Eine Meldung und ein Humidor und die Geschichte dahinter

Simon Chase versteigerte gewohnt souverän kostbarste Humidore und Cigarren

Simon Chase versteigerte gewohnt souverän kostbarste Humidore und Cigarren

Ein Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 24.3.08 erweckte unser Interesse. Darin geht es um das Habanosfestival, das vor einigen Wochen in Cuba gefeiert wurde, zum nunmehr zehnten Mal.

In diesem Artikel konnte man unter anderem folgendes lesen:

“Eine Versteigerung wertvoller, alter Humidore unterbricht die Fachsimpelei. [...] Ein junger Händler aus der Schweiz aber bricht kurz darauf in Tränen aus. Er und ein brasilianischer Freund, beide angetrunken, haben das zweitteuerste Modell des Abends ersteigert: 240.000 Euro für eine Antiquität, in der zu allem Überfluss auch noch Käfer nisten. Dabei wollte der Schweizer bei 30.000 Euro aufhören. Mit seinem Freund jedoch ging das südamerikanische Temperament durch. Die Standort-Frage ist jetzt noch ihr geringstes Problem: Wohin bloß mit dem Humidor – nach Zürich oder nach Rio?”

Das Herrenzimmer hat recherchiert und den “jungen Händler” in der Schweiz ausfindig gemacht, wenn auch nicht in Zürich, sondern bei Basel. Er heißt Raymondo Bernasconi, sein Geschäft liegt in Münchenstein. Wir befragten ihn zu der Meldung.

Herr Bernasconi, sie haben soeben in Havanna einen Humidor für saftige 200.000 Euro gekauft – kann man als Tabakwarenhändler denn in der heutigen raucherfeindlichen Zeit noch so reich werden, dass man sich so etwas leisten kann?

Zuerst muss ich da etwas korrigierend ins rechte Licht rücken: Ich habe diesen Humidor nicht allein ersteigert sondern war einer von 3 Parteien, welche für diesen gesteigert haben. Zudem war ich nicht als Händler sondern als Importeur (wir haben 14 Marken sowie eine eigene Zigarrenmarke aus Nicaragua exklusiv im Programm, zudem importieren wir Havanna-Zigarren parallel zum offiziellen HABANOS-Importeur) am Festival.

Ich glaube es gäbe ein paar wenige Schweizer Tabakhändler, welche in der Lage wären mit ihrer Wirtschaftskraft eine solche Verpflichtung einzugehen.

Wie kann es kommen, dass ein Humidor, auch wenn er gefüllt ist, einen derartigen Preis erzielen kann?

Das ist ein Liebhaberobjekt – diesen Humidor gibt es nur 1 Mal auf der ganzen Welt. Zudem ist es mir wichtig, dass der Aspekt der “Charity”, also dem Gemeinnützigen Gedanken (die Einnahmen kommen vollumfänglich dem Kubanischen Gesundheitswesen zu gute), nicht vergessen geht.

Um was für einen Humidor handelt es sich?

Der kostbare Schrein

Es ist ein wunderschöner Cohiba Humidor-Cubus von 61.5 cm mal 61.5 cm. Dieser ist mit 400 Cohibas – je 50 Stück Genios, Gran Corona, Esplendidos, Piramides, Lanceros, Sublimes, Robustos Especial sowie Siglo VI gefüllt.

Wie kam es dazu, dass Sie diesen sicherlich seltenen, aber doch auch immens teuren Humidor erworben haben? War das geplant?

Nein, ehrlich gesagt hatte ich mir die Humidore vor der Versteigerung gar nicht genau angeschaut – es war überhaupt nicht geplant. Es hat sich während dem Abendessen so ergeben, dass Antonio bei uns am Tisch einen Humidor ersteigern wollte. Da er diesen aus diversen Gründen nicht in sein Heimatland zurücknehmen konnte (Zollbestimmung & Risiko von Verlust – er wohnt in Brasilien) hat er mich gefragt, ob ich den Humidor für ihn in der Schweiz lagern könnte. Da wir ein temperatur- und feuchtigkeitkontrolliertes Zollfreilager betreiben, war das für mich kein Problem. Da wir uns aber erst seit 5 Tagen kannten, wollte er eine Sicherheit. Ich habe mich nach kurzem Ueberlegen entschieden und angeboten bis EURO 20’000.– zu beteiligen. Bei den ersten beiden Humidoren, für die Antonio geboten hatte, haben wir leider den Zuschlag nicht erhalten. Danach war eigentlich nur noch der Cohiba Humidor von Interesse. Es hat dann eine wahre Bieterschlacht um diesen Humidor gegeben, bei der Antonio den Zuschlag für sagenhafte EURO 200’000.– erhalten hat. Meine Beteiligung hat sich somit innert Minuten um mehr als das Dreifache erhöht!

Wie ist der Zustand des Humidors und des Inhaltes? Man konnte in der Presse lesen, der Tabakkäfer habe darin gehaust…

Der Humidor ist nagel neu und in Top Zustand. Ich weiss nicht, von wo Sie diese Information haben. Es wurde kolportiert, dass es sich um eine Antiquität handle mit alten Zigarren. Nun sagen Sie mir mal wie alt eine Cohiba Genios sein kann, welche erst Mitte 2007 zum ersten Mal auf den Markt gekommen ist ….

Welche Pläne haben Sie mit Ihrer Erwerbung? Kann man diesen Schrein demnächst in Ihrem Geschäft bewundern?

Der Humidor kommt in den nächsten Wochen zu uns. Wir werden diesen voraussichtlich nicht ausstellen und nur interessierten Käufern oder wirklichen Liebhabern zur Ansicht vorführen.
Wissen Sie, wer von dem Erlös Ihres Kaufes profitiert?

Der Erlös kommt vollumfänglich dem Kubanischen Gesundheitswesen zu. Und darf ich noch etwas anfügen?

Gerne…

Raymondo Bernasconi bei Alejandro Robaina, Cubas wohl bekanntestem Tabakpflanzer († 2010)

Raymondo Bernasconi bei Alejandro Robaina, Cubas wohl bekanntestem Tabakpflanzer († 2010)

Da das Festival fast ausschliesslich von Importeuren und Händlern besucht wird ist es für Sammler und Liebhaber solcher Raritäten sehr schwierig wenn gar unmöglich derartige Unikate zu ersteigern. Da wir seit 4 Jahren sehr erfolgreich im Handel mit Kubanischen Zigarren tätig sind, sehe ich diesen Erwerb als Patronat für die Stiftung. Wir haben mit der Steigerung dafür gesorgt, dass der maximal mögliche Preis erreicht wurde und haben den Betrag dafür nach Kuba überwiesen. Es ist nun unsere Aufgabe, für den Humidor einen Käufer/Liebhaber zu finden. Sollte dies nicht gelingen, werden wir den Humidor behalten. Die Investition sehe ich dann als Dankeschön an Kuba für die bisher hervorragende Zusammenarbeit.

Herr Bernasconi, herzlichen Dank für diese Hintergrundinformationen und die Richtigstellung der Pressemeldung.

Die Fragen stellte awb


 
 
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