DJANGO ULTIMATIV – DJANGOS ERBEN AUF ENJA RECORDS

Auch bei Enja Records feiert man in diesem Jahr das Jubiläum von Django Reinhardts 100. Geburtstag. Der geniale Gitarrist ist heute wie zu seinen Lebzeiten (er starb 1953) Vorbild für zahlreiche Musiker, die die Tradition des Gypsy Swing lebendig halten, die wohl einzige originäre europäische Stilrichtung des Jazz. Vor zwei Wochen wurde mit einem Festival seiner an seinem Geburtsort gedacht, in der letzten Juniwoche gibt es dann das große Festival an seinem letzten Wohnort, dem französischen Samoir-sur-Seine.

Django Reinhardt (1910-1953), das Gitarren-Genie, war Europas größter Jazzmusiker. Er war ein Superstar zu seiner Zeit, führte aber ein unberechenbares Leben zwischen glamourösen Hotelsuiten und Nachtquartieren im Freien und machte sich einen Sport daraus, enorme Gagen zu verlangen und sie innerhalb von Stunden zu verprassen. Django, der völlige Analphabet, hatte Bewunderer und Freunde unter den größten Künstlern und Intellektuellen seiner Zeit und wurde der größte Stolz seines Volkes, der Roma. Zu Recht, denn er war ein Pionier: ein unermüdlicher Komponist (obwohl er auch keine Noten las oder schrieb), ein unerreichter Gitarrenvirtuose, der sofort das Potenzial der Selmer-Gitarre (Maccaferri) erkannte, und sogar ein Erfoscher des elektrisch verstärkten Instruments. Bis heute, 100 Jahre nach seiner Geburt, ist Django Reinhardt von einer doppelten Aura umgeben: Genie und Geheimnis.

Das Rosenberg Trio aus den Niederlanden gilt heute als das führende Ensemble des „Manouche Swing” oder „Gypsy Jazz”, der seine Existenz völlig Django Reinhardt verdankt. Seit ihrer Kindheit haben Stochelo, Nous’che und Nonnie gemeinsam musiziert – bei Familientreffen, religiösen Feier und anderen Gelegenheiten. Ganz in der Gypsy-Tradition lernten sie, nach Gehör zu spielen und unermüdlich zu üben: Immer und immer wieder spielten sie die „Klassiker”. Nach ihrem ersten Album „Seresta” (1989) machten sie eine weltweite Karriere. Meistergeiger Stéphane Grappelli, Djangos langjähriger Partner, „adoptierte” die Rosenbergs als seine Workingband und brachte sie 1993 in die Carnegie Hall zur Feier seines 85. Geburtstags. „Sie sind die absolut besten Gypsy-Jazzmusiker, mit denen ich in meinem ganzen Leben gespielt habe”, sagte Grappelli. Für ihre Hommage an Django zu dessen 100. Geburtstag verstärken sich die Rosenbergs noch mit Biréli Lagrène, dem wohl größten und originellsten Solo-Gitarristen aus der Gypsy-Jazz-Schule. „Biréli ist ein Held für mich”, sagt Stochelo Rosenberg über den Gast, der sich in vier Stücken die Soli mit Stochelo teilt und außerdem in einem Titel zum E-Bass greift. „Djangologists”, das 15. Album des Rosenberg-Trios, feiert den Spirit von Djangos Schaffen: Es erforscht das weniger Bekannte, Unerwartete und Unvorhersagbare. Es ist ein Tribut von Meistern an ihren Meister. Die beigefügte DVD zeigt die Musiker bei der Aufnahme im Studio und bietet außerdem Interviews, in denen sie über ihre Liebe zu Djangos Musik sprechen.

