Mit diesem Schrei (zu Deutsch: “SCHREISSE!”) beginnt ein Theaterstück, das, so Paul Pörtner, “einzig dasteht wie ein Findling – ohne Vorbilder und Nachfolge – es sei denn, man rechne Aristophanes und Rabelais zu seinen Ahnen und die ganze moderne Avantgarde, vor allem Artaud, Audiberti, Ionesco und Adamov zu seinen Nachfolgern.”
Das Stück heißt Ubu Roi, König Ubu, und geschrieben hat es Alfred Jarry (1873 – 1907), der in Paris lebte und dort im Alter von 23 Jahren den Ubu zur Aufführung brachte. Ubu wurde ein Skandal, Jarry wurde berühmt. Die von den Symbolisten zum Prinzip erhobene Verschmelzung von Leben und Werk, die der Autor bis ins Detail lebte, wurde Jarry zum Ruhm und zum Verhängnis zugleich. Er lebte seine Dichtung, exzessiv bis zur Selbstzerstörung und wurde so eine geradezu legendäre Gestalt. Viele Anekdoten über ihn bilden einen wesentlichen Teil seines bis heute andauernden Nachruhms *. Mit nur 34 Jahren starb Jarry am 1. November 1907.
König Ubu ist ein naives, poetisches Theaterstück, Volkstheater im besten Sinne, Clownerie, Groteske, Farce. Die Hauptperson, der fette, feige, hinterhältige, dummdreiste, gefährlich-erbärmliche Père Ubu ist mehr als eine Karikatur, er ist ein wahres Abbild des Menschen. Ubu ist naiv und gewissenlos, mit der “Anmut eines Nilpferdes” (P. Pörtner), ein Flegel und Großmaul, harmlos und zugleich brandgefährlich – erst die Hälfte einer muffigen Kleinbürgerehe, später Ungeheuer und Massenmörder und Tyrann. Sein simples Motiv: “Ich will mich bereichern.”
Jarrys Ubu ist zugleich ein Stück für Kinder und für erwachsene Wissende, für ein Publikum, das sich nicht so leicht aus der Fassung bringen lässt wie das der Uraufführung, in der das erste, hingerülpste Wort Ubus, eben jenes “Merdre!”, einen unglaublichen Skandal auslöste.
“Es ist bekannt, dass man ein großer Verbrecher oder ein großer Tyrann und ein kleiner Bürger zugleich sein kann, das ist eine der komischen Wahrheiten des Stückes” schreibt Paul Pörtner. Mussolini, Hitler, Stalin und aktuellere Gestalten lassen grüßen. Père Ubu, der sich durch Niedertracht und Verrat zum König aufschwingt, ist im Gegensatz zu den realen Verbrechern der Weltgeschichte aber auch komisch und ein gewaltiger Spaßmacher. Die Tränen, die er erzeugt, sind zugleich die des Lachens und des Weinens.
Die Bedeutung von Jarrys Stück (das zwei Jahre nach der skandalösen Uraufführung vom Autor auch als Marionettenspiel inszeniert wurde) für das neuzeitliche Theater liegt in seiner Spontaneität und seiner freischaffenden Fantasie, die sich über Realitäten souverän hinwegsetzt – ein wahrlich Epoche machendes Werk zeitloser Aktualität.
Dies sagte sich auch der Autor und Hörbuchproduzent Peter Eckhart Reichel, und vor zwei Jahren begann er, den Ubu als Vorbild für eine zeitgemäße Adaption zu nehmen, und daraus entstand das nun im Verlag Words & Music aufwändig produzierte Hörspiel Ubu Rex Saxonia. Reichel hat sich von Alfred Jarrys Textvorlage inspirieren lassen, und dank ihm betritt der unsterbliche Unhold Ubu erstmals ganz neues Terrain: das Königreich Sachsen in nicht weit entfernter Zukunft.
