Chet zu seinem 80. Geburtstag

[flattr uid='herrenzimmer' btn='compact' lng='de_DE' /]

Foto (c) Jacky Lepage, Antwerpen, 18.10.1987

Im Dezember 1987 spielte der Jazztrompeter Chet Baker im Aachener Carlton Club. Ich war zu dieser Zeit mit dem Geschehen in der Jazzwelt nicht mehr sonderlich gut vertraut, da ich seit Anfang der 1970er Jahre musikalisch der Pop- und Rockwelt verhaftet war. Natürlich war mir der Name Chet Baker ein Begriff, und ich besaß auch einige Platten von ihm, aber ich hätte zu dieser Zeit nicht einmal sagen können, ob der Mann überhaupt noch lebte.

Das Konzert im Carlton fand vor völlig ausverkauftem Haus statt und wird für immer mein unvergesslichstes Liveerlebnis bleiben. Chet, wenn er nicht spielte, saß wie tot auf einem Barhocker und drohte jeden Moment herunter zu fallen. Aber er verpasste nicht einen Einsatz und seine Soli waren nicht von dieser Welt. Dieses Konzert hat wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich wieder dem Jazz zuwandte, der bis heute meine Musik geblieben ist.

Ein halbes Jahr später war er tot, er stürzte am 13. Mai 1988 aus einem Amsterdamer Hotelfenster, die genauen Umstände wurden nie geklärt. Seit damals habe ich jeden erreichbaren Ton gesammelt, der von ihm zu bekommen war, und ich lernte in den folgenden Jahren etliche Menschen kennen, die ihn gut kannten und mit ihm gespielt haben, so seinen Blutsbruder Jacques Pelzer, in dessen Haus in Lüttich Chet lange Zeit lebte und seine Biografen Lothar Lewien und James Gavin. Im Mai 2008 erschien zur Erinnerung an seinen 20sten Todestag im Herrenzimmer der Artikel “Tod in Amsterdam“. Und nun gibt es wieder einen Tag des Gedenkens – am 23. Dezember wäre Chet 80 Jahre alt geworden. Angesichts seines Lebenswandels ist es ein Wunder, dass er immerhin 58 wurde, als 80jährigen könnte ihn sich wohl niemand vorstellen.

Ich habe aus diesem Anlass Menschen kontaktiert, für die auf die eine und andere Weise Chet Baker etwas bedeutet und freue mich ganz außerordentlich, dass so für diese Seite eine Reihe von Dokumenten zusammen gekommen ist, die zeigen, wie wichtig Chet Baker für viele Menschen gewesen ist und es bleiben wird, lange über seinen Tod hinaus. Seine Musik ist uns erhalten geblieben – hier nun einige ganz besondere Erinnerungen an ihn…

Archi W. Bechlenberg

Knut Kiesewetter

Bis Ende der 50er Jahre wohnte meine Tante Else in Berlin. Anfang der 50er fuhr ich sie besuchen. Es war Sommer und ich fuhr mit anderen Kindern an einen Badesee, dort auf dem See hörte ich jemanden Trompete spielen; es war eine merkwürdige Art von Musik, die ich noch nie gehört hatte.

Nach einiger Zeit kam ein GI in einem Boot an den Steg gerudert und hatte eine Trompete unter dem Arm. Da ich ja schon englisch in der Schule hatte und ich auch immer sehr vorlaut war, sprach ich ihn an und fragte ihn, was für eine Art von Musik er dort gespielt habe. Er war sehr jung, sehr gut aussehend und sehr freundlich und erzählte mir, dass das, was er geblasen habe Jazz sei; ein Wort, das ich noch nie gehört hatte, außerdem hieße er Chet, so bildete ich mir wenigstens später ein. (Anmerkung: das muss dann jemand anders gewesen sein, oder die Begegnung war früher; Chet war 1947 in Berlin. Immerhin, er hat gerne auf dem Wannsee gesegelt. Archi)

1955 oder 56 hörte ich die ersten Platten vom Gerry Mulligan Quartet mit Chet Baker. Diese Platten sparte ich mir vom Munde ab, denn um soetwas besitzen zu können, musste ich grässliche Bauerntanzmusik am Wochenende machen, ich ging ja noch zur Schule. Seine Art Trompete zu spielen, beeindruckte mich damals sehr.

1962 hatte ich meinen ersten größeren Fernsehauftritt mit dem Orchester Kurt Edelhagen. Ein Bekannter erzählte mir, dass Chet Baker einen Tag vor der Aufzeichnung in Paris in einem Jazzkeller spielen würde; ich wollte natürlich mitfahren, konnte ja aber nicht, weil die Aufzeichnung schon am nächsten Vormittag in Düsseldorf sein sollte, bis mir der Bekannte versprach, mich dort mit seiner alten Klapperkiste rechtzeitig abzuliefern.

Wir tobten also von Hamburg durch Belgien nach Paris und kamen dort erst ziemlich spät an. Es gab noch keine Autobahn. Lange suchten wir den Laden, in dem Chet spielen sollte, kamen aber, obwohl spät, doch nicht zu spät.

Ab abends 9 Uhr sollte Chet Baker spielen, wir zahlten 30 Mark Eintritt. Das war ein Heidengeld, denn ich bekam für den Auftritt in dem damals berühmten Jazzlokal “River-Kasematten” nur 15 Mark den Abend. Immer wieder fragten wir, wann Chet Baker wohl käme, er erschien aber nicht. Und so fuhren wir ungefähr um 1 Uhr wieder ab, ohne ihn gehört zu haben. Der Mann an der Kasse dachte gar nicht daran, uns unser Geld wiederzugeben und wir hatten es zu eilig, lange zu diskutieren. Die Raffgier hatte sich auch schon damals in Frankreich durchgesetzt.

