Die Vogelwelt hat viele Musiker nachhaltig fasziniert – im Jazz etwa Eric Dolphy und Albert Mangelsdorff, in der zeitgenössischen E-Musik nicht zuletzt den Komponisten Olivier Messiaen. Sie alle setzten auf unterschiedliche Art den Gesang der Vögel musikalisch um. Der Bassist Henning Sieverts legt hier eine eigene klingende Vogelkunde vor. Und zwar eine von enormer Vielfalt. Und mit swingendem und zwingendem Hintersinn. Nicht am Gesang orientiert er sich vornehmlich, sondern an vielen unterschiedlichen Phänomenen, die man mit dem inspirierenden Federvieh assoziieren kann. Marabu, Pinguin und Eule kommen auf diverse Art in der Musik und in schillernden Titel-Wortspielen zu Ehren. Blackbird heißt diese neue CD des in München lebenden Bassisten und seiner Band Symmetry (Symmetry hieß auch Sieverts’ frühere Pirouet-CD in dieser Besetzung). Das erinnert wiederum nicht von ungefähr an einen Klassiker von den Beatles – siehe letzter Absatz.
Wingswing, Twittering Machine, Low Owl: Schon an diesen – und allen anderen – Titeln merkt man: Dieser Bandleader und Komponist hat Humor. Und einen äußerst wachen kreativen Geist. Beides durchzieht auf hochgradig spannende Art die 13 Stücke dieser CD. Die meisten davon sind Kompositionen von Sieverts – und führen durch gewitzten Material-Umgang und musikalisches Raffinement jeweils in eine ganz eigene Welt. Das Anhören wird so zur Entdeckungsreise: Jedes Stück eine Insel – auf der jeweils andere prachtvolle, seltene und manchmal komische Vögel leben. „Leben“ ist hier ein wichtiges Wort: Denn ausgesprochen lebendig ist das, was man auf diesen Hör-Inseln entdecken kann. Kunstvolle Stücke, in denen aber die Interpreten ihr Eigenleben spürbar lustvoll entfalten. Und bei der hochkarätigen internationalen Besetzung mit Chris Speed, Klarinette und Tenorsaxophon, Johannes Lauer, Posaune, Achim Kaufmann, Klavier, und John Hollenbeck, Schlagzeug, wirft das etliche quirlig-schöne Momente ab.
Diese CD ist – wie schon Sieverts’ CD Symmetry – ein Beweis dafür, dass klug gebaute Kompositionen atmosphärisch fesseln und auch noch jede Menge Spaß machen können. Auch etwa die Klavierstücke von Bach sind, wie man weiß, minuziös systematisch angelegt – und doch wird kein Hörer bezweifeln, dass dabei Musik entstand, die ein enorm hohes emotionales Potenzial hat. Ohne sich jemals selbst mit solchen möglichen Vorbildern vergleichen zu wollen, setzt Henning Sieverts hier ebenfalls auf die großen Möglichkeiten des Systematischen. Und schöpft sie aufregend gekonnt aus.
Symmetrien spielen auch in diesen neuen Kompositionen eine Rolle – und auf nicht ganz strenge Art sind auch die Titel immer wieder in sich gespiegelt: Ubaramarabu ergibt rückwärts gelesen dasselbe; Low Owl ist gewissermaßen eine gebrochene Spiegelung; und etwa bei Wingswing taucht rechts und links von der Achse „s“ das Wort „wing“ auf.
Auf feine und immer wieder andere Art hat Henning Sieverts in den Stücken für diese CD symmetrisches Material verwendet. Bei Wingswing etwa ist es eine Sechs-Tonleiter, die symmetrisch aus kleinen Terzen und kleinen Sekunden zusammengesetzt ist. Bei Ubaramarabu ist es ein dahinschreitender 11/8-Takt, der auf vier verschiedene Arten stets symmetrisch aufgeteilt ist – und über den sich dann sonnig-schöne Melodien aus folkloristisch anmutenden Fünftonleitern als berückend einfacher Gegenpart legen. Und in Blues for Alice, das auf Charlie Parkers gleichnamige Komposition zurückgreift, spielen nach dem Klavier-Solo die Klarinette und die Posaune die Melodie rückwärts.
