Kann die Süßpflanze Stevia herkömmlichen Süßstoffen Saures geben?

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Auch wenn Stevia in Deutschland und der Europäischen Union nicht als süßendes Lebensmittel oder Zusatzstoff der Gruppe Süßstoffe zugelassen ist, hat längst ein Run auf die süßen Stevia-Blätter eingesetzt. Wir erhalten täglich Anfragen über das Honigkraut Stevia, das viele Menschen als Stevia-Badezusatz (Kosmetikum) oder Stevia-Tee-Zubereitung kaufen, informiert Medizinjournalist Sven-David Müller vom Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de. Andere Menschen, die abnehmen wollen, süßen Speisen und Getränke mit Stevia-Blättern, die frisch oder getrocknet süßlich schmecken. Stevia ist ein Süßkraut und viele Menschen bezeichnen es auch als Honigkraut. International wird Stevia in die Gruppe der Süßstoffe eingeordnet und ist in einigen wenigen Ländern seit Jahrzehnten zugelassen. Der Stevia-Markt boomt, da viele Menschen Zucker meiden möchten und Angst vor herkömmlichen Süßstoffen wie Aspartam, Cyclamat oder Saccharin haben. Über Jahrzehnte hat die Zuckerlobby Süßstoffe als krebserregend und gefährlich verfemt. Auch die Behauptung, dass Süßstoffe als Mastmittel dienen, Appetit oder Hunger auslösen und daher dick machen, könnte für Stevia sprechen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist jedoch, dass die bisher zugelassenen Süßstoffe keinen Appetit oder Hunger auslösen. Sie machen nicht etwa dick, sondern helfen beim Abnehmen. Die Stevia-Pflanze ist bis zu einem Meter hoch und hat zwei bis drei Zentimeter lange Blätter. Stevia wächst in tropischen Ländern wie Paraguay. Aber es gibt schon Stevia-Versuchsfelder in Deutschland. Die bisher gezüchteten Stevia-Sorten sind jedoch frostempfindlich.

Stevia schmeckt süß und löst kein Karies aus

Die Blätter von Stevia Rebaudiana schmecken süß, sind nicht kariogen und haben keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Diese Aussagen treffen auch auf die herkömmlichen Süßstoffe Aspartam, Cyclamat und Saccharin zu. Wie Thaumatin und Neohesperidin DC ist Stevia ein Süßungsmittel natürlichen Ursprungs. Die Blätter der Pflanze Stevia Rebaudiana enthalten die süßlich schmeckende Substanz Steviosid. In verschiedenen Ländern gewinnt die Süßstoff-Industrie in großem Maße Steviosid als Süßstoff für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Verschiedene Cola-Konzerne planen, ihre koffeinhaltigen Getränke mit Süßstoffen aus Stevia Rebaudiana und anderen Süßstoffen zu süßen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Stevia als Süßungsmittel für Diabetiker geeignet ist.

Zulassungssituation von Stevia

In Japan ist Stevia schon seit mehr als 25 Jahren zugelassen. Die Europäische Union konnte Stevia aufgrund von negativen Studienergebnissen, die Steviol und Stevioside als mutagen (Erbgut schädigend) identifizierten, bisher nicht zulassen. Seit August 2008 existiert trotzdem für die Schweiz eine provisorische Einzelbewilligung für Steviol Glykoside als Süßungsmittel. Im Oktober des gleichen Jahres ließen Australien und Neuseeland Stevia zu. Die US-amerikanische Food and Drug Administration agierte vorsichtiger und ließ im Dezember 2008 lediglich Rebaudisoid-A in Süßungsmitteln (Süßstoffen) als Lebensmittelzusatzstoff zu. Vor wenigen Monaten haben die französischen Behörden eine vorläufige Zulassung für den Süßstoff Stevia Rebaudiana ausgesprochen. Noch bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war Stevia auch in Deutschland vorwiegend in Bioläden, Reformhäusern und Teegeschäften erhältlich. Jetzt darf Stevia hier nicht mehr als Süßungsmittel verkauft werden. Das gilt solange, bis es durch die EU-Kommission in Brüssel freigegeben ist. Dafür ist die wissenschaftliche Unterbehörde Efsa (European Food Safety Authority) verantwortlich. Momentan liegen der Efsa drei Anträge auf Zulassung von Stevia-Produkten vor. Einer davon stammt vom US-Konzern Cargill, einem Lebensmittelhersteller, der unter anderem Coca Cola mit Stevia beliefern will. Zukünftig ist geplant, Cola-Getränke mit den Süßstoffen Stevia und Aspartam zu süßen, um ein optimales „Süßerlebnis“ zu erzielen.