Die Strecke war lang und mein Fahrer fuhr natürlich so schnell wie möglich, wobei ihm ab und zu die Augen zufielen und ich ihn immer wieder an der Schulter rütteln musste. So brachte Chet Baker ein paarmal mein ach so junges blühendes Leben in Gefahr.

Kurz bevor Chet Baker starb, interviewte ich ihn für den NDR. Ich hatte dort eine eigene Sendereihe und interviewte oft Jazzgrößen, die beim NDR auftraten. Mir gegenüber saß ein schlaffer, ausgebrannter Typ, der eher schleppend sprach. So alt, wie er wirkte, werde ich nie, so glaube ich. Heute weiß ich kaum noch ein Wort von dem was wir sprachen, nur eins werde ich nie vergessen. Natürlich sprach ich ihn auf Drogen an, daraufhin wirkte er gequält und mit dem Ausdruck “Muss das denn schon wieder sein” fragte er mich, warum gerade er immer wieder nach soetwas gefragt würde, man solle doch schließlich die Leute fragen, die damit nicht umgehen könnten, er könne das schließlich.

Mitte der 80er Jahre war ich in Flensburg in einer Fernsehshow, in der auch Caterina Valente auftrat. Ich kannte Catrin schon lange und fragte sie nach 2 Aufnahmen von denen ich gehört hatte, die im Sender Baden-Baden von Chet Baker und ihr in einer Probenpause einfach heimlich mitgeschnitten wurden, es seien nur Valente mir Gitarre und Chet Baker darauf zu hören. Sie wußte sofort worum es sich handelt und versprach mir, nachdem ich sie darum bat, mir diese Aufnahmen zuzuschicken. Catrin ist eine sehr Nette, 3 Tage später waren die Aufnahmen da und ich höre sie heute noch wegen ihrer Ursprünglichkeit sehr gern.

Knut Kiesewetter

Knut Kiesewetter wurde 1941 in Stettin an der Ostsee geboren. Er gehört als Sänger und Instrumentalist zu den Urgesteinen der deutschen Musikszene.

Wolfgang Lackerschmid

Foto: Ilse Ruppert, mit Dank an Wolfgang Lackerschmid

Chet war jemand, der ganz ruhig auf der Bühne sitzt, in sich versunken und dann auf einmal mit großen braunen Augen aus einem runzligen Gesicht zu einem herüberschaut und sagt “…there was a tune in 19…, I don’t remember, but the composer was like a…why, it was from a movie…uh…it sounded like this…” und fängt an zu spielen. Und ich muss ihn begleiten. Stücke, die ich eigentlich noch gar nicht kannte. Aber es hat funktioniert. Er hat so logisch gespielt, dass ich gespürt habe, was ich dazu spielen muss.

Mich faszinierte am Zusammenspiel mit ihm die emotionale Aussage der Musik. Dass jeder Ton etwas bedeutet hat. Und drauf hat Chet die Musik – nicht reduziert, das kann man nicht sagen – er hat sie einfach auf diesen Punkt gebracht. Er hat manchmal riesige Pausen gelassen, und was er dann gespielt hat hat einfach getroffen.

Sehr beeindruckt hat mich, dass er improvisiert hat beim Gesang, wie er Trompete spielen würde und dass er so Trompete gespielt hat, wie er singen würde. Man weiß nicht, was da zuerst war, in jedem Fall war beides ganz intuitiv und direkt. Wir haben gespielt und dann hat sein Ventil geklemmt, jedenfalls hatte er die Trompete noch am Mund, und plötzlich hat er sie abgesetzt, beugte sich vor zum Mikrofon und hat diesen Scat gesungen. Er hat also nicht unterbrochen, sondern hat dann eben die Alternativlösung gebracht, weil er einfach beides konnte und die Stimmung, die da lief, nicht unterbrechen wollte.

Chet hat die Stücke, die ich geschrieben habe, so gespielt, wie ich sie in mir gehört habe. Die hat kein anderer Musiker so gespielt. Es gibt tolle Versionen meiner Stücke, und ich finde es auch schön, wenn die Stücke immer weiter leben und ihren eigenen Charakter bekommen durch die unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten. Aber die Interpretationen von Chet, das waren die, die ich ursprünglich auch gespürt habe.

Wolfgang Lackerschmid

Wolfgang Lackerschmid (* 19. September 1956 in Tegernsee) ist Jazzmusiker, Bandleader und Komponist. Sein Hauptinstrument ist das Vibraphon, er beherrscht aber auch viele andere perkussive Instrumente. Lackerschmid lebt in Augsburg, wo er auch ein Tonstudio betreibt. Mit Chet Baker nahm er die Alben Ballads for two, Welcome back und Chet Baker und Wolfgang Lackerschmid, Feat. Larry Coryell auf.

Lothar Lewien

Jahrgang 1943, lebt und arbeitet in Berlin. Journalist und Autor von „Chet Baker – Blue Notes – Engel mit gebrochenen Flügeln“ und „Charlie Mariano – Tears of Sound – Wanderer zwischen den Musikwelten“, beide erschienen im Hannibal-Verlag, Wien/München.

