Mit Whisky ist es nicht anders als mit Cigarren, mit Wein, mit Trüffeln, mit anderen Spirituosen: der Connaisseur möchte sich nicht nur am Genuss erfreuen, er möchte auch so viel wie möglich über das Produkt, seine Herkunft, seine Geschichte, seine Herstellung wissen.
Deshalb gibt es über diese hochwertigen Genussmittel auch reichlich Literatur, aus der man sein Wissen gewinnen oder zumindest vertiefen kann. Und manche dieser Bücher sind nicht nur informativ, sondern auch noch schön anzusehen, so dass der Leser einen weiteren Genuss für sich verbuchen kann: den des gelassenen Schmökerns.
Zu eben diesen Büchern gehört CHARLES MACLEANs Bildband über Malt Whisky. Der Autor, offenbar Schotte, wie man am Namen erkennen kann, beschränkt sich in seinem Werk auf die schottischen Single Malts.
Die Ausgangsfrage des Autors, die ihn veranlasste, das Buch zu schreiben lautet so: Wie kann es gelingen, aus einfachsten Rohstoffen – Wasser und gemälzte Gerste – ein derart vielschichtiges Produkt entstehen zu lassen? Vielschichtig, weil jeder Single Malt Whisky anders ist. Single Malts sind schließlich keine Verschnitte (Blended Whisky, auf die der Autor auch kurz eingeht), bei denen durch das Mischen verschiedener Brände ein immer gleicher Geschmack erwünscht und erreicht wird. Und so haben Single Malt Whiskys verschieder schottischer Herkunftsgebiete ganz verschiedene Charakteristika, und der Kenner weiß genau, ob ein Whisky nun von den Inseln, von den Lowlands oder den Highlands stammt, denn nicht zuletzt die klimatischen und geologischen Bedingungen bestimmen den Charakter der einzelnen Marken.
Das Buch beginnt spannend wie eine Räubergeschichte. Bereits im frühen 16. Jahrhundert war das Brennen von “Lebenswasser” fest im sozialen Leben und der Wirtschaft Schottlands verankert. Im 18. Jahrhundert betrieben tolldreiste Schmugglerbanden das Whiskygeschäft, denn die (Schwarz-)Brenner aus den Highlands konnten legal nicht ihre Produkte in den Lowlands (deren Whiskys damals weitaus schlechter in der Qualität waren) verkaufen, und so wurde halt geschmuggelt, was das Fass hielt. Und später, zur Zeit der amerikanischen Alkoholprohibition, drehte sich auch alles um das illegal eingeführte Getränk, an dessen Beliebtheit kein Verbot etwas ändern konnte. Aus dieser Zeit stammt die Geschichte, dass der recht eigenwillig schmeckende Laphroaig von der Insel Islay trotz Alkoholverbots eingeführt werden konnte, da er wegen seines Charakters von den Behörden als Medizin und nicht als Spirituose eingestuft wurde (die Verkostungsnotiz von Charles MacLean: “Torfrauch, Fischernetze, Medizinschränkchen, Dieselöl, Seetang, Jod und Salz.” Klingt das trinkbar? Nein. ist es aber.)
Aufgeteilt ist der 180 Seiten starke Band in die Kapitel Geschichte, Herstellung, Der richtige Genuss, Whiskyregionen, Destllerieverzeichnis sowie Verkostungs- und Kaufratschläge. Illustriert mit wunderschönen, zumeist im Duoton gehaltene Fotos aus der Heimat des Whiskys und zahlreichen Karten und Diagrammen. Bei letzteren fällt vor allem das Verkostungsrad auf, in dem alle sensorischen Beschreibungen für Whiskyaromen aufgelistet sind, darunter so schmackhafte wie “verschmutzte Patronenkammer”, “Radiergummi” und “Alte Turnschuhe.” Na denn: Sláinte!
Das Buch ist sowohl für alte Hasen als auch für Neulinge zu empfehlen. Die erfahrenen Trinker können sich an den wunderbaren Illustrationen erfreuen (und vielleicht doch das eine und andere noch lernen), die Neulinge finden alles, was sie über den Malt Whisky wissen sollten, um sich diesem Getränk zu nähern. Denn auch für Whisky gilt: “Man schmeckt das, was man weiß.”
CHARLES MACLEAN
MALT WHISKY
LEBENSWASSER UND KULTGETRÄNK
176 Seiten
24 x 28 cm
Gebunden mit Schutzumschlag, durchgehend vierfarbig
ISBN-13: 978-389910184-3
€(D) 35,00 / €(A) 36,00 / sFr 59,90


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