Seine künstlerischen Wurzeln liegen in der Musik des Gypsy Swing, wie man sie von den Aufnahmen des legendären Jazzgitarristen Django Reinhardt kennt. Joscho Stephan hat sich dieser Musik angenommen, interpretiert sie virtuos und erweitert ihre Grenzen. In seiner jungen Karriere hat er sich nach vier CDs und einer DVD in die internationale Spitze des Gypsy Swing gespielt.
Größen der Musikszene wie Paquito D’Rivera, James Carter, Charlie Mariano und Grady Tate zeigten sich nach gemeinsamen Auftritten begeistert von dem jungen Ausnahmentalent. Mit den beiden Gitarristen Martin Taylor und Tommy Emmanuel war er auf einer 7-tägigen Australien Tournee. Auch mit seinen eigenen Ensembles (Trio bis Quintett) hat er auf vielen bedeutenden Festivals gespielt (u.a. in Slovenien, Italien, Frankreich, Polen, Korsika und England). Auch in den USA konnte Joscho Stephan bei seinen Konzerten im New Yorker Lincoln Center oder in Amerikas Musikhauptstadt Nashville ebenso überzeugen wie in einer der Kultstätten des Jazz: dem New Yorker Jazzclub „Birdland“.
Die Presse ist von dem jungen Musiker durchweg begeistert. Sein Debüt „Swinging Strings“ wurde vom amerikanischen Fachmagazin „Guitar Player“ zur CD des Monats gekürt. Das renommierte „Acoustic Guitar Magazine“ feiert Joscho Stephan als Garanten für die Zukunft der Gypsy-Jazz-Gitarre.
Für das Herrenzimmer sprach Archi W. Bechlenberg mit Joscho Stephan.
Joscho, Django Reinhardt ist in einem Planwagen bei Liberchies in Belgien geboren – hast du eine ähnlich romantische Geschichte zu erzählen?
Leider nicht. Ich bin in Mönchengladbach geboren. Aber das war wahrscheinlich nicht so romantisch.
Kannst du dich daran erinnern, wie du zum ersten Mal Gipsy Swing gehört hast? Und was du dabei empfunden hast?
Ja. Diese Geschichte habe ich auch schon öfters erzählt, weil sie mir bis heute wirklich noch im Bewusstsein ist. Ich hörte auf einer Musikkassette (von meinem Onkel) jede Menge Popmusik, Chris Rea, Earth Wind and Fire und so weiter, bis auf einmal ein Knistern eingesetzt hat und der Minor Swing erklang. Meine Empfindung war: Wow. Der Rhythmus, die Virtuosität, die Melodien. Auf einmal war eine Musik da, die alles hatte was mich schon immer angesprochen hat. Nach diesem Erlebnis habe ich mich erstmal ein bisschen abgewendet, bin dann aber Stück für Stück der Musik Django Reinhardts nachgegangen.
Wie war dein musikalischer Werdegang? Hast du von Anfang an Gitarre gespielt? Wurdest du von deinen Eltern gefördert?
Ich habe von Anfang an Gitarre gespielt, damit geht es auch nahtlos zur zweiten Frage. Haben meine Eltern mich gefördert? Nein. Denn eigentlich wollte ich Schlagzeug spielen. Welch großer Glücksfall die Gitarre für mich war, ist mir heute allerdings sehr bewusst. Natürlich wurde ich glänzende gefördert, alleine deswegen weil mein Vater selber Gitarre gespielt hat und mir so die ersten Akkorde zeigen konnte. Auch eine Förderung im Sinne von professionellen Unterricht wurde mir ermöglicht. Erst an der Musikschule, im klassischen Bereich, dann auch an der Jazzgitarre, da hatte ich ein paar Privatstunden. Alles was danach kam, mit ungefähr 15, habe ich mir allerdings selbst beigebracht.
Deine Technik ist geradezu Atem beraubend – das braucht natürlich eine Menge Talent – aber wie erlernt man gerade diesen so typischen Stil des Gipsy Swing?
