgesehen.

Man kann anmerken, dass der überwiegende Inhalt der Korrespondenz aus dem Austausch von Höflichkeiten besteht. Er trägt kaum etwas bei  zum Verständnis des Verhältnisses, das Heidegger gegenüber dem ihm ideologisch durchaus nahestehenden Jünger pflegte. Der Band 90 von Heideggers Gesamtausgabe “Zu Ernst Jünger” enthält jene Aufzeichnungen der Dreißiger Jahre, die “Aussprache über Jünger” sowie ein Manuskript mit der Überschrift “Gestalt” aus dem Jahre 1954. Außerdem umfasst er Randbemerkungen, die Heidegger in großer Zahl in zwei Handexemplaren von “Der Arbeiter”, in Jüngers Essaysammlung “Blätter und Steine” sowie in “Über die Linie” überaus sorgfältig eingetragen hat. Zwei Faksimiles aus dem ersten “Arbeiter”-Handexemplar geben dem Leser einen unmittelbaren Eindruck des genauen Lesens. Der Band dokumentiert nicht nur Heideggers sehr entschlossen geführte Auseinandersetzung mit Jüngers aufmerksamen Analysen und programmatischen Stellungnahmen. Er gibt darüber hinaus einen Einblick in die Herkunft derjenigen Gedanken, die Heidegger später zu seiner Erörterung des “Gestells” ausbaute.

Heideggers Urteil zu Jünger ist dabei durchaus ambivalent ausgefallen, zusammengefasst in dem Satz: “Er ist ein Erkenner, aber nirgends ein Denker.” Zu stark sei Jünger, bemängelt Heidegger, in einer Metaphysik der Subjektivität befangen.

Ernst Jünger / Martin Heidegger
Briefwechsel 1949 – 1975

Unter Mitarbeit von Simone Maier herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Günter Figal, Gemeinschaftsausgabe mit dem Vittorio Klostermann Verlag

Auflage: 1. Aufl. 2008
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, 5 Abbildungen
Seiten: 320
ISBN: 978-3-608-93641-4

Preis
EUR [D]  29.50*
SFr  49.80*

Ernst Jünger

Ernst Jünger, am 29. März 1895 in Heidelberg geboren, 1901 – 1912 Schüler in Hannover, Schwarzenberg, Braunschweig u. a. 1913 Flucht in die Fremdenlegion, nach sechs Wochen auf Intervention des Vaters entlassen 1914 – 1918 Kriegsfreiwilliger 1918 Verleihung des Ordens »Pour le Mérite« 1919 – 1923 Dienst in der Reichswehr. »In Stahlgewittern«. Studium in Leipzig 1927 Übersiedlung nach Berlin. Mitarbeit an politischen und literarischen Zeitschriften 1936 – 1938 Reisen nach Brasilien und Marokko. »Afrikanische Spiele« und »Das Abenteuerliche Herz«. Übersiedlung nach Überlingen 1939 – 1941 Im Stab des Militärbefehlshabers Frankreich 1944 Rückkehr Jüngers aus Paris nach Kirchhorst 1946 – 1947 »Der Friede« 1950 Übersiedlung nach Wilflingen 1965 Abschluß der zehnbändigen »Werke« 1966 – 1981 Reisen. Schiller-Gedächtnispreis. 1982 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt/Main 1988 Mit Bundeskanzler Kohl bei den Feierlichkeiten des 25. Jahrestags des Deutsch-Französischen Vertrags 1993 Mitterrand und Kohl in Wilflingen 1998 Ernst Jünger stirbt in Riedlingen.


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