Seit mehr als 30 Jahren weiß ich meine Leica M (zunächst M2, dann M6) – sorgsam in einer Billingham-Tasche geschützt – ständig griffbereit. Die M6 habe ich seit 20 Jahren; sie hat sie mich begleitet auf Alltagstouren, Urlauben und Treffen mit Fotofreunden. Sie funktioniert seitdem ohne Reparatur einwandfrei und immer zuverlässig.
Anfänglich habe ich Leica und Objektive immer komplett mitgenommen. Seit mehr als 10 Jahren ist nur das Gehäuse mit dem 35er- oder dem 50er –Summicron angekuppelt. Allenfalls ein 90er in der Hosentasche. Weniger ist mehr! Das gilt gerade für das puristische System der Leica M.
Selten, dass ich heute noch von Mitmenschen auf der Straße angesprochen werde: „Oh, Sie haben eine Leica?“, die eigene dann zeigend. Aber wenn es geschieht, dann folgt mit Sicherheit der Austausch über die jeweils eigene Ausrüstung, denn Männer lieben ihre Spiel- und Werkzeuge. Nicht selten wurden aus den Zufallsbekanntschaften Freundschaften. Es ist faszinierend, wie Leica verbindend wirkt. Vor allem das Design des Gehäuses ist der „geheime Code“ für die Insider. Eine Form, die seit 1954 kaum verändert wurde, auch wenn das technische Innenleben einen grundlegenden Wandel dokumentiert (M1, M2, M3, M4, M5, M6, M7 und die digitale M8). Und zum „geheimen Code“ gehört auch das Wissen, dass längst nicht alle mit einer Mess-Sucherkamera umgehen können. Es ist eben diese Art des Sehens und Erkennens des fotografischen Motivs durch einen speziellen Sucher. Mit einer Leica M gehöre ich zu diesem „inneren Zirkel“. Dass ich nicht alleine so empfinde, zeigen Beiträge in den Leica-Foren. (siehe unter diesem Link)
Lange träumte ich mit Sehnsucht und Genuss davon, eine Leica M zu besitzen, bevor der Traum dann endlich Wirklichkeit wurde. Und das Träumen geht weiter: bei der digitalen M8 könnte ich meine Objektive von 1932 nutzen. Bei welcher Marke wäre das noch vorstellbar?
Leica-Nutzer sitzen fotografisch in der ersten Reihe und das seit mehr als 80 Jahren. Solange ist die heutige Leica-Camera AG http://www.leica-camera.de/home/ präsent mit ihren feinmechanischen Fotoapparaten, aufbauend auf Oskar Barnacks genialer Idee der Urleica und der Entwicklung des Filmstandardformates ( 24×36 ). Die Leica wurde ein selbstverständlicher Begleiter in allen Lebenslagen, ein „Teil des Auges” oder die „Verlängerung der Hand”.
Der Mythos “Leica” (Leitz Camera) baut auf die Entwicklung einer langen Liste von Leica-Produkten – geprägt von qualitätsbewussten Innovationen. In der Kleinbildfotografie ist Leica weltweit führend in den 20er-60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Mythos Leica als “das perfekte Werkzeug für eine besondere Sicht der Dinge zu schaffen” ist vor allem gestützt auf den Einsatz der Leica durch Fotokünstler, aber auch der Fotojournalisten und Kriegsberichtserstatter in den weltweiten Kriegen der 40er, 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Weltberühmte Agenturen wie Magnum oder Magazine wie “Life” bieten die Plattform für Leicafotografen wie Robert Capa. -> Link
Große Leica-Fotogafen wie Henri Cartier-Bresson, René Burri, William Eggleston, Ralph Gibson oder Marc Riboud schaffen mit der Leica einen Großteil ihrer berühmten und heute hoch dotierten Fotos. Henri Cartier-Bresson nutzte ganz überwiegend die handlichen und unauffälligen Kleinbildkameras vom Typ Leica M und anfangs Leica-SR. Er nutzt das 50-mm-Standardobjektiv, welches in seiner Bildwirkung den Bildwinkel des normalen Sehens entspricht und fotografiert in Schwarz-Weiß, aufgrund der von ihm sehr geschätzten stärkeren künstlerischen Wirkung dieses Filmmaterials.
Leni Riefenstahl – wenn auch kontrovers und kritisch zu betrachten – hat als Fotografin ihren Fotozyklus der Nuba mit Leica erstellt. Quelle: -> Link
Noch heute steht Leica als Synonym für Mess-Sucherkameras, vor allem begründet durch Leica-M-Kameras, beginnend 1954 mit der Leica M3. Das schon damals ausgereifte Konzept dieser mythischen Sucherkamera wurde nach über 50 Jahren mit der M8 in das digitale Zeitalter überführt. Ein Genuss ist es bis heute, die feinmechanische Arbeit in der Hand zu spüren und das Werkzeug intuitiv zu nutzen. Das Konzept der Leica-M fordert bis heute in Gelassenheit zu fotografieren und dennoch hautnah dabei zu sein, unauffällig, leise, unaufdringlich. Gleichzeitig aber auch präzise Ergebnisse erreichend und sich verlassen könnend auf die langlebige Qualität.
