Passion Photography – Der Fotograf Thomas Schloemann

Hildegard Knef und Till Broenner (Foto Thomas Schloemann)

Thomas, erinerst du dich daran, wie dieses Bild zustande kam?

Till Brönner hatte gerade mit Hildegard Knef das Album 17 Millimeter (1999) produziert. Zur Veröffentlichung der CD war als PR Aktion ein Interview zwischen Till Brönner und Hildegard Knef geplant, welches in der Zeitung Jazzthing abgedruckt werden sollte. Der Herausgeber des Magazins Axel Stinshoff rief mich an und fragte, ob ich ein Photoshooting dazu machen könnte. Nach einigen Überlegungen entschlossen wir uns einen Phototermin bei Hildegard Knef zu Hause zu machen. Am Tag des Shootings traf ich mich dann erst mit Till Brönner in einem Berliner Cafe zu einer Frühstücksbesprechung. Gemeinsam sind wir zu Hildegard Knef gefahren. Ich war sehr gespannt auf das Treffen mit der großen Dame.

Wie war Hildegard  Knef bei diesem Anlass? Wie hast du sie erlebt?

Nachdem wir an der Haustüre geklingelt haben, öffnete uns Hildegard Knefs Lebensgefährte Paul von Schell die Tür. Hildegard Knef stand ein wenig im Hintergrund, was nichts daran änderte, dass eine große Energiewelle auf uns einströmte, eine Aura, welche ich selten bei einem Menschen gespürt habe.

Auch wenn es ihr nicht gut ging - sie konnte aufgrund eines Sturzes kaum stehen und erst recht nicht sitzen - strahlte sie eine Ruhe und Wärme gepaart mit Gastfreundlichkeit aus, welche mich bis heute in der Erinnerung begleitet. Nachdem Till sein Interview geführt hatte entschloss ich mich zu dem Photo, welches sie in liegender Position auf ihrer Couch zeigt. Da sie wirklich Schmerzen hatte, ging  alles ratz fatz. Wärend Paul von Schell sich um ihre Frisur kümmerte hab ich meine Hasselblatt rausgeholt – auf einen Film gehen 10 Photos -, das Licht eingerichtet, Till Brönner vor ihr auf dem Fussboden sitzend positioniert und einen halben Film durchgeschossen, um sie nicht zu quälen. Nachdem ich dann mein Equipment wieder eingepackt hatte, meinte sie, dass sie selten ein so professionelles Shooting mitbekommen hätte, was mich innerlich sehr freute. Zum Abschied bekamen Till und ich einen Kuss auf die Wange und ich stieg in mein Auto und nahm die gefühlte Wärme mit auf den Weg nach Hamburg.

Betrachtet man dein Portrait Portefolio fällt auf, dass du bis auf ganz wenige Ausnahmen hauptsächlich künstlerisch Schaffende portraitiert hast. Schauspieler, Musiker, Komponisten, Autoren – Zufall?

Ich arbeite gern mit Menschen, welche eigene Visionen verfolgen, versuche bei meinen Portraits die Energie der Menschen mit einzufangen um somit ihre Persönlichkeit zu transportieren. Künstlerisch schaffende Menschen sind meist  mit einer hohen Portion an Eitelkeit und Nazismus ausgestattet, Eigenschaften, welche sich  für ein gutes Photo durchaus nutzen lassen. Der Künstler, welcher sich photographieren lässt, sucht die Öffentlichkeit und PR. Ich suche das perfekte Bild. Hier wäscht eine Hand die andere.

Wie ist die Arbeit mit solchen Menschen? Wie weit versuchen sie zum Beispiel Einfluss auf die Aufnahmen zu nehmen?

Bei Auftragsarbeiten für Magazine sind es die kurzen Momente der Begrüßung, die ausschlaggebend sind. Symphatie und Antipathie  sind  die Vorraussetzung für Vertrauen.Ohne Vertrauen  gibts kein gutes Resultat. Die Shootings dauern dann meist nicht lange sind zeitlich oft eng begrenzt und daher gefüllt mit Spannung und Energie. Geht der zu Photgraphierende auf meine Idee ein, oder wir entwickeln zusammen ein Team, so können wir ein schönes Photo machen, gar eine ganze Serie oder Story photographieren , stellt er mir gegenüber allerdings seinen “Starstatus” in den Fordergrund, hab ich als Photograph verloren. In der Vergangenheit ist es zum Glück nur einmal vorgekommen, dass ich ein Shooting aufgrund von zwischenmenschlichen Schwierigkeiten abgebrochen habe.

