Im fürstlichen Ambiente von Schloß Dyck fand am 14. Juli eine Pressekonferenz statt, in der die Veranstalter und Supporter das kommende Großereignis und sich vorstellten. Am 2. und 3. August 2008 werden wieder mehr als 30.000 Besucher erwartet, die sich an einer unglaublichen Zahl von historischen Fahrzeugen – Autos, Rennwagen, Nutzfahrzeugen, Motorräder und Flugzeuge – erfreuen dürfen und nostalgisch gestimmt in eine Zeit eintauchen können, in der Verbrauchs- und Luftwiderstandswerte noch keine besondere Rolle spielten.
Diese dritten Schloss Dyck Classic Days stehen unter dem Motto “100 Jahre Grand Prix”, und einen kleinen Vorgeschmack gewannen die Teilnehmer der Pressekonferenz, als sie einen Mercedes durch den Schlosspark fahren sehen konnten (im “Cockpit” der Hausherr Graf Metternich), der bereits 1908 Grand Prixrunden in Frankreich drehen konnte, damals noch auf einer nichtasphaltierten Rundstrecke, die den Fahrern und deren Bandscheiben alles abverlangte.
Die Geschichte der Schloss Dyck Classic Days – Freiwillig und ambitioniert
Die Schloss Dyck Classic Days werden von einem gemeinnützigen Verein geführt. 75 sehr unterschiedliche Menschen begeistern sich für die Idee, architektonisches Kulturgut mit technischem Kulturgut erhalten zu helfen.
Die Geschichte der Schloss Dyck Classic Days ist jung, aber intensiv. Nach einer längeren Periode reifender Visionen konkretisierte der Jüchener Marcus Herfort mit eine Hand voll Freunden in nur zwei Jahren die Idee zum Event: Aus dem Nichts schienen die ersten Oldtimer- und Motorsporttage 2006 22.500 Besucher anzulocken, die die Kunde einer einmaligen Atmosphäre mit leuchtenden Augen hinaustrugen.
Aus dem kleinen Verein wurde ein größerer, denn die Erfahrung der ersten Classic Days war für viele der heutigen Mitstreiter die Initialzündung, sich bei dieser phantastischen Sache zu engagieren. Sonst aber änderte sich nichts. Noch immer war alles selbst gemacht, mit Liebe zum Detail und Mut zur Improvisation. Bei 75 Mitgliedern wurde der Verein satzungskonform gedeckelt, um arbeitsfähig zu bleiben.
Classic Days e.V. lebt die zielgerichtete Clubkameradschaft. Der Verein eint Menschen mit hochkarätigen Berufen und Fähigkeiten. Intellektuelle, Handwerker, Praktiker und Theoretiker bringen sich und ihre Kontakte sowie Möglichkeiten ein, um Classic Days wahr werden zu lassen.
Diese enthusiastische Gruppe von Männern und Frauen machte die Classic Days 2007 zu einem noch größeren Erfolg. Mit neuen Highlights wie der Flugschau historischer Ein- und Doppeldecker oder dem Le-Mans-Start, bei dem die Fahrer zu ihren Fahrzeugen rennen und hineinspringen zogen sie 33.500 Besucher an – 4.700 von ihnen kamen mit einem eigenen Oldtimer und viele waren passend zum Jahrgang ihres Autos gekleidet.
Die Augen bereits auf das Event 2008 gerichtet, können die Classic Days nicht länger nur von Leidenschaft und Freizeitaktivität getragen werden. 2008 tritt deshalb die Classic Days Oldtimer- und Motorsport GmbH als Veranstalter auf. Ansonsten gilt: Gleiche Personen, gleiche Talente, neue Herausforderungen.
Wie stets, gehen vorrangig die Eintrittserlöse an die Stiftung Schloss Dyck, die damit in der Erhaltung des 1000jährigen Baudenkmals und seiner einzigartigen Gärten unterstützt wird. Das Event selbst spiegelt die Struktur des Vereins: Die Elite der Concours- und Rennfahrzeuge zählt nach Millionenwerten, aber der Oldtimertreff für jedermann erdet die Veranstaltung. Mit Eintrittspreisen, die nur unwesentlich über dem alltäglichen Tarif für den Besuch des Schlossparks liegen wird die soziale, volkstümliche Komponente unterstrichen. In dieser Mischung sind die Classic Days ganz und gar einzigartig in Deutschland. Der für seine Fairness und seinen Sportsgeist berühmte deutsche Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips leiht der Rundstrecke nicht nur den Namen, er ist den Vereinsmitgliedern auch Vorbild.
