Mit Kurt Tucholsky wird er verglichen und mit Tom Waits und sogar mit einer Nilpferdpeitsche, was immer das auch ist. Dabei sollte nun so langsam auch der letzte Feuilletonredakteur einmal begreifen, dass der Mann vor allem eins ist: er selbst. Seit 1991 freier Schriftsteller hat Wiglaf Droste bis heute allenthalben seine Spuren hinterlassen und sich damit längst, wie sagt man so schön, einen Namen gemacht. Und außer vielen Feinden auch manche Freunde, was seine stets vollen Lesungen ebenso beweisen wie diverse Ehrungen, die ihm in den letzten Jahren zuteil wurden, darunter der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, der Ben-Witter-Preis und in diesem Jahr die Stadtschreiberwürde von Rheinsberg.
Auch macht Droste Musik, er singt mit dem Spardosenterzett, gibt mit Vincent Klink zusammen die kulinarische Kampfschrift “Häuptling Eigener Herd” heraus, raucht cubanische Cigarren, kocht, isst und trinkt für sein Leben gern und verzichtet auch ansonsten immer mal gerne auf ein Opfer. Und nicht zuletzt liest er Hörbücher mit eigenen oder fremden Texten.
Soeben bei Kunstmann erschienen ist ein neues Hörbuch mit eigenen Texten: Am Nebentisch belauscht. Droste tut das, was er besonders gut kann: zuerst beobachten, dann beschreiben. Er sieht Dinge, die auch wir alle sehen, mit dem Unterschied: er erkennt den in vielem steckenden Wahnsinn, der dem durchschnittlichen Beobachter zumeist entgeht und stellt die passenden Fragen. Warum zwängen sich Menschen in Wurstpellen, bevor sie sich auf ihren Hochleistungsbikes in die Öffentlichkeit begeben? Weshalb versuchen sie, gleichzeitig zu gehen, zu essen und zu telefonieren? Wieso hoppeln sie zu vulgärfeministischen Gesängen durch die Abenddämmerung? Gibt es ein Gesetz, das sie zwingt, immerzu und überall Wetterjacken zu tragen? Müssen Frauen Leggins tragen, oder tun sie das nur aus Gemeinheit? Gibt es tiefgefrorene Bibeln? Was macht das Dresdener Umland so reizvoll? Und wer beschließt und verabschiedet Pakete, statt sie zu verschicken?
Dreizehn Texte, Prosa wie Poesie, sind auf “Am Nebentisch belauscht” zu hören, wie immer vom Autor auf vorzügliche Art vorgetragen. Man lacht, man nickt zustimmend mit dem Kopf, und man staunt über das, was einem selber bisher noch nicht als fragwürdig erschienen ist. Und errötet leicht, falls man sich auf einmal selber beschrieben sieht und nimmt sich vor, ein besserer Mensch zu werden und das nächste Mal angenehmer anzuschauen auf’s Rad zu steigen…
awb
Wiglaf Droste
Am Nebentisch belauscht
14.90 EUR
Format: 1 CD
ISBN 978-3-88897-589-9
-> Wiglaf Droste: Deutschland im Herbst
-> Wiglaf Droste: Auf sie mit Idyll



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