Man könnte vermuten, dass die Geschichte der Marke Porsche bis heute lückenlos dokumentiert wurde. Das neue Buch von Tobias Aichele zeigt, dass dem doch nicht so ist.
Tobias Aichele ist Jahrgang 1960 und war fast ein Jahrzehnt bei der Motor-Presse tätig, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. Dort beschäftigte er sich erstmals ausgiebig mit Porsche. Pünktlich zum dreißigsten Geburtstag des 911 publizierte er das Buch „Porsche 911 – Forever Young“. Von 1993 bis 1996 blickte Aichele dann nochmals hinter die Kulissen des schwäbischen Unternehmens, als Presse-Inlandchef. Danach gab er mit „Mythos Porsche“ ein Werk heraus, das international neue Maßstäbe setzte. Für dieses Buch konnte Aichele sogar den Award „Das beste Porsche-Buch Europas“ entgegennehmen.
Es folgten Werke über luftgekühlte Sechszylinder-Boxermotoren, den Porsche 911 Targa, Biografien über Hans Herrmann und Huschke von Hanstein und schließlich sein neuestes Buch, „Porsche Raritäten – Prototypen und Autos, die nie in Serie gingen“ bei GeraMond, passend zum 60. Geburtstag der Marke.
Der prächtige Bildband stellt auf seinen rund 170 Seiten wenig bekannte und quasi unbekannte Porsche-Konstruktionen vor, die in dem vorliegenden Umfang noch nie dokumentiert wurden.
Aufgeteilt hat der Autor sein Werk in fünf Kapitel. Das erste stellt Prototypen und Serienvorläufer vor und zeigt auf, dass viertürige Sportwagen, Hybridantrieb und Allradtechnik tief in der Porschegeschichte verwurzelt sind. So ist Allradtechnik in von Porsche konstruierten Nutzfahrzeugen bereits seit über 100 Jahren bekannt.
Das zweite Kapitel widmet sich Straßenraritäten, entweder Einzelstücke oder in Kleinstserien gebaute Fahrzeuge, vom 1949er Beutler Cabrio über den 1962er “The Shark” von Henry Civington bis zum 1990er Anial, dem wohl stärksten straßenzugelassenen 911 der Welt mit 740 PS bei 8.300 U/min.

Porsche Typ 64 (1938) im Renneinsatz bei der Österreichischen Alpenfahrt mit Fahrer Otto Mathé. Abbildung aus: Tobias Aichele - Porsche Raritäten
Kapitel 3 stellt Raritäten für die Rennstrecke vor und beginnt schon vor Gründung der Marke Porsche mit einem 1932er Auto Union Grand Prix Wagen. Dieses Fahrzeug war eine Konstruktion Ferry Porsches und gehört somit ohne Zweifel in die Ahnenreihe der späteren Marke Porsche. Durch die folgenden Jahre und Jahrzehnte stellt uns Aicheles Buch üppig bebildert alle Rennfahrzeuge vor, die mit dem Namen Porsche verbunden sind.
Im 4. Kapitel nimmt Ko-Autor Thomas König den Leser mit auf eine Zeitreise zu den Porsche-Vorläufern, also den Fahrzeugen, die zur Konstruktionsgeschichte der Marke Porsche gehören, darunter der kurios anmutende stromlinienförmige Porsche Typ 64, der Ende der 1930er Jahre in drei Exemplaren gebaut wurde und ursprünglich für eine Ralley Berlin-Rom gedacht war, die dem Ausbruch des 2. Weltkriegs zum Opfer fiel und nicht veranstaltet wurde.
Schließlich widmet sich Kapitel 5 noch einige Porschekonstruktionen abseits des Autobaus, denn die Marke Porsche steht für Vielfalt. Es gibt kaum eine motorgetriebene Gattung, in der Porsche nicht tätig war, dazu gehören Flugzeuge, Boote und Renntransporter. Auch dieses Kapitel bietet wie die vorhergegangenen hochinteressante Fakten und beeindruckendes Bildmaterial. Fazit: Für Liebhaber der Marke Porsche ist Tobias Aicheles Buch eine wahre Fundgrube, seien sie technik- oder geschichtsinteressiert. “Porscheraritäten” rundet die bisher dokumentierte Geschichte der Marke perfekt ab.
Tobias Aichele
Porsche Raritäten
Prototypen und Autos, die nie in Serie gingen
168 Seiten, ca. 230 Abbildungen, Format 22,3 x 26,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN-13: 978-3-7654-7693-8
Preis: 29,95 €



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