Die dritten Schloss Dyck Classic Days versammeln absolut außergewöhnliche historische Fahrzeuge, wie man sie in dieser Zusammenschau nirgends sonst erleben kann. Private Sammler und die Museen von Mercedes-Benz, Collection Schlumpf, Autostadt Wolfsburg, Opel und Toyota sowie private Sammler bringen Preziosen zum Schloss Dyck, die selbst viel gereiste Oldtimer-Fachleute ins Schwärmen bringen.
Mercedes-Benz hat Schloss Dyck zu jenem Ort erklärt, an dem in Deutschland offiziell “100 Jahre Grand Prix” gefeiert werden. Zu diesem Zweck bringt die Marke mit dem Stern an den Start:
- Siegerauto von Dieppe 1908
- Silberpfeil W 165 von 1939
- Silberpfeil W 196 von 1955
- McLaren-Mercedes, WM Mika Häkkinen 1998
- Vodafone-McLaren-Mercedes, aktueller F1 2008
Jochen Mass wird den hundertjährigen Rennwagen fahren: 1.200 Kilogramm schwer und 163 Stundenkilometer schnell, befeuert von einem Vierzylindermotor mit 12,4 Liter Hubraum (pro Zylinder 3,1 l) und 120 PS Leistung.
Doch Michael Bock, der Leiter des Mercedes-Benz-Museums Stuttgart, möchte die GP-Geschichte beinahe lückenlos dokumentieren: Der ausgestellte Mercedes W 165 ist der letzte Vorkriegs-Rennwagen aus der Silberpfeil-Serie. Er wurde 1939 aufgrund einer Reglement-Änderung in nur 8 Monaten entwickelt und berücksichtigte das neue Limit von 1500 ccm Hubraum. Der W 165 ist 715 kg schwer, sein 1,49 Liter großer V8-Motor leistet dank zweier Kompressoren und Spezialkraftstoff mit über 80% Methylalkohol-Anteil 254 PS bei 8250min.
Nach dem Krieg wurde die Silberpfeil-Legende fortgeschrieben mit dem Mercedes W 196, in dem am Schloss Hans Herrmann wie schon 1954/55 sitzen wird. Gemäß damaligem Reglement hat das Auto 2,5 Liter Hubraum, verteilt auf einen Achtzylinder mit zwei Vierzylinder-Bänken in Reihe, desmodromischer Ventilsteuerung und Benzindirekteinspritzung. Ein Gemisch aus Benzol, Methanol, Rennbenzin, Azeton und Nitrobenzol entlockt dem Motor 250 bis 280 PS und macht ihn bis zu 290 Stundenkilometer schnell.
Im Jahr 1998 wurde Mika Häkkinen auf dem McLaren-Mercedes MP4-13 Weltmeister. Genau dieser Wagen, der auch die Konstrukteurs-WM für McLaren-Mercedes brachte, wird beim Trips Memorial in Fahrt zu erleben sein, pilotiert von Bernd Schneider. Der MP4-13 besitzt einen 3-Liter-V10-Motor mit 780 PS Leistung und wiegt rund 600 Kilogramm.
Die 100 Jahre GP-Spektakel werden abgerundet durch das aktuelle F1-Auto von Vodafone-McLaren-Mercedes, den 2008er MP4-23, der gemäß dem wieder einmal neuen Reglement aus einem nur noch 2,4 Liter großen Achtzylinder, der maximal 19.000min drehen darf, rund 760 PS schöpft.
Diese Mercedes-Modelle sind in bester Gesellschaft: Ein Arrows F1, der 2001 von Enrique Bernoldi pilotiert wurde mit 3-Liter V10-Asia-Motor rundet das moderne F1-Angebot eindrucksvoll ab.
Weitere Renn- und Rekordwagen kommen aus dem Musée Cité d’Automobile in Mulhouse, Frankreich. Die auch als “Schlumpf-Museum” bekannte Sammlung beherbergt Unikate von Panhard & Levassor. Ein Grand-Prix-Wagen von 1908 kämpfte bereits beim ersten Grand Prix in Dieppe mit Mercedes um die Krone – er kann es jetzt wieder tun. Der zweite Panhard & Levassor ist ein Rekord-Monoposto aus 1926, das mit seinem ungewöhnlich langen Radstand nur schwer um enge Kurven zu zirkeln ist. Dieser Wagen besitzt den legendären Panhard-Motor “sans soupapes”, also ohne Ventile – er ist schiebergesteuert und leistet aus 6,3 Litern Hubraum 290 PS. Damit war er 214 km/h schnell.
