Cigarren in zehn Minuten

Der Tabak kam mit Columbus nach Europa. Auf Cuba hatten im Jahre 1492 Mitglieder seiner Mannschaft Inselbewohner gesehen, die den Rauch von getrockneten Blättern mittels eines Rohres inhalierten, es war Tabak. In Europa wurde die Pflanze insbesondere durch den Arzt Jean Nicot untersucht und als Arzneimittel eingesetzt, nach ihm ist das bestimmende Alkaloid Nikotin benannt.

Lange Zeit wurde der Tabak in Pfeifen geraucht, erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzten sich, von Spanien her kommend, die Cigarre und die Cigarillos durch. Über alle Jahrhunderte hinweg wurde der Konsum von Tabak mit den unterschiedlichsten Argumenten verpönt und verboten, was bis zur Androhung der Todesstrafe ging. Die Ächtung des Rauchens ist also keineswegs eine Erscheinung der Neuzeit.

Man kann die Cigarren grundsätzlich in zwei Kategorien einordnen:
- Handgemachte Cigarren
- Maschinengemachte Cigarren

Maschinengemachte Cigarren besitzen eine Füllung aus gebrochenem und zerkleinerten Tabak, man verwendet dafür häufig Tabakreste, die bei der Herstellung von handgemachten Cigarren anfallen. Mittels verschiedener Maschinen wird aus diesem zerkleinerten Tabak zunächst die Füllung geformt und dann mit einem Deckblatt versehen. Bei maschinell hergestellten Cigarren ist es nicht selten, dass auch tabakfremde Stoffe zur Herstellung verwendet werden, so sind dann die Deckblätter aus gefärbtem Papier. Maschinencigarren haben, nicht zuletzt wegen ihres niedrigen Preises viele Liebhaber, sie sollen aber nicht weiter Gegenstand dieser kleinen Einführung sein.

Handgemachte Cigarren kommen hauptsächlich aus den Ländern der Karibik, aus Mittelamerika und aus Südamerika. Unter all diesen Ländern ragt ohne Zweifel Cuba besonders hervor, wenn auch andere Staaten wie Honduras, die Dominikanische Republik oder Nicaragua, um nur ein paar zu nennen, heute ausgezeichnete Cigarren produzieren. Es sind aber die ganz besonderen geologischen und klimatischen Bedingungen, die nur auf Cuba einen Tabak reifen lassen, wie es keinen zweiten auf der Welt gibt. Es ist nur ein ganz kleines Gebiet im Westen der Insel, das die weltweit so hoch geschätzten Cigarrentabake hervorbringt, die Vuelta Abajo im Vinales Tal nahe der Stadt Pinar del Rio. Selbst die anderen Anbaugebiete auf Cuba kommen mit ihren Produkten nicht an die Tabake der Vuelta Abajo heran. So wie ein Sauterneswein nur aus einem kleinen Gebiet nahe Bordeaux kommen kann und ein Roquefortkäse nur aus einem kleinen Ort im Süden Frankreichs, so kommt der Spitzentabak nur aus dem kleinen Anbaugebiet im Vinales Tal.

Der Tabak wird im Herbst als Sämlinge aufs Feld gebracht und von Hand ausgepflanzt. Es ist erstaunlich, was aus den winzigen Samen (10.000 wiegen gerade mal 1 Gramm) entsteht. Bis zum Februar des nächsten Jahres werden daraus durch ständige, hochintensive Pflege und ideale Wachstumsbedingungen bis zu 3 Meter hohe Pflanzen mit durchschnittlich 16 Blättern. Diese werden etagenweise von Hand geerntet, die Ernte zieht sich daher über mehrere Wochen hinweg. Die Blätter werden an langen Stangen aufgehängt und in großen Hütten, die gleich neben den Feldern stehen, getrocknet. Ist diese erste Trocknung beendet, wird der nun braune Tabak in Fermentationshäusern gereift, ansonsten wäre er hochgiftig und zudem geschmacklich gar nicht genießbar. Diese Fermentation ist ein äußerst diffiziler Vorgang und muss permanent genau kontrolliert und überwacht werden. Er kann bis zu 3 Jahren dauern und wird zudem mehrfach wiederholt. Wenn ein Tabak beim Roller auf dem Tisch landet kann er also durchaus schon einige Jahre alt sein.

Eine handgemachte Cigarre besteht aus drei Bestandteilen:
- Füllung
- Umblatt
- Deckblatt

Die Füllung besteht aus drei Blattsorten, die jeweils besondere Eigenschaften haben, sie sorgen nämlich für guten Brand, aromatischen Geschmack und Stärke. Der ganz eigene Charakter von Markencigarren kommt durch die Zusammensetzung der Einlage zu Stande, der Roller weiß also ganz genau, in welchen Anteilen und welchen Qualitäten die Einlageblätter enthalten sein müssen, um einen wiedererkennbaren Geschmack hervorzubringen. Hierin besteht eines der Geheimnisse hochwertiger Cigarren.

Foto: Anselm Cosler

Foto: Anselm Cosler

Die Füllung wird von einem Umblatt zusammengehalten und in Form gebracht. Geschmacklich hat das Umblatt kaum einen Anteil, eben so wenig wie das Deckblatt, also “das Kleid” der Cigarre, bei diesem kommt es hauptsächlich auf die makellose Optik an. Die Farbe des Deckblattes sagt übrigens nichts über den Geschmack und die Stärke einer Cigarre aus, denn diese wird von der nicht sichtbaren Einlage bestimmt.