Lothar war seit seinen Jugendtagen ein glühender Fan von Chet Baker und hat viele seiner Konzerte besucht. Sein Buch über Chet Baker ist eine Hommage, die sich nicht als Biografie versteht, sondern als ganz persönliche Erinnerung an das Idol des Autors. Das Buch erschien zum ersten Mal 1991 und wurde später, aktualisiert und erweitert, neu aufgelegt. Sowohl die Hardcoer- als auch die Paperbackausgabe sind im Buchhandel leider vergriffen, Amazon listet noch einige Restexemplare, erhältlich ist es eventuell auch noch bei 2001.

Lothar hat vor einiger Zeit eine Radiosendung über Chet Baker gemacht und darin aus seinem Buch gelesen. Er hat uns für diese Seite einen Mitschnitt zur Verfügung gestellt. Wir haben diese Sendung aus rechtlichen Gründen geschnitten (die Musik entfernt) und in drei MP3 Dateien aufgeteilt, die man hier abrufen kann.

Lothar Lewien, Radiosendung Teil 1 von 3
Lothar Lewien, Radiosendung Teil 2 von 3
Lothar Lewien, Radiosendung Teil 3 von 3

Michel Herr

Foto: Jacky Lepage

Hello Archi, I’ll do it with pleasure, because of my huge respect for Chet: I was fortunate to play with Chet, and like all the musicians who had this privilege, things were never the same afterwards. I probably became a deeper musician after having shared musical moments with him. I admired his total involvement in the music, far from any superficial show-off. Just music, with a unique sense of discourse and a focus on the essentials. I’ll never forget his musical decisions on stage, his phrasing, his long and beautifully shaped phrases, his silences, his timing. His depth and his artistic honesty will remain a source of inspiration.

Ich fragte Michel auch, ob er etwas über das Verhältnis zwischen Toots Thielemans und Chet Baker wisse. Er meinte dazu:

Toots made a few things with Chet, but you better check with him. I remember we spoke about Chet a few times while we were on tour. He expressed his admiration for the uncompromising dedication of Chet to music.

Anecdotically, I also remember a brief encounter we had by accident at the Frankfurt airport, when Toots and I ran across Chet and Archie Shepp, who were doing a (rare) concert together in Germany.

Michel HERR stammt aus Brüssel. Der Jazzpianist, Komponist und Arrangeur ist auch in Deutschland wohlbekannt, mit dem Saxophonisten Wolfgang Engstfeld leitete er ein Quartett und er war Mitglied bei Jazz-Track. Die Liste der Musiker, mit denen er gespielt hat und spielt ist kaum überschaubar. Seit mehr als 25 Jahren begleitet Michel Herr Toots Thielemans. Er ist auf mehr als 60 CDs und LPs zu hören. -> Michels Website.

Toots und Chet, Foto aus dem Booklet zu Ake Johansson Trio with Chet Baker & Toots Thielemans

Toots Thielemans

Ich habe auch Toots Thielemans kontaktiert. Toots hat seinen 80. Geburtstag schon länger hinter sich, in diesem Jahr ist er 87 geworden, und man kann ihn ohne jede Übertreibung eine Jazzlegende nennen. Als Gitarrist und vor allem später als Pionier der Mundharmonika im Jazz hat er Weltruhm erlangt und mit allen großen Musikern zusammen gespielt. Bis heute ist er aktiv und steht regelmäßig auf der Bühne, am Piano meist begleitet von Michel Herr.

Toots lässt alle Chet Baker Fans herzlich grüßen und verweist statt vieler Worte auf das Album, das er 1983 zusammen mit Chet Baker, begleitet vom schwedischen Åke Johansson Trio eingespielt hat. Mit diesem Trio, so erzählte später der erste Chetdiskograf Thorbjørn Sjøgren, war Chet für einige Konzerte in Schweden unterwegs, man reiste mit einem Minibus. Einer der Musiker entschuldigte sich während der Fahrt für die wenig komfortablen Umstände der Tournee, und Chet antwortete auf seine sehr typische Art: “It’s alright with me, but Stan wouldn’t like it”, womit er auf seine chaotische Tournee mit Stan Getz durch Schweden zwei Jahre zuvor anspielte.

Das Album mit Toots und dem schwedischen Trio ist ein Highlight in Chets Diskografie und recht selten, publiziert wurde es unter Åke Johanssons Namen; bei Amazon sind derzeit (22.12.) noch zwei Exemplare erhältlich und ein echter Geheimtip! (Archi)

Hein van de Geyn

Hein van de Geyn (Foto: archi)

What can I say: Chet Baker left such a deep impression on my musical world. His focus, his total dedication to the search of that golden note was breathtaking each time I had the fortune to share the stage with him. For several years I would join the trio of Chet with Philip Catherine: timeless horizontal music. Chet asked me to go to Japan with him. This tour proved to be a musical highlight. Chet was in great shape and good spirit. Surrounded by people he trusted he played so incredibly well each night. Our last concert in Tokyo was recorded and proves this point. Chet sings and plays like a young god; full of life, full of risk, full of music, music, music. Some time after we played a few concerts in Paris, and finally met on a depressing evening in Rotterdam. Everyone went home after the gig, and Chet disappeared. A few days later I received a phone call that Chet was no more. Rotterdam proved to be the last concert he ever played. It was a shock to learn that this man had left us. I will always miss him; his music will always be there. Thank you Chet for showing me the way.

