In den 1970er Jahren hatte ich zwei Freunde, die man jederzeit spontan besuchen konnte, da es sicher war, dass man sie zuhause antraf, genauer gesagt in ihren Garagen, wo sie ohne Unterlass an ihren Autos schraubten. Ich müsste lange nachdenken, ob ich sie jemals habe damit fahren sehen. Der eine hatte einen MG B, der andere einen Triumph TR 4.
Zugegeben, es waren ziemlich heruntergekommene Exemplare. Aber auch die Besitzer von neueren Fahrzeugen konnten manches Lied von dem vergeblichen Versuch singen, ihnen einen gleichmäßigen Leerlauf beizubringen.
Die Marke Triumph ist seit mehr als 20 Jahren vom Markt verschwunden, manche Experten sagen, sie sei schon viel länger untergegangen und nennen verschiedene Daten. Vielleicht schon 1968, als Triumph in den Konzern Britsh Leyland (auch als British Elend bekannt) intergiert wurde. Oder 1981, als die letzten selbstkonstruierten Autos vom Band liefen. Das Jahr 1984 lassen die Enthusiasten nicht gelten, da lief zwar die Produktion des Triumph Acclaim aus (das letzte Auto, auf dem Triumph stand), aber dieses Gefährt war bloß noch ein in Lizenz gebauter Honda und hatte so gar nichts triumphierendes mehr an sich.
Die Marke Triumph der “Goldenen Zeit” feiert das prächtig illustrierte und fachkundig geschriebene Buch Triumph – Sport und Eleganz des britischen Motorbuchautors Bill Piggott. Gegründet wurde Triumph von einem in London lebenden deutschen Auswanderer, der zunächst Fahrräder baute, sein Unternehmen war Ende der 1890er Jahre einer der größten britischen Fahrradhersteller. Es folgte 1902 das erste Zweirad mit Motor und schon 1909 baute man jährlich 3000 Motorräder, was im Zuge des 1. Weltkriegs eine unglaubliche Entwicklung nahm, das Militär kaufte während der Kriegsjahre über 30.000 550-ccm Maschinen der Marke.
1922 folgte der erste Wagen, der 10/20, kein Sportwagen, sondern ein Tourenwagen bzw. in einer anderen Variante eine Limousine. Den ersten großen Erfolg hatte man dann mit dem preiswerten Super Seven, der ab 1928 angeboten wurde. Weitere Modelle folgten in den nächsten Jahren und machten Triumph zu einer festen Größe im britischen Automarkt…
Triumph-Kenner Bill Piggott, Autor zahlreicher Bücher zu klassischen Automobilen und derzeit Archivar des britischen TR Register, legt nun die gesamte Historie der Marke vor – die erste im deutschsprachigen Raum erschienene Monografie zum Thema. Sämtliche bislang auf dem deutschen Markt greifbaren Bücher haben einzelne Triumph Baureihen im Fokus, Piggott widmet sich dagegen sämtlichen Limousinen, Cabriolets, Sportwagen und Prototypen der Nachkriegszeit, vom exzentrischen Roadster des Jahres 1946 mit seinem Schwiegermuttersitz bis zum TR8 der frühen 1980er Jahre. Er berücksichtigt dabei neben Triumph Abkömmlingen und –Derivaten wie dem Peerless auch die Erfolge im Motorsport in Le Mans und bei der Mille Miglia.

Ist er nicht traumhaft schön? Ein Triumph Gloria von 1935 (Abbildung aus: Piggott, Triumph - Sport und Eleganz)
Triumph – Sport und Eleganz ist mehr als eine Markenmonografie oder ein klassisches Autobuch, denn beim Blättern und Lesen spiegelt sich das Lebensgefühl wieder, für das diese Kultmarke noch immer steht. Ein Buch also, das man nicht nur dem Fahrer ans Herz legen möchte, sondern getrost auch dem Beifahrer in die Hand geben kann.
Sehr nützlich auch für Interessenten an einem klassischen Triumph: zu zahlreichen Fahrzeugen liefert der Autor eine ausführliche Kaufberatung, in der alle eventuellen Schwachstellen und Kaufhindernisse kenntnisreich aufgeführt werden. Damit man, so man denn einen Triumph sein Eigen nennt, später nicht die ganze Zeit beim Schrauben in der Garage verbringen muss.
Bill Piggott: Triumph. Sport und Eleganz.
176 Seiten
73 s/w- und 137s farbige Abbildungen
210 x 270 mm, gebunden mit Schutzumschlag
35 Euro
ISBN: 978-3-86852-088-0


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