Gott trifft Hüttler in Vaduz

In Herbert Rosendorfers grandios-grotesken Deutschen Suite gibt es einen Hund namens Hüttler, der für die Produktion braunen Drecks zuständig und für das Entstehen des Mythos Hitler verantwortlich ist, man lese bei Rosendorfer nach.

Nun taucht Hüttler in Eckhard Henscheids neuem Buch auf, und das sogar im Titel: Gott trifft Hüttler in Vaduz – Eine kleine Kulturgeschichte. Das auftretende Personal ist Atem beraubend: da hätten wir von Goethe über Hegel, Papst Alexander VI, Verdi, Franz Beckenbauer, Helmut Kohl, Eva Braun und ihren Hüttler, Elsa von Brabant, bis zu Dapsul von Zabelthau und natürlich Gott so ziemlich alles zusammen, was irgendwie seit irgendwann kulturell Rang und Namen besitzt. Ein Hans Zippert kann – Respekt! – das Wort Testosterontestzweck fehlerfrei aussprechen, während E. Stoiber nicht einmal Franz Josef Strauß richtig hinbekommt (bei ihm heißt es nach Henscheids Beobachtung Faschjostasch), und wer mit dem Wort Kupferacetat seine Probleme hat darf auch gerne Grünspan sagen.

Mühelos schlägt der Autor einen Bogen von Kant zu Brandt (“Philosophie wohin?”) und braucht dazu gerade einmal zweieinhalb Seiten. Überhaupt sind die Kapitel des Buches von angenehmer Kürze, mehr als drei Seiten sind es nie, dafür aber konsequent mit jeweils einigen Dutzend erlesener Namen gespickt, die uns immer etwas zu sagen haben. Wo wenn nicht hier findet man L. Feuerbach und Sepp Eckardt in einem Satz? Ebenso wie Goethes Verlobte Lili Schönemann und die Kugelstoßerin Liesel Westermann? Oder Richard Wagner, Iris Berben, Johannes Heesters und – das Maß sei voll – Roberto Blanco auf einer gemeinsamen Seite?

Henscheid zitiert gerne und sympathisch (“Friedrich Nietzsche, irgendwo“), rechnet mit eben diesem neuerlich ab, würdigt merkwürdige Rekordversuche (“Am meisten Tote innerhalb kürzester Zeit setzte es am 14.1.1900 bei der Uraufführung von Puccinis “Tosca” bzw. fast auf den Tag genau hundert Jahre vorher anläßlich der historisch modellhaften Schlacht bei Marengo. [...]Übertroffen wird das aber in gewisser Weise noch oder schon durch Altmeister Verdi, welcher im 4. Akt des Troubadour von 1853 innert von 3,5, Minuten – zack! – drei von vier Hauptpersonen ihre Seele aushauchen lässt.”) und reitet von vorne bis hinten durch das Buch parforce durch Mensch und Zeit und Raum. Das Ganze ist Henscheid gemäß urkomisch, nicht selten und erfreulich polemisch und – erwartungsgemäß – höchst unterhaltsam.  Und klüger ist man nach der Lektüre auch noch. Was will man mehr?

awb

Eckhard Henscheid ist Verfasser von Romane, Satiren, Opernführern, Kulturgeschichten und des Infantilromans “Auweia”. Er lebt heute im Amberg, Arosa und Raigering. Eine auf fünfzehn Bände geplante Werkausgabe – bisher sind zehn Bände erschienen – kommt seit 2003 bei Zweitausendeins heraus. Henscheid wird am 14. September 67 Jahre alt.
Eckhard Henscheid bei Wikipedia

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