Hein van de Geyn hat viele Jahre mit Chet Baker zusammen gespielt. Der niederländische Bassist ist auf zahlreichen Platten mit CB zu hören, und er war auch auf der triumphalen Japan Tournee 1986 dabei, die auf zwei CDs und DVD dokumentiert ist. Hein hat bisher bereits unzählige große Jazzmusiker aus und in der ganzen Welt begleitet.

Heins Website

Jacques Pelzer

Karte zu Jacques Pelzers 70. Geburtstagsfeier, mit dabei unter anderem Toots Thielemans, Philip Catherine, Michel Herr und Fats Sadi. Nur 6 Wochen später starb er in Lüttich.

Jacques Pelzer an seinem 70. Geburtstag mit einem Stück Torte (Foto: archi)

Jacques war so etwas wie der Blutsbruder von Chet Baker. Die beiden Freunde kannten sich seit den 1950er Jahren, und Jacques, im Hauptberuf Apotheker in Lüttich und nebenher ein Altosax- und Flötenspieler, beherbergte den Trompeter häufig in seinem Haus. Sie tourten zusammen durch viele Länder in Europa und auch in den USA.

1994 ist Jacques Pelzer mit 70 Jahren in Lüttich gestorben, ein sommerliches Tischtennisspiel war für sein Herz zuviel. Kurz zuvor hatten wir noch seinen Geburtstag gefeiert.

Vor einigen Jahren machte ich für den belgischen Rundfunk mit dem Musikmoderator Walter Eicher eine Sendung über Chet Baker, und Walter fand in seinem Archiv zwei Tonschnipsel. Der eine (englischsprachig) stammt aus einem Film über Jacques Pelzer, der zweite (französischsprachig) aus einem Interview, das Walter Eicher mit Jacques Pelzer anlässlich des Geburtstags führte. Ich fand diese Schnipsel wieder und habe sie hier angehängt. Auch im Gedenken an Jacques. (archi)

Jacques Pelzer über Chet Baker

Jacky Lepage

Jacky Lepage portrait by Naima Joris

I took some photos in october 1987 in Anvers (Antwerpen) at “Riverside Jazz Club”. That was incredibile because i saw Miles Davis and Chet Baker same night and same town. Miles Davis at “Koningin Elisabethzaal”  (Anvers) at 20 h 30 and Chet Baker at “Riverside Jazz Club” at 22 h 00. Same town see Miles and Chet that was amazing!

I said to Chet “Hey did you know that Miles was playing at 20h 30 tonight at some street from here?  And he told me “Oh great maybe he’ll come and we can make a jam together”. Miles did not come, and it was the last time i saw Chet. His concert was very great and he was very well this night (a fucking asshole journalist, who was not at this concert, made an stupid article the day after writing shit thing like “chet was sleeping on his chair etc. etc.”) I can tell you that was not true, Chet was really good and clear this night. I was there.” Jacky

Jacky Lepage ist Fotograf. Er wurde 1952 geboren und begann Mitte der 1970er Jahre als Autodidakt. Seit 1985 fotografiert er Musiker on stage und lernte so viele Musiker kennen, darunter Chet Baker, Miles Davis, John Scofield, Chick Corea und viele viele andere. In seinem Heimatland Belgien hat er unter den dortigen Musikern zahlreiche Freunde wie Toots Thielemans, Philip Catherine, Aka Moon und Michel Herr. Viele seiner Fotos sind in Zeitschriften, Booklets und auf CD Covern erschienen. Seinen Arbeitsstil beschreibt er als “freely, driven first by feelings, and sometimes I don’t even touch the camera for a while, returning to it later and starting in a new direction”. Unbedingt lohnenswert ist seine Website mit zahlreichen Fotoarbeiten. www.jackylepage.be

Das Herrenzimmer ist sehr stolz, einige Arbeiten von Jacky Lepage hier zeigen zu können, die er für die “Chet Baker 80 Hommage” zur Verfügung gestellt hat.

Bilgergalerie auf bechlenberg.de

Harold Danko

My musical and personal association with Chet Baker enriched my life in many ways.   I learned so much from him in my formative years and he continues to be a profound influence on my creative work.  He was like a big brother, and treated me with kindness and respect.   His many friends and fans the world over certainly miss his presence, but still treasure the music, passion, and sincerity in all of his recorded works.   His legacy will continue to grow as new generations discover his artistry. Harold Danko

Harold ist heute Professor an der Eastman School of Music in Rochester, Staat New York, die zur University of Rochester gehört. Er kann auf eine lange Zeit als Pianist schauen, in der er unter anderem mit Chet Baker, Gerry Mulligan, Thad Jones/Mel Lewis, Lee Konitz und Woody Herman spielte. Mit Chet Baker nahm er die Alben “Once Upon a Summertime” und “Chet Baker in Tokyo” auf.

James Gavin

James Gavin (Foto by Stephen Paley)

I never had the experience of seeing Chet onstage, but I could have; he appeared at Fat Tuesday’s in New York in the mid-’80s, well within my clubgoing years. He’d been a distant fascination of mine for years, but he didn’t seize me until 1994, six years after he’d died and five after the release of Bruce Weber’s “Let’s Get Lost,” one of the most extraordinary documentaries I know. That film planted a seed in my mind that burst in 1994, when I looked around and realized that Chet was hotter in death than he’d been for the last many years of his life. I was then casting around for an idea for my second book. Surely someone was writing a definitive Chet Baker biography, not just the flimsy sort that had already appeared. Impulsively I phoned William Claxton, whom I didn’t know, save for one previous call. I reintroduced myself to the photographer who had helped create the Chet Baker image in the 1950s, and asked if he knew if a book was in progress. “Not that I know of,” he said, “and I think it’s a wonderful idea.”