Es ist keine theoretische Musik, bzw. man kann oder darf Sie nicht zu theoretisch spielen. Sie muss natürlich erlernt werden, das heisst durch hören, nachspielen, mitspielen. Ich habe dafür CDs und Videos von anderen bekannten Musikern dieses Genres benutzt. Üben muss man die technischen Geschichten immer und immer wieder. Wenn man sein Level beibehalten will, darf man das Üben nie aus den Augen verlieren.
Ist diese Musik heute noch zeitgemäß? Gibt es immer noch viele Anhänger der Musik Django Reinhardts?
Ich sage es mal so: Diese Musik ist sehr universell. Wir können auf Swing und Dixiefestivals spielen, dort haben wir eher älteres Publikum ab 60 aufwärts, aber auch im Jazzclub, dort haben wir mittelalte Zuhörer, auf Gitarrenfestivals, dort haben wir Gitarristen im Publikum aus allen Sparten oder auf einem ganz normalen Stadtfest vor Laufpublikum. Man merkt das von dieser Musik schon eine Faszination ausgeht, die auch der Laie versteht. Vor allen Dingen durch die Virtuosität und den Rhythmus. Ausserdem versuchen wir, da unterscheiden wir uns am meisten von unseren Kollegen, modernere Einflüsse aufzunehmen. In der Songauswahl, natürlich spielen wir alle Klassiker, aber auch eigenes oder You are so beautiful von Joe Cocker, oder Mozarts Rondo alla Turka, sowie in der Interpretation. Wir lasssen z.B. Zitate aus der Rockmusik einfliessen, spielen auch mal Blues betont.
Ich habe einmal im Pariser Musée de la musique vor den Originalinstrumenten des Hot Club de France gestanden, dazu konnte man sich den “Minor Swing” über Kopfhörer anhören, was sehr bewegend war – hast du auch einmal Berührung mit den Altmeistern auf diese oder ähnliche Weise gehabt?
Leider nicht. Django Reinhardt ist ja schon über 50 Jahre tot. Allerdings habe ich es auch nie geschafft Stephane Grappelli Live zu erleben. Er spielte einmal vor Jahren in Viersen auf dem internationalen Jazzfestival. Durch einen Fehler in der Ankündigung, das Festival findet am Freitag und am Samstag statt, bin ich erst am zweiten Tag zum Festival gegangen, da war er leider nicht mehr da. Sein Auftritt war einen Tag früher, danach hatte ich leider keine Gelegenheit mehr Ihn zu sehen.
Wie sieht dein Leben als Musiker aus? Wo kann man dich hören und sehen?
Ich lebe hauptsächlich von den Auftritten, und deshalb kann man mich auch sehr oft Live hören und sehen (grinst) Meinen Tourplan findet man auf meiner Webseite: www.joscho-stephan.de
Welche Musik hörst und spielst du über den Gipsy Swing hinaus?
Momentan habe ich ein Projekt mit Keyboard, E Bass und Drums. In dieser Besetzung spiele ich neben der Akustikgitarre auch E Gitarre. Stilistisch bewegt sich das ganze zwischen Latin und Souljazz; neben Django bin ich immer noch ein großer George Benson und Santana Fan. Auch hier versuche ich eigene Identität mit reinzubringen. Meine Gypsy Swing Wurzeln werden nicht verleugnet. Ausserdem bin ich auch hin und wieder als Gastmusiker zugange. Mit Marcel Adam zum Beispiel, der Chansons singt und ein guter Entertainer ist. Hier ist aber auch eine gewisse Nähe zum Gypsy Swing noch gut spürbar.
Gibt es konkrete Pläne für eine neue Platte? Und wenn ja, worauf können wir uns freuen?
Ich denke im nächsten Jahr soll mal wieder eine neue Studio CD erscheinen. Freuen kann man sich auf all das was ich schon erwähnt habe. Gypsy Swing mit vielen anderen Einflüssen.
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