Deutschland kann wahrlich auf eine ansehnliche Zahl junger Trompeter schauen. Da sind zu nennen Axel Schlosser und Thomas Siffling, Matthias Schriefl, Julian Wasserfuhr oder Joo Kraus. Der allgegenwärtige Till Brönner dürfte inzwischen auch Nichtjazzfans ein Begriff sein, und nicht vergessen werden darf Nils Wülker, der soeben sein neues Album “Turning The Page” veröffentlicht hat, das nunmehr fünfte unter eigenem Namen.
„Die Musik auf diesem Album ist sicher noch kraftvoller und positiver, als auf dem letzten Album „Safely Falling“, sagt Nils Wülker. „Da klingt eine gewisse Aufbruchstimmung an, die ich auch mit der Band empfinde. Es ist sicherlich eine Weiterentwicklung. Kein neues Buch, aber ganz bestimmt ein neues Kapitel.“ Mehr denn je präsentiert sich der 30-jährige Wahlhamburger auf diesem Album als begnadeter musikalischer Erzähler und Dramatiker – irgendwo zwischen Dichtung und Wahrheit, Roman und Romanze. Stilistisch bewegt er sich so sicher wie souverän in einer schönen instrumentalen Musikwelt, die ihre Einflüsse ebenso aus dem Jazz wie von den großen Singer/Songwritern unserer Zeit oder aus modernem Indie Rock und den unterschiedlichsten harmonischen Klangfarben der klassischen Musik bezieht.
„Mein musikalisches Selbstverständnis ist sicher den meisten Singer/Songwritern am nächsten. Es reicht mir eben nicht, ein guter Interpret zu sein. Ich will mich auch durch meine eigenen Kompositionen ausdrücken.“ Die vierzehn Stücke des neuen Albums klingen durchweg noch intensiver und zwingender, ohne dabei an Leichtigkeit und Harmonie zu verlieren. Die glücklichen Momente wirken noch bestimmter, die sentimentalen noch tiefer. Die fühlbare Aufbruchstimmung dieser Musik vermitteln Nils Wülker und seine langjährige Band mit Jan von Klewitz (sax), Lars Duppler (p), Dietmar Fuhr (b), Jens Dohle (dr) und einmal mehr dem Sting-Gitarristen Dominic Miller als Gastmusiker, unmittelbar und ansteckend. Diese fühlbare Qualität gilt unbedingt auch für die beiden Gesangsnummern – „Without You“, umwerfend gesungen von Ulita Knaus, und „I Couldn’t Miss You If I Tried“, die zweite aufregende Zusammenarbeit Wülkers mit dem norwegischen Gesangsstar Heine Totland. Immer wieder und immer gebannter hört man Nils Wülker und seinen Mitmusikern bei diesen musikalischen Abenteuern und Episoden zu, denn sowohl der sensationelle Bandsound, als auch Wülkers warmer Ton an Trompete und Flügelhorn und seine unkonventionelle, sehr eigenständige kompositorische Stimme bestechen durch Klarheit und Fülle. Das lässt selbst komplexe harmonische und rhythmische Wendungen und Wagnisse geschmeidig und elegant klingen. Nils Wülker, der seit der erfolgreichen Veröffentlichung seines letzten Albums „Safely Falling“ nicht nur viel mit der eigenen Band, sondern auch als meisterhafter Gastsolist mit Dominic Miller, Ute Lemper und Omara Portuondo, der „Grande Dame“ des „Buena Vista Social Club“, auf Tour war, gelingt es auf „Turning the Page“ seine Musik reifer und ausdrücklicher auszuformulieren – manchmal vergehen zweieinhalb spannungsreiche, durchkomponierte Minuten bis zum ersten Solo. Gleichzeitig wirken seine „non-verbalen Top-Hits mit Tiefenwirkung“, wie es DIE WELT formulierte, noch mehr wie Songs – sie sind trotz großer Formen singbar und verständlich geblieben. Es ist kein Widerspruch, aber doch eher die Ausnahme, dass etwas in großer, übergreifender Form notiertes, sehr direkt und klar, sehr persönlich und allgemein verständlich wirken kann.
Nils Wülker, dem „jungen deutschen Jazzstar“, als den ihn Der Spiegel, DIE WELT und etliche mehr erkennen, der mit seinen „raffiniert arrangierten Eigenkompositionen“ (3sat Kulturzeit) „die Schwerkraft ein Stück weit aufhebt“ (arte) und einen „einzigartigen melancholischen Atmosphärenzauber“ (STEREO) entfacht, gelingt dieses Kunststück immer wieder. Auf dem immer wieder aufs Neue begeisternden aktuellen Album „Turning the Page“ und natürlich auch live, ab 30. September, bei seiner Tour zum neuen Album (mehr dazu auf www.karsten-jahnke.de).
Nils Wülker (tp, flgh),
Jan von Klewitz (sax),
Lars Duppler (p),
Dietmar Fuhr (b),
Jens Dohle (dr)


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