Alle Sketche, Spielfilmausschnitte mit und über Loriot, Zeichnungen von den Anfängen bis zur jüngsten Gegenwart, Fotografien, Dokumente, Modelle von Bühnenbildentwürfen, Filmrequisiten, Objekte und vieles andere mehr: Die Ausstellung der Deutschen Kinemathek, Museum für Film und Fernsehen (Berlin) führt mit ca. 400 Exponaten das Lebenswerk Vicco von Bülows, bekannt und beliebt als Loriot, vor Augen.
Seit fast einem halben Jahrhundert beeinflusst Vicco von Bülow mit seinem Humor wie kein anderer den Alltag und das kulturelle Leben in Deutschland. Mit seinen Zeichnungen, seiner Prosa und seiner Lyrik, mit dramatischen Werken und seinen Reden, vor allem aber mit seinen Fernseh-Sketchen (1967 – 2003) schrieb er sich unter dem Künstlernamen Loriot in die Biografien und die Herzen sehr vieler Menschen.
Drei Themen nahm er immer wieder unter die Lupe: Die mangelnden kommunikativen Fähigkeiten in der Gesellschaft, vor allem zwischen Frauen und Männern; das Verhältnis von Mensch und Tier, und die Frage, was unser Leben mit den so genannten Errungenschaften der Hochkultur, insbesondere mit der Musik, der Literatur und der Malerei, zu tun hat bzw. zu tun haben könnte.
Die Ausstellung macht anschaulich, worin das Besondere des Loriot’schen Humors besteht. Sie zeigt, mit welcher Präzision und Perfektion Loriot arbeitet. Sie erzählt davon, wie sich die außergewöhnliche Vita und die besondere Weltanschauung des Künstlers mit dem scheinbar ganz und gar unspektakulären Leben seiner Mitmenschen verbinden – niemals schadenfroh, doch mit scharfem Blick für die tragikomischen Seiten des Lebens und für das Chaos, das hinter jedem Versuch lauert, die Welt zu ordnen. Sie begleitet den Künstler bei seinen Ausflügen in die Welt des Kinos, der Oper und der klassischen Musik.
Zur Ausstellung erscheint die Publikation “Loriot. Ach was!” im Hatje Cantz Verlag (Hardcover, ca. 176 Seiten mit ca. 160 Abb., davon ca. 130 in Farbe).
Eine Ausstellung der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 11 – 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 11 – 21 Uhr
Museums-Eintritt: 8 € / 5 €, mittwochs und donnerstags ab 17 Uhr immer 5 € Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre frei
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 Hamburg
ÖFFNUNGSZEITEN
Sammlungen
Dienstag bis Sonntag
11.00 – 18.00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 11.00 – 21.00 Uhr
mittwochs und donnerstags an oder vor Feiertagen 11 – 18 Uhr
Geschlossen
Montags, 1. Mai, Heiligabend und Silvester
Geöffnet
Karfreitag, Ostersonntag und -montag, Pfingstsonntag und -montag,
Gründonnerstag und Himmelfahrt
11.00 – 18.00 Uhr,
1. und 2. Weihnachtsfeiertag und Neujahr
12.00 – 18.00 Uhr,
sonstige Feiertage 11.00 – 18.00 Uhr
Vita Loriot – Vicco v. Bülow
12.11.1923 Geboren in Brandenburg an der Havel
1934-1941 Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Berlin und Stuttgart
1939-1940 Komparse an der Staatsoper Stuttgart
1942-1945 Soldat in Russland
1947-1949 Studium der Malerei und Grafik an der Landeskunstschule in Hamburg bei Willem Grimm und Alfred Mahlau; mit ihm studieren Horst Janssen und Paul Wunderlich
1949 Vicco v. Bülow signiert zum ersten Mal eine Zeichnung mit “Loriot”
1950 Veröffentlichung erster Zeichnungen in Zeitungen und Illustrierten, u. a. in
