Wissen Sie, warum die Tradition, dem Rennsieger einen Lorbeerkranz umzuhängen, in den 1960er Jahren endete? Weil die Sponsoren feststellten, dass der Kranz ihre Werbung auf den Monturen der Fahrer verdeckte…
Sport und Kommerz – kaum sonstwo liegen sie so nahe beieinander wie im Formel 1 Geschäft. Ebenso nahe beieinander wir Triumpf und Tragödie, und eben darum dreht es sich in dem neuen, prächtigen Band Grand Prix Racing seit 1950, der soeben bei Heel erschienen ist. Mit viel Enthusiasmus erzählt der Autor Mark Hughes von dem Sport, dem seine ganze Leidenschaft seit Kindheit an gilt, aber er verklärt und beschönigt nicht. Auch die Schattenseiten des Grand Prix werden offen dargestellt, und damit sind nicht nur die menschlichen Tragödien gemeint, denen so viele Fahrer (und auch Zuschauer) zum Opfer fielen, nein, Hughes wirft mehr als einen Blick hinter die Kulissen und berichtet offen und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen über die Strippenzieher hinter den Kulissen und ihren Einfluss auf das Geschehen.
Das kiloschwere Buch bietet dem Leser auf 350 Seiten neben den fachkundigen, oft spannend wie ein Krimi zu lesenden Texten Mark Hughes eine unglaubliche Anzahl von Bildern, die alle Rennen seit dem Beginn der 1950er Jahre dokumentieren. Sie stellen die Technik und deren Entwicklung über die Jahrzehnte ebenso eindrucksvoll dar wie die Menschen, die, sei es als Fahrer, sei es als Funktionär, das Geschehen des Grand Prix geprägt haben und bis heute prägen. Selbst Leser, die dem Motorsport eher reserviert bis ablehnend gegenüber stehen können diesem Buch etwas abgewinnen, dokumentiert es doch kenntnisreich, wie die heutigen Machtstrukturen der Formel 1 entstanden sind, und es legt die Kontroversen bloß, die seit ihren Anfängen Teil der Formel 1 gewesen sind. Für Motorsportfans ist dieser Band, das kann man ohne Übertreibung sagen, die komplette und definitive illustrierte Geschichte des Grand Prix Rennsports, in die sie dank der unzähligen Aufnahmen und erzählten Fakten und Geschichten immer wieder eintauchen können. Autor Hughes ist es gelungen, die ganz besondere Atmosphäre, die in der Königsklasse des Motorsports herrscht, in kompetenten Worten einzufangen und den Rennsport umfassend zu analysieren. Ohne Beschönigung, aber doch mit viel Sympathie und Begeisterung.

Noch mit Lorbeerkranz: der sympathische Jim Clark 1967 in Mexiko. Ein Jahr später verunglückt er tödlich auf dem Hockenheimring. Abbildung aus: Grand Prix Racing seit 1950
Erfreulich ist auch die Auswahl der Bilder, sie wurden rein nach dokumentarischem und nicht nach spektakulärem Wert ausgewählt, so dass wenig Unfallbilder zu sehen sind. Sicher hätte man ein Bild des brennenden Ferraris mit Niki Lauda 1976 auf dem Nürburgring zeigen können, aber darauf (und ähnliche) Bilder hat man verzichtet, was die Seriosität des Buches nur unterstreicht. Stattdessen kann man im Text lesen, dass Lauda im Krankenhaus die Sterbesakramente erteilte, da niemand glaubte, er werde seine schweren Verletzungen überleben. Schon 33 Tage später saß er beim großen Preis von Monza wieder hinter dem Steuer und errang den vierten Platz…
Dass Lauda an diesem Rennen nur dank seiner Hartnäckigkeit gegenüber Enzo Ferrari teilnehmen konnte – das Buch erzählt die ganze Geschichte. Sowie (fast) alle anderen.
awb
Grand-Prix Racing seit 1950
Triumphe & Tragödien
Heel Verlag
ca. 350 Seiten, ca. 300 Abbildungen,
295 x 270 mm, gebunden mit Schutzumschlag,
ISBN 978-3-86852-084-2
EUR 49,90 inkl. MwSt.



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