Leica, der Begriff, ist der Prototyp einer Markenkultur. Beleg dafür ist die Entwicklung einer eigenen Produktsprache: Noctilux, Summilux, Summicron, Telyt und Elmarit sind keine Comic-Gallier, sondern die Namen wohlbekannter Objektive, die gleichzeitig State of the Art sind.
“Cultura” meint eben pflegen, ehren und in seiner ursprünglichen Bedeutung auch: emsig beschäftigt sein. Das ist beobachtbar, vor allem in den einschlägigen Foren. Sammler, Anwender und Profis werden auch bei einigen Spezialisten unterstützt, sei es nun “leicabeimeister” http://www.leicabeimeister.com/ oder beim Leicashop in Wien https://www.leicashop.com/index.php .
Die Geschichte der Leica Camera AG und der Leitz Werke und ihrer Produkte hat zu weltweiten Vereinen geführt. Stellvertretend seien hier der Leica Historica e.V. http://www.leica-historica.de/ und erst recht die Leica Historical Society of Amerika LHSA http://www.lhsa.org/ genannt. Die Zeitschriften Leica-Fotografie-International http://www.lhsa.org/ oder Leica World
http://www.leica-camera.de/culture/leica_world_magazine/ sind dabei zusätzliche kulturelle Plattformen.
Ebenso Ausdruck für eine eigenständige Kultur ist das weltweite Netz der Sammler, die nicht selten für Einzelstücke wie einer Leica 250 mit Motor mehr als 100.000 Euro ausgeben. (Die LEICA 250, genannt „Reporter”, fasst 10 Meter Film und liefert ohne Nachladen 250 Aufnahmen. Kombiniert mit einem Motor wird sie bevorzugt von der deutschen Luftwaffe in Aufklärungsflugzeugen im 2. Weltkrieg eingesetzt.) .
Dass Scharen von Leica-Börsenhändlern in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Gebrauchthandel bestens leben konnten, sei nur am Rande erwähnt.
So ist es nicht selten, wenn heutige Leica-Nutzer von ihren Träumen berichten und vom langen Warten auf die Anschaffung einer Leica. Das „Leica User Forum“ http://www.l-camera-forum.com/leica-forum/ ist eine unerschöpfliche Quelle an Expertenwissen und bietet ebenso unterhaltsame Beiträge, wie die Infoseiten von engagierten Amateuren. http://www.lausch.com/leicaeinleitung.htm
So mancher hat erst 20 Jahre später nach dem ersten Anfassen einer Leica auf einer Messe seinen Traum erfüllt mit dem Kauf einer Leica. Ersatzweise in der Zwischenzeit oft träumend, aber genussvoll im Herrenzimmer gesessen und dabei seine Leicaprospekte gehegt und gehätschelt hat.
Nicht selten sind Leicas durch einen Nachlass in die Hände der heutigen Erbgeneration gelangt, wobei oft genug die Leicagerätschaften Jahre in der Vitrine eines Herrenzimmers einen Dornröschenschlaf hielten, bevor ihr kultureller und mythischer Wert erkannt wurde.
Wer sich weiter vertiefen will, dem seien nachfolgende Bücher empfohlen:
- Die Leitz-Werke in Wetzlar von Rolf Beck; Sutton Verlag, 1999
- Ernst Leitz – Wegbereiter der Leica. Ein vorbildlicher Unternehmer und mutiger Demokrat von Knut Kühn-Leitz, Heel Verlag
- Mein Leben mit der Leica von Walther Benser, Lindemanns Verlag
- Leica M von Günter Osterloh, Umschau Buchverlag
- 50 Jahre Leica M von Günter Osterloh, Heel Verlag
- Die Leica. Zeugin eines Jahrhunderts von Alessandro Pasi
- Positionen der Markenkultur /Views of Brand Culture: Positionen der Markenkultur, Bd.2, Leica: Bd 2 von Volker Albus und Achim Heine
- Das grosse Leica-Buch. Entstehung und Entwicklung des gesamten Leica-Systems von Paul H van Hasbroeck
- Robert Capa. Der Fotograf des Krieges von Alex Kershaw, Ullstein Verlag
- Robert Capa Retrospektive. Retrospektive im Martin-Gropius-Bau, Berlin von Robert Capa, und Laure Beaumont- Maillet
- Die Deutschen. Sonderausgabe. Photographien von Rene Burri und Hans M. Enzensberger, Schirmer/Mosel-Verlag
- Robert Sullivan: DIE GROSSEN LIFE PHOTOGRAPHEN – Die Photo-Enzyklopädie des 20. Jahrhunderts. Schirmer/Mosel, 2004
Johannes Bindels
http://www.bindels.info
(Die Bilder wurden uns freundlicher Weise von der Leica-Camera AG zur Verfügung gestellt.)





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