Von drei auf vier Räder: 100 Jahre klassische Sportwagen von Morgan

Mein erster englischer Sportwagen war ein Plus 4. Genauer gesagt: der erste, in dem ich jemals saß. Ein Freund auf der Insel Guernsey hatte mich mit seinem Besitzer bekannt gemacht, einem früheren Motorradrennfahrer und Sammler historischer Fahrzeuge. Der hatte gleich drei Plus 4 auf seinem Hof stehen. Die Fahrt auf den schmalen Landstraßen der Kanalinsel bleibt mir unvergessen. Autofahren in seiner pursten Form.

Morgan – das sind 100 Jahre klassische Sportagengeschichte. Die Marke ist von Anfang an im Besitz der Gründerfamilie und feiert 2009 ihr erstes vollendetes Jahrhundert. Anlass genug also, um auf diese Zeit zurück zu blicken. Der erste Morgan hatte drei Räder, zwei vorne, eins hinten, und entstand ohne kommerzielle Absichten. H.F.S. Morgan (der immer nur HFS genannt wurde), begann aus Spaß am Fahrzeugbau 1908 mit der Konstruktion und stellte sein erste Gefährt ein Jahr später fertig. Selbst heute noch wird die von HFS entwickelte Vorderradaufhängung in allen traditionellen Modellen von Morgan verwendet. Bis 1935 baute Morgan ausschließlich Dreiräder und behauptete sich mit seinen Fahrzeugen gut auf dem Markt.

Ab 1936 bot Morgan auch vierrädrige Sportwagen an, der 4/4 (vier Räder, vier Zylinder) wurde sofort ein Erfolg, und das nicht nur auf der britischen Insel, zeitweise wurde der Wagen auch in Frankreich montiert, um der großen Nachfrage gerecht werden zu können. Der zweite Weltkrieg beendete diese Phase.

1950 wurden die nachkriesbedingten Benzinrationierungen in Großbritannien aufgehoben, und zugleich brachte Morgan einen neuen Wagen auf den Markt, den Plus 4, dem 1963 der Plus4+ folgte, von dem nur 26 Fahrzeuge gebaut wurden. Das Auto polarisierte, und trotz der minimalen Stückzahl brachte es Morgan in alle Medien, was sich marketingmäßig sehr erfolgreich auswirkte und mitverantwortlich für die guten Verkaufszahlen des 1967 eingeführten Plus 8 war.

Viel gibt es über das traditionsreiche Familienunternehmen und seine Fahrzeuge zu berichten, und das tut kenntnisreich der Band Morgan – 100 Jahre klassische Sportwagen, der von Charles Morgan, heute geschäftsführender Direktor und Gregory Houston Bowden verfasst wurde und üppig bebildert ist. Die Jahrhundertchronik ruft in Wort und Bild die Entwicklung des Unternehmens in Erinnerung. Damit geraten die großen Morgan-Auftritte in den Blick, ob in Silverstone und Le Mans oder tief im Gelände von Australien oder der Mongolei und ebenso die großen Fahrer wie Chris Alford oder Bill Wykeham. Oder Mary Lindsey, eine Fahrerin, die glänzend zu den flotten Flitzern passte, weil sie so ausgesprochen attraktiv war.

Mit diesem Buch können Autoenthusiasten 100 Jahre Automobilgeschichte Jahr für Jahr nachvollziehen, abgerundet von einem ausführlichen Kapitel über den Aero 8 - die bisher letzte Konstruktion aus dem Hause Morgan - der seine Zukunft noch vor sich hat. Falls nicht wieder eine Benzinrationierung notwendig wird. Bei Morgan ist man zuversichtlich, immerhin hat das Unternehmen in 93 Jahren, für die es Geschäftsunterlagen gibt, 20 mal Verluste, aber 71 mal Gewinne gemacht.

Charles Morgan / Gregory Houston Bowden
Morgan
100 Jahre klassische Sportwagen
224 Seiten, 95 Farbfotos, 105 S/W-Fotos, 18 Abbildungen
Format 21 x 27 cm, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7688-2553-5
EUR: 39.90
sFr: 69.40

Website eines britischen Morganhändlers mit vielen Bildern sowie Preisen für die einzelnen Modelle

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