Willkommen im Schlaraffenland – Gastronomische Winterreise durch die Champagne

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© ATOUT FRANCE/CRT Champagne-Ardenne/Oxley

Wem beim Stichwort Champagne nur das prickelnde Luxusgetränk in den Sinn kommt, der irrt gewaltig, denn die Region im Nordosten Frankreichs hält noch allerlei mehr Entdeckungen für Genießer bereit. Fruchtbare Böden und kreative Bewohner mit ausgeprägtem Regional- und Qualitätsbewusstsein machen aus dem Landstrich ein wahres Schlaraffenland und damit zu einem Geheimtipp für Feinschmecker mit Kulturinteresse. Aromatische Trüffel, feinste Schokolade, traditionsreiche Liköre, ausgezeichneter Käse, ausgefallene Wurstsorten wie die berühmt-berüchtigte Andouillette und natürlich Champagner in allen erdenklichen Variationen kann man auf einer Winterreise durch die Champagne probieren. Und wenn man schon einmal da ist, muss man unbedingt auch die beeindruckenden Kathedralen von Reims oder Troyes bewundern und durch historische Altstädte bummeln.

Zur Einstimmung auf das zentrale Thema empfiehlt sich zunächst ein Besuch des Weinmuseums im Dorf Verzenay. Im ehemaligen Leuchtturm von Verzenay – der übrigens niemals als Leuchtturm, sondern vielmehr als Tanzlokal und Amüsierstube der Dorfbewohner fungierte – kann  man mit Hilfe eines Audioguides in deutscher Sprache den Weg der Trauben von der Rebe bis in die Flasche nachverfolgen und nebenbei allerlei über den harten Arbeitsalltag der Champagne-Winzer lernen.

Durch schier endlos scheinende Weinberge fährt man auf der „Route de Champagne“ hinüber nach Epernay, der Hauptstadt des Champagners. Die Stadt teilt sich mit Reims die Firmensitze der größten Champagnerhäuser der Region. Auf der „Avenue de Champagne“, einer Prachtstraße, entlang derer sich ein Champagnerhaus ans nächste reiht und große Namen wie „Moët & Chandon“ oder „Mercier“ zu lesen sind, erreicht man die Altstadt. In der Champagnerbar „C comme Champagne“ hat man die Qual der Wahl. Hier warten rund 300 prickelnde Weine von 47 verschiedenen Winzern darauf, probiert und für den heimischen Verzehr gekauft zu werden. Bei einer Champagnerprobe (Preis: ab 17,50€) schenkt Jean, einer der beiden Besitzer, großzügig fünf Sorten aus.

In der Champagne gehört Genießen zum Alltag. Das Luxusgetränk kommt längst nicht nur an Feiertagen ins Glas. Hervorragend passt es zum Beispiel auch zu einer Schokoladenkreation des Maître Chocolatier Emmanuel Briet. Mit gerade einmal 28 Jahren spielt er bereits in der Oberliga der Schokoladen-Handwerkskunst. Seine Erfahrungen sammelte er in Paris, heute begeistert er die französische Provinz mit seinen süßen Ideen. In seinem kleinen Laden in Epernay fertigt er feinste Pralinés und Schokoladen in den fantasievollsten Formen.

Am Champagner kommt man in Epernay einfach nicht vorbei. Und doch merkt man oberirdisch nichts davon, dass ein großer Teil der Stadt unterkellert ist. Einen Blick in die Unterwelt gewährt das Champagner-Haus Castellane. Man erkennt das Anwesen schon von Weitem an seinem markanten Turm. Petra Langlet, eine Exil-Deutsche, führt seit 19 Jahren interessierte Besucher durch die heiligen Hallen, in denen jährlich 2 Millionen Flaschen produziert werden. Der Abstieg in die weit verzweigten Kellergänge lässt nur erahnen, wie viel tausende noch unfertige Weine hier lagern und darauf warten durch den zweiten Gärprozess zum edlen Schaumwein aufzusteigen, der in der ganzen Welt berühmt ist. Andere wiederum sind schon einen Schritt weiter und stecken in merkwürdig anmutenden Käfigen, in denen sie gedreht und gerüttelt werden, damit sich der Hefesatz im Flaschenhals sammeln kann. Muffig ist es hier und an den Wänden wachsen riesige Schimmelpilze. „Das ist Penicillin“, erklärt Petra. Wie beruhigend. Immerhin 6 Kilometer lang sind die Gänge von Castellane, aber die Weinkeller der richtig Großen wie „Moët & Chandon“ weisen eine Länge von 28 Kilometern vor. Beeindruckend ist auch ein Besuch des Etikettensaales. 7.000 verschiedene Etiketten zeugen von der langen Geschichte des 1895 gegründeten Hauses. Am Ende der Besichtigung steht natürlich noch eine Probe an. Leicht beschwingt geht es zum nächsten kulinarischen Erlebnis.