Eine besonders witzige Konstruktions-Idee hatte Sieverts für das Stück O. M.’s Birdsday: Hier spielt er mit dem Geburtsdatum des großen Vogel-Bewunderers Olivier Messiaen (10.12.1908). Aus diesem Datum gewinnt er Intervalle. So steht etwa die 1 für einen Halbton, die 0 für eine Wiederholung der vorhergehenden Note, die 2 für einen Ganzton – und so fort. Aus „birthday“ wurde außerdem Birdsday. Zwei weitere spannende Hommagen wären Gale in Night, Nightingale, eine Huldigung an Arnold Schönberg, die denn auch mit Zwölftontechnik arbeitet, und Twittering Machine, ein Stück, das sich an den Titel „Zwitschermaschine“ eines Gemäldes von Paul Klee anlehnt; darin lässt laut dem Komponisten das Schlagzeug andere Instrumente – nämlich Klarinette, Cello und Posaune – auf Kommando zwitschern.
Jazz (und Blues) für Alice und alle anderen, die gern ein Wunderland besuchen: Auf diesen Nenner könnte man diese nicht etwa in wunderliche, sondern durchweg wunderschöne Welten führende CD bringen. Ein besonderer Clou erwartet die Hörer beim Titelstück. Blackbird/Wenn ich ein Vöglein wär’ verwendet zum einen den schönen lyrischen Klassiker von Paul McCartney, zum anderen das deutsche Volkslied. Über rhythmischen Mustern der Posaune und der Klarinette entfalten sich die Stimmen dieser beiden Vogel-Hymnen zauberhaft eingängig und doch subtil. Das Aufregende daran – und an allen anderen Stücken dieser CD – ist: Diese Musik groovt, zwitschert, tiriliert, fetzt und schillert so packend und selbstverständlich, wie es nur höchst lebendig gespielter Jazz kann. Und doch liegt allem eine minuziös erdachte Struktur zu Grunde.
Fazit: So natürlich kann das scheinbar Artifizielle sein. Und damit kommt die musikalische Welt des Henning Sieverts der hochkomplexen echten Vogelwelt ziemlich nahe.
Henning Sieverts über Blackbird
Vögel begeistern mich seit jeher. Sie sind leicht und wendig, sie können fliegen, manche 10.000 km ohne Pause. Dabei schlafen sie im Flug, mit nur einer Gehirnhälfte (siehe mein Stück Half-Brain Dream). Vögel sind wunderschön (vor allem viele Männchen …), das Wunderbarste an Vögeln ist aber ihr Gesang.
Vögel begegnen mir immer wieder auch in der (menschengemachten) Musik. Olivier Messiaen, einer meiner Lieblingskomponisten, ließ Vogelgesänge (die er zuvor in der Natur selbst aufgenommen hatte) in seine Kompositionen einfließen. Mehrere Stücke meiner CD sind von der geheimnisvoll-poetischen Musiksprache Messiaens beeinflusst, eines (O. M.’s Birdsday ist ihm direkt gewidmet und spielt mit seinem Geburtsdatum (näheres unter „Über die Kompositionen“).
Einer meiner Beatles-Favoriten war schon immer Blackbird. Achim Kaufmann als pianistische Amsel wird hier von Klarinette und Posaune symmetrisch flankiert. Schließlich gibt es wunderbare Vogel-Volkslieder, meine Wahl fiel auf Wenn ich ein Vöglein wär’ (ganz und gar unsymmetrisch, einfach „nur“ schön!).
Auch im Jazz fliegen viele Vögel umher, etwa beim Jazzstandard Ladybird oder John Coltranes Lazybird. Eine wunderbare Platte Dave Hollands heißt Conference of The Birds. „Bird“ war der Spitzname von Charlie Parker: er konnte nicht nur schnell und wendig wie ein Vogel spielen, sondern auch Unmengen von gebratenen Hühnchen verdrücken. Viele Melodien Charlie Parkers tragen vogelige Titel: Ornithology, Yardbird Suite, Bird Gets The Worm und viele andere. Charlie „Bird“ Parker zu Ehren habe ich seinen berühmten Blues For Alice für die CD ausgesucht – und natürlich symmetrisch bearbeitet (näheres unter „Über die Kompositionen“).