Und so entsteht eine Cigarre: in den Fabriken sitzen die Roller (Torcedores) und Rollerinnen (Torcedoras) in großen Sälen. Jeder hat einen eigenen Arbeitstisch, auf dem der Tabak vorsortiert liegt. Er nimmt von den drei Einlageblattsorten (Volado, Seco, Ligero) jeweils ein Stück und formt alle drei mit den Händen auf seinem Tisch zu einer Rolle. Um diese wird das Umblatt gelegt und gewickelt, anschließend kommt diese Puppe in eine Presse, um die Form anzunehmen. Nach dem Pressen wickelt der Roller spiralförmig das Deckblatt um die Puppe und klebt mit einem geschmacklosen pflanzlichen Leim an das Mundende ein kleines Stückchen des Deckblattes. Anschließend wird die Cigarre noch auf ihre gewünschte Länge geschnitten. Ein guter Torcedor schafft auf diese Weise je nach Format einige hundert Cigarren pro Tag. Die dazu erforderliche Handfertigkeit ist bewundernswert und benötigt eine oft jahrzehnte lange Erfahrung.

Nach einer mehrwöchigen Nachreifung in Klimakammern werden die Cigarren in Kisten gepackt und in alle Welt verschickt.

Es gibt Cigarren in vielen verschiedenen Formaten, bei den Havannas sind es etwa 50. Das Format wird durch die Länge, den Durchmesser und die Form (zylindrisch oder an den Enden verjüngt) bestimmt. Diese Formatvielfalt hat Gründe: zum einen bieten sich so für verschiedene Gelegenheiten immer passende Cigarren an (kleine für zwischendurch, große für einen langen Abend), zum anderen hat auch die Form einen wesentlichen Anteil an der Geschmacksentwicklung. Viele Cigarrenraucher haben ihre Lieblingsformate, und die meisten Marken bieten ihre Produkte in allen wichtigen Formaten an. Welche Formate man bevorzugt muss man selber heraus finden, da gibt es keine verbindlichen Regeln.

Einige Formate:
- Panetela: eine kleine Cigarre für zwischendurch
- Petit Corona: für eine halbe Stunde Rauchgenuß
- Corona: dicker und länger als die Petit Corona, braucht mehr Zeit
- Robusto: kurz und dick, volles Aroma, auch wenn man nicht so viel Zeit hat
- Belicoso: eine Cigarre mit spitzem Ende, die sich beim Rauchen geschmacklich entwickelt
- Churchill: eine klassische große Cigarre, gut eine Stunde Genuß
- Doppel Corona: für einen langen Abend nach einem guten Essen
- Corona Especiales: die Krönung des Genusses, bis zu 3 Stunden Rauchzeit

Wie geht man mit einer Premiumcigarre um?

Man sollte nur im guten Fachhandel seine Cigarren kaufen, denn dort findet man eine qualifizierte Beratung und optimale Lagerbedingungen. Alle Premiumcigarren müssen bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 65 % und 75 % aufbewahrt werden; wenn sie austrocknen werden sie scharf und verlieren ihr einzigartiges Aroma, sie sind dann tot. Zu Hause benötigt man zur Aufbewahrung seiner Cigarren einen sogenannten Humidor, ein Holzkasten oder Schrank, in dem ein Befeuchtungssystem für die richtigen Bedingungen sorgt. Ein Hygrometer zeigt die RLF an und sollte regelmäßig kontrolliert werden. Ein Humidor ist für jeden Cigarrenliebhaber unverzichtbar.

Zum Anschneiden des verschlossenen Mundendes gibt es verschiedene Werkzeuge, Scheren, Bohrer, Guillotinen. Am leichtesten sind die Cigarrenscheren zu bedienen, sie sorgen zudem immer für einen sauberen Schnitt. Man entfernt damit etwa 2 mm weit die Kappe am Mundende, dann ist die Cigarre rauchbereit. Viele Liebhaber ziehen danach einmal die Luft durch die noch kalte Cigarre, dabei erschließt sich schon ein gewisser Teil des Aromas.

Die erste umweltfreundliche Cigarre - eine Flor de Tonterias aus Cuba

Zum Anzünden verwendet man nur eine geruchlose Flamme, also kein Benzinfeuerzeug und keine Kerze. Auch schwefelhaltige Streichhölzer sind zu meiden, ein normales Gasfeuerzeug liefert die beste Flamme. Man hält die Cigarre in der einen, das Feuer in der anderen Hand, etwa 1 cm vom Brandende entfernt. Man glimmt nun mit reichlich Geduld die Cigarre an, wobei man die Cigarre mit den Fingern etwas hin und her dreht. Hat das Brandende gleichmäßig Feuer gefangen bläst man leicht auf die Glut, feuert gegebenenfalls noch etwas nach und zieht erst dann zum ersten Mal am Mundende. Das Anzünden ist ein wichtiger Vorgang, und es bestimmt wesentlich den weiteren Rauchverlauf. Man sollte also nie die Cigarre in den Mund nehmen und dann aus allen Rohren Feuer geben, die Cigarre wird bitter und brennt schlecht.

Die wichtigste Regel beim Rauchen: nicht inhalieren! Eine Cigarre schmeckt auf der Zunge, nicht in der Lunge! Man hält den Rauch einige Sekunden in der Mundhöhle und bläst ihn dann wieder aus. Auf dem Gaumen werden sich die Aromen entwickeln und dem Raucher den vollen Genuß bieten. Man raucht eine Cigarre etwa bis zum Beginn des letzten Drittel oder Viertel, dann irgendwann ändert sich ihr Geschmack und man merkt dadurch, dass es Zeit zum Aufhören ist. Man legt sie einfach in den Ascher, sie wird in wenigen Sekunden von selber verlöschen. Eine gute Cigarre wird noch eine ganze Zeit auf dem Gaumen nachklingen…

Am Ende geht alles in Rauch auf (Brasilianisches Sprichwort)

Viele Infos über Cigarren findet man hier: http://www.cigar-wiki.com

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