Efrat Alony – Dismantling Dreams

In Israel, Deutschland und den USA studierte Efrat Alony Komposition, Arrangement, Jazzgesang und klassischen Gesang; fortführende Studien führten sie zu Joe Lovano, Bob Brookmeyer und Steve Gray. Als Feature-Solistin trat sie mit zahlreichen Bigbands auf, z.B mit dem United Women’s Orchestra, Sunday Night Orchestra (CD „Overcast“, 2008), Jazz Orchestra of the Concertgebouw (Amsterdam), HR-Bigband (CD in Vorbereitung) und Zürich Jazz Orchestra. Sie wurde mit dem Jazz-Performance-Preis der Karl-Hofer-Gesellschaft ausgezeichnet (2007) und einem Jazz-Förderpreis des Berliner Senats (2008). „Dismantling Dreams“, Efrats viertes Album mit ihrem Bandprojekt Alony, wurde zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk von ihrem langjährigen musikalischen Partner und Pianisten Mark Reinke produziert. Alony – nun reduziert zum Trio (plus Streichquartett) – mischen hier akustische und elektronische Elemente zu originellen Sounddesigns, die gezielt von aktuellen Konzepten der Popmusik beeinflusst sind. Eingebettet in diese abenteuerlichen Soundscapes gewinnt Efrats faszinierende Stimme eine neue, fundamentale Klarheit und eine emotionale Tiefe, die sie nie zuvor erreicht hat. Das ist Singer-Songwriter-Kunst von besonderer, grenzüberschreitender Art. „Die Kompositionen sind wie Gefühls-Collagen“, sagt Efrat, „wie kleine Ohrfilme.“

Efrat Alonys Songs werden seit Jahren von der Presse gefeiert. Die einen nennen sie „populäre Kunstlieder, hoch expressiv“, die anderen „auf geheimnisvolle Weise vom Jazz herkommende Popsongs“ oder gar eine „Kammerjazz-Parallelwelt“. In Jazzzeit war zu lesen: „Die Sängerin Efrat Alony hat nicht nur eine interessante Stimme, sondern ist auch eine Komponistin und Textdichterin, die etwas zu sagen und ihre eigene Sprache gefunden hat.“ Und beim Bayerischen Rundfunk kommentierte man: „Sie ist eine Musikerin von eigensinniger Raffinesse, liebt die Verschmelzung von Elementen aus Jazz, Rock und elektronischer Musik und verleiht diesem Sound mit persönlichen Texten und dunkler Altstimme ein großes Maß an Individualität.“ „Dismantling Dreams“ unterstreicht die verstörende, unbändige Freiheit einer großen Künstlerin.

Efrat Alony über „Dismantling Dreams“

1. Dismantling Dreams
Lyrics: Efrat Alony Music: Mark Reinke
„dispelling the darkness / I‘m dismantling dreams / reflections of fantasies / a sweet hazy lightness“

Mein „Feel Good Song“, der eine Reise beschreibt, die voller Ruhe, Frieden, Leichtigkeit und Offenheit “von Null“ beginnt. Nichts Negatives stört dabei. Es war der erste Song, den wir vorbereitet haben. Er gibt unsere musikalische Grundidee für die gesamte CD vor.

 

2. Lights On/Off
Efrat Alony
„if you were to turn the lights off / were to leave me staring at a wall / just thinking of it all / would I think that I’m where I longed to be / that I found the home for me / and would you stand by me / when it’s getting dark“

Das ist die mittlerweile dritte Version des Songs, der „unfertig“ zu bleiben scheint. Die erste Version findet sich auf dem Album „Merry-go-round“; die zweite Version auf dem Album Unarmed and Dazed“. Hier also eine neue Version zu diesem Song, der nicht ruhen möchte und uns ständig zu neuen Entdeckungen zwingt.

3. And Then I Think of You
Efrat Alony
„and then I think of you / I freeze inside / I feel dumb and numb now / each time I think of you, dream of you / I hear a voice that is calling / it leads me to the maze / of all the words that were left unspoken / each time I think of you, dream of you / I’m being sucked in back again / I hum those songs again“

Der Song beschreibt eine Achterbahnfahrt nach dem Ende einer Beziehung mit allen Höhen und Tiefen – vom Gefühl der Freiheit bis hin zur tiefen Sehnsucht. Der Song ist wie ein Collage dieser unterschiedlichen Zustände komponiert und endet offen mit einem Fragezeichen.

