Als die Vokal-Entdeckung der letzten Jahre wird die Stimmkünstlerin Céline Rudolph von der Presse übereinstimmend gefeiert. Die Sängerin, Improvisatorin und Komponistin überrascht durch ihre frische, ausdrucksstarke Stimme, die sich scheinbar mühelos an den Klippen der Vokalkunst vorbeiwindet. Unglaublich leicht verwischt sie Grenzen von brasilianischen Klängen zu den Scats des Jazz, von emotionalem Feeling bis zu freien Linien. Sie ist Meisterin im Erzeugen von Stimmungen, ihre Ausstrahlung auf natürliche Weise magisch. Groove, Brasil, Ethno, aber auch filigrane Klangpoesie und aufregende Improvisationen: Ein Spiel mit dem poetischen Augenblick, der eingefangen, angemalt und freigesetzt wird.
Geboren und aufgewachsen in Berlin, prägt Musik sie bereits in der Kindheit. Im Alter von zwölf Jahren schreibt sie Chansons, inspiriert von der Mutter, einer Französin. Der Vater führt sie an afroamerikanische und brasilianische Musik heran. In der Plattensammlung der Eltern entdeckt Céline die portugiesische Sprache als Stilelement. Kurzum: Mehrgleisigkeit war von Anfang an programmiert.
Zunächst studiert sie Rhetorik und Philosophie, doch die Musik ist stärker, und so nimmt sie das Studium für Jazzgesang und -komposition an der Hochschule der Künste Berlin bei David Friedman, Jerry Granelli, Kirk Nurock und Catherine Gayer auf. 1990 gründet Céline Rudolph ihre erste Band, „out of print“, mit der sie zwei CDs bei Nabel Records veröffentlicht, das 1. Leipziger Jazznachwuchsfestival gewinnt und auf Tourneen weite Teile Afrikas und des Balkans bereist. Zahlreiche Festivalauftritte, Rundfunk-, Fernseh- und CD-Produktionen machen sie bekannt und bringen sie in den folgenden Jahren mit internationalen Musikergrößen wie Bob Moses, Anthony Cox, Marc Ducret (auf ihrer CD „Segredo“ zu hören) und Gary Peacock (CD „berlin, 1999“) zusammen. 1995 taucht sie in die afrikanische Musik ein und verbringt einen Studienaufenthalt bei dem Perkussionisten Famoudou Konaté in Westafrika.
Ende der 90er zieht sie nach Köln, ist Gast in zahlreichen kreativen Formationen der Szene und gewinnt 2001 den Wettbewerb der Szene Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Leverkusener Jazztage mit MOSAÏQ und mit ihrer Band „Fábula“ den Wettbewerb „JazzArt – Musik des 21. Jahrhunderts“, ausgewählt von der internationalen Jury Django Bates, Nils Petter Molvaer und Huub van de Riel. „Fábula“ ist die Formation, bei der sie intensiv an eigenen musikalischen Formen arbeitet. Wichtiger künstlerischer Partner ist hier der Kölner Pianist Juergen Friedrich. Ihre Leidenschaft für Stimmimprovisation teilt sie in rein vokalen Begegnungen mit Lauren Newton, Gabriele Hasler, Bobby Mc Ferrin und der Gruppe MOSAÏQ um die Sänger Daniel Mattar und Britta-Ann Flechsenhar und Michael Schiefel.
Auftritte mit Lee Konitz, Bobby Mc Ferrin oder David Friedman stehen neben Crossover Projekten wie Peter Fuldas Bearbeitung von Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“, „Barock meets Jazz“ mit dem französischen Countertenor Gérard Lesne für den Bayrischen Rundfunk, sowie der CD-Produktion von Moritz Eggerts Komposition „wide unclasp“ mit u.a. Gerry Hemingway – Céline Rudolph führt Dialoge in allen Bereichen zwischen U und E.
Seit 2003 leitet sie als Professorin die Jazzgesangsabteilung der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden.