Florin Niculescu, 1967 in Bukarest als Sohn einer sesshaften Gypsy-Familie geboren, zählt zu den besten Violinisten im Jazz von heute. Sein Vater, der Geiger Corneliu Niculescu, viele Jahre lang der Hauptpartner von Gheorghe Zamfir (Panflöte), war Florins erster Lehrer an der Violine. Im Alter von 6 Jahren trat der Junge in die Enescu-Akademie in Bukarest ein, wo er zum klassischen Violinsolisten ausgebildet wurde. Er wurde mit einem 1. Preis der Akademie ausgezeichnet und im Jahr 1984 mit einer „besonderen Erwähnung” der Jury des internationalen Wieniawski-Wettbewerbs in Ljubljana.

Neben der klassischen Karriere trat er mit seinem Vater auf Hochzeiten und anderen Festen auf. Im Jahr 1990 zog er von Rumänien nach Frankreich und ließ sich in Paris nieder. Dort begann er, mit vielen Jazz- und Gypsy-Jazz- Musikern zu arbeiten, darunter Boulou & Elios Ferré, Romane, Babik Reinhardt. Christian Escoudé, Marcel Azzola, Michel Graillier oder Angelo Debarre. 1999 nahm er das preisgekrönte Album „Gypsy Ballad” auf, 2001 wurde er auf der Midem in Cannes zum „Jazz-Talent” des Jahres gewählt. Er trat beim ersten Django Reinhardt Festival in New York auf (2000), zusammen mit Biréli Lagrène, Babik Reinhardt und Bucky Pizzarelli. Im gleichen Jahr wurde er Lagrènes Hauptpartner in dessen neuem „Gipsy Project”, das vielfach gelobt und ausgezeichnet wurde. Unter Florins weiteren Kooperationen finden sich Auftritte mit Charles Aznavour, Philip Catherine, Françoise Hardy und Henri Salvador.

Florin Niculescu gilt als der „Nachfolger Stéphane Grappellis” (Jazz Hot) und als „einer der größten Violinisten aller Zeiten” (Le Monde). Er ist der authentischste Violinist in der großen Gypsy-Jazz-Tradition, die einst von Django Reinhardt und Stéphane Grappelli begründet wurde. Mit klassischer Technik, Gypsy-Temperament und einer swingenden Eleganz à la Grappelli liefert Niculescu nun eine besondere Django-Huldigung ab: sein neues Album „Django Tunes”, eine Kollektion überwiegend selten gehörter Django-Reinhardt-Stücke. Die Gitarristen David Reinhardt, Djangos Enkelsohn, und Samson Schmitt, Sohn von Dorado Schmitt, tragen zum hohen künstlerischen Standard dieser Aufnahme bei. Doch anstatt an der alten schlagzeuglosen Gypsy-Jazz-Formel festzuhalten, lässt sich Florin Niculescu von einer kompletten Jazzband unterstützen. Dazu gehört auch der preisgekrönte US-Bassist Darryl Hall, bekannt als Mitstreiter von Geri Allen, Ravi Coltrane, Stefon Harris, Hank Jones, Dianne Reeves und anderen.

Beide Alben sind brilliante Zeugnisse dafür, dass der Gypsy Swing (oder Swing Manouche) lebendig ist und hervorragende Interpreten das Erbe Django Reinhardts weiterleben lassen. Und wer Gelegenheit hat, bei einem Konzert mit dieser Art von Musik dabeisein zu können der sollkte sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Gute Laune und ausgelassene Stimmung sind garantiert.

Florin Niculescu:
Django Tunes

VÖ 18. Juni 2010
ENJA RECORDS/edelkultur
ENJ 9559 2
Florin Niculescu (violin), David Reinhardt (guitar),
Samson Schmitt (guitar), Thuryn Mitchell (piano),
Florent Gac (piano), Darryl Hall (bass),
Bruno Ziarelli (drums)

The Rosenberg Trio:
Djangologists with Biréli Lagrène

VÖ 18. Juni 2010 CD/DVD
ENJA RECORDS/edelkultur
ENJ 9558 2
Stochelo Rosenberg (lead guitar), Nous’che Rosenberg
(rhythm guitar), Nonnie Rosenberg (double bass)
feat. Biréli Lagrène (guitar)

www.therosenbergtrio.com
www.florinniculescu.eu

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