Thus began six haunted, turbulent, obsessive years of my life, as I stepped into Chet’s dark and troubled world and struggled to make sense of it. I also had to figure out the enduring seduction of his playing and singing, and to evoke it in fresh ways. I spent three months traveling through Europe to retrace his steps; I interviewed hundreds of people from his life. I sought out every artifact of his 58 years that I could find. It wasn’t until after I’d finished, and the book was at the printer, that I realized what I’d put myself through. There were scary moments, dangerous moments, thrilling ones to be sure, and one time in particular when I sat on a bus, having just spent three days in the company of one of the most important but damaged people in his life. For the three-hour ride I sat slumped in my seat, almost paralyzed with sadness.

But it all added up to the greatest adventure I’ve ever had. A key person who entered my life in that time was Bertrand Fevre, the wonderful French filmmaker whose nine-minute short, “Chet’s Romance,” is a definitive portrait of ’80s Chet. I met Bertrand early in my project. One night we were walking together up Second Avenue in New York, and he gave me one of the most crucial pieces of advice I’ve ever received:  “Try to understand, not judge.” I’ve repeated his words to myself hundreds of times since, especially when I’ve explored other difficult personalities in my work. Bertrand’s wisdom guided me in the writing of “Deep in a Dream.”  I urge anyone who reads it, or who ponders Chet Baker, to try to understand, not judge.

–James Gavin, New York City, December 2009

James Gavin schrieb die Chet Baker Biografie “Deep in a dream”, an der er mehr als 6 Jahre arbeitete. Wir verbrachten einige wunderbare Tage in Paris, wo er recherchierte. Sein neues Buch ist eine Biografie der Sängerin Lena Horne. James lebt in New York und hat unzählige Artikel für Zeitungen, Zeitschriften und Booklets verfasst. Seinen Text hat er extra für diese Hommage zu Chets 80. Geburtstag geschrieben. jamesgavin.com

Julian & Roman Wasserfuhr

Obwohl wir Chet Baker nie kennenlernen durften, ist er ein ganz besonderer Mensch für uns geworden.

Sowohl seine Musik, als auch sein Leben faszinieren uns sehr. Mit seinem Sound schafft er es immer genau das zu spielen, was wir fühlen. Für uns wird Chet, dank seiner Musik, immer lebendig bleiben.

Julian Wasserfuhr ist gerade 21 Jahre und gilt als Geheimtipp unter den jungen deutschen Jazztrompetern. Mit sieben Jahren blies er erstmals ins Horn, als jüngster Teilnehmer der Wettbewerbsgeschichte gewann er „Jugend jazzt“, er war Sieger des „Yamaha Trumpet Contest” 2004, war jüngster Jungstudent im Fach Jazztrompete an der Musikhochschule Köln und bekam ein Stipendium am berühmten Berklee College of Music in Boston. Sein Bruder Roman, der Piano spielt, ist mit 24 Jahren kaum älter. Mit dem Julian & Roman Wasserfuhr Quartet erschien Ende 2005 ihr Erstlingswerk „Remember Chet“. Da war die Brüder gerade einmal 17 und 20 Jahre alt.

Stefan Kremer

Ich war ein Freund von Robert Wenseler, der in Aachen zusammen mit Horst Weber einen der, wenn nicht den ersten Jazzclub in Deutschland nach dem Krieg eröffnet hatte. Horst Weber hat später das Plattenlabel Enja gegründet. Robert war auch mit Jacques Pelzer befreundet, und er nahm mich mit zu ihm nach Hause. Chet wohnte damals bei ihm in Lüttich. Zusammen hatten sie abends ein Konzert in Waremme, welches um 20:00 h starten sollte. Chet und Jacques erschienen aber erst um 22:00 h auf der Bühne. Trotzdem regte sich das Publikum nicht auf, sondern alle waren froh, das Chet kam.

In der Pause bin ich dann hinter die Bühne und hab Chet gefragt, ob ich einsteigen könnte. Obwohl er mich überhaupt nicht kannte, hat er nur gefragt, welche Stücke ich denn kenne. Im 2ten Set holte er mich dann auf die Bühne. Anscheinend gefiel ihm, wie ich trommelte, jedenfalls hat er mich nachher eingeladen, mit ihm in Paris – Palais de Mutualité, zu spielen. Das war im Dezember 1976. Micheline Pelzer hat damals auch ein paar Stücke in Paris getrommelt. Es gab also 2 Schlagzeuger bei diesem Konzert.

Chet war ein großer Musiker und auch ein großer Drogenkonsument. Für mich war es damals (ich war 19) echt ein Schock, das zu sehen. Gleichzeitig war es eine riesen positive Erfahrung, mit ihm spielen zu dürfen.

Chet konnte sehr nett sein, ich habe sogar noch einen handgeschriebenen Brief von ihm zu Hause, den er mir aus den USA geschickt hat. Auf der Bühne hat er die Musiker auch mal vor dem Publikum fertig gemacht. Das ist mir zusammen mit Michel Graillier, dem Pianisten aus Paris, ebenfalls einmal passiert; keine schöne Erfahrung, obwohl man irgendwann später darüber lacht. Chet hatte wahrscheinlich Entzug an dem Abend.