Die Stücke meiner CD sind so vielfältig wie es die Vögel sind: da gibt es watschelnde Pinguine (Penguin Parade), majestätisch schreitende Marabus (Ubaramarabu), sturmzerzauste Nachtigallen (Gale in Night, Nightingale), düster heulende Eulen (Low Owl) und hell zwitschernde Piepmätze (Twittering Machine). Mal geht es streng strukturiert zu (etwa bei Penguin Parade oder Ubaramarabu), mal sind alle Musiker frei wie Vögel (etwa bei Half-Brain Dream oder Low Owl), meist gibt es aber eine Balance zwischen Struktur und Freiheit, Kopf und Bauch, Logik und Intuition (etwa bei Wingswing oder Dribs and Drabs).
In den meisten Stücken versteckt sich Symmetrie: zunächst in manchen Titeln (Wingswing, Ubaramarabu, Gale in Night, Nightingale), vor allem aber in der Musik: mal in der Melodie, mal im Rhythmus, mal in der Songform oder auch in der Akkordsprache. In manchen Stücken gibt es mehrere Symmetrien, zum Beispiel in der Melodie und im Rhythmus (näheres unter „Über die Kompositionen“). Aber keine Angst: Niemand braucht ein musikwissenschaftliches oder mathematisches Diplom, um diese Musik genießen zu können! Wer sich dafür interessiert, wo genau die Symmetrie zu finden ist, den verweise ich auf „Über die Kompositionen“. Ich denke, dass man mit diesen Informationen die Musik noch besser verstehen wird, denn auch hier gilt: Man hört nur, was man weiß! Symmetrie ist ein Grundprinzip der Natur und begründet unser Schönheitsempfinden, etwa bei Gesichtern. Allerdings finden wir ja ein Gesicht dann besonders schön und lebendig, wenn die Symmetrie ein klein wenig aus der Bahn geschmissen wird (etwa durch ein Muttermal auf der rechten Wange). Auch in meiner Musik gibt es solche Muttermale. Und nun viel Spaß beim Hören!
Henning Sieverts über die Kompositionen
Alles dreht sich um die Vogelwelt:
1. Wingswing: Die kräftig swingende Melodie entspringt
der Hexatonik, einer symmetrischen Sechs-Tonleiter (kleine
Terz-kleine Sekunde-kleine Terz-kleine Sekunde-kleine
Terz-kleine Sekunde). Diese Melodie wechselt ständig
im Tempo und das auch symmetrisch: 4 Takte langsam –
4 Takte schnell – 4 langsam – 4 schnell – 4 langsam –
4 schnell. „Sechs“ ist hier also die Schlüsselzahl: mit der
Sechs-Tonleitern und sechs Abschnitten von wechselndem
Tempo (auch im Klavier-Solo, dann aber jeweils 16 Takte).
Im medititativen Solo-Teil nach dem Anfangs-Thema leuchten
alle fünf Musiker kollektiv die geheimnisvoll-dunkle
Hexatonik aus.
2. Dribs and Drabs („kleckerweise“): Zunächst spielen
Cello, Klarinette und Posaune dreistimmige symmetrische
Akkorde (clusterartig eng im Sekund-Abstand), es klingt wie
ein verhaltener Vogel-Gesang. Im zweiten Teil (nach dem
Klavier-Solo) legen Klarinette und Posaune langgezogene
symmetrische Melodien über eine Akkordfolge, deren Basstöne
eine 12-Tonreihe bilden. Zum Titel: Im Wort „dribs“
steckt rückwärts „bird“.
3. Ubaramarabu: Schreitet ruhig dahin wie ein Marabu:
Der 11/8-Takt wird dabei vierfach unterschiedlich gestaltet,
aber immer symmetrisch: im Bass mal 2-2-3-2-2, mal 3-1-3-
1-3. In der Klarinette 3-2-1-2-3, in der Posaune 2-3-1-3-2.
Dieses dichte Geflecht beruhigt das Klavier mit 11 Halbenoten,
die sich über eine Strecke von vier 11/8-Takten
legen. Die pentatonisch-sonnigen Melodien unterstützen
den afrikanisch-fröhlichen Charakter.
