Englische Küche

Die Engländer vertreten ja die Ansicht, die Deutschen hätten deshalb immerzu schlechte Laune, weil ihre Sprache von Umlauten nur so wömmele. Ä, Ö, Ü. Da müsse man ja das Gesicht verziehen. Nun, zum Gesicht verziehen haben die Engländer ja ihr Essen. Einerseits: Der Lafer hat gesagt, die Griechen und die Engländer wären die grössten Banausen in Europa. Die englische Küche schmeckt nach nix, vor allem mangelt es an Schärfe, dabei hatten sie doch sogar mal einen König, der Richard Löwensenf hiess und der berühmt war für seinen Wahlspruch “Be prepared” – sei zubereitet! Grüne Erbsen. Minzsaucen.

Die Engländer essen auch gerne Brechbohnen, Brechmöhren, Brechgurken, überhaupt bereiten sie alles brechanregend zu. Gebackene Bohnen sind meistens nicht ganz gebacken. Viele Speisen sehen aus, als hätte man sie aus der Deko eines Wallace- & Gromit-Films entfernt. Lebensmittelvergiftungen sind kaum vorstellbar, die Mägen sind abgehärtet, Ernährungsberater müsste dort ein absolut krisensicherer Job sein. In England, der Name deutet es an, ist es eng, deshalb findet man viele Schmalhanseln in den Küchen. Merkwürdig: Die Engländer sind trotz ihres miserablen Essens überwiegend freundlich, die Franzosen hingegen tendieren zur Unhöflichkeit, trotz ihres formidablen Essens.

Andererseits, machen wir uns nichts vor: Mit den Engländern hat alles angefangen, Jamie Oliver, Nigella Lawson, eine Art Christine Neugebauer der englischen Küche, die jedenfalls haben im Fernsehen wie nicht gescheit zu kochen angefangen. Gut, die Engländer hatten es auch bitter nötig, die Vorurteile sind einfach nicht tot zu kriegen, das Prinzip bei Salat beispielsweise: Gewaschen gilt als angemacht, und gewaschen wird so lange, bis die Fingernägel sauber sind. Blutige Amateure sind sie nicht, denn bei Fleisch gilt: Englisch die Devise. Well done! Komischerweise sagt man in England: Very rare. Sehr selten. Das sagt schon alles. “Sir, das ist kein Steak, das ist eine Fleischwunde!” Ohnehin ist uns England immer noch erinnerlich als Ursprungsland des “Mad Cow Diseases”, das bei den Franzosen so vollmundig “la maladie de la vache qui rit au mort” hiess.

All das eröffnet Nischenprodukte Chancen, z.B. die “Rinder des Olymps” aus dem englischen Brufordshire. Hier haben wir es mit zartem Fleisch zu tun von Tieren, die die Muttermilch aus Zitzen gesaugt haben, denen vorher Jojoba-Öl einmassiert wurde, und die vor dem Tag der Schlachtung eine Angsttherapie gemacht haben, um dann bei zunehmenden Mond auf sanfte Weise in eine andere Seinsstufe überführt zu werden, in dem man ihnen aus den Kochbüchern von Nigella Lawson vorlas. “Kritische Inseln” – das war einmal.

Jetzt steht das alte Nationalitätenkennzeichen GB eindeutig wieder für “Getting Better”! Die Köche werden immer erfindungsreicher: In London hat ein Restaurantkritiker der Times auf der Toilette eines gehobenen Speiselokals Klopapier mit seinem Konterfei drauf entdeckt.

Im Herbst 2005 zahlten U.S.-Bürger pro Nase 75.000 Euro für ein Abendessen (Bloodpudding) mit Camilla und Charles. Die Sicherheitsvorkehrungen, wie man sich vorstellen kann, waren streng: Zunächst mussten sich die Teilnehmer natürlich ihren Geisteszustand untersuchen lassen. Seit dem Tod von Diana haben die Engländer ein neues Nationalgericht: “Hendl In The Wind”, Hühnchen im Windbeutel, wobei der Windbeutel natürlich an Herrn Dodi erinnern soll. Immerhin, seit Elton John als legitime Nachfolgerin der Queen Mum im Buckingham-Palace eingezogen ist, stimmt dort zumindest das Drumherum, es sei denn, man mag Musik. Die Gin-Vorräte müssen nicht länger vergammeln und nachmittags kredenzt man wieder jene opulenten Tortenkreationen, die schon von jeher Modell standen für Elizabeths Hüte.

Am Rande sollten noch die Schotten erwähnt werden, die in Europa neben den Bayern zu den beliebtesen Separatisten zählen, wahrscheinlich, weil sie keine Bomben schmeissen. Dennoch kann die Mehrzahl der Engländer mit ihnen nichts anfangen, Leute mit Vorliebe für Kleinkariertes waren ihnen nie geheuer und generell sollte man bei Menschen, die Karo schon zum Frühstück konsumieren, vorsichtig sein. Zudem ernähren sie sich von einem fragwürdigen Eintopfgericht namens “Haggis”- die Innereien von Scotch Terriern, die ausschliesslich mit Glendingsdew grossgezogen wurden. Deren Fleisch wird vermatscht mit Kartoffeln und Paprikaschotten und mit Öl beträufelt, von dem sie in Schottland ja genug haben.

Thomas C. Breuer

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