Schriftsteller, Dichter, Theatermacher, Maler, Rebell, Dandy, Frauenheld

“Ein literarisches Kunstwerk von zeitloser Schönheit.”
Deutsche Monatshefte

Im Frühjahr 2008 machte er noch einmal Schlagzeilen: Hugo Claus der weltbekannte flämische Schriftsteller. Claus litt am Ende seines Lebens an der Alzheimer-Krankheit. Im März 2008 machte er von der in Belgien legalisierten Sterbehilfe Gebrauch. Er starb, 78jährig, in einem Antwerper Krankenhaus im Beisein seiner Frau und einer guten Freundin. Vor allem die katholische Kirche sprach sich verhement gegen Claus’ Schritt aus.

Sein wohl bekanntestes Werk ist der mehr als 800 Seiten starke Roman “Der Kummer von Belgien“. Erzählt wird die Geschichte des kleinen, rotzfrechen Louis Seynaves aus dem flämischen Walle, der zu Beginn am Straßenrand hingerissen den Einmarsch deutscher SS-Verbände in sein Heimatstädtchen verfolgt. Und schnell ist der Leser vertraut mit diesem Kleinstadt-Kosmos – und mit dem Internats-Geheimbund “Die vier Apostel”, dem Louis angehört, bis er nach Hause entlassen wird. Zuhause: das sind die Gassen um den Grote Markt, die schummrigen Winkel in der Druckerei des Vaters, und das ist vor allem der Familientratsch am Küchentisch. Jede kleine Denunziation, jede opportunistische Versuchung, sich mit den “Germanen” gegen die Wallonen zu verbünden, jede Episode dieser spannenden Jahre erlebt Louis mit – wie einen Weltalltag.

Der Kaiser ist tot, es leben seine Bücher“, mit dieser Überschrift kommentierte die belgische Tageszeitung De Standaard den Tod von Hugo Claus. Nachdem er bereits bei seinem Debüt als Wunderkind erkannt wurde, sei er sechzig Jahre lang prominent in der Literatur vertreten gewesen – und darüber hinaus im Theater, beim Film und in der bildenden Kunst. Die Vielseitigkeit, verbunden mit seiner imposanten Persönlichkeit, habe einen kumulierenden Effekt. Hugo Claus erreicht damit den Status einer kulturellen Referenz. Und die Tageszeitung De Morgen kommentierte den Schritt, sein eigenes Todesdatum zu bestimmen, indem sie schrieb, der Meister des Lebens habe selber die Stunde seines Todes gewählt. Schriftsteller, Dichter, Theatermacher, Maler, Rebell, Dandy, Frauenheld: Hugo Claus habe mehr Leben gelebt als in 78 Lebensjahre passten. Er habe an Alzheimer gelitten, eine Krankheit, die weniger an seinem phänomenalen Bildungsschatz als an seinen Worten und seinem Ausdrucksvermögen nagte. Man könne einem Schriftsteller vieles nehmen, aber nicht das, nicht das Wichtigste, weil dann für ihn der Zustand des unerträglichen Leidens beginne.

Seit Jahren galt Claus als Anwärter für den Literatur Nobelpreis. Er trat aber auch als Maler, Dramatiker, Journalist, Lyriker, Librettist, Drehbuchautor, Übersetzer sowie als Film- und Fernsehregisseur hervor.

„Het verdriet van België“ („Der Kummer von Belgien“) ist soeben in einer vollständigen Neuübersetzung bei Klett-Cotta erschienen. Claus fügt seine Hunderte von Episoden zu einem epochalen Roman zusammen, spielerisch, humorvoll, mitreißend. Mitzulesen in neuer, meisterhafter Übertragung von Waltraut Hüsmert. Der Roman ist ohne Zweifel Claus’ Hauptwerk, das mit der “Blechtrommel” und den “Hundert Jahren Einsamkeit” verglichen werden kann.

Hugo Claus
Der Kummer von Belgien

Roman
Aus dem Niederländischen von Waltraut Hüsmert (Het verdriet van Belgie)
Neuübersetzung von »Der Kummer von Flandern«
1. Aufl. 2008
gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 824
ISBN: 978-3-608-93600-1
Preis EUR [D]  24.50 SFr  46.90

Hier finden Sie eine Leseprobe

 

Ähnliche Artikel im Herrenzimmer
Ein komischer Herr: Hermann Harry Schmitz
"Der größte Mann des Jahrhunderts ist Zeppelin und ich bin der drittgrößte. Ich habe das mündlich." Sein Leben war kurz, gerade mal 33 Jahre hat es ...
Weiterlesen...
Der Dichter als Bahnreisender
Wenn einer, der mit der Bahn unterwegs ist, in diesen Tagen und Wochen anderthalb Stunden zu spät kommt, dann kann das verschiedene Gründe ...
Weiterlesen...
Eine alte Kulturlandschaft: Flandern
Der belgische Schriftsteller Georges Rodenbach schrieb 1892 den Roman Das tote Brügge (Bruges-la-Morte). Das Buch ist die berühmteste literarische Beschreibung des Niedergangs der ...
Weiterlesen...
“Die gerade Linie ist gottlos”
Der als Friedrich Stowasser geborene Künstler lebte und starb unter dem selbst gewählten Namen Friedensreich Hundertwasser. Architekt, Umweltschützer, Maler, Designer, Schriftsteller, Erfinder – ...
Weiterlesen...
Eine gute Idee alleine reicht nicht
Autor sein, ein Buch schreiben – für viele Menschen ein großer Traum. Denn wer ein Buch schreibt, schafft etwas Bleibendes. Wird das Werk ...
Weiterlesen...
Ein komischer Herr: Hermann Harry Schmitz
Der Dichter als Bahnreisender
Eine alte Kulturlandschaft: Flandern
“Die gerade Linie ist gottlos”
Eine gute Idee alleine reicht nicht
 
 
Alles aus der Rubrik Belgien
Alles aus der Rubrik Buch
Alles aus der Rubrik Herr
Alles zum Thema Herr des Monats
Alles zum Thema Lesen, hören, sehen