Eine alte Kulturlandschaft: Flandern

Brügge (Foto awb)

Brügge (Foto awb)

Der belgische Schriftsteller Georges Rodenbach schrieb 1892 den Roman Das tote Brügge (Bruges-la-Morte). Das Buch ist die berühmteste literarische Beschreibung des Niedergangs der alten Handelsstadt Brügge.

Wieso Niedergang? Brügge war einst eines der bedeutendsten Handelszentren in Europa, vor allem, seit 1134 eine Sturmflut eine Fahrrinne in die Meeresbucht Zwin formte, so dass die Stadt, die ein gutes Stück innerlands liegt, einen direkten Zugang zur Nordsee erhielt. Von da an konnte Brügge am internationalen Handel partizipieren. Und gegen Ende des Mittelalters war Brügge die reichste Stadt Nordeuropas. Aber zum Ende des 15. Jahrhunderts versandete der Zwin und schnitt der Stadt damit den direkten Zugang zum Meer ab, woraufhin sich der burgundische Hof, der seit Beginn des 15. jahrhunderts die Stadt regierte und zur Blüte brachte, aus der Stadt zurückzog. Die führende Position unter den Städten in Flandern wurde an Antwerpen abgegeben. Brügge verarmte und kam bis 1713 unter spanische Herrschaft. Die Zeit blieb stehen in Brügge, bis sie durch Rodenbachs Roman neue Aufmerksamkeit erhielt. Der neue Auschluss an den Hafen Zeebrugge, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt wurde, ergab neue Perspektiven als Handelstadt. Aber heute ist Brügge vor allem durch sein Stadtbild, das 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und nicht zu Unrecht mit Venedig verglichen wird, weltberühmt und viel besucht.

Im Beginenhof von Brügge (Foto awb)

Im Beginenhof von Brügge (Foto awb)

Brüssel, Brügge, Gent, Antwerpen – der neu erschienene Dumont Kunstreiseführer Flandern nimmt den Leser mit in den nördlichen Teil Belgiens, der mit Wallonien im Süden und der deutschsprachigen Gemeinschaft im Osten zusammen das heutige Staatsgebiet ausmacht. Vor allem die reichen architektonischen Schätze – die auch in den kleineren Städten wie Leuven, Mecheln und Tongeren zu finden sind – machen den Reiz Flanderns aus, während die Landschaft überwiegend flach und von der Landwirtschaft bestimmt wird, bis auf einige sehr schöne Heidegebiete nahe Hasselt. So wenig Flandern auch landschaftlich zu bieten hat, die Städte und weitere Kulturstätten, die sich über das Gebiet verteilen, sind allemal eine Reise wert.

Nicht nur Idyllen: Bausünden an der flämischen Küste (Foto awb)

Nicht nur Idyllen: Bausünden an der flämischen Küste (Foto awb)

Eine Kulturlanschaft wie Flandern hat eine lange und wechselvolle Geschichte, und in diese gibt der Autor des Kunstreiseführers, Detlev Arens, im einführenden Kapitel seines Buches einen tiefgehenden Einblick. Dieser ist für einen Besucher der Region unerlässlich, denn auch hier gilt wieder der Satz: “Man sieht das, was man weiß.” Ohne dieses Hintergrundwissen kann man natürlich auch die imposanten Stadtbilder und Bauten bewundern, aber es ist doch nur ein sehr kleiner Teil, den man visuell aufnimmt, die Bedeutung der vielen Details werden einem nur klar, wenn man sich zuvor kundig gemacht hat. Das Buch leistet diese Informationsarbeit auf vorbildliche Weise, und nach der Lektüre der ersten 50 Seiten fühlt man sich Flandern und seiner Geschichte bereits nahe genug, um eine für alle Sinne erfreuliche Reise dorthin zu unternehmen.

Antwerpen

Antwerpen

Auf den mehr als 350 Seiten begleitet der Dumont Kunstreiseführer Flandern den Reisenden durch alle Landesteile, angefangen mit Westflandern, dann über Ostflandern (Gent) in die Provinz Antwerpen, nach Brabant (Brüssel) bis in den östlichen Teil Limburg (Tongeren). Der Rezensent, mit Flandern wohl vertraut, kann diesem Buch nur Gutes nachsagen – die Informationen sind kundig und auf aktuellem Stand, es gibt eine Vielzahl von über das Kulturelle hinaus gehenden Informationen, Adressen, allgemeine Reiseinfos für die Region, dazu ein Glossar kunst- und baugeschichtlicher Begriffe, und auch die kulinarischen Spezialitäten Flanderns, darunter natürlich die in die hunderte gehenden Biere (von denen eins Rodenbach heißt), kommen nicht zu kurz. Karten, Stadtpläne, Grundrisse sowie eine überwältigende Vielzahl von Bildern machen das Buch zu einem runden und für den Flandernbesucher unerlässlichen Begleiter. So wie man es von den Dumont Kunstreiseführern gewohnt ist. Somit kann das Herrenzimmer dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.

-> Ein Sohn Brügges: Hugo Claus

-> Deutsche Website von Brügge

-> Deutsche Website von Antwerpen

-> Deutsche Website von Brüssel

-> Deutsche Website von Flandern

-> Schwarzer Humor: Brügge sehen und sterben (Trailer)


Flandern

  • Autor: Detlev Arens
  • ISBN: 978-3-7701-3005-4
  • Ausstattung:352 S., 204 Abb., 14 farb. Karten, 11 Grundrisse,, 8 S. prakt. Reisehinweise, Zeittafel, Literaturtipps, Glossar, RegisterFormat: 20,5 x 15,2 cm
  • Preis: EUR 25,90 (D)EUR 26,70 (A) sFr. 44,50 (CH)
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