Angefangen hat es mit einer nicht ganz ernst gemeinten These. Gitarrist und Sänger Torsten Goods hatte dem Bassisten und erfolgreichen Produzenten Christian von Kaphengst, welcher in den letzten Jahren erfolgreich mit Till Brönner, Helen Schneider, Jeff Cascaro und Charlie Mariano gearbeitet hat, ein Demo gezeigt. Und was Kaphengst da hörte, schien seine Theorie zu bestätigen, dass Musiker auf geheimnisvolle Art mit der Musik aus ihrem Geburtsjahr verbunden sind. Beiden gefiel dieser Gedanke so gut, dass er zum Ausgangspunkt einer gemeinsamen Produktion wurde.
Vier Hits aus dem Jahre 1980, eben dem Geburtsjahr von Torsten Goods, bilden deshalb das Rückgrat seines logischerweise 1980 betitelten zweiten ACT-Albums (ACT 9719-2). Zu allen hat Goods eine besondere Beziehung. „Ich bin ein riesiger Queen-Fan“, gibt er zum Beispiel zu. Also nahm er sich Freddie Mercurys „Crazy Little Thing Called Love“ auf eine für den Geist des Unternehmens typische Weise vor: „Freddie hat das damals als Hommage an Elvis angelegt. Wir drehen es jetzt eine Schraube weiter und überführen es in den Jazz.“ Ähnlich unorthodox erwachen die anderen Coversongs zu neuem, in die Gegenwart übersetztem Leben: Billy Joels „It’s Still Rock’n’Roll To Me“ etwa wird zur swingenden Bigband-Nummer, David Paichs Toto-Hymne „99“ zum reduziert coolen Easy-Listening-Track und der 1980 von George Benson populär gemachte Song „Love Dance“ führt zu den brasilianischen Wurzeln seines Komponisten Ivan Lins zurück.
Mit den eigenen Songs des Albums wiederum ging Goods den umgekehrten Weg: „Die sollen den 80er-Jahre-Sound original weiterführen“. Was ihm eindrucksvoll gelang – vom knalligen „Don’t Let It Get To You“ bis zum abschließenden Blues „Shout It Out“, einer augenzwinkernden Hommage an „Start It Up“ des von Goods hoch verehrten Kollegen Robben Ford. Aus allem zusammen spricht die Weltläufigkeit von Torsten Goods: Als Sohn einer irischen Mutter und eines deutschen Vaters ist er als Torsten Gutknecht in Erlangen aufgewachsen. Die ersten Schritte als Gitarrist waren wie üblich von Pop und Rock geprägt. In Peter O´Mara fand er aber den Lehrer, der ihn gezielt in die improvisierte Musik einwies. Workshops in New York mit den großen der Zunft wie Jim Hall und John Scofield folgten. Hier traf er bei Sessions auf Les Paul, der den Künstlernamen Goods kreierte. Noch während der Schulzeit spielte Goods 2001 sein erstes Album, u.a. mit Tony Lakatos ein. Im selben Jahr bekam Goods ein Stipendium an der New Yorker New School University und stürzte sich eineinhalb Jahre lang ins Treiben am „Big Apple“. Er hatte Unterricht bei Stars wie Mike Stern, Peter Bernstein, Howard Alden oder George Benson.
Torsten Goods – 1980
01. Crazy Little Thing Called Love – 04:17 (Freddie Mercury)
02. Don’t Let It Get To You – 05:33 (Torsten Goods, Jan Miserre)
03. 99 – 04:36 (David Paich)
04. So Are You – 03:36 (Torsten Goods / Fred Newman)
05. It’s Still Rock N’ Roll To Me – 03:17 (Billy Joel)
06. (I Need You) So Bad – 05:13 (Torsten Goods, Jan Miserre)
07. 1980 – 05:35 (Torsten Goods, Jan Miserre)
08. Winters Night – 04:09 (Torsten Goods / Fred Newman)
09. I Can Hardly See You – 03:46 (Fred Newman)
10. Love Dance – 06:17 (Ivan Lins, Gilson Peranzzetta, Paul Hamilton Williams)
11. Too Much Guitar – 03:06 (Torsten Goods)
12. Shout It Out – 04:25 (Torsten Goods, Jan Miserre)
Gespräch mit Torsten Goods über seine Musik und das neue Album 1980
Torsten, dein neues Album 1980 trägt auf dem Cover groß den Begriff ”Vocal Jazz” und der erste Track heißt “Crazy Little Thing Called Love” und ist von Freddy Mercury. Es geht weiter mit Titeln wie “99″, das David Paitch für Toto geschrieben hat und dessen einzige Verbindung zum Jazz wohl darin liegt, dass er der Sohn von Marty Paitch ist oder “It’s Still Rock N’ Roll To Me” von Billy Joel – auch das keine Jazzklassiker: wie kam also die Auswahl der Titel für das Album zustande?
