Alberto Vázquez-Figueroa

Ein Liebhaber feiner Cigarren: Alberto Vázques-Figueroa

Ein Liebhaber feiner Cigarren: Alberto Vázques-Figueroa

»Ich bin in der Wüste aufgewachsen und das einzige, was ein Kind dort machen kann, ist lesen. Mich faszinierten die Abenteuergeschichten von Stevenson, Conrad und Jules Verne. Ich beschloss, auch irgendwann solche Abenteuergeschichten zu schreiben.«
Alberto Vázquez-Figueroa in einem Interview mit Isabeltxu Ojeda Cruz

Man findet Hein Blöd und Hans Wurst bei Wikipedia.de, ebenso Dieter Bohlen und Sachsen-Paule, an Peinlichkeiten hat das Onlinelexikon also keinen Mangel. Doch eine Peinlichkeit wiegt noch schwerer: Spaniens größter lebender Schriftsteller, die unangefochtene Nummer Eins unter den Bestsellerautoren mit Millionenauflagen, der auch in deutscher Sprache verlegt wird, fehlt mit einem eigenen Eintrag: Alberto Vázquez-Figueroa. (Nachtrag 5.1.2011: Inzwischen ist auch er bei Wikipedia vertreten,)

Alberto Vázquez-Figueroa wurde 1936 in Santa Cruz de Tenerife geboren. Damals tobte der spanische Bürgerkrieg. Sein Vater wurde zum Tode verurteilt, dann aber mitamt seiner Familie nach Afrika verbannt, Alberto  wuchs in Marokko und – als seine Familie sich den Tuareg anschloss – in der Sahara auf. Inzwischen hat er mehr als vierzig Bücher veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt wurden; die Gesamtauflage liegt bei über 15 Millionen Exemplaren. Neun seiner Romane sind für das Kino verfilmt worden.

Seine Bücher sind, trotz der hohen erzielten Auflagen, keine klassisischen “Bestseller”. Themen wie Sex und Luxus kommen nicht vor, sie sind nicht für den schnellen Konsum gedacht. In Vázquez-Figueroas Büchern geht es um Abenteuer. Und sie haben einen langanhaltenden Erolg und nicht den oberflächlichen, mit dem sich sogenannte Bestseller rühmen mögen; diese verschwinden meist wenige Monate nach ihrem Erscheinen wieder aus den Buchhandlungen. Dagegen haben einige Bücher Vázquez-Figueroas  so wie Tuareg, Ébano, Océano und Mango, das aus dem Jahr 1967 stammt, auch noch nach mehr als dreißig Jahren ihre Käufer und Leser. Die geschilderten Abenteuer haben ihre Geltung behalten, denn sie behandeln keine tagesaktuellen Themen. Und sie wenden sich an ein sehr breites Publikum: “Ich habe Leser, die noch nicht geboren sind und Großmütter von achtzig Jahren. Das Abenteuer liegt in der Vorstellungskraft aller. Ich bringe ihnen Welten näher, die sie nicht kennen und die sie wahrscheinlich auch nie kennen lernen werden.” (Alberto Vázquez-Figueroa)

Mit Mitte Zwanzig wurde Vázquez-Figueroa Journalist, er schrieb Berichte über seine Reisen, und die fanden eine große Leserschaft. Mit Siebenundzwanzig war er der bestbezahlte junge Journalist seines Landes, aber er wollte mehr. Schriftsteller wollte er werden, und er sah die Zeit in seiner Stellung als Journalist davonlaufen. Auch machte er sich Feinde,  er engagierte sich in der Politik und stellte sich auf die Seite derer, die sich gegen die Macht auflehnten. “Der Wandel ist eine Notwendigkeit. Sich an etwas zu gewöhnen, wie gut es auch sein mag, produziert auf die Dauer Unzufriedenheit.

Mit Vierzig ließ er alle anderen Schreibarbeiten ruhen und verfasste seinen ersten Roman, Ébano. Dieser erreichte in drei Monaten nicht geahnte Verkaufszahlen. Der Autor war von seinem Erfolg selber überrascht, denn er besaß keineswegs ein sicheres Erfolgsgeheimnis. “Den Leuten hat der Roman gefallen und alles ging los. Warum? Die Grenze zwischen Erfolg und Misserfolg ist so schmal, das es sich nicht lohnt, über die Gründe nachzudenken.”

Heute lebt Vázquez-Figueroa auf Teneriffa, dort, wo er auch geboren wurde. Der passionierte Cigarrenaficionado ist mit seinem Leben glücklich: “Sich im Schwimmbad sonnen, schreiben, wenn einem danach ist, dazu noch Bücher, die wunderbar bezahlt werden, umgeben von meinen Kindern, glücklich mit meiner Frau und meinem Ausflugsboot und meinen Dominopartien am Sonntagnachmittag, kein Problem am Horizont.” Und er engagiert sich mit Geld und Ideen gegen das Wasserproblem in den Anrainerstaaten des Mittelmeers: “Jetzt bin ich um zweihundert Millionen Peseten ärmer, aber auch glücklicher. Wir sind nah daran, Jordanien und Palästina einen kostenlosen Süßwasserfluss zu bescheren.” Zweihundert Millionen für Patente, Analysen und den Aufbau der Entsalzungsfirma AVF. “Jetzt will ich erreichen, dass wegen Wassermangels anstatt acht Kindern pro Minute nur noch vier sterben. Dass die Menschen trinken und nicht mehr mit kontaminiertem Wasser leben. Wenn ich es nicht probiert hätte, hätte ich wirklich alles verloren, zuallererst den Glauben an mich selbst, weil ich nicht genug Mumm hatte, es durchzuziehen. Diese sechs Jahre des Kampfes und der Träume nimmt mir niemand mehr, auch wenn mir die zweihundert Millionen keiner ersetzt.”

Alberto Vázquez-Figueroa beim Unionsverlag

Alberto Vázquez-Figueroa: Der Leguan

 
 
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