Süßkraut Stevia

Immer mehr Menschen nutzen Süßkraut Stevia zum Süßen
Obwohl Stevia nicht als Lebensmittel oder Süßstoff zugelassen ist, blüht der Verkauf im Internet

(Berlin – 04. Dezember 2009): Viele Menschen suchen nach kalorienfreien Alternativen zum Zucker. Das Honigkraut Stevia ist für viele Verbraucher das Mittel der Wahl zum Süßen, wie Medizinjournalist Sven-David Müller vom Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet. Stevia ist auch als Süßkraut, Süßblatt oder Honigkraut bekannt. Der botanische Name der Stevia Pflanze, die zur Gattung der Stevien gehört, ist Stevia rebaudiana. Das Süßkraut Stevia stammt ursprünglich aus Südamerika, und die süßen Inhaltsstoffe der Pflanze finden vor allem in Asien als Zuckerersatz (Süßstoff) Verwendung. In den Ländern, in denen Stevia zugelassen ist, kommt vor allem Steviosid als Süßstoff zum Einsatz. Steviosid ist der wichtigste süß schmeckende Anteil der Blätter der Stevia-Pflanze. Inzwischen gewinnt die chemische Industrie Steviosid im großen Maßstab. In der Europäischen Union (EU) und damit auch in Deutschland dürfen Stevia und Steviosid in keiner zum Verzehr bestimmten Form in den Handel gelangen, da sie nicht als Lebensmittel oder Lebensmittelzusatzstoff zugelassen sind.

Stevia als Verhütungsmittel für Männer
In Brasilien und Paraguay hat Stevia auch eine Tradition als Heilmittel. Die paraguayischen Indianer verwenden Stevia seit Jahrtausenden als Verhütungsmittel für Männer. In einigen Studien zeigt sich auch bei der Ratte eine sterilisierende Wirkung des süßen Krautes Stevia. Dieser Effekt zeigt sich aber nur bei extrem hohen Dosen. Damit ist Stevia wahrscheinlich nur unwesentlich oder überhaupt nicht gefährlich. Die mittlere letale (= tödliche) Dosis von Steviosid für Nagetiere liegt bei mehr als 15 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht. Es ist fraglich, ob die im Tierversuch gefundenen negativen Wirkungen von Stevia und Steviosid überhaupt auf den Menschen zu übertragen sind. Die vorliegenden Daten reichen zur Zulassung von Stevia und Steviosid in der Europäischen Union noch nicht aus. Im Gegensatz dazu sind die acht in der EU zugelassenen Süßstoffe gesundheitlich bei Unterschreitung der Höchst-Aufnahme-Werte (ADI-Werte) unbedenklich:

1. Acesulfam-Kalium (E-950), 130 – 200 x süßer als Zucker, entdeckt von Karl Clauß (1967)
2. Aspartam (E-951), 200 x süßer als Zucker, entdeckt von James M. Schlatter (1965)
3. Aspartam-Acesulfam-Salz (E-962), 350 x süßer als Zucker
4. Cyclamat (E-952), 30 – 50 x süßer als Zucker
5. Saccharin (E-954), 300 – 500 x süßer als Zucker, entdeckt von Constantin Fahlberg / Ira Remsen (1878)
6. Sucralose (E-955), 600 x süßer als Zucker, entdeckt von Shashikant Phadnis (1975)
7. Thaumatin (E-957), 2.000 – 3.000 x süßer als Zucker, Erstbeschreibung 1855
8. Neohesperidin-Dihydrochalcon (E-95), 400 – 600 x süßer als Zucker, entdeckt von Horowitz und Gentili (1963)

Schnell abnehmen mit Süßstoff?
Grundsätzlich gilt aus ernährungsphysiologischer Sicht, dass der süße Geschmack nicht zu übertreiben ist. Die Gewöhnung an den süßen Geschmack sollte weder durch Zucker noch durch andere Süßungsmittel oder Süßstoffe geschehen. Viel besser ist es, weniger Süßungsmittel zu verwenden. Die meisten Menschen verwenden Süßstoffe, um nicht zuzunehmen oder leichter abzunehmen. Diätfrei abnehmen ist auch mit kalorienfreien Süßungsmitteln wie Stevia ein Traum. Aber im Gegensatz zu Zucker sind Stevia und Süßstoffe kalorienfrei und machen somit das gesunde Abnehmen leichter.