Angeregt von Gilberto Gils Album “Oslodum”, wandte sich Céline Rudolph vor einigen Jahren an den legendären Rodolfo Stroeter, der nicht nur Gilberto Gil, Joyce, Caetano Veloso, Nana Vasconcelos oder Milton Nascimento produziert hat, sondern auch für Improvisation und Jazz ein waches Ohr besitzt. Stroeter gefielen Célines Sound und Energie auf Anhieb, und sie begannen zusammen an einem brasilianisch inspirierten Album zu arbeiten, das einfach “simple and beautiful” sein sollte. Das Ergebnis ist das in Sao Paulo aufgenommene und 2007 erschienene Album “Brazaventure”. Trompetenstar Till Brönner nannte es „ein sensationell schönes Album, poetisch und voller satter Grooves. Herausragend produziert! Céline Rudolphs Stimme hat die Kraft zu verzaubern und zu verführen. Vorsicht: Macht süchtig!“
Seit dem Erscheinen von „Brazaventure“ ist Céline u.a. mit Pau Brasil in Sao Paulo aufgetreten und hat ihr Projekt „Lisboa-Maputo-Berlin“ vorgestellt – mit Konzerten in Portugal, Mozambique und Deutschland. „In meiner Musik stecken verschiedene Kulturen“, sagt Céline, „französisches Chanson, amerikanischer und europäischer Jazz, brasilianische Musik, west- und südafrikanische Musik, Kammermusik und Pop.“
Das neue Album Metamorflores
Diesen universalen Stil unterstreicht auch das neue Album „Metamorflores“ – ein Kunstwort aus „metamorphosis“, „amor“ und „flores“. Neben fünf eigenen Liedern präsentiert Céline hier auch Melodien bekannter brasilianischer Künstler (Gilberto Gil, Baden Powell, Lenine) sowie zwei Beatles-Songs – und sie lässt sie alle nach ihren sanften Rhythmen und Klängen tanzen. Céline sagt: „Metamorflores steht für die Leichtigkeit des Lebens“ – und offenbar auch für die Leichtigkeit in Célines Musik. Ihre Songs schweben schwerelos zwischen den Kontinenten – und haben mit Toninho Ferraguttis wundervollem Akkordeon und Nana Vasconcelos’ Perkussionskunst auch einiges an instrumentalen Freuden zu bieten.
Metamorflores – das ist wunderbare Sommermusik voll brasilianischem Flair mit der unerlässlichen Portion “Saudade”. Schöner kann die musikalische Untermalung eines warmen Sommerabends wohl kaum sein. Seine Stärken beweist das Album vor allen in den fünf Eigenkompositionen der Sängerin, während der erste Track, Here comes the Sun von den Beatles, nicht wirklich überzeugt und vielleicht als Eröffnungssong des Albums, selbst im brasilianischen Bossagewand, eher ungeschickt ausgewählt wurde. Aber schon der zweite Song, das französisch gesungene Metamorflores, lässt Here comes the Sun vergessen. Und so geht es denn von einem Höhepunkt zum Nächsten, eine musikalische Reise, die nicht nur Brasilien, sondern auch Indien und Afrika einschließt.
Und wenn der Sommer – unvermeidlich – wieder vorbei sein wird lässt uns Metamorflores an die sonnigen Tage zurück erinnern.
CÉLINE RUDOLPH
METAMORFLORES
1. Here Comes The Sun 04:26 | 2. Metamorflores 04:01 | 3. EU Vim Da Bahia 03:56 | 4. À La Recherche D’une Metaphore 03:51 | 5. Laraialará 06:08 | 6. Norwegian Wood 03:14 | 7. Ragga Heliotropical 03:38 | 8. Samba EM Préludio 06:33 | 9. Din Don 04:45 | 10. Matakotó 05:04 | 11. A Medida Da Paixao 04:20
Céline Rudolph vocal
Toninho Ferragutti accordion
Diego Figueiredo acoustic guitar
Rodolfo Stroeter acoustic bass
Ricardo Mosca drums
Naná Vasconcelos percussion
Till Brönner fluegelhorn on # 4
Marlui Miranda vocal on # 10
Tiago Costa & The Sao Paulo String Orchestra on # 4,6,8



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