Für die Rennstrecke konzipiert, aber nie dort angekommen ist das Projekt Alfa 6C 2,300 mit Mittelmotor von 1935. Das damals visionäre Mittelmotor-Konzept war eine der zahlreichen Evolutionsstufen des von 1927 bis 1953 gebauten 6C. Die Karosserie lieferte Jankovits aus Ungarn, aber in den Kriegswirren wurde das Fahrzeug nicht mehr bis zur Einsatzreife weiterentwickelt. Es existiert nur das eine Exemplar, welches an Schloss Dyck zu sehen sein wird.
Edel und schön ist der Delahaye mit der Art-Decó-Stromlinienkarosserie von Figoni & Falaschi aus den 30er Jahren. Das Cabriolet hat voll verkleidete Räder, die Karosserieschmiede wurde 1894 von einem Italiener in Paris gegründet und 1935 um den Landsmann Falaschi erweitert. Man baute Karosserien für alles, was gut und teuer war: Bugatti, Ballot, Duesenberg und eben Delahaye.
Unter den zahlreich am Schloss Dyck vertretenen Rolls Royce – allein 28 kommen mit dem Rolls Royce Club im Pulk und fünf stehen im Concours d’Élegance – fällt der “Stern von Indien” aus dem Rahmen. Schon bei Auslieferung war er so viel wert wie “400 Eigenheime”. Der Rolls Royce Phantom 2 wurde 1934 für den Maharadscha von Rajkot gebaut und ist nach dem größten jemals geschliffenen Saphir der Welt von 563 Karat benannt. Die polierten Kotflügel und die Motorhaube des 5,8 m langen Wagens gleißen in Silber, der Aufbau ist safranfarben.
Sprit zu teuer? Vielleicht ist der Stanley Steamer eine Alternative. Zwischen 1897 und 1927 stellte die Stanley Motor Carriage Company in den USA rund 500 Dampfwagen her. Der Dampf wurde dabei mit einem Petroleumkocher erzeugt. Dass die Autos “ordentlich Dampf hatten” bewies die Firma 1906 mit dem Stanley Rocket Racer (nicht bei den Classic Days), dem ersten Auto, das schneller als 200 km/h fuhr.
Nicht das Zeug zur Hochgeschwindigkeit, aber den Beweis größter Zuverlässigkeit hat der Autocar von 1903 – der am Schloss Dyck von einem Privatsammler ausgestellte Wagen bewältigt noch jedes Jahr das Rennen London-Brighton. Es handelt sich dabei um das längst-bestehende Autorennen der Welt. 1898 erstmals ausgetragen, ist die 86 km messende Distanz heute auf Fahrzeuge vor Baujahr 1905 limitiert.
Bei den Motorrädern gibt es 2008 erstmals eine Gespannklasse. Mit dabei: Das viersitzige Böhmerland-Gespann von Jiri Štupecky aus Tschechien. Böhmerland ist das längste Serienmotorrad der Welt, denn drei Passagiere sitzen rittlings hintereinander. Hauptsächlich für militärische Zwecke wurde die Maschine um den Beiwagen erweitert. Zu den Besonderheiten der Böhmerland gehört neben den Gussrädern auch der Tank neben dem Hinterrad und der deshalb ungehinderte Blick auf den Einzylinder-Motor. Nur noch etwa 40 Exemplare dieses tschechischen Unikums sind fahrfähig – jedes inzwischen wenigstens 20.000 Euro wert. 30 reinrassige Rennmaschinen, keine jünger als 1939, machen das Motorrad-Starterfeld mit Namen wie Indian, Norton, Harley-Davidson oder DKW zum Leckerbissen.
Gut besetzt sind die Trips-Memorial-Läufe der “racing legends” auf der 2,8 km langen Rundstrecke vor Schloss Dyck. Allein 6 Kompressor-Mercedes aus den 20ern werden ein kreischendes Konzert geben, der größte ein 770 SSK mit 7,7 Liter Hubraum. Dem 60-jährige Markenjubiläum von Porsche wird ein Querschnitt durch die Baureihen gerecht: 904, 907, 910 und der 956, ehemals von Ayrton Senna pilotiert, zählen zu den Highlights.
20 Monoposto-Rennwagen stellen ein beachtliches Feld, aber nicht minder interessant geht es im Concours der Wirtschaftswunderzeit zu: Lloyd, Tempo Matador, Tiger KaRo, Isetta und Goggomobil geben sich ein Stelldichein. Das darf man sich wirklich nicht entgehen lassen.
Historisches Sprint-Spektakel
Heute interessiert den Autofan, wie schnell ein Wagen von Null auf hundert Stundenkilometer beschleunigt. Es gab eine Zeit, da war viel wichtiger, in welcher Zeit ein Auto 400 Meter zurücklegen konnte. Die Classic Days bringen diese Zeit wieder zurück.
