BMW Z4 mit Klappdach erhält begehrte Designer-Auszeichnung “red dot award”
Kann man einen puristischen Roadster wie den herkömmlichen BMW Z4 noch verbessern, frage ich mich auf dem Weg zur Pressevorführung des Nachfolgers mit Klappdach. Mit einer ordentlichen Portion Skepsis verlasse ich den Flughafen in Alicante. Wenige Minuten später stehe ich vor einer Reihe nagelneuer Klappdach-Modelle, um die sich bereits Journalisten aus aller Welt scharen. Es wird diskutiert. Ja, die Front mit den gewaltigen BMW-Nieren sei hübsch – sie habe ein fliehendes Kinn, wie ein Haifischmaul – und auch das bullige Heck erhält von der Fachwelt gute Noten. Aber die Seitenansicht? Die Meinungen gehen auseinander: Mir ist der Wagen jetzt zu lang, sagt ein britischer Kollege, während ein amerikanischer Fachkollege sich an der leicht gewölbten Dachform stört, die mehr Kopffreiheit im Innenraum gewährt. Zweifellos, die Proportionen stimmen noch, lange Schnauze, Sitzposition kurz vor der Hinterachse, kurzes Stummelheck. Und trotzdem sieht alles anders aus als beim Vorgänger mit Stoffverdeck.
“Um das Klappdach im Kofferraum unterzubringen, mussten wir ein komplett neues Fahrzeug entwickeln,” bestätigt während des Pressegespräches BMW-Entwicklungschef Burkhard Göschel den subjektiven Eindruck der Journalisten. Der Vorgänger war spitz am Markt positioniert. Zwar wurden immerhin 180.000 Stück verkauft, offenbar hätten es aber noch mehr sein können, wenn man Komfortansprüche, die ein Hard-Top ganzjährig gewährleistet, berücksichtigt hätte.
Die Herausforderung für BMW bestand also darin, die Klappdachmechanik unterzubringen ohne die hübschen Proportionen eines Roadsters zu zerstören. Der neue Z4 brachte die BMW-Designer an ihre gestalterischen Grenzen. Ein internationales und überwiegend männliches Team von über 40 BMW-Designern erstellte Skizze um Skizze. Die besten Entwürfe wurden nach Unternehmensangaben anonymisiert dem BMW-Vorstand vorgelegt. Und siehe da, die Entwürfe der einzigen beiden weiblichen Teilnehmerinnen setzten sich durch. Juliane Blasi (Karosserie) und Nadya Arnaout (Designsworks, Kaliforniern) setzten sich durch.
Blasi und Arnaout gaben die konvexe und konkave Formensprache des Vorgängers nicht gänzlich auf, sie interpretierten sie aber neu. Kantige und runde Designelemente wechseln sich ab, im Inneren wie im Äußeren. “Der Wagen ähnelt jetzt einem durchtrainierten, menschlichen Körper,” sagt Juliane Blasi. Kantige, angespannte Partien und Rundungen wechseln sich ab. Während des Ausflugs in die Welt der menschlichen und automobilen Anatomie wandern meine Blicke über die Sicken auf der Motorhaube, die an der Seite der Karosserie und bis zum muskulösen Heck weiterlaufen.
Rund und eckig, beide Stilelemente finden sich auch am Armaturenbrett. Elektronische Funktionen wie Heizung, Lüftung und heizbarer Heckscheibe sind chromumrandet in vier gleich große, kreisrunde Bedienelemente integriert. Innenraumgestalterin Nadya Arnaout glaubt mit dem zweifellos schicken Design neue Standards in dieser Fahrzeugklasse gesetzt zu haben. Mich erinnert die Formensprache an die späten 60er Jahre im US-amerikanischen Sportwagenbau. Fest steht, das Designkonzept von Blasi und Arnaout hat die Juroren des red dot awards überzeugt. Mit sieben Auszeichnungen für hohe Designqualität auf dem Gebiet der Produktgestaltung wird die BMW Group bei der Vergabe der red dot awards 2009 bedacht. Die Preisverleihung findet am 29. Juni 2009 während der festlichen Award-Gala im Essener Aalto-Theater statt. Dort wird der Klappdach-Z4 und damit auch die Damen Blasi und Arnaout geadelt.
Mit der getesteten Top-Motorisierung hält der Wagen fahrtechnisch was er durch sein sportliches Aussehen verspricht. Für ausreichenden Vortrieb hätten sicher auch die 204 PS des Vorgängers ausgereicht. In der neuen 3,5 Liter Variante verfügt der Z4 jetzt sogar über 306 Pferdestärken; mehr als genug Leistung, um in jeder erdenklichen Fahrsituation Kraftreserven mobilisieren zu können. Beeindruckt hat mich das 7-Gang-Doppekupplungsgetriebe (optional, 2.500,- Euro), das in Verbindung mit Schalthebeln am Lenkrad einen verzögerungsfreien Kraftschluss ermöglicht. Während Vollgas-Sprints hält eines der Getriebe stets den nächsthöheren Gang bereit. Ein Klick und der Z4 schießt wie am Gummiband gezogen weiter. Schaltpausen gibt es nicht mehr. Die neue Technik spart im Alltagsbetrieb sogar 0,5 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Bei einem Fahrzeug-Grundpreis von nahezu 50.000 Euro relativiert sich diese Ersparnis freilich.
Ist der Klappdach-Z4 besser als sein Vorgänger? Jein. Er ist alltagstauglicher, eleganter und noch leistungsstärker. Puristischer war der “alte” Z4 mit Stoffdach.
Frank R. Schulz, Alicante

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