“Zigarrengenuss in Zeiten der Prohibition”

Ansprache (voller Wortlaut) von Heinrich Villiger (Vorsitzender des Verwaltungsrats der Villiger Gruppe)anlässlich der Eröffnungsfeier des Geschäftes “Zigarren Herzog am Hafen” in Berlin am 31. Mai 2008

Lieber Herr Dr. Herzog, sehr verehrte Damen und Herren!

Herzlichen Dank, lieber Herr Dr. Herzog, für Ihre Einladung nach Berlin zur Eröffnung Ihres stilvollen neuen Cigarrengeschäftes. Ich bin sehr gerne gekommen und freue mich, einige Worte an Ihre Gäste richten zu dürfen. Den Titel für meine Ansprache haben Sie mir vorgegeben, sicherlich auch unter Berücksichtigung der Bedeutung des heutigen Tages für jene unserer Mitmenschen, die uns Cigarrengenießern nicht unbedingt zugetan sind: der 31. Mai ist nämlich auch der sogenannte “Nichtrauchertag”, möglicherweise sogar der “Weltnichtrauchertag’. Inzwischen ist dieser Tag ja schon fast vergangen – es ist 19.00 Uhr – und er verlief wie jeder andere Tag auch ohne jegliche Resonanz in der Öffentlichkeit, ohne Demonstrationen gegen die Raucher, ohne Aufrufe der notorischen Tabakgegner.

Wir dürfen uns jedoch nicht in Sicherheit wiegen. Es stellen sich zwei Fragen: leben wir bereits in einer Zeitphase der Prohibition oder steht uns diese erst noch bevor? Ich würde sagen, dass wir uns zur Zeit in einer Interregnum-Phase befinden, oder anders ausgedrückt: das Ende der Fahnenstange in diesem Krieg gegen den Tabak ist noch nicht erreicht. Ich sage das nicht, um etwa Trübsal zu blasen, sondern um alle jene aufzuwecken, die etwa der Meinung sind, dass die jetzigen Einschränkungen, mit denen wir bereits leben müssen, eigentlich tragbar sind. Aber darum geht es nicht. Sie kennen das Sprichwort, dass einem die ganze Hand genommen wird, wenn man dem Gegner einen Finger reicht.

Es geht um mehr als nur um eine Auseinandersetzung zwischen Rauchern und Nichtrauchern, es geht schlicht und einfach um die soziale Akzeptanz des Rauchens und damit des Tabaks. Und es werden nicht einmal “Schlupflöcher” wie zum Beispiel Schnupf- oder Kautabak – also der so genannte “rauchlose” Tabakgenuss – akzeptiert, sondern die militanten Gegner wollen den Tabakgenuss insgesamt ausmerzen. Das ist keine Erscheinung der Neuzeit. Im Laufe der Jahrhunderte seit Kolumbus den Tabak nach Europa brachte, war der Tabakgenuss immer wieder die Zielscheibe von Fanatikern. Als Beispiel möchte ich lediglich den türkischen Sultan Mürad IV. (1612 – 1640) zitieren, der das Rauchen zum Kapitalverbrechen erklärte.

Der Unterschied zur heutigen Situation ist der, dass Mürat die modernen Kommunikationsmittel unserer Zeit nicht zur Verfügung standen. Der neue Sultan heißt WHO, die Weltgesundheitsorganisation, die dem Tabak den absoluten Krieg erklärt hat, und dies ohne formelle Kriegserklärung.

Die WHO gibt damit dem Druck der zahllosen NGO’s – Non Gouvernemental Organisations – nach, die politisch überwiegend von linken und grünen Organisationen unterwandert sind. Das ist keine Kritik, sondern eine Feststellung, die auch nicht umstritten ist.

Ich erinnere mich an ein Hearing, ein Anhörungsverfahren der WHO in Genf, zu diesem Thema, zu dem alle so genannten “interessierten Kreise” eingeladen waren. Ich erinnere mich nicht mehr an das genaue Datum, es ist gut 10 Jahre her, zu Wort kamen meiner Erinnerung nach etwa 550 Organisationen aus aller Welt. Jedem Vertreter dieser Organisationen – überwiegend NGO’s – wurde eine Sprechzeit von 5 Minuten eingeräumt. Ich war damals Vorsitzender der ECMA, der European Cigar Manufacturers Association, und ebenfalls als Speaker dieses Verbandes eingeladen. Als “Streithelfer” kamen auch die Zigarettenhersteller, die Tabakpflanzer, die Handelsverbände unserer Branche, usw. zu Wort. Wir waren ein kleines Grüppchen von vielleicht 20 oder 30 Befürwortern des Tabakgenusses. Uns standen jedoch mehr als 500 Vertreter der anderen Seite, der Tabakgegner, gegenüber. Darunter war sogar eine Cubanerin, die eine cubanische Nichtraucherorganisation vertreten hatte. Dies bleibt mir als großem Freund der kubanischen Tabakkultur unvergessen.