Ich hatte auch eine Reifenpanne mit Chet auf dem Weg zu einem Konzert in Avignon. Er hat den Reifen gewechselt und anschließend auf der Standspur Trompete für die vorbeifahrenden Autos gespielt. Ich musste die ganze Zeit fahren, während Ruth und Chet auf der Rückbank Liebe machten, so hörte es sich jedenfalls an. Hinterher sagte man mir in einer Autowerkstatt (1000 km weiter), dass die Reifenmuttern nicht richtig angezogen waren und nicht viel gefehlt hätte, das die Reifen abgefallen wären. Insgesamt bin ich mit Chet so 6-7 mal öffentlich aufgetreten in Lüttich, Waremme, Paris und Avignon.

Obwohl Chet ein wunderbarer Musiker war, finde ich die Legendenbildung um seine Person nicht gut. Dasselbe passiert (auf einem anderen Level) jetzt mit Michael Jackson, der doch offensichtlich pädophil war und gleichzeitig ein toller Musiker. Es gibt immer 2 Seiten einer Medaille. Die gute Seite wäscht die schlechte Seite nicht rein. Beide Seiten sind einfach da.

Let’s Get Lost von Bruce Weber ist ein fantastischer Film, der meiner Meinung nach beide Seiten von Chet sehr gut darstellt.

Stefan Kremer ist 1957 geboren und begann mit 11, Schlagzeug zu spielen. Er studierte an der Dante Agostini Drum School in Paris und nahm Stunden beim britischen Drummer Tony Oxley. Er hat unter anderem mit Kenny Wheeler, Dave Liebman, Jacques Pelzer, Michel Herr, John Thomas, Babs Conzales, Eddie ‚Cleanhead‘ Vinson, Hugo Read, Steve Houben, Wild Bill Davis, Wild Bill Davison, Lux Orchestra & Kate Westbrook gespielt und ist seit dreißig Jahren Teil des Robert Jeanne Quartetts. Zudem spielt er derzeit in mehreren Projekten wie Jasstango und Stefanet. www.myspace.com/stefankremer

Jos L. Knaepen

Jos L. Knaepen - The Jazzman

Der Kontakt zu Jos L. Knaepen kam durch Toots Thielemans Freund Dirk Godts zustande, mit dem ich wiederum durch Michel Herr zusammen kam – it’s still a small world…Hier einige biografische Angaben zu seiner Person und seinem Werk:

Belgian born, Jos Knaepen, commonly referred to as “The Jazzman,” became interested in jazz at age 17, after purchasing his first LPs of Django Reinhart and Sidney Bechet in 1961. At age 18, he regularly attended the infamous Comblain La Tour where jazz giants performed during their European tours. It was during this period his interest in photography began; his professional career started in the early ’70s. Knaepen’s photographic work continued during the early 1980s. His award-winning action photos were exhibited regularly throughout Belgium. By 1985, his professional career took a hiatus until 1990 when he began again, this time focusing strictly on jazz; the great love of his life.

Jos is routinely commissioned to exhibit his photography at cultural events, such as the Flemish Center for Jazz and the Blue Note Jazz Festival. This year, he will exhibit his repertoire at the Antwerp Photo Museum. He is also the official photographer for the Blue Note and Middelheim Jazz Festivals. Gaining quite a reputation in the U.S., his photography is commonplace in Down Beat and Jazz Times magazines. Impressed with his art, the IAJE director of education invited Jos to cover their 2007 New York events…and the Smithsonian Institute used his photography to illustrate their special anniversary feature on Wynton Marsalis. His photos have also donned posters for Carnegie Hall.

Traveling the globe, Jos Knaepen can be seen capturing a moment in time, for where there is jazz, there he will be. With an eye for perfection, his photography is a thing of beauty. How does he do it? “To me, the most important thing is to hold that special moment when everything on stage is in balance–when the musician is in total harmony with himself and his fellow musicians. One can feel it, see it–the goose-bump moment!”

Text by Suzi Price, Editor, JazzReview.com

-> Jos L. Knaepens alte Website (bis Ende 2009)

-> Jos L. Knaepens neue Website (in progress)
mit Bildern aus seinem neuen Buch Jazz Masters, das soeben erschienen ist.

Jos hat für diese Seite einige wunderbare Aufnahmen zur Verfügung gestellt, die er in den 1980er Jahren in Bruxelles machte. Sie dokumentieren einen Auftritt von Chet Baker mit Toots Thielemans und Philip Catherine. 1000 Dank dafür!

Bildergalerie auf bechlenberg.de

Ruth Young

Chet Baker und Ruth Young in the 1970s

Ruth Young heute

Ruth und Chet trafen sich 1973 im New Yorker Half Note Club, und sie wurden ein Paar, mit vielen Höhen und Tiefen in den folgenden Jahren, nicht zuletzt, weil Chet verheiratet war. Auf dem Album “The Incredible Chet Baker Play and Sings” von 1977 singt Ruth Young im Duett mit Chet die für mich ultimative Version von Autumn Leaves – trauriger, zerbrochener hat diesen Standard von Kosma/Prévert wohl nie jemand interpretiert als diese Beiden. Leider ist diese Version kaum bekannt, weil die Platte, auf der sie erschien, sehr, sehr selten ist. Mit dabei ist übrigens Jacques Pelzer, den man auf der Querflöte hören kann. Wenn man denn diese Platte irgendwo auftreiben kann. Immerhin stehe ich mit meiner Meinung zu dieser Version nicht alleine: Bruce Weber hörte sie bei seinen Vorbereitungen zu seinem Film “Let’s get Lost” und unternahm daraufhin alles, um Ruth zu finden, um ihr darin eine zentrale Rolle zu geben.