4. Penguin Parade: auch die Pinguine marschieren weitgehend
pentatonisch, aber in verschiedenen Tonarten
gleichzeitig, manchmal geraten sie dabei ins Stolpern und
rappeln sich wieder.
5. Rebird: Meditatives Klangbild mit einer indisch anmutenden
(der Titel Rebird ist nah an „rebirth“) symmetrischen
Tonleiter. Der Bass spielt einen ruhigen symmetrischen
Groove im 9/4-Takt (2-2-1-2-2), darüber legen sich
unterschiedlich schnelle symmetrische Unterteilungen.
Den schwebenden Charakter unterstützt das „E-bow“ am
Klavier, ein Gerät, dass die Saiten elektromagnetisch in
Schwingung bringt.
6. Twittering Machine: eine Hommage an Paul Klees einzigartiges
Gemälde „Zwitschermaschine“. Maschinist ist
hier das Schlagzeug, das Klarinette, Cello und Posaune auf
Kommando zwitschern lässt.
7. Blackbird/Wenn ich ein Vöglein wär’: zwei Vogel-
Klassiker in einem. Zunächst der Beatles-Hit, symmetrisch
aufbereitet: Klarinette und Posaune spielen unterschiedliche
symmetrische Grooves, die ineinander verzahnt sind,
darüber zwitschert und tiriliert das Klavier. Dann das wunderschöne
deutsche Volkslied als stimmungsvolle Ballade
8. Low Owl: Eine Versammlung unterirdisch tiefer Eulen.
9. Gale in Night, Nightingale: Eine Hommage an Arnold
Schönberg, nicht nur für den Meister der 12-Ton-Musik
(auch meine Komposition arbeitet damit) sondern auch für
den Maler Schönberg, speziell für sein düsteres Selbstportrait
„Vision“. Der Titel ist ein symmetrisches Wortspiel:
Eine Nachtigall, die in einen heftigen nächtlichen Sturm
(„gale“) gerät.
10. E Bird: Ein ausdauernder Vogel (das Klavier) wiederholt
stoßartig ohne Pause den Ton „E“, ein anderer (die Posaune)
etwas weniger markant ein „G“, zwei andere Vögel (Klarinette
und Bass) bewegen sich um diese Spiegel-Achse weich
symmetrisch rauf und runter.
11. Half-Brain Dream: Vögel schlafen mit nur einem geschlossenen
Auge: das andere Auge (und die andere Gehirnhälfte)
bleibt wach und aufmerksam. Um diesen erstaunlichen
Zustand zwischen Schlafen und Wachen geht es in
dieser Miniatur, in der wieder verschiedene Pentatoniken
aufeinandertreffen.
12. Blues for Alice: Die originale Bebop-Melodie von
Charlie Parker (der ja mit Spitznamen „Bird“ hieß) wird
Ton für Ton übernommen, allerdings in einer anderen rhythmischen
Gestalt und mit neuen Akkorden unterfüttert.
Nach dem Klavier-Solo spielen Klarinette und Posaune die
Parker-Melodie rückwärts und da müsste sie dann eigentlich
„Ecila Rof Suelb“ heißen …
13. O. M.’s Birdsday: eine Hommage an den französischen
Komponisten Olivier Messiaen, der – als großer Vogelfreund
– in seiner Musik viele originale Vogelgesänge verarbeit hat.
Das Wortspiel: „Birdsday – Birthday“ erklärt sich folgendermaßen:
Die schlichte Melodie setzt das Geburtsdatum von
Messiaen (10.12.1908) in Töne um: die 1 steht für einen
Halbton, die O für eine Wiederholung der vorhergehenden
Note, die 2 für einen Ganzton, usw. So ist O. M.’s Birdsday
ein Ständchen zum 100.Geburtstag!