Damit wurde mir damals schon klar, wohin der Zug läuft. Aber mit den Auswüchsen der heutigen Zeit hatte ich nicht gerechnet. Die WHO verfolgt heute kompromisslos die Durchsetzung ihrer “Framework Convention on Tobacco Control” – kurz FCTC genannt, die ihr ganzes Spektrum der umzusetzenden Maßnahmen gegen den Tabakkonsum umfasst:

- Steuererhöhungen
- Werbeverbote
- Rauchverbote
- Warnhinweise auf den Packungen (einschliesslich der sogenannten  “Pictorials”, den abstoßenden Farbbildern )
- Jugendschutz (z.B. Verbot von Zigarettenautomaten)
- Regulierung bis zum Verbot von Zusatzstoffen zur Aromatisierung von  Tabakfabrikaten
- Gestaltung der Packungen von Tabakfabrikaten (alle einheitlich grau oder schwarz und mit überdimensionierten Warnaufdrucken)
- Einschränkung der Verkaufsflächen für Tabakwaren
- Vorschriften für die Platzierung von Tabakwaren an den Verkaufsstellen (zum Beispiel nur noch hinter einem Vorhang oder unter der Theke)
- Einschränkung des zollfreien Verkaufs und des Internet-Verkaufs von Tabakfabrikaten usw.

Das sind keine Utopien. Mir liegt eine aktuelle Information über die “Tobacco Related Legislation” in den acht Regionen in Australien vor. Es ist mehr oder weniger ein Flickenteppich, aber die von mir vorstehend aufgelisteten Einschränkungen sind in Australien bereits weitgehend umgesetzt.

Die Welt ist klein geworden, und solche so genannten “Regulierungen” weiten sich aus wie Krebsgeschwüre. Empfänglich sind vor allem Staaten aus der Dritten Welt, die damit dokumentieren wollen, dass sie eben keine Bananenrepubliken sondern der “Moderne” gegenüber aufgeschlossen sind.

Geschürt wird diese Hysterie leider auch von den Medien, dies auch nach dem Grundsatz “Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten”. Sie brauchen sich nur die Schlagzeilen der Boulevard-Presse anzusehen. In der Schweizer Presse erschien im Juli 2007 eine Meldung mit der Schlagzeile “Rasanter Anstieg der Tabak-Toten” mit folgendem Kommentar der WHO: “Bis zum Jahr 2030 würden jedes Jahr 8,3 Millionen Menschen durch Tabakkonsum sterben. Dies sei 53 Prozent mehr als heute, sagte Douglas Betcher, Direktor Anti-Tabak-Initiative der WHO, gestern bei einer internationalen Gesundheitskonferenz in Bangok.” Und solchen Unsinn ohne jegliche Beweisführung druckt dann die Weltpresse unbesehen ab.

Es ist inzwischen ja auch nachgewiesen, dass die seinerzeitige Studie des DKFZ (Deutsches Krebsforschungs-Zentrum) in Heidelberg vom Vorjahr über die Anzahl der Passivraucher-Toten in Deutschland gravierende Fehler aufweist. Diese Studie wurde anfangs diesen Jahres (2008) von der Berufsgenossenschaft (BGN, in Deutschland) widerlegt. In der BGN sind die Mitarbeiter von 40 Branchen versichert – Anzahl der versicherten Betriebe: 373.806. Insbesondere stellte die BGN aufgrund der ihr zur Verfügung stehenden Daten fest: “Passivrauchen in der Gastronomie ist kein relevantes Risiko für die Bedienung”. Diese Richtigstellung wurde von den Medien kaum registriert. Aber die DKFZ-Zahl von 3.300 Passivraucher-Toten per annum ist nicht mehr auszurotten. Sie wird unbesehen von der Politik nach wie vor kolportiert.

Es ist traurig, aber wahr: eine Drogenbeauftragte der Bundesregierung wie Sabine Bätzing muss ja immer wieder ihre Leistungen unter Beweis stellen. Dazu bietet sich die Verteufelung des Tabakgenusses in idealer Weise an. Gerade vor wenigen Tagen hat der “Nationale Drogen- und Suchtrat” unter seiner Vorsitzenden Sabine Bätzing wieder einen Rundumschlag gegen den Tabakgenuss gestartet – mit weiteren Einzelheiten dazu will ich Sie nicht langweilen.

Erstaunlich ist, dass sich nach neuesten Umfrage- und Forschungsergebnissen
des anerkannten Instituts für Demoskopie Allensbach, diese ganzen Antitabak-Aktivitäten nicht entscheidend auf das Konsumverhalten der Raucher ausgewirkt haben (Veröffentlichung im Februar 2008). Die Zahl der Raucher würde nämlich erheblich überschätzt. Der “gefühlte” Raucheranteil an der Bevölkerung – 46% – liege nämlich erheblich über dem tatsächlichen Raucheranteil von heute 29%. Mitte der 90er Jahre (1996) sei dieser noch bei 39% gelegen und 1950 waren es noch 51%. Die Frage bleibt offen, ob die so genannte “soziale Akzeptanz” des Rauchens abnimmt oder ob andere Gründe dafür verantwortlich sind.