Wir schreiben das Jahr 2020. Durch ungezügelte Bürokratie, dreister Vetternwirtschaft und kapitalhörigem Lobbyismus wurde der einstige Freistaat Sachsen in Grund und Boden gewirtschaftet. Durch einen Volksentscheid herbeigeführt, regiert daher seit einem Jahrzehnt in Dresden wieder eine Monarchie unter König Kazimir. Herr Ubu ist Regierungssprecher und persönlicher Zeremonienmeister am Hofe des sächsischen Königs. Der feige, fette und machtbesessene Ubu wird von seiner sächsischen Gattin angestiftet, durch ein Attentat den Königsthron zu usurpieren. Mit Unterstützung eines Offiziers der Leibgarde des Königs und dreier Spießknechte, gelingt Ubu sogar der tödliche Staatsstreich und so wird er zum illegitimen Herrscher über Sachsen. Aber der neue König ist ein gefräßiges Monster. Er besteht fast nur aus Bauch, ein Merkmal seiner pataphysikalischen Herkunft und Allgegenwart. Er mordet, massakriert den Hofstaat, bereichert sich maßlos auf Kosten seines Volkes, weil und wie es ihm gerade Spaß macht. König Ubu begeht seine Verbrechen aber nicht nur, um Ruhm und Herrschaft zu erlangen, er kämpft auch blutrünstig um die Blutwurst, den Regierungs-Rolls-Royce, den “schiddscheriehngriehnen” Lodenmantel und um den Regenschirm – die trivialen Bedürfnisse des Spießers bestimmen seine Antriebskräfte. Doch schon erhebt sich Widerstand. Der rechtmäßige sächsische Thronfolger Prinz Bogdan hat Rache am Usurpator Ubu geschworen und sogar der russische Zarewitsch Boris Nikolajewitsch interveniert gegen den Despoten. Die Geschichte nimmt ihren unaufhaltsamen Lauf…
UBU REX SAXONIA ist eine subversive Mischung aus modernem Märchen, Grand Guignol und Monty Python. Zu allem gibt es auch genügend Parallelen zu unserer Gegenwart, die durchaus nicht einer sozialkritischen Komponente entbehren. Vielleicht wird einigen Zuhörern das Lachen im Halse stecken bleiben – wie bei Jarry ist die Ausgeburt des Bösen zugleich auch lächerlich und banal. Der Schrecken schlägt schnell um in makabre Komik und diese steckt voller schwarzem Humor…
Reichel ist in zweijähriger Arbeit ein fantastisches Stück gelungen, ein Hörspiel fernab jeglicher intellektuellen Aufgeblasenheit, das zugleich und gleichermaßen unterhaltsam und aufklärerisch ist. Grandiose Unterhaltung im besten Sinne des Wortes.
Dies hat man offenbar auch schon in Frankreich erkannt – im Heimatland des Exzentrikers Alfred Jarry ist man auf Reichels aufwändig produziertes Werk aufmerksam geworden. Ein französischer Rundfunksender wird eine Sendung über das Hörspiel produzieren. Jarrys Ubu genießt in seinem Geburtsland offenbar noch sehr großes Ansehen, und das vollkommen zu Recht.
*Jarry identifizierte sich zeitweilig mit seinem Pére Ubu und machte sich dessen Willkür und Provokation zu eigen; er pflegte zum Beispiel mit einem Fahrrad durch Paris zu irrlichtern, wobei er, wenn er links oder rechts abbiegen wollte, mit einer Pistole in die jeweilige Richtung schoss. Einer Frau, die sich aus Angst um ihre Kinder darüber bei einer “Begegnung” mit Jarry beschwerte, antwortete er mit freundlichstem Lächeln: “Sollte ich eines ihrer Kinder zufällig treffen wird es mir ein Vergnügen sein, ihnen ein neues zu machen.”
awb
UBU REX SAXONIA
ISBN 978-3-9811778-7-9
2 Audio CD / Stereo
Laufzeit: ca. 147 Minuten
Digipac mit 20-seitigen Booklet
Produktion: hoerbuchedition words & music 2008
Buch & Regie: Peter Eckhart Reichel
Preis: *EUR 17,90 / *SFR 29,90 *unverbindliche Preisempfehlung
Ein Gespräch mit Peter Eckhart Reichel über Ubu Saxonia und das Hörbuchproduzieren
Herr Reichel, was macht Ihnen soviel Spaß am Hörbuchmachen, dass Sie dafür einen eigenen Verlag gründeten?