Biografie Henning Sieverts
Der Musiker und Journalist Henning Sieverts, geboren 1966 in Berlin, spielt seit dem fünften Lebensjahr Cello. Von 1977 bis 1984 ist er Stipendiat am Berliner Konservatorium mit den Fächern Cello, Klavier und Harmonielehre. 1983 und 1984 belegt er jeweils den 1. Preis beim Wettbewerb „Schüler komponieren“. Mit 16 Jahren lernt er autodidaktisch das Bass-Spielen und sammelt erste Erfahrungen im Jazz. 1985 beginnt er in München ein Studium der Journalistik an der Deutschen Journalisten-Schule und der Ludwig-Maximilians-Universität, das er 1990 mit dem Diplom abschließt. Parallel zum Studium beschäftigt er sich intensiv mit Jazz bzw. Kontrabass sowie E-Bass und erarbeitet eigene Kompositionen im Jazz und in der Klassik. 1990 wird Henning Sieverts in das Bundesjazzorchester (BuJazzO) unter Leitung von Peter Herbolzheimer aufgenommen. 1991 ist er für sechs Monate in New York; seit 1992 unterrichtet er unter anderem bei Jazz-Workshops in New York, Sydney, Lissabon, Linz, Graz, Berlin, Nürnberg, Stuttgart und München. 1994 schließt er die Staatliche Musikreifeprüfung am Richard-Strauss-Konservatorium München ab. Seit 2003 moderiert Henning Sieverts als freier Mitarbeiter Jazzsendungen beim Bayerischen Rundfunk.
Henning Sieverts spielte mit sämtlichen deutschen Rundfunk-Bigbands (WDR, NDR, SWR, HR, RIAS). Tourneen führten ihn durch ganz Europa sowie nach Nord- und Südamerika, Afrika und Australien.
Das Komponieren besitzt für Henning Sieverts schon immer einen besonderen Stellenwert. Bislang entstanden sind mehrere hundert Jazzkompositionen (davon rund 80 auf CD dokumentiert) sowie zahlreiche klassische“ (durchkomponierte) Werke (Streichquartett, 2 Orchesterstücke, diverse Kammermusik für Bass/Klavier und Cello/Klavier). Zudem hat er Texte von deutschen Schriftsteller (Tucholsky, Mühsam, Scheerbart u.a.) für Chanson und Theater vertont. Henning Sieverts hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten: 1983 und 1984 1.Preis beim Wettbewerb „Schüler komponieren“; 1990 Musikförderpreis der Landeshauptstadt München; 1991 Sieger beim Jazz-Contest der „International Society of Bassists“; 1994 Bayerischer Staatspreis; 2007 Neuer Deutscher Jazzpreis (mit Johannes Enders), auch Solistenpreis des Neuen Deutschen Jazzpreises.
Auswahl der Musiker, mit denen Henning Sieverts gespielt hat (von A bis Z): Franco Ambrosetti, Benny Bailey, Richie Beirach, Jim Black, Marc Copland, Marc Ducret, Robin Eubanks, Antonio Farao, Art Farmer, Martin France, Paulo Fresu, Barry Guy, Slide Hampton, Roy Hargrove, Anke Helfrich, Eddie Henderson, John Hollenbeck, Bireli Lagrene, Christof Lauer, Ngyen Le, Jim McNeely, Rudi Mahall, Rick Margitza, Michael Moore, James Morrison, Adam Nussbaum, Bobby Shew, Chris Speed, Lew Tabackin, Ack van Rooyen, Chris Speed, Norma Winstone, Jens Winther, Nils Wogram, Phil Woods, Attila Zoller.
Auf über 75 CD-Produktionen ist Henning Sieverts mit Bass und/oder Cello zu hören, darunter zehn unter eigenem Namen: Goldfischgesänge (1995) mit Rudi Mahall und Bill Elgart; Too Early For This World (1997) mit Peter 0’Mara und Guido May; Brooklyn Blue (1997) mit Johannes Enders und Christian Salfellner; Leoni e altri gatti (2000) mit Pietro Tonolo und Roberto Dani; TriOzOne: Himmelsklänge (2004) mit Hugo Siegmeth und Gerhard Gschlössl; The Hidden C (2004) mit Maria Pia deVito; Matthias Nadolny, Glauco Venier, Peter 0’Mara und John Hollenbeck; What’s New (2005) mit Antonio Farao und John Hollenbeck; Germany 12 Points (2006) mit Carsten Daerr und Bastian Jütte; Symmetry (2007) mit Chris Speed, Nils Wogram, Achim Kaufmann und John Hollenbeck; Blauer Reiter (2008) mit Johannes Enders, Hugo Siegmeth und Bastian Jütte.
