Zwei Schwestern, vier Hände: Katia und Marielle Labèque

Foto (c) Brigitte Lacombe

Foto (c) Brigitte Lacombe

Katia und Marielle Labèque sind seit viele Jahren feste Größen im internationalen Musikgeschehen, die französischen Pianistinnen treten sowohl als Duo wie auch solo auf. Ihr breites klassisches Repertoire umfasst Werke von Johann Sebastian Bach über Wolfgang Amadeus Mozart bis zu Franz Liszt, aber sie interpretieren auch und nicht zuletzt George Gershwin und zeitgenössische Komponisten.

Auch in anderen musikalischen Gefilden fühlen sie sich vertraut, so nicht zuletzt im Jazz. Mit führenden Pianisten dieser Musikrichtung wie Herbie Hancock, Chick Corea oder dem Cubaner Gonzalo Rubalcaba zusammen spielte Katja Labéque Aufnahmen ein. Und mit Dave Maric, digital & analog electronics sowie Marque Gilmore, Acousti-Lectric Drums bildet sie eine eigene Band unter ihrem Namen.

Ein eigenes Label haben die Beiden gegründet, die KML Recordings, sowie eine Stiftung, zu deren Aufgaben es unter anderem gehört, über multimediale Projekte ein neues, junges Publikum auch für die Klassik begeistern. Grenzen sollen abgebaut werden zwischen Musikrichtungen wie Klassik, Jazz oder Pop.

Mit Musik sind sie aufgewachsen, ihre Mutter war selber eine ausgebildete Pianistin, und mit 4 und 5 Jahren begannen die Schwestern zu lernen. Am Pariser Konservatorium schlossen sie ihr dortiges Studium 1968 mit einem Ersten Preis ab. Seitdem haben sie sich weltweit höchste Anerkennung erworben, nicht nur in der Welt der Klassik, Madonna zum Beispiel nennt die Schwestern ihre Lieblingspianisten.

Zwei neue Alben von Katia und Marielle Labèque sind Ende Oktober erschienen, wie sie gegensätzlicher kaum sein können; das eine präsentiert das Duo mit Stücken von Eric Satie, das andere Katja Labèque solo, unterstützt von einigen prominenten Gästen.

Erik Satie – Katia und Marielle Labèque

Eric Saties Musik dürften auch klassisch weniger bewanderte Hörer kennen, wenn sie schon einmal einen Fernsehbericht über impressionistische Malerei oder über das Paris zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesehen haben, darin wird gerne das eine und andere Stück Saties  als musikalische Untermalung genommen, vor allem die 1ere Gymnopédie. Satie (1866 – 1925), der als Cabaretpianist begann erlebte in der Folgezeit seines Schaffens höchste Anerkennung.

Abwechselnd und gemeinsam interpretieren die Labèques seine Musik auf höchstem Niveau, wobei sie sich in ihren Interpretationen sehr viel ruhiger und nachdenklicher geben als andere Pianisten. Das zeigt ein Vergleich mit den Satie-Aufnahmen von Klara Körmendi, in denen, als Beispiel genannt, die drei Gymnopédies jeweils bis zu einer Minute kürzer sind, bei einer Dauer der einzelnen Stücke von nur 2 bis 3 Minuten ein immenser Unterschied.

Saties Musik in den Händen von Katia und Marielle Labèque, das ist Hörgenuss auf kompositorischem und interpretatorischem Zenith und nicht nur Freunden klassischer Musik, sondern Liebhaber des Pianos überhaupt zu empfehlen. Mal romantisch, impressionistisch, mal bewegt bis zornig – Saties Musik bietet viel zu entdecken, weit über die wenigen den meisten Hörern bekannten Stücke hinaus. Die Aufnahmen, die ersten Einspielungen der beiden Schwestern von Satie-Kompositionen, entstanden im Juni 2009.

Katia Labèque: Shape of my heart

Es gibt Platten, da dauert es nicht lange und jemand unter den Anwesenden fragt: “Wer ist denn das?” So eine Platte ist Katia Labèques Album Shape of my heart, das soeben erschienen ist. Hierauf ist sie solo sowie mit einigen Gästen wie Sting, Chick Corea, Herbie Hancock und Gonzalo Rubalcabo sowie David Chalmin zu hören. Die Auswahl der Stücke ist bemerkenswert: da finden wir unter anderem zwei Kompositionen von Sting ebenso wie den Jazzstandard My Funny Valentine, Chopins Prelude No. 4 in E Moll, Saties Gnossienne No 3, Because von Lennon-McCartney, den alten Latinoschlager Besame Mucho und Exit Music von Radiohead. Weiter kann eine musikalische Bandbreite kaum gestreut sein, und dank des Spiels von Katia Labèque stellt man diese Zusammenstellung in keinem Moment in Frage.

Alles passt, alles ist stimmig, alles ist musikalisch ein Hochgenuss. Den Rezensenten beeindruckt vor allem die wunderbar sensible Interpretation des Titelstücks Shape of my Heart von Sting, das so intensiv gespielt und gesungen wird, dass man sich ein ganzes Album der beiden Interpreten mit solcher Musik wünscht.

Und so wird es beim Abspielen des Albums im Freundeskreis auch bald wieder die Frage eines Anwesenden geben: “Wer ist denn das?” Und er wird nach dem Cover greifen und nach einem Zettel fragen, um sich den Titel und die Interpretin zu notieren.

awb

-> Shape of My Heart – Katia Labèque – EPK

-> Erik Satie – Katia & Marielle Labèque – EPK

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