Steviosid macht Ratten unfruchtbar

In toxikologischen Studien fällt insbesondere Steviosid negativ auf. In großen Mengen beeinträchtigt die Substanz die Fruchtbarkeit der männlichen Ratte. Der Bonner Stevia-Forscher Privatdozent Dr. Ralf Pude sagte dazu gegenüber der Zeitschrift Stern aus: „Ein Erwachsener müsste täglich mehr als die Hälfte seines Körpergewichts an frischen Stevia-Blättern zu sich nehmen, um auf vergleichbare Konzentrationen zu kommen – in dieser Menge wäre selbst Zucker gefährlich”. Anscheinend sind Steviablätter als Süßungsmittel ungefährlich. Aber die Stevia-Industrie produziert insbesondere Steviosid. Als Süßungsmittel spielen getrocknete Stevia-Blätter praktisch keine Rolle, informiert Müller.

Was Stevia-Blätter süß schmecken lässt

Schon im Jahre 1931 konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, welche Substanzen für den süßen Geschmack von Stevia-Blättern verantwortlich sind. Der Süßgeschmack stammt vornehmlich vom Steviosid. Dieses Glycosid ist einhundertfünfzigmal süßer als eine zehnprozentige Haushaltszucker-Lösung. Aber auch andere Stevia-Bestandteile schmecken süß: Steviolbiosid, Rebaudiosid A bis F sowie Dulcosid. Steviosid macht fast zwanzig Prozent in Stevia-Blättern aus. Die Blätter sind rund 30 mal so süß wie Haushaltszucker. Entscheidend ist, dass auch Stevia-Inhaltsstoffe nicht rein süß sind und daher auch nicht als zuckersüß zu bezeichnen sind. Im Gegensatz zu anderen Süßstoffen schmeckt Steviosid aber auch in Reinform angenehm. In Kombination mit anderen Süßungsmitteln oder Süßstoffen lässt sich ein nahezu optimaler Süßgeschmack erreichen. Den angenehmsten Süßgeschmack weist Rebaudiosid A auf. Enzymatisch gewonnene Stevia-Süßungsmittel, die fast ausnahmslos Rebaudioside und nur geringste Spuren von Steviosid enthalten, haben praktisch keinen bitteren Bei- oder Nachgeschmack. Damit sind Stevia-Süßstoffe anderen Süßstoffen rein geschmacklich überlegen.

Stevia als Kosmetikum

Wer in Deutschland Stevia oder Steviaprodukte kaufen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten: Die Stevia-Pflanze ist in Gartenmärkten oder Pflanzenhandel erhältlich und wächst im Garten, im Balkonkasten und in geschlossenen Räumen gut. Aber Stevia Rebaudiana ist nicht winterhart. Im Internet umgehen Händler das Lebensmittelrecht der EU, indem sie Stevia-Produkte beispielsweise als universell einsetzbaren Badezusatz deklarieren. Momentan gibt es Stevia-Produkte als (getrocknete) Stevia-Blätter, Stevia-Pulver, Stevia-Tabs oder als Stevia-Sirup. Der Preis der Stevia-Produkte liegt zwischen fünf Euro für 15 Gramm Stevia-Blätter und acht Euro für 100 Gramm Stevia-Pulver. Damit ist Stevia wie andere Süßstoffe relativ günstig. Bezogen auf die Süßkraft sind Stevia, Aspartam und Co noch günstiger als Haushaltszucker.

Die Geschichte von Stevia als Süßungsmittel ist lang

In Ländern, in denen Stevia Rebaudiana wächst, nutzen die Menschen die Süßkraft der Pflanze nachweislich schon seit vielen tausend Jahren. Kolportiert wird, dass Stevia von Indianern auch als Verhütungsmittel für den Mann Einsatz fand. Wissenschaftliche Studien konnten diesen Effekt untermauern. Seit 90 Jahren findet Stevia-Anbau in Plantagen (Monokultur) statt und auch in Deutschland gibt es erste Stevia-Anbaugebiete. Die Süßungsmittel-Industrie setzt voll auf Stevia. Nur die Zulassung lässt noch auf sich warten. Bis zum Zeitpunkt der offiziellen Zulassung darf Stevia nicht als Lebensmittel, Süßungsmittel, Süßstoff oder Zusatzstoff in Verkehr gebracht werden. Die Zulassung oder das Verbot von Stevia erwarten Experten noch in diesem Jahr (2010).

Redaktion: Sven-David Müller (Medizinjournalist) und Marcel Kresin

Viele Mythen über Süßstoffe sind falsch. Erfahren Sie mehr darüber in dem Artikel „Mit Süßstoff abnehmen?“ (http://gesundheitsnews.imedo.de/news/1012529-mit-susstoff-abnehmen)

.Alles Wissenswerte über Aspartam erfahren Sie in dem Artikel „Süßstoff Aspartam besteht aus natürlichen Eiweißbausteinen“ in den imedo-Gesundheitsnews (http://gesundheitsnews.imedo.de/news/1013173-susstoff-aspartam-besteht-aus-naturlichen-eiweisbausteinen).

Weitere Artikel zum Thema Stevia und zu anderen Süßstoffen finden Sie in den imedo-Gesundheitsnews (http://gesundheitsnews.imedo.de/?s=stevia&=Suchen).

(Berlin – 12. Februar 2010)

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