Reichel: Spaß an einer Arbeit sollte man schon haben, egal an welcher, sonst kommt am Ende nichts Gutes dabei heraus. Hörbuchstoffe zu entwickeln und dann auch noch selbst zu produzieren, ist auf jeden Fall eine feine Sache, jedenfalls dann, wenn Du für den eigenen Verlag arbeitest. Das habe ich allerdings nicht immer getan. Angefangen habe ich als freier Hörspiel- und Featureautor beim Rundfunk vor über 13 Jahren. Leider war das aber schon zu einer Zeit, als große Sparzwänge die Produktionskapazitäten der Wortredaktionen in den meisten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stark einschränkten. Hörspielmanuskripte unbekannter Autoren für mehr als zwei Sprecher konnten schon damals kaum noch realisiert werden, auch wenn die Texte noch so gut waren. In dieser Zeit entstand meine erste Hörspielproduktion “Barclay & Felipe” beim damaligen SFB (heute rbb) mit Otto Sander und Manfred Steffen…
…für die Sie ja in diesem Jahr eine Nominierung für den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie: Beste Fiktion erhielten.
Reichel: Ja. – Ich dachte damals, na prima, jetzt hast Du es geschafft, bestimmt wird bald dein nächstes Hörspiel realisiert. Aber das stellte sich sehr schnell als Irrtum heraus. Mindestens acht meiner im Laufe der folgenden Jahre eingereichten Hörspielmanuskripte wurden von allen Hörspielredaktionen zurückgeschickt und landeten schließlich in meiner Schublade mit der Aufschrift: Abgelehnt!
Eines Tages fuhr ich ins Funkhaus Halberg nach Saarbrücken um dort bei der Produktion meines Ringelnatz-Features anwesend zu sein, aber es stellte sich heraus, dass der Sender keinen Regisseur für diese Produktion verpflichtet hatte. Also blieb mir gar nichts anderes übrig als die Wortregie selbst durchzuführen. Anschließend hatte ich den Einfall die besagte Schublade mit den abgelehnten Texten zu öffnen und daraus ein Manuskript entnommen, aus dem dann mein erstes eigenes Hörbuch entstanden ist.
Also allein aus Spaß ist mein eigener kleiner Hörbuchverlag nicht entstanden – es war auch ´ne Menge Wut und auch Verzweiflung mit im Spiel.
Ubu Rex Saxonia ist Ihre vierte Produktion, davor haben Sie ebenfalls sehr ambitionierte Projekte realisiert mit Texten von heutzutage eher unbekannten Autoren wie Paul Scheerbart und Alfred Lichtenstein, wonach wählen Sie die Stoffe aus?
Reichel: Eines meiner Lieblingsthemen ist Kabarettgeschichte. Scheerbarts Gedichte und Prosatexte kenne ich schon seit meiner Jugend und der Kerl ist mir doch tatsächlich immer und immer wieder über den Weg gelaufen. Sein Name steht ganz am Beginn der deutschsprachigen Kabarettgeschichte. Ich habe also seine Texte jahrzehntelang im eigenen Kopf spazieren getragen, wenn man so will, kein Wunder also, das daraus nun endlich ein Hörbuch geworden ist. Seine Art von Humor ist etwas ganz Eigenartiges, nicht leicht zu verstehen. Ein Kritiker der Wochenzeitung DIE ZEIT hat zum Beispiel diesen eigensinnigen Humor überhaupt nicht verstanden, er schrieb: “Dass der skurrile Humor dieses melancholischen Menschenfreunds aus dunkleren Tiefen stammt, ist nicht zu erkennen.” Dieser Kritiker will Scheerbart allein germanistisch-humoristisch verstanden wissen, aber dies hat nun mal bekanntlich wenig mit Humor zu tun. Scheerbart hätte vermutlich lauthals gelacht und diesem Kritiker vielleicht entgegengeschmettert: “Die Gelehrten lachen aber und schreien: “Na prost!”".
Bei Alfred Lichtenstein verhält es sich ähnlich. Einige seiner Gedichte kannte ich schon als 18jähriger aus der legendären expressionistischen Gedichtsammlung “Menschheitsdämmerung”, die Kurt Pinthus 1919 zusammengetragen und herausgegeben hatte. Alfred Lichtensteins Lyrik hebt da ganz deutlich heraus, da ist bereits Musik drin hörbar. Vor zwei Jahren lernte ich zufällig die bekannte Jazzpianistin Aki Takase kennen. Ich spürte sofort in ihrer Musik die Nähe zur expressionistischen Lyrik, dann las sie die Texte Lichtensteins und war sofort von dem Plan begeistert, daraus eine Hörbuchaufnahme zu machen.