Ruth hat auf meine Aufrage sehr herzlich geantwortet und entschuldigt sich, dass sie nicht rechtzeitig vor dem 23.12. dazu kam, etwas Profundes über sich und Chet für diese Seite zu schreiben. Sie bereitet gerade ihren Umzug von Florida nach Massachusetts vor und war zuletzt im Krankenhaus und ist noch nicht voll genesen. Ich gab ihr am vergangenen Wochenende die Möglichkeit einer “Sneak Preview” dieser Seite. “I have little to say as I’m never comfortable speaking of Chet. But  thank you so much for doing this page, it’s a terrific presentation, Archi. And I’m especially glad you contacted our friend Jim Gavin. Am also glad to see Lothar, Harold Danko and dear dear Jacques. How lovely…”

Viele Jahre, seitdem ich sie in Bruce Webers Film “Let’s get lost” singen hörte, habe ich auf eine Platte von Ruth Young gewartet, denn sie hat eine außergewöhnliche Stimme, mit der sie ein großer Star hätte werden können. 2002 hat sie in Augsburg mit Herb Geller, Walter Lang, Wolfgang Lackerschmid und Rocky Knauer dann das Album “This is always” unter ihrem Namen eingespielt, das 2006 dann veröffentlicht wurde – mit Liner Notes von James Gavin, womit sich wieder ein kleiner Kreis schließt. So schreibt James unter anderem:

“The arrangements for Young drape around her like the sheerest silk. That is how it should be, for her work has grown more and more revealing with the years. This album is what intimate singing ist all about. You’ll hear no showing off, just pure feeling.”

Ruth, all the best to you, thanks for your friendship! And don’t get lost :-) (Archi)

“Ruth, You’re a great, great lady…Keep singing”. (Chet Baker in einem Brief an Ruth Young nach ihrer Trennung)

Chet Baker

Im Jahr 1985 führte der Journalist Gerard Rouy in Amiens ein langes Gespräch mit Chet, es war eine entspannte Stimmung, Chet auskunftsfreudig, man frühstückt hörbar und im Hintergrund läuten manchmal Glocken, vielleicht war es ein Sonntagmorgen. Gerard Rouy hat ein Buch über Chet Baker geschrieben, das aber leider nicht mehr erhältlich ist, man kann annehmen, dass das Gespräch in Amiens zur Vorbereitung auf das Buch diente.

Peter, ein britischer Chet Baker Fan und Sammler, hat uns einen Mitschnitt des Gespräches geschickt, und wir haben daraus einige Minuten extrahiert; Rouy fragt Chet Baker nach seinem Verhältnis zu Charlie Parker, und Chet erzählt, wie sie sich kennenlernten und zusammen spielten. Im Fortlauf dieser Erzählung äußert sich der Trompeter noch mit einigen nachdenklichen Worten zur Weiterentwicklung des Jazz und kommt dann noch auf Miles Davis zu sprechen. Absolut hörenswert!

O-Ton Chet Baker im Gespräch mit Gerard Rouy (MP3, ca. 5 Mb)

Thank you!

Thank you all people, who shared their emotions on this side. Thank you Knut, “Urgestein” in german music history, for your stories and that you mentioned the songs by Catharina and Chet, which were among the first CB recordings I ever heard. Thank You Wolfgang for your material, your music with Chet and the record, You made with Ruth Young. Thank You Lothar, I learned a lot about Chet from your book many years ago and I hope it will be re-released again. Merci à Michel, he helped me a lot in contacting more people, great support, because he liked the idea of this birthday page. Bedankt for Toots and Dirk, Toots for so much beautiful music (I saw you yesterday in the Miles Davis Exposition in Paris on stage on a photo from 1949!) and Dirk for bringing me together with Jos. Thank You Hein for your words, I saw you many times on stage with douzend of the greatest Jazz Musicians of today, you were so close with Chet and played the last regular gig with him 5 days befor he died. Merci à Jacques, who left us in 1994, about whom nobody ever could say an unfriendly word, because everybody loved you. I am often in your house, which is a cozy little jazzclub now, and many things there havn’t changed since Jacky took photos of you and Chet in 1987. Even the books are still on the same place. Merci Jacky, your photos are incredible soulful, and you were very generous in giving them to me for this page and telling the story of Chet and Miles the same evening in Anvers. Thank you Harold, whom I saw and heard once late in a cold cold night in Gouvy; keep teaching young people the essence of jazz. Jim my dear friend, what can I say but “Thank you sooo much!” Your book about Chet is always where I am. Just yesterday I was sitting in the La Coupole in Paris, where we met the first time, and I remember you wondering, how “flat” Paris is. Well, you are from New York :-) Hugs and more! Julian & Roman, two very young guys from germany, who made the “I remember Chet” album – what can better show the meaning of Chet’s music for the younger generation than this fact? Keep on playing and become big stars! Stefan, living right around my corner, it is always a pleasure to hear you play, next time again in Jacques house. Jos, you answered so friendly, because you like this project, and your photos with young Toots, Chet and Philip are gorgeous. And Ruth - I was really fascinated when I saw you the first time in Bruce Weber’s film, and not only because my fetish are bare shoulders! You let us wait a long time for the first record under your name. But before that you gave us “Autumn Leaves”. I hug you, darling :-)

Thank you too, who promised a contribution and didn’t manage it in time – we are not celebrating the birthday of a bookkeeper but of an artist, and his friends are artists as well :-) So: Thank you all for making this little project possible!