Die Sidemen
Chris Speed ist einer der wichtigsten Musiker der New Yorker Szene. Er leitet (oder co-leitet) die Bands Pachora, Human Feel, yeah NO und Trio Iffy mit Musikern wie Kurt Rosenwinkel, Jim Black, Cuong Vu und Skuli Sverrison. Als Sideman ist er u.a. zu hören mit Tim Berne’s Bloodcount oder John Hollenbecks The Claudia Quintet sowie mit Myra Melford, Mark Dresser, Erik Friedlander oder Dave Douglas. 2006 gründete Chris Speed mit anderen Musikern das Label Skirl Records. Geboren 1967 in Seattle, Washington, lernte Chris Speed mit fünf Jahren Klavier und mit elf Jahren Klarinette. An der High School kam das Tenorsaxophon hinzu. Er studierte am New England Conservatory of Music in Boston und lebt seit 1992 in New York.
Johannes Lauer, geboren 1982 in Tübingen, gilt als einer der talentiertesten Bläser Deutschlands. Von 1998 bis 2002 war er Mitglied des Bundesjazzorchester unter der Leitung von Peter Herbolzheimer. 2003 gewinnt er den Frank Rosolino Competition, den (einzigen) international renommierten Wettbewerb für Jazz-Posaune. Sein 2002 an der Universität der Künste Berlin begonnenes Studium setzt er 2004 als Erasmus-Stipendiat in Luzern fort (u.a. unterrichtet von Nils Wogram, Ed Neumeister, David Angel, Dieter Ammann, Kurt Rosenwinkel) und schließt 2006 mit dem Diplome in Performance (Jazz-Posaune) und Komposition ab. 2007 gründet er die Bands Lauer Large und Duo Lauer/Sorey. 2008 geht er auf mehrmonatige Tour mit Abdoulaye Diabaté und dem Koutiala Orchestra (Mali/Burkina Faso).
Achim Kaufmann ist einer der wichtigsten europäischen Pianisten, vielseitig aktiv in der Schnittmenge Jazz-Freie Improvisation-Neue Musik. Sein lyrisches Spiel bereichert er durch behutsames Präparieren des Klaviers und bisweilen auch durch elektronische Verfremdung. Geboren 1962 in Aachen, studierte Kaufmann ab 1984 in Köln bei Frank Wunsch und Rainer Brüninghaus. Weitere Lehrer waren Steve Lacy, Dave Holland, Steve Coleman, Muhal Richard Abrams, George Lewis und Richie Beirach (in Kanada und Paris). Seit 1996 lebt Kaufmann in Amsterdam. In seinen eigenen Bands spielen u.a. Michael Moore, John Hollenbeck, Frank Gratkowski, Wilbert deJoode, Han Bennink und Dylan van der Schyff. 2001 erhielt Achim Kaufman den SWR-Jazzpreis. Er spielte auf allen wichtigen europäischen Festivals und gastiert regelmäßig in den USA und Kanada. 2008 veröffentlichte Achim Kaufmann bei Pirouet Records die CD Kyrill.
John Hollenbeck ist ein derart vielseitiger Musiker, dass es wie eine unzulässige Einschränkung klingt, ihn nur als Schlagzeuger zu bezeichnen. Dabei ist er einer der besten und gefragtesten Drummer weltweit und zwar in sehr unterschiedlichen musikalischen Zusammenhängen: als Bigband-Schlagzeuger trommelt er z.B. in Bob Brookmeyers New Art Orchestra oder mit der Jazzbigband Graz. In kleinen Modern-Jazz-Besetzungen ist sein farbenreiches, sensibles Spiel gefragt bei Größen wie Fred Hersch oder Kenny Wheeler.
Über den Jazzrand hinaus schaut er mit der Sängerin Meredith Monk, mit David Krakauers Klezmer Madness oder in der rockorientierten Band des Trompeters Cuong Vu. Darüber hinaus ist John Hollenbeck ein bedeutender Komponist und Arrangeur. Er schrieb mehrere preisgekrönte Orchesterwerke, komponiert aber vor allem für seine eigenen Gruppen, etwa für sein Claudia Quintet oder für das experimentelle Duo mit dem Sänger Theo Bleckmann. John Hollenbeck lebt in New York und hat eine Professur für Schlagzeug in Berlin.


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