Die Auswahl kam so zustande dass wir vor hatten, ein Album über die Musik meines Geburtsjahres 1980 zu machen. Wir hatten dann neben all den Eigenkompositionen auch vor, 4 Interpretationen aufzunehmen, und zwar von meinen Lieblingsbands dieser Zeit: Queen, Toto, George Benson und Billy Joel. Nun wollten wir diese Songs nicht einfach “covern”; ist mir ganz wichtig nie dieses Wort zu verwenden, wir wollten eben unsere eigenen Versionen draus machen, und diese sind teils Jazzig (crazy little, still rockn roll), teils soulig geworden (99, love dance). Der Begriff Vocal Jazz ist allerdings nur der Name der Reihe, in der das Album bei der Plattenfirma erscheint.
Neben einigen Coverversionen sind auf 1980 auch eine Reihe Originals zu hören, die du alleine bzw. mit Pianist Jan Miserre aufgenommen hast, magst du über diese Titel etwas erzählen?
Diese Titel waren schon geschrieben, bevor die Idee fürs Album und der Titel da waren. Wir haben sie im Frühjahr, Herbst 2007 komponiert und Produzent Christian von Kaphengst vorgespielt. Als dieser sie dann hörte kam er auf die Idee, ein Album mit diesem Titel und der Musik zu machen.
Würdest du dich als singender Gitarrist oder als Gitarre spielender Sänger bezeichnen? Oder anders gefragt: welche Bedeutung hat der Gesang für dich?
Würde mich schon eher als singender Gitarrist bezeichnen…Nun ja, ich liebe irgendwie beides, doch habe ich mich im Leben weitaus mehr mit dem Gitarre spielen beschäftigt. Singen tue ich eher aus dem Bauch heraus, wie ich mich fühle. Ich möchte gar nicht so eine trainierte Opernstimme besitzen, auf der Gitarre reizt mich der sportliche Faktor weitaus mehr…
Du bist auch auf Andy Kissenbecks Hammonds Delight zu hören und umgekehrt sind Andy und Lutz Häfner auf Vocal Jazz zu hören – wie sind zwischen euch die Verbindungen?
Mit Lutz arbeite ich schon seit Jahren in verschiedensten Bands, und er hat bisher auf jedem meiner Alben mitgespielt und auch auf Andis. Andi habe ich vor ein paar Jahren kennengelernt, und da ich in NY so gerne mit Hammondorgan Bands gespielt habe, hatte ich nun endlich in Deutschland einen musikalischen Partner in Sachen Hammond gefunden. Auf “1980″ fand ich den Sound der B3 passend für den Track “Shout it out”, daher habe ich ihn eingeladen mitzuspielen.
Christian von Kaphengst hat 1980 produziert – den kennt man vor allem durch seine Arbeit mit Till Brönner, Jeff Cascaro, Helen Schneider – wie kamt ihr zusammen? Und was kannst du uns über die Zusammenarbeit sagen?
Ich habe Christian in Berlin kennengelernt im A-Trane, hatte ihn aber schon oft vorher live gehört und war mir seiner Arbeit als Produzent sehr bewusst. Dann habe ich ihn gefragt, ob er sich es vorstellen könnte, etwas zusammen zu machen und es hat sich Stück für Stück ergeben. Erst ein Demo, dann die Idee des Albums, die von ihm kam, dann die Produktion, Die Zusammenarbeit ist in unserem 3er Gespann mit Jan Miserre sehr interessant und fruchtbar, weil wir alle aus verschiedenen Richtungen kommen und auf verschiedenes achten und wertlegen. Christian hat eine sehr starke Handschrift als Produzent und gepaart mit unseren Songs war das sehr interessant.
Christians Einfluss hört man zum Beispiel besonders deutlich in deiner Version von 99, das Arrangement erinnert stark an Jeff Cascaros “Soul of a singer”…
Das Arrangement in rein harmonischer Form war von mir, auch das Intro, Kaphengst hat dann viele rhythmische Sachen mit Bass und Schlagzeug hinzugefügt und auch die Solo-Changes im Mittelteil arrangiert. Ich finde vor allem sein Bass-Sound und das Rhodes machen hier viel aus.
Das Album heißt, wie wir jetzt wissen, 1980, weil dies dein Geburtsjahr ist – wie sähe ein Schnellüberblick über dein Leben von 1980 bis 2008 aus?
1980 in Düsseldorf geboren, 84 nach erlangen gezogen, 95 Gitarre spielen angefangen, 2001 zum studieren nach NYC gezogen, 2003 zurück in die Heimat. Und da bin ich nun…
Die Fragen stellte Archi W. Bechlenberg



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