Die Motoren grollen. Den Fahrern steht höchste Konzentration ins Gesicht geschrieben. Immer zwei Fahrer in je zwei Oldtimer-Sportwagen, nebeneinander aufgereiht in der Startgasse der Schloss Dyck Classic Days. Dann senkt sich die Startflagge und die Wagen schießen nach vorn. Erst nach gut 400 Metern, wenn die betagten Boliden eine Lichtschranke passiert haben, gehen die Fahrer vom Gas.
So etwa wird das neue Highlight der Classic Days am Schloss Dyck aussehen. Der Wettstreit ist ein besonderer Thrill für die Fahrer und hat eine hohe Unterhaltungsqualität für die Zuschauer.
Der Sprint über die Viertelmeile ist allerdings nicht ins Programm der Classic Days genommen worden, weil es jemals zu wenig Unterhaltungswert für die Zuschauer gegeben hätte. Die Veranstalter haben vielmehr nach weiteren Versatzstücken der Motorsportgeschichte gesucht, um das Kolorit der Schloss Dyck Classic Days noch authentischer zu gestalten.
Die “quarter mile” entspricht einer Stadionrunde und war ursprünglich eine Leichtathletik-Disziplin (“one lap race”), die ab 1850 sehr populär wurde. Als die Automobile in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts immer sportlicher und leistungsfähiger wurden, entstanden die ersten “Stadien” für Motorsport, die ersten Rennstrecken. Die “quarter mile” wurde adaptiert. Jetzt galt es, den Wagen möglichst zügig aus dem Stand über die Distanz von 402,33 Metern zu beschleunigen.
Das Verfahren war nicht nur ein Rennspektakel, auch Zeitschriften ermittelten entsprechende Werte für Serienfahrzeuge. Die Angabe hielt sich bis in die 50er Jahre. Aus den Augen der breiten Öffentlichkeit sind Viertelmeilenrennen danach verschwunden, gestorben sind sie nie. Noch heute gibt es sie, zum Beispiel bei den Public Race Days am Hockenheimring oder als “Viertelmeilencup der Sprint-Tankstellen”.
Bei den Schloss Dyck Classic Days wird indes nicht nach dem k.o.-Verfahren angetreten. Wir geben den Fahrzeugen ihre zeitgenössischen Werte (plus Alterungsbonus) vor und die Fahrer sollen versuchen, diesen Wert im Sinne einer Gleichmäßigkeitsprüfung möglichst genau zu erreichen. Deshalb wird es auch nur für die Zuschauer von Bedeutung sein, welches der jeweils zwei antretenden Fahrzeuge zuerst durch die Lichtschranke geht. Für die Fahrer zählt einzig die Abweichung von ihrer Sollzeit.
Mit Brief und Siegel
Jetzt ist es offiziell: Der Concours D’Élégance der dritten Schloss Dyck Classic Days hat die höchsten internationalen Weihen bekommen: Ab sofort rangiert er als offizielles FIVA-Event im Weltkalender der Oldtimer-Enthusiasten.
So jung und schon so berühmt - die Schloss Dyck Classic Days machen Karriere. Bereits die dritte Auflage der hochkarätigen Oldtimer- und Motorsporttage mit Namen Trips Memorial rangiert ganz oben im internationalen Kalender. Denn der Weltverband FIVA (Fédération Internationale des Vehicules Anciens) hat sich davon überzeugt, dass der Concours d’Élégance am Schloss Dyck in Sachen Qualität, Rarität und Authentizität zur Spitzenklasse zählt. Neben Schloss Dyck gibt es nur zwei weitere Veranstaltungen in Deutschland, die die FIVA als offizielles Event führt – und beide blicken auf langjährige Traditionen zurück.
Was bedeutet es für die Schloss Dyck Classic Days, von der FIVA fortan unter “License No. B063/2008″ geführt zu werden? Zum einen ganz sicher noch mehr internationale Reputation, zum andern einen höheren Bekanntheitsgrad. Denn die FIVA repäsentiert über eine Million Enthusiasten in rund 50 Ländern der Welt. Sie ist damit auch die offizielle Autorität, die die Politik in Fragen der Oldtimer-Nutzung, -klassifizierung und Erhaltung als technisches Kulturgut berät. Gemäß Paragraph 18 des FIVA-Statuts wird der nationale Ableger der FIVA – zum Zeitpunkt der Classic Days der DEUVET – die Einhaltung des FIVA-Reglements beim Concours d’Élégance überwachen und offizielle Juroren stellen.


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