Archi, 23.12.2009
Mail me!

Dr. Michael Frohne: Die verpasste Gelegenheit

Es muss so ca. 1977 gewesen sein und nach einem harten Arbeitstag als Ausbildungs-Assistent in einer Zahnarztpraxis in Bühl war ein starker Kaffee nötig, mich auf den Weg nach Baden-Baden zu bringen. Chet Baker spielte dort, hatte ich tagsüber im Radio angekündigt gehört, die Begleitmusiker waren mir unbekannt. Es sollte eines der ergreifensten Konzerte meines Lebens und der Anlass, eine Doktorarbeit über die Probleme von Blasmusikern mit Zahnersatz zu spielen, werden. Wenn ich mich richtig erinnere, war der Saal nur dürftig besetzt und entsprach so überhaupt nicht einer jazzmäßigen Standard-Umgebung: rote Plüschsessel im Stadttheater. Die Musik ist seit den vergangenen 32 Jahren nicht mehr gegenwärtig, die vielen Live-Mitschnitte auf Tonbändern oder Cassetten von anderen Konzerten, die ich gehört habe, haben sich darübergelagert. Erinnern kann ich mich aber, dass ein sehr müder, trotzdem liebenswürdiger und freundlicher Chet Baker mir das Konzertposter signiert hat. (Auch der “Ersatz-Bassist” hat unterschrieben).

Als ich 1979 in den hohen Schwarzwald umzog und dort eine jazz-kulturelle Wüste zwischen den Fichten vorfand, war der Weg zum Konzertveranstalter nur kurz. In einer alten Kirche im winzigen Fluorn-Winzeln waren die Musiker am Nachmittag zur kostenlosen Zahnbehandlung – die US-Amerikaner sparten sich so mehrere hundert harte Dollar – und abends zum Konzert in der Alten Kirche zu Gast. Meist mussten sie bei mir privat übernachten oder wurden bei Freunden untergebracht.

Die Musiker sprach ich auf Festivals oder bei anderen Konzerten an und sie kamen gerne – auch wenn der Zahnarztbesuch nicht obligatorisch war. Die Managerin Gabi Kleinschmidt, die quasi im nächsten Dorf wohnte und noch immer wohnt, “versorgte” mich zwischendurch mit Top-Musikern. Und so bot sie irgendwann – es muss 1981 oder 82 gewesen sein – auch Chet Baker an. Spontan zuzusagen, war die natürlichste Sache, aber dann kamen die Bedenken: Die Drogenkarriere war das Eine; wo übernachten lassen, das Andere; und dazu noch die bekannte Unzuverlässigkeit von Chet Baker. Das eher dörfliche, an Pünktlichkeit gewöhnte Publikum im Schwarzwald, würde mir persönlich die Schuld an dem “schlechten Benehmen” der Musiker geben! Ehrlich zugegeben, hatte ich Angst, meine gute Reputation zu verlieren. Diese Feigheit war es schließlich, die mich zum Absagen des Konzertes verlasste. Wie sehr ich das heute bedauere, muss ich sicher Niemandem versichern, oder? Als die Veranstaltungsreihe mit einem Cecil Taylor Solo-Konzert beendet wurde, blieb dieses Bedauern über die verpasste Gelegenheit, einmal Chet Baker auf der Bühne ansagen zu dürfen, lebendig.

Dr. Michael Frohne hat uns diese Geschichte zukommen lassen, nachdem er auf unsere CB-Geburtstagsseite gestoßen war, und es ist mir eine Freude, diese hinzuzufügen. Herzlichen Dank dafür! Archi.

Klaus Gottwald

Es war Anfang März 1964, ich stand im Abflug-Terminal des Frankfurter Flughafens. In Sichtweite von mir stand ein junger Mann, etwas blass, mit einem Trompetenkoffer in der Hand und von zwei Polizisten eskortiert. Ich erkannte Chet auf Anhieb und wußte aus Zeitungsberichten, dass er nach einem Konzert im Januar im Berliner Blue Note Jazzclub , wo er mit Tete Montoliu (p), Peter Trunk (b) und Joe Nay (dm) spielte, verhaftet worden war und nun nach einem Krankenhausaufenthalt von Berlin nach New York deportiert werden sollte. In aller Eile ließ ich mir vom nächsten Check-in-Schalter eine Bordkarte geben und bat Chet um ein Autogramm, das ich noch heute habe. Chet war sichtlich erfreut, dass ihn jemand erkannt hatte. Vom Blue Note Konzert existiert auch beigefügtes Foto mit Nay, Trunk und Chet.

Klaus Gottwald ist ausgewiesener Chet Baker Experte und hat vor Jahren maßgeblich an der Chet Diskografie seines dänischen Freundes Thorbjörn Sjögren, Chet, The Music of Chesney Henry Baker, mitgewirkt. Derzeit arbeitet er an einer Diskographie über Tom Harrell.


Ähnliche Artikel im Herrenzimmer
Chet Baker im Haus von Jacques Pelzer, Lüttich, 1987. Mit herzlichem Dank an Jacky Lepage
Für die 50ste Ausgabe des Magazins "Häuptling Eigener Herd" habe ich im Frühjahr 2012 diesen Text von 2008 über Chet Baker noch einmal komplett überarbeitet. ...
Weiterlesen...
Chet Baker – Tod in Amsterdam
 
 
Alles aus der Rubrik Musik
Alles zum Thema Geist
Alles zum Thema Menschen