Ubu Rex Saxonia basiert zwar auf der Figur von Alfred Jarry und dessen Bühnenstück Ubu Roi, aber dies war nur die literarische Vorlage – was macht Ihren Ubu aus?
Reichel: Auch hier reicht die Beschäftigung mit diesem Stoff bis ins Jahr 1979 zurück. Damals erschien in der DDR ein Reclambüchlein mit allen Ubu-Stücken Alfred Jarrys. Diese merkwürdige Theaterfigur hatte es mir sofort angetan. Da war ein dicker, gefräßiger und zugleich feiger Machtmensch, der über Leichen geht, und von seiner Frau sogar angestiftet wird, seinen König umzubringen um selbst König zu werden. Solche Typen gibt es ja (nicht nur in Diktaturen) überall auf der Welt. Jarry läßt sein Stück ja bekanntlich in einem Land spielen, welches er Polen nannte. Auf die Frage, weshalb der Autor ausgerechnet Ubu in diesem Land sein Unwesen treiben ließ, antworte Jarry: “Polen bedeutet Nirgendwo…das ist überall, und es ist vor allem das Land, wo man sich befindet”. Aus diesem Grund habe ich die Handlung dieser Neufassung nach Sachsen und die Handlungszeit in eine nicht weit entfernte Zukunft verlegt. So konnte ich am besten meine eigene Verzweiflung über die gegenwärtige Situation in unserem Land loswerden. In “Ubu Rex Saxonia” kommt vieles zum Ausdruck, was mich gegenwärtig bewegt, zum Beispiel die Erstarrung unseres Landes durch Bürokratie, Vetternwirtschaft, politische Korruption, oder auch die Aufmärsche von so genannten Neonazis, die Parteienverdrossenheit oder Demokratiemüdigkeit weiter Kreise in der Bevölkerung. Mein Hörspiel ist eine politische Satire – und zugleich auch eine Verbeugung vor Jarry selbst. Er stand ja mit seinem Skandalstück ganz am Anfang der Moderne. Mich würde es sehr erfreuen, wenn “Ubu Rex Saxonia” vielleicht einmal von einer Marionettenbühne aufgeführt würde, denn das Originalstück von Jarry war ursprünglich auch ein Stück fürs Marionettentheater.
Wie kann man sich die Produktion Ihrer Hörbucher und des Ubu im Besonderen vorstellen? Welche Schritte sind erforderlich, wie fangen Sie an und wie führen Sie das Projekt dann weiter durch?
Reichel: Einiges über die Entstehung meiner Hörbücher habe ich ja bereits gesagt. Beim Ubu war das etwas anders. Als ich diese Fassung vor c.a. 2 Jahren schrieb, wollte ich ursprünglich etliche prominente Künstler mit ins Boot holen, sogar bei einigen Parteien habe ich angefragt, ob sie nicht dieses Projekt mit unterstützen würden, da es sich meiner Meinung nach auch um ein politisches Projekt handelt. Meine Planung sah vor, dieses Hörspiel kostenlos auf Schulhöfen zu verteilen, frei ins Netz zu stellen oder politischen Bildungsträgern anzubieten, und so etwas gegen die Nazikampagnen zu unternehmen, die besonders in den ostdeutschen Bundesländern mit ihren Musik-CDs auf Schulhöfen auf Bauernfang gehen. Leider zeigten sich alle angesprochenen Instanzen, Parteien, Rundfunkanstalten und Fördertopfverwalter als nicht interessiert an diesem Projekt. Dann kam im letzten Jahr die Gründung meines Hörbuchverlages zustande – und sogar die Nominierung für den Deutschen Hörbuchpreis für mein Hörspiel. Dies zeigte mir zumindest: die Leute können doch noch über etwas schrägen Humor lachen, also produzierst du jetzt das Ding allein. Alle Mitwirkenden hatten tatsächlich viel Spaß bei den Aufnahmen.
Welche Bedeutung haben die Sprecher, die Stimmen? Wonach wählen Sie die Mitwirkenden aus?