“die strasse”, im “Hamburger Abendblatt” und im “Stern”
1951 Die Modezeichnerin Rose-Marie “Romi” Schlumbum und Vicco v. Bülow heiraten
1953 Publikation der Zeichenserie “Auf den Hund gekommen” im “Stern”; in der
Kinderbeilage “Sternchen” erscheint die Serie Reinhold das Nashorn; ein Jahr später Buchveröffentlichung Reinhold das Nashorn und Auf den Hund gekommen; ab 1955 Cartoons für “Weltbild” und “Quick”
1956 Umzug von Hamburg, zunächst nach Gauting bei München, danach in sein Haus am Starnberger See; zahlreiche Werbeaufträge, u.a. für Scharlachberg, Stanwell und Agfa
ab 1957 Vicco v. Bülow übernimmt kleine Rollen in Kinofilmen, z.B. in Die Brücke
(Regie Bernhard Wicki)
1967 Beginn der Fernseharbeit beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart (SDR, heute SWR); Moderation von internationalen Zeichentrickserien sowie Produktion eigener Cartoons (Buch, Regie und Sprecher) und Fernseh-Sketche (Buch, Co-Regie und Hauptdarsteller);
1972 endet die Reihe Cartoon nach 21 Folgen
1971 -1996 “Wum” und “Wendelin”, Zeichentrickfiguren für die Spielshow Der große Preis (“Aktion Sorgenkind”) des Zweiten Deutschen Fernsehens, ZDF
1974 Fernsehsendung Telecabinet, SDR
1975 Textbearbeitung zu der musikalischen Erzählung Karneval der Tiere von
Camille Saint-Saëns
1976-1978 Loriot I-VI, Fernsehreihe für Radio Bremen (RB); Autor, Hauptdarsteller und Regisseur: Vicco v. Bülow. Erstmals an Loriots Seite: die Schauspielerin Evelyn Hamann
1979 Erstes Dirigat bei den Berliner Philharmonikern
1980 Politische Satire für das ARD-Fernsehmagazin Report (SWR, Baden-Baden)
1982 Festrede bei den Berliner Philharmonikern und spielt mit ihnen zusammen Sketche anlässlich ihres hundertsten Geburtstags
1983 Textbearbeitung zu dem musikalischen Märchen Peter und der Wolf von Sergej Prokofjew
1986 Inszenierung der Oper “Martha” von Friedrich v. Flotow an der Staatsoper Stuttgart (Regie, Bühnenbild, Kostüme)
1988 Inszenierung der Oper “Der Freischütz” von Carl Maria von Weber für die
Schlossfestspiele in Ludwigsburg (Regie, Bühnenbild, Kostüme)
1988 Premiere des ersten Kinospielfilms Ödipussi in Berlin, am gleichen Tag in Ost- und Westberlin (Buch, Regie und Hauptdarsteller)
1991 Premiere des zweiten Spielfilms Pappa ante Portas (Buch, Regie und Hauptrolle)
1990-2003 Karneval der Tiere; Auftritte mit dem Scharoun Ensemble der Berliner
Philharmoniker
1992 -2001 “Der Ring an 1 Abend”; Bearbeitung von Richard Wagners Ring der Nibelungen in einer Fassung für Erzähler, Sänger und Orchester, Premiere im Nationaltheater in Mannheim
1994-1998 Lesungen mit Walter Jens aus dem Briefwechsel zwischen Friedrich II. und Voltaire
1997 -2004 Moderation der jährlich stattfindenden Gala zu Gunsten der Deutschen Aids-Stiftung in der Deutschen Oper Berlin
1997 Inszenierung der Oper “Martha” im Staatstheater am Gärtnerplatz München
1997 -2002 “Candide”, Operette von Leonard Bernstein; Premiere im Prinzregententheater München; Neubearbeitung der Texte und Sprecher: Vicco v. Bülow
2004 Berufung zum Honorarprofessor an die Universität der Künste, Berlin
2006 Rede zur Eröffnung des Fernsehmuseums im Museum für Film und Fernsehen in Berlin. Im gleichen Jahr beginnt er seine Bildserie “Nachtschattengewächse”, Zeichnungen, die in dieser Ausstellung erstmals öffentlich gezeigt werden.



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