Man kann natürlich einen Jazzmusiker nicht gleich einem Politiker photographieren, ein Schauspieler braucht eine andere Ansprache als ein Regisseur oder Autor.. Wichtig für mich ist die Auseinandersetzung vor den Terminen. Mit wem hab ich es zu tun, was macht die Person, etc.. Es gibt so schöne amerikanische Filme, in welchen  Auftragskiller ihre Opfer rechergieren – vielleicht ist das ein wenig vergleichbar.

Anders sieht die Arbeit für Plattenfirmen aus. Hier wird im Vorfelde an der Linie des Artworks gearbeitet, ein Konzept entwickelt. Wenn möglich, kennen sich Künstler und Photograph schon im Vorfelde, verbringt man meißt doch einen oder auch mehrere Tage miteinander.

Ein Bild fiel mir besonders auf – die überirdisch schöne Renée Olstead an einer Brüstung, wie kam diese Aufnahme zustande?

Das Shooting mit Renee war eine PR Aktion für die damalige CD von Renee Olstead. Der Auftrag kam von Rüdiger Herzog - herzogrecords - , welcher damals noch für Warnermusic gearbeitet hat. Renee Olstead war für zwei Tage in Hamburg, gab abends ein für ein 15jähriges Mädchen äusserst professionelles Konzert, wie es nur amerikanische Kinderstars können. Am nächsten Tag hatten wir dann einen Phototermin im Hotel, das Wetter war schön, das Hotelzimmer voll mit Managern, ihrer Familie usw. . Ich suchte nach einem Platz, an welchem ich meine Ruhe mit ihr hatte, wir gingen auf den Balkon.Wärend der Aufnahmen ergab sich dann ein ganz kurzer Augenblick unbeschreiblicher Energetik und damit dieses wunderschöne Photo. Später bot Warnermusic das Bild  dem Jazzthingmagazin mit der dazugehörenden PR Story an, das Photo wurde jedoch abgelehnt, mir vorgeworfen, was mir einfiele ein 15 jähriges Mädchen in einem solchen “Lolitalook” zu photographieren. Zum Glück hatte ich noch zwei andere Motive, welche ich zuvor in einer anderen Location  mit ihr photographiert hatte. Ein Jahr später fand sich dann doch eine Veröffentlichungsmöglichkeit in den USA.

Dein Portefolio enthält auch zahlreiche Aufnahmen mit Models und weniger bekannten Menschen, wie unterscheidet sich die Arbeit mit ihnen von der mit “Prominenten”?

Neben meinen Portraits arbeite ich noch für Werbung und Lifstylemagazine. Bei der Arbeit mit Modellen stehe ich als Photograph mehr im Vordergrund , erteile aktive Regie. Meist ist eine Photoidee vorher geboren, Protagonisten werden gecastet und auf das Shooting gebrieft. Wärend ich bei einem Portraitshooting beobachtend, mich selbst zurücknehmend, versuche, die Seele meines Gegenübers in mein Photo zu transportieren, pusche ich in Lifstyle-, Mode-, Beautyproduktionen Modelle in die gewünschte Bildaussage. Dies kann dann auch mal mehr oder weniger laut werden und ist eine völlig andere Herangehensweise.

Schaut man die Bilder auf deiner Website an fällt auf, dass der überwiegende Anteil bei Bildern von Menschen liegt, Reisefotografie ist nur in geringem Umfang vertreten. Macht dir die fotografische Arbeit mit Menschen generell mehr Spaß als die mit Landschaften und Stilleben?

Seit ich photographiere, habe ich mich in meiner Arbeit auf den Menschen konzentriert. Hier sehe ich für mich eine sehr große Herausforderung, mir bereitet die Arbeit mit meinem Gegenüber ungeheure Freude. Ich habe in meinem Leben aber auch sehr viele Autos photographiert, habe bis heute Kunden aus der Industrie, für die ich Maschinen und Menschen an Maschinen photographiere. Arbeiten mit viel Präzission, die ich jedoch nicht mit in mein Portfolio aufnehme, da sie meist nur ein sehr ausgewähltes Publikum interessieren.

