Saxofonist Tony Lakatos hat sich bei Jazzfans in Europa und insbesondere in den USAÂ zu einem der beliebtesten Protagonisten seines Instruments vorgearbeitet. Eigene Produktionen mit Randy Brecker, Terri Lyne Carrington, Billy Hart, Trilok Gurtu, Joanne Brackeen, Adam Nussbaum, George Mraz, Al Foster, Jimmy Scott oder Johannes Enders legen davon ebenso Zeugnis ab wie seine Gastrollen auf Alben von Chuck Loeb oder Wolfgang Haffner. Über sein SKIP – Debut, den Hoagy Carmichael Tribute “I Get Along With You Very Well” schrieb das Fono Forum: “Eine Platte voller Verve und Energie, die das Zeug zu einem Klassiker hat”, die Fachzeitschrift STEREO wählte das Album unter die zehn besten Jazz – CDs des Jahres 2003.
Tony Lakatos war bisher an der Einspielung von mehr als 240 LPs und CDs beteiligt. Auf seinem Album GYPSY COLOURS von 2006 wendet sich der mittlerweile in Frankfurt lebende Ungar seinen Wurzeln, der Gypsy Kultur zu. Gemeinsam mit Szakcsi Bela Lakatos, dem mittlerweile in Diensten von Jack De Johnette stehenden Pianisten, entwirft er ein aktuelles Bild von Musik im Spiegel von Jazz und Zigeuner – Einflüssen. Dass sie dabei weder bei dem großen Protagonisten dieser Kultur, Django Reinhardt stehen bleiben, noch in beliebige Weltmusikanleihen abgleiten, liegt sicher darin begründet, dass beide Musiker mittlerweile ihren eigenen Stil im Jazz gefunden haben.
Alle an Gypsy Colours beteiligten Musiker stammen aus ungarischen Zigeunerfamilien mit langen Traditionen als Musiker, sind aber in starkem Maße der Jazzimprovisation verschrieben. Diese gar nicht so weit auseinander liegenden Welten eigenständig miteinander zu verbinden, war für Tony und Szakcsi Lakatos Quelle der Inspiration. Die Entwicklung der Gypsy – Kultur von den Anfängen in Indien bis in die ost- und westeuropäische Gegenwart wird beispielsweise im traurigen “Crying Way From India” aufgenommen, das in einem lyrischen Stil gehalten ist und klassische Melodiengestaltung ungarischer Zigeuner aufnimmt. “Matilem” und “Duj-Duj Dema Devla Phaka Duj” sind alte Roma – Volklieder und werden von Gypsy – Sängerinnen in Originalsprache gesungen, die Nähe der Gesangsimproviation in Letzterem zum Saxofonsolo lässt die Verwandtschaft von Modaljazz und Gypsy – Kultur offenkundig werden. Miklos Lukacs ist auf einigen Stücken am Cymbalon zu hören, einem Instrument, das auch heute noch als eines “der” Zigeuner – Instrumente schlechthin gilt. Lukacs gehört dabei allerdings zu den Musikern, die bei aller klassischen Schulung der Jazzimprovisation aufgeschlossen sind.
“Bebop Csardas” verbindet die typische Melodieführung und Rhythmik des Csardas mit Jazzakkorden und der in Klassikkreisen hoch verehrte Bruder von Tony, Roby Lakatos brilliert hier in furioser Weise an der Violine, bevor Csaba Rostas ein bei Roma – Sängern beliebtes Stilmittel, den Mouth Bass präsentiert.
Das freie, jazzige “O.C.” könnte eigentlich für die Inspiration durch Ornette Coleman stehen, bezieht sich allerdings auf einen Begriff aus dem Budapester Gypsy Slang für aus Rumänien stammende Romas. Natürlich darf eine Django Reinhardt – Komposition nicht fehlen, “Troublant Bolereo” gerät zu einem sensiblen Duett von Sinti – Gitarrist Ferenc Snetberger und Tony Lakatos.
Mit “Gypsy Colours” ist es Tony Lakatos gelungen, den Begriff “Gypsy Jazz” ein gutes Stück aus dem Klischee herauszuführen, ohne dabei sein Selbstverständnis als Jazzmusiker aus den Augen zu verlieren. Ein aufregend buntes und vielfältiges Album, das mit jedem Hören immer wieder neue Facetten enthüllt und niemals langweilig wird.
Aktuelles Projekt: Porgy & Bess
So haben Sie Porgy & Bess noch nicht gehört: Mit der Veröffentlichung der George Gershwin Oper “Porgy & Bess” im Bigband Format feiert die Zusammenarbeit der Frankfurt Radio Bigband (ehemals HR Bigband) mit SKIP RECORDS Premiere. Eines der zeitlosesten Werke der jüngeren Musikgeschichte erhält in den Arrangements von Jörg Achim Keller ein ganz eigenständiges neues Gewand, das eindrucksvoll die Reihe großer musikalischer Momente mit unvergessenen Einspielungen von Gil Evans/Miles Davis über Ray Charles/Cleo Laine bis zu Louis Armstrong/Ella Fitzgerald in die Gegenwart fortführt. Als ebenso unverwechselbarer wie herausragender Solist wird dabei der Tenor Saxofonist Tony Lakatos in der gesamten Bandbreite seines Könnens vorgestellt.
Nach seinem Hoagy Carmichael Tribute “I Get Along With You Very Well” (mit George Mraz, Adam Nussbaum und Little Jimmy Scott) 2002 und dem seinen musikalischen Wurzeln gewidmeten “Gypsy Colours” 2006 (u.a. mit Ferenc Snetberger und Robby Lakatos) ist dieses nun die dritte Veröffentlichung des Wahl – Frankfurtes aus Ungarn bei SKIP. Ein Glücksfall mit einer traurigen Vorgeschichte, denn ursprünglich waren die Arrangements dem unvergessenen Michael Brecker auf den Leib geschrieben, der allerdings die Aufnahmen nach seiner Leukämie – Erkrankung kurzfristig absagen musste und nicht lange danach verstarb.
Tony Lakatos gilt zweifellos als einer jener Saxofonisten, die den Geist von Breckers Saxofonspiel perfekt verinnerlicht haben und so war die Besetzung nur eine logische Konsequenz, da Tony Lakatos als festes Ensemble-Mitglied der Frankfurt Radio Bigband mit den Arrangements vertraut war. Und so zieht die Geschichte des Krüppels Porgy und der leichtlebigen Bess in der Catfish Row in allen Einzelheiten am Hörer vorbei, sind alle Hits wie “Summertime”, “It Ain’t Necessarily So” oder “I Loves You, Porgy”  aber auch selten gespielte Stücke wie “Jasbo Brown Blues” und “It Take A Long Pull To Get There” zu hören.
Bill Millkowski, Kritikerinstanz aus New York City, und mit allen Einspielungen der vergangenen Jahrzehnte vertraut, kommt zu einem ebenso eindeutigen wie bemerkenswerten Urteil über dieses Projekt: “This recording of “Porgy & Bess” is a triumph for the team of Lakatos and Keller. With reference for the original material and a vision for a fresh take on things, the gifted Hungarian saxofonist and accomplished German arranger have breathed new life into the quintessentially American work.”



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