Ich werd’ dann mal Hund – Welpen

“Wer Kinder und Hunde hasst kann kein schlechter Mensch sein.” So der Komiker W. C. Fields, der diese Devise auch im Leben pflegte. Aber was ist mit Hundekindern?

Der perfide Herausgeber des Herrenzimmers hat mir dieses Buch in die Hand gedrückt und gesagt: “Ankucken. Drüber schreiben.” Und das mir! Ein Hund ist für mich nicht der beste Freund des Menschen, sondern eine ubiquitäre Plage, die immer nur spielen will und sich dabei auch gerne schon einmal in seinen freiwilligen oder unfreiwilligen Spielpartner verbeißt, und wenn er nicht beißt dann bellt oder scheißt er. Und Kinder gehören bei mir auf der Sympathieskala auch nicht gerade auf einen der vorderen Plätze, jedenfalls nicht, ehe sie in ein Alter kommen, in dem hochfrequentes Schreien nicht mehr ganz so überlebenswichtig für sie erscheint. Drum also bin ich für das Herrenzimmer der denkbar ungeeignetste Rezensent des Buches Welpen von der Fotografin Ruth Marcus. Denn hier geht es um Hundekinder…

Vor zwei Jahren stellte das Herrenzimmer ein anderes Buch von Ruth Marcus vor, HundeAugenBlicke. Darin geht es um große, kleine, kurzhaarige, langhaarige, wuschelige, schlanke und bullige, elegante und wilde Rassehunde ebenso wie Mischlinge. Erwachsene Hunde. Ihr neues Buch nun beschäftigt sich mit Welpen, kleinen, knuddeligen oder einfach nur unglaublich süüüßen Tierchen (was schreibe ich da?), die zeigen, dass auch sie schon Individuen sind, die ihren eigenen Kopf haben. Und ihre eigene Ästhetik, denn Welpen haben mit ausgewachsenen Hunden oft noch nicht wirklich viel zu tun. Das sieht man zum Beispiel an den Mastiffs, die einfach nur wie kleine Plüschbären aussehen und den Laien nicht erahnen lassen, dass sie mal gut 90 kg schwer werden können und in früheren Zeiten gerne als Bullen- und Bärenbeißer eingesetzt wurden. Auch den abgebildeten Akitas sieht man den für ihre Rasse typischen ausgeprägtem Jagd- und Schutztrieb nicht an, der Schutztrieb kommt da eher im Betrachter der Bilder auf, denn die Tierchen wirken einfach nur knuddelbedürftig.

Ruth Marcus lässt den Leser in ihren begleitenden Texten intensiv an der Erstellung der Aufnahmen teil nehmen. Man kann sich vorstellen, welche Probleme beim Fotografieren von jungen, übermütigen Hunden auftreten können. Diese Texte bringen dem Betrachter die Darsteller auf den Bildern noch näher, was wiederum die Intensität der Bilder verstärkt. So dass diese – ich gebe es gerne zu – auch beeindruckend stark auf Leser wirken, denen Hunde eher fremd und vielleicht sogar etwas ungeheuer sind.

Aber natürlich richtet sich ein solches Buch in allererster Linie an Hundeliebhaber, und für die bietet der großformatige Band viel fürs Auge und vor allem fürs Herz. An der einen oder anderen Stelle ist mir etwas zuviel gephotoshopt worden, was vor allem bei den Bildern mit weißem Hintergrund auffällt, aber das sehe wahrscheinlich nur ich, da ich davon etwas mehr verstehe als von Hunden. Zurück bleibt beim Rezensenten die Bewunderung für die Kunst der Ruth Marcus, so tief in die Seele der Welpen blicken zu können, dass dabei derart beeindruckende Bilder entstehen können. Wuff, und jetzt schaue ich mir nochmal die kleinen Möpse an…

(gt)


Ich werd’ dann mal Hund. Welpen fotografiert von Ruth Marcus
Texte von Ruth Marcus
Edition Braus
162 Seiten
225 x 300 mm
104 Bilder
Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-89466-276-9
EUR 29.90
SFr 50.90

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