Wer zwischen Oktober und Dezember in der Champagne unterwegs ist, der hat das Glück mit einem echten Trüffelhund auf Jagd gehen zu können. „Angy“, die gut genährte Labradorhündin von Benoît Jacquinet, der zwischen Epernay und Châlons-en-Champagne in der Ortschaft Matougues eine gemütliche Auberge mit einem hervorragenden Restaurant betreibt, hat ihre helle Freude, wenn sie in den Wald geschickt wird. Unbeirrt fängt sie im Unterholz von Kastanien und Nussbäumen an, nach den edlen Pilzen zu graben. Benoît gesteht neidlos ein, dass der Trüffel aus der Champagne dem schwarzen Périgord-Trüffel und dem weißen Trüffel aus dem Piemont nicht das Wasser reichen kann. Dennoch ist das originelle Trüffelmenü, welches man im Restaurant der „Auberge des Moissons“ für 40€ probieren kann, exzellent. Ein echtes Geschmackserlebnis!

Man sollte die Champagne nicht verlassen ohne die Städte Troyes und Reims besichtigt zu haben. Troyes‘ Grundriss hat bezeichnenderweise die Form eines Champagnerkorkens. Sehenswert sind hier vor allem die unzähligen bunten mittelalterlichen Fachwerkhäuser, die sich gefährlich schief in die engen Gassen beugen und die faszinierenden Glasmalereien und Skulpturen in den zahlreichen Kirchen der Stadt. Ein Abstecher in die Markthallen vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt der regionalen Produkte. Hier findet man alles Gute, was das Land und seine Bewohner hervorbringen. Auf die Käsesorten mit geprüfter Herkunftsbezeichnung (AOC) sind die Einheimischen besonders stolz: Chaource und Langres sind zwei schmackhafte Beispiele. Nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack ist die Andouillette. Eine Wurst aus Schweinemagen und -darm, die kalt oder warm gegessen wird. Ein Gläschen Champagner vermag den strengen Geschmack zu überspielen.

Reims‘ wohl bedeutendste Sehenswürdigkeit ist die imposante gotische Kathedrale. Klein und unbedeutend fühlt man sich beim Blick auf die mit Reliefs und Figuren reich verzierte Westfassade und die mächtigen Türme. Ein riesiges flammendrotes Rosettenfenster zeugt von der Kunstfertigkeit der mittelalterlichen Baumeister. Auf einem kulinarischen Stadtrundgang kommt man an Biscuiterien, wo es den echten „Bisquit rose de Reims“ zu kaufen gibt, Patisserien, die quietschbunte Macarons (Mandelgebäck mit Cremefüllung) in der Auslage haben sowie mehr als einem verlockenden Delikatessenladen vorbei. Ein wenig Platz sollte man im Magen schon noch lassen, um in einem der zahlreichen Reimser Restaurants, die einheimischen Spezialitäten zu probieren. Wer nun noch nicht überzeugt ist, dass man in der Champagne nicht nur gut trinken, sondern auch hervorragend essen kann, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Adressen der genannten Orte:

Le Phare de Verzenay
51360 VERZENAY
Tel. : 00 33 (0)3 26 07 87 87 – Fax : 00 33 (0)3 26 07 87 88
www.lepharedeverzenay.com

C COMME CHAMPAGNE
8, Rue Gambetta
51200 EPERNAY
Tel. : 00 33 (0)3 26 32 09 55 – Fax : 00 33 (0)3 26 32 09 56
www.c-comme.fr

Champagne de Castellane
63, Avenue de Champagne
51200 EPERNAY
Tel. : 00 33 (0)3 26 51 19 19 – Fax : 00 33(0)3 26 54 24 81
www.castellane.com

Chocolaterie Emmanuel BRIET
13, Porte Lucas
51200 EPERNAY
Tel./Fax : 00 33 (0)3 26 54 31 92
emmanuelbriet_(at)_free.fr

AUBERGE DES MOISSONS
6, Route Nationale
51510 MATOUGUES
Tel. : 00 33 (0)3 26 70 99 17 – Fax :  00 33 (0)3 26 66 56 94
www.des-moissons.com

Besonderer Hoteltipp :

LA MAISON DE RHODES

18, Rue Linard Gonthier
10000 TROYES
Tel.: 00 33 (0)3 25 43 11 11 – Fax: 00 33 (0)3 25 43 10 43
www.maisonderhodes.com

Besonderer Restauranttipp:
LE CAFE DU PALAIS
14, Place Myron Herrick
51100 REIMS
Tel 00 33 (0)3 26 47 52 54 – Fax 00 33 (0)3 26 47 93 77
www.cafedupalais.fr

 
 
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