4. The Song of Spring
Lyrics: Efrat Alony Music: Mark Reinke
„and their voices are fading / with day light / the sun is out / it melts away my doubts now / the hum of bees / the hush of trees / they’re whispering the song of spring“

Der Song beschäftigt sich mit den Gedanken, die um einen in der Stille der Nacht herumtanzen. Kein ablenkendes Tagesrasen, kein „Weißes Rauschen“. Hier haben wir mit vielen kleinen Geräuschen experimentiert. Die Gestaltung soll ein Gefühl des Unbehagen darstellen, bis sich im letzten Teil des Songs dieser plötzlich öffnet und man mit viel „Feel Good Klang” und Groove umhüllt wird.

5. Crystal Gazing
Efrat Alony
„I am tangled in a world of broken thoughts / clarity vanishes, my head / is slowly spinning / when I’m alone / I can’t but crave to crystal gaze / funny predictions / and my day’ll be clearly better“

Das Thema „Verrückt werden“ hat mich schon immer fasziniert und auch beängstigt. Eines Tages habe ich dann hautnah erlebt, dass das Leben zweier enger Freude durch eine plötzliche mental Erkrankung völlig aus der Bahn geworfen wurde. Ich musste feststellen, dass zwischen „normal sein“ und in der Gesellschaft zu „funktionieren“ und „verrückt sein“ und nicht mehr zu funktionieren, eine sehr dünne und beängstigend undeutliche Grenze besteht. In diesem Song versuche ich mit dem Thema auf eine ironisch-leichtere Art umzugehen: sich bewusst den Freiraum zu lassen für dieses kurze „verrückt spielen“, aber mit der Gewissheit, wieder heraus zu kommen.

6. Hear Me
Efrat Alony

Mein Lieblingslied auf der CD. In ihm wird das Streichquartett gefeatured. Dieser Klangkörper fasziniert mich und drängt mich beim Schreiben, immer wieder neue Wege zu suchen. Im Soloteil spielen quasi zwei Streichquartette gegeneinander, das eine als das Echo des anderen. Wenn ich noch mal anfangen könnte, würde ich unglaublich gerne Cello spielen.

7. Buba Memukenet
Lyrics: Daliah Ravikovitz Music: Efrat Alony

Es ist für mich ein großes Privileg, das Lied einer der bedeutsamsten zeitgenössischen israelischen Dichterinnen vertonen zu dürfen. Es beschäftigt sich mit der Beziehung Individuum und Gesellschaft. Wie viel von unserem wahren Ich dürfen wir und sollen wir zeigen? Die Frau in dem Lied muss feststellen, dass ihre Umgebung sie ständig zu „reparieren“ versucht und mit ihr als Person nur unter deren Bedingungen umgeht. Ein Zustand, in dem die Frau sich selber nicht mehr wiedererkennen kann oder möchte.

8. To a Child Dancing in the Wind

9. 2 Years Later
Lyrics: W.B. Yeats Music: Efrat Alony

Ich war auf der Suche nach Inspiration von außen, und bin auf diesen spannenden Text von W. B. Yeats gestoßen, in dem er mit einer klaren, wunderschönen Sprache eine Konversation zwischen einem Älteren und einem Jüngeren beschreibt. Der Ältere hat vieles gesehen und weiß es besser. Der Jüngere dagegen möchte und kann aus den Erfahrungen anderer nicht lernen, sondern muss sie selber machen. Der Text ist voller Selbstironie über das Leben, über Beziehungen, die Rollen der verschiedene Generationen und den Lauf der Dinge, obwohl darin zum Teil sehr harte Bilder beschrieben werden. Das hat mich gereizt.

“has no one said those daring / kind eyes should be more lean’d? / or warned you how despairing / the moths are when they are burned? / I could have warned you but you are young / so we speak a different tongue”

10. Recollecting
Lyrics: Efrat Alony Music: Mark Reinke

Kurz vor dem Ende der Reise versucht man Frieden zu schließen, mit dem was war und sich zu öffnen, für das, was kommt. Das Lied ist eine Collage von Bildern und Erinnerungen einer zu Ende gegangenen Partnerschaft und den Spuren, die diese auf eine mögliche neue Begegnung hinterlässt.