Reichel: Die Sprecher und ihre Stimmen geben natürlich einem Hörspiel oder Hörbuch das eigentliche Element: einer Figur einen Körper, ein Gesicht, einem Text vielleicht sogar eine eigene innewohnende Kraft. Wenn sich dies alles auf den Hörer überträgt, dann haben wir eine gute Arbeit geleistet. Oftmals höre ich schon eine bestimmte Stimme bereits während ich einen Text lese, dann versuche ich für diese Stimme den passenden Schauspieler oder die passende Sprecherin zu finden. Manchmal klappts sofort, manchmal nicht. Ich habe aber gelernt in dieser Beziehung keine faulen Kompromisse zu machen. Wenn ich keine passende Stimme für einen Text bekomme, lasse ich lieber das ganze Projekt fallen.
Über einen wie langen Zeitraum hat sich die Produktion von Ubu erstreckt? Welche Phasen waren – oder sind generell bei vergleichbaren Projekten – besonders arbeitsintensiv?
Reichel: Wie schon gesagt, ich habe zwei Jahre lang versucht, für dieses sehr teure Projekt einen oder mehrere Koproduzenten zu finden, bis ich mich endlich dazu entschlossen habe, es doch ganz allein zu produzieren. Die Sprachaufnahmen haben sich dann von Februar bis Ende Mai hingezogen. Ich wollte unbedingt die Hauptrollen mit den Dialogpartnern “an einem Tisch” einsprechen lassen. Heute wird viel in den Studios “ge-xt”, also Dialogpartner werden zeitlich getrennt voneinander aufgenommen. Diese Methode ist die schlechteste Aufnahmepraxis, die man sich vorstellen kann. Meine beiden Ubus, Andreas Mannkopff und Marie Gruber, konnten sich gegenseitig vor und während der Aufnahme in Stimmung bringen, und so ist vermutlich mancher Zwischenton entstanden, der diesem Hörspiel eine zusätzliche Atmosphäre verliehen hat. Bei Gerd Wameling und Irm Hermann war dies übrigens auch ein Vergnügen.
Ihre Produktionen fallen deutlich durch ihr hohes Niveau, sowohl was die Auswahl der Stoffe als auch was deren Umsetzung angeht, auf – wie ist die Resonanz dann später in Handel und Medien? Wird Niveau und Qualität anerkannt? Trivialeres würde doch sicher wirtschaftlich gesehen mehr bringen…
Reichel: Wenn ich mir die Hörbuchangebote in unseren Buchhandlungen zwischen Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen so ansehe, frage ich mich natürlich auch manchmal, warum stehst du auf verlorenem Posten? Warum machst du dir dein Leben unnötigerweise schwer, verlege doch lieber das, was die meisten Leute offenbar hören wollen: Gruselkabinett, Esoterik oder Hardcore. Gegen den Mainstream anzuschwimmen ist natürlich nicht ganz leicht. Buchhändler müssen auch in erster Linie an den Geschmack ihrer Kundschaft denken. Wenn dieser immer mehr verkümmert, weil nix anderes in den Hörbuchregalen zu finden ist, wie eben das oben genannte, ist dies natürlich sehr bedauerlich. Aber es gibt – gepriesen seien sie! – noch viele gute Buchhändler, die ihren Kunden ab und an auch noch etwas Ausgefallenes vor die Nase halten. Was die Leute nicht zu sehen bekommen, können sie natürlich auch nicht kaufen. Die Presse und auch etliche Rundfunkredakteure sind jedoch unseren Produktionen bisher eher wohlgesonnen.
Nach vier Produktionen – arbeiten Sie schon an einem oder gar mehreren weiteren Projekten? Können Sie darüber schon etwas sagen?
Reichel: Als nächstes Hörbuch kommt ein Text von Erich Mühsam dran, denn Paul Scheerbart braucht dringend ein Brüderchen. Gerd Wameling wird “Die Psychologie der Erbtante” lesen und Johannes Roloff illustriert das ganze musikalisch mit Miniaturen von Prokofjew. Ein spannendes Projekt. Außerdem denken wir gegenwärtig über das Wetter nach…
Darf ich noch einen ganz persönlichen Wunsch für ein Hörbuchprojekt äußern? Hermann Harry Schmitz…. da gibt es allerdings schon eine Produktion mit Konrad Beikircher.
Reichel: Schmitz liegt auch schon viele Jahre in meiner Schublade. Leider ist mir Konrad Beikircher zuvor gekommen, der ist allerdings nicht zu toppen.
Die Fragen stellte Archi W. Bechlenberg






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