Einige bemerkenswerte CDs von Sängerinnen sind in diesen Wochen erschienen, die eine große musikalische Bandbreite aufzeigen. Wir stellen die Alben von Etta Cameron, Renske Taminiau, Lyambiko und Térez Montcalm vor.
Etta Cameron and Nikolaj Hess with Friends: ETTA
Anfang März 2010 starb im Alter von 70 Jahren die dänische Jazz-, Gospel- und Blues-Sängerin mit karibischen Wurzeln Etta Cameron. Die Veröffentlichung ihres letzten, soeben erschienenes Albums hat sie nicht mehr erlebt. Es heißt schlicht Etta und zeigt noch einmal die enorme stimmliche Kraft, die eine Gospelsängerin auszeichnet.
Die Titel auf der CD sind überwiegend Standards wie Summertime, You’ve changed, Motherless Child oder What is this thing called love. Sehr schön auch das Arrangement des ersten Titels What a wonderful world, der mit afrikanisch anmutenden Klängen eingeleitet wird. Von den Begleitmusikern dürften hierzulande vor allem Palle Mikkelborg an der Trompete und Marilyn Mazur an der Percussion bekannt sein sowie der Pianist Nikolaj Hess, mit dem sie mehr als 20 Jahre zusammenarbeitete. Aufgenommen wurde Etta im Mai 2009. Ein sehr schönes Album für die Liebhaber kraftvoller Frauenstimmen und des Great American Songbooks.
Renske Taminiau: Waiting to be told
Die Sängerin Renske Taminiau legt mit dieser CD ihr Debutalbum vor. Aufgenommen hat sie es bereits 2007, aber erst jetzt kommt es via Sunny-Moon Vertrieb nach Deutschland. Die Platte ist eine schöne Mischung aus Pop, Jazz und Singer-Songwriterkompositionen, alle Stücke sind von der Sängerin geschrieben und sehr persönlich.
Die Holländerin, ausgebildet als Jazz Sängerin in Amsterdam, denkt bei ihren Kompositionen nicht mehr in Genre-Grenzen und nennt als Einflüsse sowohl Diane Reeves und Kurt Elling wie auch Joni Mitchell, Rufus Wainwright und Lizz Wright. Es versteht sich, dass ‚Waiting To Be Told‘ zum einen zahlreiche wundervolle Melodien liefert, aber auch spannende Arrangements. Die mal warme, mal zupackende Stimme tut ihr übriges. Es wäre Renske Taminiau zu wünschen, auch in Deutschland bekannt zu werden, denn ihre Musik dürfte hierzulande sehr gut ankommen. rensketaminiau.com
Lyambiko: Something like Reality
2009 wurde die die Sängerin aus Thüringen mit tansanischen Wurzeln für Saffronia, ihre Hommage an Nina Simone, für den Echo nominiert. Ihr neues Album Something like Reality bringt nun wieder überwiegend Eigenkompositionen, aber auch einige Coverversionen wie Nat Adderleys berühmter Worksong (von dem der Trompeter einmal bei einem Konzert erzählte, mit den Tantiemen habe er die Ausbildung seiner Tochter finanzieren können). Auch Tracy Chapmans Folksong “Crossroads” und Chris Cornells Grunge-Hit “Black Hole Sun” finden sich auf der Platte.
Warum Lyambiko trotz der starken eigenen Songs überhaupt covert, erklärt sie selbst: “Wir wählen nur Songs, von denen wir denken, dass sie sich in den Lyambiko-Klang einfügen lassen. Und natürlich um aufzuzeigen, was uns musikalisch beeinflusst.”
Die 13 Titel des Albums zeigen Lyambikos große Bandbreite mit Facetten des Soul und Pop und Balladen, zu denen ein weiterer Standardsong gehört, das von vielen Balladeninterpreten wie Chet Baker oder Frank Sinatra bekannte Angel Eyes. Keine Musik für die Jazzpolizei, für die bei jedem Ton das ganze Elend dieser Welt zu hören sein muss, stattdessen groovige Musik für schöne Sommerabende mit Freunden oder auch romantische Stunden zu zweit.Das Album erscheint am 4. Juni 2010.
Térez Montcalm: Connection
“Ich bin eine Jazzsängerin mit einer sehr ‘rockigen’ Haltung”. Und weiter: “Es wäre für mich frustrierend, wenn ich mich darauf beschränken müsste, Rock zu singen. Ich brauche das Jazzrepertoire einfach zum Glücklichsein.” (Térez Montcalm)
Was für eine Stimme! Mal rauchig-verführerisch, mal unschuldig-verführerisch. Aber immer verführerisch. Térez Montcalms viertes Album zeigt die chamäleonhaften Facetten der Kanadierin in ihrer ganzen Bandbreite. Was nicht nur für ihre Stimme, sondern auch die Stimmungen der Stücke gilt. Beginnt es mit dem Titelsong Connection eher rockig geht es in Le Requin danse (Der Hai tanzt) plötzlich gypsyswingend weiter. Auch My Baby just cares for me swingt, was das Zeug hält und die Sängerin lässt alle Nuancen ihrer unglaublichen Stimme spielen. Dann wandelt sich die Stimmung wieder, diesmal ins Chansonhafte, was durch den französisch gesungenen Text von Je N’attendai que toi noch unterstrichen wird. Auch typisch-französische Popklänge sind zu hören, so im Stück Si je T’ai décu. Und auch Bluesiges taucht auf im Titel Comme je suis. Und im letzten Titel, E Penso a te, singt Térez noch eine typische italienische Canzione. Das liest sich vielleicht wie ein ziemliches Klangsammelsurium, aber die großartige Stimme bildet über alle Stilgrenzen hinaus eine starke Verbindung, die vor allem eins beweist: Térez Montcalms Sangeskunst ist genreübergreifend überzeugend. Und schafft es so, selbst unterschiedlichste Stile zu einem runden Album zu vereinen.
Warum man seitens des Labels diese CD in die Kategorie Jazz einsortiert will sich dem Rezensenten nicht so ganz erschließen, bei der Berührungsangst, die viele Musikliebhaber gegenüber dem Jazz haben, nimmt man dadurch dem Album vielleicht etwas die Chance, eine große Verbreitung zu finden. Diese hätte es nämlich wirklich verdient. Wo man Connection besser einsortieren könnte weiß der Rezensent allerdings auch nicht zu sagen, bei dem musikalischen Spektrum. Warum nur gibt es keine Kategorie “Sexy voices”?


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