Helen Schneiders Traum

Dieses Album ist auf wunderbare Weise nostalgisch und doch von hier und heute. Helen Schneider hat Swingklassiker aufgenommen, die so klingen, als habe sie nie etwas anderes gesungen.

Helen Schneider ist vielen noch als höchst erfolgreiche Rocksängerin in den 1970er und 1980er Jahren in Erinnerung, ab Mitte der 1980er Jahre änderte sie dann ihre musikalische Grundrichtung und sang vor allem in Musicals und Theaterstücken wie Cabaret, später dann wandt sie sich Chansons und Liedern zu, beispielsweise Stücken von Kurt Weill und Stephen Sondheim. Seit zwei Jahren lebt Helen Schneider in Berlin.

Und dort wurde unter der bewährten Regie von Till Brönner und Christian von Kaphengst das Album “Dream a little Dream” eingespielt, eine CD, die aus dem Great American Songbook schöpft und so ewige Klassiker wie You go to my Head, My heart belongs to Daddy oder Sway enthält. Begleitet wird sie von den deutschen Topjazzern rund um die beiden Produzenten, darunter Frank Chastenier, Lutz Häfner, Peter Lübke und Torsten Goods, und natürlich sind auch Till  (unter anderem am Fender Rhodes!) und Christian am Bass mit von der musikalischen Partie.

Schon beim ersten Hörern beeindruckt das Album durch Schneiders swingende, meist verführerisch gehauchte Stimme und die zwar traditionell gehaltenen, aber doch durch und durch modern klingenden Arrangements. Es ist zugleich Musik von gestern wie von heute, die jedem stilvollen Ambiente das Tüpfelchen auf dem i verleiht. Alles mit viel Geschmack und Stil zusammengestellt, hübsch zum Beispiel Torsten Goods Intro von I only have Eyes for You, das zunächst an Van Morrisons Moondance denken lässt und dann in Harry Warrens Klassiker schwenkt. Oder Till Brönners Muted Trumpet im Hintergrund von Love For Sale, Cole Porters unsterblichem Evergreen. In diesem Stück kommt auch die so wandlungsfähige Stimme der Sängerin besonders gut zur Geltung. Und einen wunderbaren Abschluss bildet Helens Duo mit Frank Chastenier und Duke Ellingtons In my Solitude.

Hinter diesem Album steckt keine durchgeplante Marketingidee - dieser Gedanke könnte vielleicht aufkommen, immerhin waren in den letzten Jahren diverse Musiker, vor allem Sänger und vor allem deutsche wie Tom Gaebel und Roger Cicero mit Swing erfolgreich. Aber so ist es nicht, Helen Schneider hat zu den Songs des Great American Songbook eine lange persönliche Beziehung. “Ich liebe diese Musik, von Miles und Gil Evans bis zu Ellis und Wynton Marsalis. Und nicht zuletzt den Gypsy Swing von Django Reinhardt” sagt sie in einem Interview. Und daher war es nur folgerichtig, das sie, die über Jahrzehnte so wandelbare Künstlerin, nun dieses Projekt angegangen ist und zu aller Glück mit ihrer Idee bei Plattenfirma und Produzenten sofort auf fruchtbaren Boden stieß. Das vorliegende Album schmeichelt den Ohren und ist Kunst vom angenehmsten. Ein sehr schönes Album, das ebenso zum kuschligen Abend vor dem Ofen wie zum Frühstück am Sonntagmorgen wie in die Cigarrenlounge passt. Es bleibt zu wünschen, dass wir von den Beteiligten noch einmal etwas ähnliches zu hören bekommen. Davor wird es ab Januar 2009 Auftritte und eine Tournee geben.

Nicht vergessen werden darf zuletzt die überaus geschmackvolle Aufmachung der CD mit Fotos von Jim Rakete, so dass das Album auch vom optischen her eine wirkliche Freude ist.

(awb)

Helen Schneiders Website mit weiteren Infos und Hörproben

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