Working Girl Helen Schneider

Wir waren uns damals nie ganz einig, wen wir geiler fanden. Da war zum einen Jennifer Rush, die trug immer sehr kurze Lederminis und war auch ansonsten lecker anzusehen. Zum anderen gab es Helen Schneider, die mit kajalumflortem Blick, wuschigen Haaren und hautengen Klamotten ebenfalls viel für Auge bot.

Musikalisch gab es hingegen keine Diskussion. Jennifer Rush knödelte uns viel zu viel und sang zudem nur seichte Poplieder, während Helen Schneider die New Wave Göre gab. Da hatte man nicht nur etwas fürs Auge, sondern vor allem etwas für die Ohren, und Stücke wie Hot Summer Nights oder Rock’n'Roll Gypsy waren allenthalben zu hören.

In den 1980er Jahren wandelte sich Helen Schneider zu einer Sängerin, die im Theater und Musical aktiv war, ihre erste Rolle in diesem Metier war die Sally Bowles in Cabaret. Wie Jennifer Rush arbeitete Helen Schneider überwiegend in Deutschland (beide sind  in New York geboren). Sie lebt heute in Berlin.

Im Oktober 2008 erschien ihr neuestes, u.a. von Till Brönner produziertes Album “Dream A Little Dream“, das Jazz-Interpretationen von Klassikern des Great American Songbook enthält. Wieder ein neues Metier, und wieder eins, in dem sie überzeugen kann.

“But I’m not finished yet!” war ihre Reaktion, als der Vorschlag ihres Labels kam, eine CD zusammenzustellen, auf der der Werdegang Helen Schneiders vom Ende der 1970er Jahre bis heute dargestellt werden sollte, aber sie hat sich dann doch eines Anderen besonnen. Denn diese Zusammenstellung beweist dem Hörer, dass die Sängerin das ist, als was sie sich bis heute versteht: A working girl.

So kann man denn auf dem am 30.10.2009 erschienenen Album Helen Schneider in ihren verschiedenen musikalischen Phasen verfolgen und die Reifung und Wandlungsfähigkeit ihre Stimme bewundern. Der Rezensent ist nicht ganz von der Auswahl der Stücke begeistert – das unsägliche “The Valentino Tango”, zudem in einer tontechnisch unbefriedigenden Liveversion von 1979, hätte man sich sparen können. Auch  lässt sich nicht so recht nachvollziehen, warum die Stücke nicht chronologisch auf der CD angeordnet sind. Dafür gibt es eine zusätzliche Longversion von Hot Summer Nights, die überaus hörenswert ist und wahrscheinlich seinerzeit auf einer damals populären Single LP erschien.

Working Girl ist ein schönes Album für Fans von Helen Schneider, die musikalisch nie auf einer Stelle stehen geblieben ist, sondern immer wieder erfolgreich ausgelotet hat, in welchen Metiers sie ihre ausdrucksvolle Stimme einsetzen kann.

http://www.myspace.com/helenschneider

Helen Schneider – Hot summer nites 1982

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