11. Ad Matay
Etti Ankri

Dieses Lied ist von der israelischen Singer/Songwriterin Etti Ankri geschrieben worden. Es erzählt von einer Frau, die sich in einem verheirateten Mann verliebt hat. In dem Song findet sich diese sehr starke Frau in einem sehr schwachen Situation. Ich bin mit diesem Lied aufgewachsen. Seine Stärke liegt in der Einfachheit und Klarheit der Komposition und des Textes. Der Kontrast zwischen zugleich stark und schwach sein hat mich gereizt, diese Geschichte zu erzählen. Verbunden mit der Hoffnung, dass wir lernen, nicht gleich zu richten.

Biografie Efrat Alony

Spätestens mit ihrer dritten CD „Unarmed And Dazed, erschienen 2006, wurde die damals 31jährige Efrat Alony einem breiteren Publikum bekannt – und die Presse war wiederum voll des Lobes: „Die israelische Sängerin Efrat Alony verwirrt mit Stimme, Schönheit und Verstand“ schrieb etwa Tom R. Schulz in der Zeit. Beate Sampson kommentierte im Bayerischen Rundfunk: „Verschlungen sind ihre Melodieführungen, opulent das harmonische Konzept ihrer Kompositionen. Sie erreicht in ihnen die Eindringlichkeit von Chansons, setzt aber dabei ihre Stimme ganz klangbewusst, fast auf instrumentale Weise ein“ und Claus Gnichwitz vom Westdeutschen Rundfunk befand über die seit 1997 in Berlin lebenden Sängerin, Komponistin, Texterin und Arrangeurin: „bezaubernd, tiefgründig, geheimnisvoll und ziemlich selbstbewusst“. Selbstbewusstsein – oder vielleicht treffender Selbstvertrauen – muss bei Efrat Alony tatsächlich reichlich vorhanden sein, um so bewegt durchs Leben zu gehen: 1975 in Haifa, Israel, als Tochter irakischer Einwanderer geboren, studierte sie Komposition, Arrangement, Jazz- und klassischen Gesang, zunächst in ihrem Heimatland (Rimon school of jazz and contemporary music), dann in den USA (Berklee College of Music in Boston) und abschließend in Deutschland (Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin). Sie nahm Unterricht u.a. bei Joe Lovano, Bob Brookmeyer und Steve Gray. Von da an ging es stetig weiter. Als Feature-Vokalistin und Komponistin trat Efrat Alony auf beim Sunday Night Orchestra (mit Unterstützung des Bayerischen Rundfunks), mit dem Jazz Orchestra Concertgebouw, Amsterdam und mit der Bigband des Hessischen Rundfunks. Sie arbeitete als musikalische Leiterin und Vokaltrainerin für diverse Theaterproduktionen u.a mit dem renommierten amerikanischen Regisseur Robert Wilson. 2006 gewann sie den mit 5000 Euro dotierten Jazz Performancepreis der Karl-Hofer-Gesellschaft Berlin. 2008 erhielt sie mit ihrem Projekt Alony den Berliner Senat Jazz-Förderungs Preis. Mit „Dismantling Dreams“ wird 2009 ihr mittlerweile viertes Album wiederum bei Enja Records veröffentlicht (Co-Produktion mit dem Bayerischen Rundfunk) – begleitet von einer großen Konzerttournee auch in ihre Heimat Israel.

Links

www.alony.de
www.myspace.com/alonymusic
www.enjarecords.com

Diskografie

Als Leader
2009 Dismantling Dreams ENJA RECORDS ENJ 9523 2
2006 Unarmed And Dazed ENJA RECORDS ENJ 9491 2
2005 Unravelling
2002 Merry-Go-Round

Als Sidewoman
2008 Overcast (The Music of Ed Partyka performed by
Sunday Night Orchestra featuring Efrat Alony)

VÖ 17. April 2009
ENJA RECORDS/edelkultur
ENJ 9523 2
Efrat Alony vocals
Mark Reinke piano, keyboards, electronics, melodica
Christian Thomé drums, electronics, glockenspiel
Guests: kaj:kaj string quartet

Fotos: Carola Schmidt

Ähnliche Artikel im Herrenzimmer
Nicole Herzog – Dutch Jazz Orchestra – Stryker/Slagle Band Ft. Joe Lovano
Nicole Herzog - Time will tell Die junge, bildhübsche Schweizer Sängerin wurde an den Frauenfelder Generations Tagen entdeckt und zwar vom Posaunisten Adrian ...
Weiterlesen...
Nicole Herzog – Dutch Jazz Orchestra – Stryker/Slagle Band Ft. Joe Lovano
 
 
Alles aus der Rubrik CD
Alles aus der Rubrik Sängerin