Für die Landschaftsphotography braucht man sehr viel Zeit und Muße, muss Landschaften wirken lassen, zum richtigen Zeitpunkt das Tageslicht mit in die Bildkompostion aufnehmen. Ich nehme mir leider viel zu wenig Zeit, mache zu wenig Urlaub, um in der Landschaftsphotography nach vorne zu kommen  und sammle, wenn sich was ergibt.

Viele Deiner Arbeiten, seien es Plattencover, seien es Zeitschriftentitel, seien es Portraits, drehen sich um Jazzmusiker und Jazz – ist Jazz auch “deine Musik? Und wenn ja, was hörst du besonders gerne?

Vordergründig ja, brauch ich gelegentlich aber auch mal was richtiges zum Abrocken. Am Jazz gefällt mir die Idee, das Miteinander auf der Bühne, die unterschiedlichen Instrumente, die wie Bausteine zu einem Gebilde zusammengeführt werden. Ich mag die Attitude des Musikers, dass unvorhersehbare, was die Musik transportieren kann. Ansonsten würd ich am liebsten den Jazz mit der Weltmusik in einen Topf schmeißen und damit einen größeren Famileinzusammenschluß hervorrufen.

Absolute Lieblingsalben aus meiner Sammlung:
Suite Africane – Aldo Romano, Louis Sclavis, Henri Texier – ist ein unbeschreiblich kompaktes und schönes Werk mit einem ganz tollen Photobuch von William Claxton.
Paris – Malcolm McLaren – mit der singenden Cathrine DeNeuve – nichts kann die Liebe zu einer Stadt besser beschreiben.

Erzähl uns etwas über deinen beruflichen Werdegang…

Ich bin in Bonn geboren und 1986 nach meinem abgebrochenen Kunstgeschichts-, Ägyptologie- und Archäologiestudium mit neugekaufter Kamera und den verzweifelten Wünschen Schauspieler werden zu wollen, nach Hamburg gezogen um hier meinen Zivildienst zu machen. Damals noch 18monatig hat ich nach 6 Monaten soviele Überstunden, dass ich den Rest meiner Zivildienstzeit unter vollen Bezügen nicht mehr antreten musste. Die Zeit hab ich für ein unbezahltes Praktikum bei einem renomierten Hamburger Stillifephotographen genutzt, sehr viel über Licht und Schatten gelernt, ein risieges Studio mit allen Möglichkeiten als Spielfläche für eigene Versuche gehabt, in welchem ich mich des nächtens allein mit aller möglichen Technik vertraut gemacht habe.

Nach meiner Praktikumszeit habe ich über mehrere Jahre Werbe- und  Modephotographen assistiert, was den Vorteil hatte, dass ich über Jahre mehr aus dem Koffer als aus dem Schrank gelebt habe. Unzählige Reisen, wunderschöne Mädchen, traumhafte Strände, ein tolles Leben. Die wohl eindrucksvollste Reise am Stück waren drei Wochen Jamaika mit Anschlussbuchung fünf Tage NewYork mit Anschlussbuchung zwei Wochen Casablanca und Marakesch. Ich wusste nicht mehr genau wo ich hingehörte. Kurze Zeit später bin ich dann nochmal nach NewYork, diesmal allein.

Vielleicht brachte mir dies die Jazzmusiker photographisch näher. Als ich wieder in Hamburg war, rief ich einen Freund aus Schulzeiten an, der mittlerweile als Musikjournalist arbeitete. Mein erster Auftrag. Ein Portrait von Massive Attack für das Cover eines Musikmagazins. Man war ich aufgeregt. Aufgeregt bin ich zwar immer noch, aber Routine in Technik und Wissen im Umgang mit der Materie sind sehr hilfreich.

Photography ist für mich zu einer Passion geworden, und ich möchte sie trotz aller Schwierigkeiten nicht missen. Gerne produzier ich abgesehen von Aufträgen meine eigenen Geschichten und nehme somit auch die Arbeit eines Artdirektors in mein eigenes Arbeiten mit auf. Bildagenturen helfen mir bei dem Vertrieb meiner eigenen Produktionen, welche oftmals mit einer Portion von spielerischem Leichtsinn und Komik in einer gewissen Leichtfüssigkeit des Lebens daherkommen.

Was macht Thomas Schloemann, wenn er nicht fotografiert?

An neuen Produktionen feilen, Aquise, meine Bänker davon überzeugen, dass sie sich nicht täglich meine Kontostände anschauen müssen, für Freunde kochen, auf den nächsten Auftrag freuen.

www.schloemann.de

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