Süßstoffe industriell hergestellt
Der Glaube, dass Stevia im Gegensatz zu anderen Süßstoffen nicht den Labors der Chemiefabriken entstammt, ist aber falsch. Industriell hergestellte Stevia-Produkte haben mit süß schmeckenden Blättern einer Pflanze nicht wirklich viel zu tun. Inzwischen gibt es eine große Stevia- und Steviosid-Industrie. Diese hat eine Lobby, die zur Verunsicherung der Bevölkerung beitragen kann. Auch andere Süßungsmittel, in diesem Falle amtlich zugelassene Süßstoffe, sind natürlichen Ursprungs. Der zugelassene Süßstoff Thaumatin wird aus der Katamfefrucht gewonnen, Neohesperidin-Dihydrochalcon aus den Schalen von Bitterorangen und Aspartam aus zwei natürlichen Eiweißbausteinen.

Stevia bald legal erhältlich?
Die Zucker- und Süßstoffindustrie kann die Zulassung von Stevia kaum noch erwarten, da sie sich mit Süßkraut neue Marktchancen erhofft. Stevia hat ein so positives Image, dass die „süßen Lobbyisten“ sehnsüchtig auf die Zulassung und Vermarktung von Stevia warten – insbesondere die Zuckerindustrie. Die multinationalen Konzerne würden neben den bereits zugelassenen Süßstoffen, dem Zucker und den Zuckeraustauschstoffen auch gerne Stevia und Steviosid anbauen, verarbeiten und vermarkten. Momentan ist es zwar verboten, Stevia als Lebensmittel oder Süßstoff in den Handel zu bringen, aber als Kosmetikum kann es für die Händler gefahrlos an Kunden abgegeben werden. Süßstoffe und Stevia können jedoch Zucker (Saccharose) nicht ersetzen, da sie keine konservierenden Eigenschaften (beispielsweise wichtig für das Einkochen von Konfitüre) haben und auch die Backeigenschaften von Teigen nicht positiv beeinflussen.

Süßstoffe, Zucker und Zuckeraustauschstoffe aus einer Hand
Einige große Zuckerfirmen vermarkten gleichzeitig Zucker, Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe. Nur so können sie praktisch alle Konsumenten erreichen. Wer glaubt, dass sich die Zucker- und Süßstofflobbys bekämpfen, der reibt sich oftmals die Augen, denn beide lecken sich die Finger nach der Zulassung von Stevia: Der Zuckerabsatz geht immer weiter zurück und Fruchtzucker hat durch verschiedene Studien an positivem Image verloren. Da kommt das Süßkraut Stevia gerade recht, den Umsatz der „Süßindustrie“ zu retten. Es gibt sogar schon Versuchsanbaufelder in Deutschland. Die Industrie und die Süßlobby brauchen endlich wieder Süßungsmittel mit positivem Image, um sich die Bilanz zu versüßen.

Pflanzlich aus dem Urwald heißt nicht immer gesund
Allein aus dem Ursprung eines Lebensmittels oder Süßstoffes auf die Ungefährlichkeit oder die Gesundheit schließen zu wollen, ist nicht möglich: Auch Tiger kommen wie Stevia aus dem Urwald und Schlafmohn ist wie Stevia rebaudiana eine Pflanze. Aber ein Tiger ist gefährlich und Opium aus Klatschmohn macht abhängig – da ist es kaum nachvollziehbar, dass manche Verbraucher Stevia automatisch als gesund einschätzen. Die Akten über Stevia sind noch nicht geschlossen. Es ist erstaunlich, dass Menschen freiwillig Produkte wie Stevia verwenden, die nicht zugelassen sind und dadurch gegebenenfalls sogar die Gesundheit gefährden könnten. Die Experten des Gesundheitsportals imedo.de raten zum sparsamen Süßen, denn wer zu viel süßt, versalzt sich das Leben.

In den imedo-Gesundheitsnews erfahren Sie alles über den Süßstoff Aspartam: „Süßstoff Aspartam besteht aus natürlichen Eiweißbausteinen“ gesundheitsnews.imedo.de/news/1013173-susstoff-aspartam-besteht-aus-naturlichen-eiweisbausteinen

Ein anderer süßer Mythos, über den die imedo-Gesundheitsredaktion informiert, ist der Mythos Cola: gesundheitsnews.imedo.de/news/1011994-mythos-cola

Im Medizinlexikon von imedo finden Sie unter „Süßstoffe“ ausführliche Erklärungen und weitere Links zum Thema: www.imedo.de/medizinlexikon/suessstoffe

Redaktion: Sven-David Müller

imedo.de ist das richtungweisende Internet-Gesundheitsportal mit der bekanntesten Gesundheitscommunity in Deutschland. imedo.de handelt nach dem Motto „Gemeinsam gesund – wir helfen Menschen“. www.imedo.de ist das Web 2.0-Gesundheitsportal.

 
 
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