Aber die Zahl der Raucher in Relation zur Bevölkerung ist rückläufig. Dies wird jedoch kompensiert durch die wachsende Weltbevölkerung. Wenn dem tatsächlich so ist, dann sind die ganzen Maßnahmen gegen das Rauchen überzogen und nicht gerechtfertigt, weil eine Minderheit der Bevölkerung davon betroffen wird und eine ganze Industrie, die Tabak produzierende Landwirtschaft und die ganzen Handelsstrukturen, wirtschaftlich geschädigt werden. Das ist ein nicht mehr gut zu machender Schaden, den in erster Linie die Politik zu verantworten hat.

Dabei ist zu berücksichtigen – und jetzt komme ich zur Zigarre und zum Genussrauchen zurück – dass rund 98% der Welttabakproduktion zu Zigaretten verarbeitet wird. Und deshalb ist es auch verständlich, dass die ganzen Aktivitäten der WHO, denen sich insbesondere auch die EU “gierig” angeschlossen hat, gegen die Zigarette gerichtet sind. Und trotzdem ist wegen der wachsenden Weltbevölkerung der weltweite Zigarettenkonsum nicht rückläufig. Aber Tabak ist Tabak und Rauch ist Rauch, und weil die bedeutenden Cigarrenmärkte die USA und Westeuropa und nicht die Länder der Dritten Welt sind, ist die Cigarrenbranche durch die Antitabak-Kampagnen und die grassierenden Verbote stärker betroffen als die Zigarette.

Das Absatzvolumen von Cigarren und Cigarillos beläuft sich heute in den USA und in der EU auf rund je etwa 10 Milliarden Stück, insgesamt also 20 Milliarden. Davon entfallen auf die HANDMADE Longfiller PREMIUM-Cigarren schätzungsweise rund 150 Millionen Stück auf Havanna-Cigarren bzw. HABANOS und rund 350 Millionen Stück auf Fabrikate aus anderen karibischen Ländern und aus Zentralamerika, insgesamt rund 500 Millionen Stück. Das sind vom gesamten Konsum von Cigarren und Cigarillos 2,5%. In Relation zum Zigarettenkonsum ist das bescheidene Volumen von Cigarren und Cigarillos gesundheitspolitisch irrelevant, und die 500 Millionen PREMIUM-Cigarren für uns Genussraucher, die hier versammelt sind, unbedeutend und stellen absolut kein gesundheitliches Risiko dar, dies ganz abgesehen von den im Vergleich zur Zigarette völlig unterschiedlichen Rauchgewohnheiten eines Genussrauchers.

Letztlich noch einige Worte zur Prohibition. Ich lese gerade eine Studie des wissenschaftlichen “Institute of Economic Affairs”, London, zum Thema “Prohibitions” . Behandelt werden die Bemühungen zur Prohibition von ‘Recreational drugs’, ‘Boxing’, ‘Firearms’, ‘Advertising’, ‘pornography’, ‘Medical drugs and devices’, ‘Prostitution’, ‘Gambling’, ‘Human body parts for transplantation’ und ‘Alcohol’ während der letzten beiden Jahrhunderte. Die Studie kommt zum Schluss, dass alle diese Bemühungen letztlich kontraproduktiv waren und die damit beabsichtigten Ziele nicht erreichten. Und dasselbe Schicksal werden die Bemühungen um die Prohibition des Tabaks und des Rauchens erleiden.

Die entscheidende Rolle spielt die Politik. Die WHO hat vor kurzem verkündet, dass sie bis zum Jahre 2010 – das ist schon in zwei Jahren ein generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz durchsetzen will. Wenn ihr das gelingen sollte, dann ist das Thema Rauchverbote in der Gastronomie „ja oder nein“ kein Thema mehr, es sei denn, der Eigentümer des Gastronomiebetriebes bediene die Gäste selbst.

Das kann nur die Politik verhindern. Erste Ansätze haben wir in der Schweiz. Es hat sich vor wenigen Tagen eine Gruppe von 20 maßgeblichen Industrie- und Branchenverbänden und von vier politischen Organisation, davon von drei unserer vier größten Parteien – nur die Sozialistische Partei fehlt (und natürlich auch die “Grünen”) gebildet, mit dem Ziel, der Reglementierungswut des schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit einen Riegel vorzuschieben. Sie nennt sich “Allianz der Wirtschaft für eine maßvolle Präventionspolitik”.

Gefordert ist der Bürger, gefordert sind insbesondere auch wir Genussraucher, damit wir uns auch zukünftig, wie hier in dieser Raucheroase von Herrn Dr. Herzog, unserem harmlosen Genussvergnügen hingeben können, allem Unbill und dem aktuellen Zeitgeist zum Trotz. Und so bleibt mir zum Schluss nur, diesem wunderschönen Geschäft “Am Hafen” den ihm gebührenden Erfolg zu wünschen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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