Rosa ist Mitte 30 und hat weder sich noch ihr Leben im Griff. Der Mann ihrer Träume heiratet eine andere, sie selbst ist voller Komplexe, ihr bester Freund Holgi ist schwul. So badet sie in Selbstmitleid und sieht kaum eine Chance, aus dem Jammertal wieder heraus zu kommen.
Eines Abends schleppt Holgi sie mit in einen Circus, und dort tritt unter anderem ein Magier auf, der von sich behauptet, Menschen in ein anderes Leben versetzen zu können. Mit einem unscheinbaren dicklichen Mann aus dem Publikum führt er seine Fähigkeit vor, dieser mutiert zu einem mutigen Westernheld, der vorzüglich mit der Pistole umzugehen weiß. Rosa ist schwer beeindruckt, und als sie nach der Vorstellung den Magier in seinen Wohnwagen gehen sieht beschließt sie, ihm zu folgen. Zunächst einmal werden ihre Illusionen herbe enttäuscht, der scheinbare fremde Zuschauer entpuppt sich als bezahlter Komplize des Magiers. Rosa fühlt sich veräppelt und stellt den Magier zur Rede. Dieser erzählt ihr, dass er die Fähigkeit, jemanden in ein anderes Leben zurück zu führen, tatsächlich beherrscht, dieses aber für eine Circusnummer zu riskant sei. Wem in diesen anderen Leben etwas passiert, der kann dabei auch im realen, heutigen Leben Schaden nehmen.
Rosa glaubt ihm nichts und bringt den Magier schließlich dazu, es mit ihr zu versuchen. Und so sehr dieser auch in der Manege betrogen hat, so erfolgreich ist er jetzt mit der jungen Frau in seinem Wohnwagen – er beamt sie tatsächlich in eine andere Zeit und eine andere Person. Nämlich in William Shakespeare. Dummerweise tritt Rosa ihren “Besuch” in dem englischen Dichter genau in dem Moment an, als dieser von einem gehörten Ehemann im Duell getötet werden soll. Der Schlamassel nimmt seinen Lauf…
Autor David Safier hat es mit der Reinkanation. In “Mieses Karma”, seinem ersten Roman, wird eine TV Moderatorin zu einer Ameise und erlebt als solche allerlei “fremde” Abenteuer, so wie jetzt Rosa. “Plötzlich Shakespeare” ist nicht gerade Hochliteratur, Safier arbeitet zu viel mit müden Metaphern und abgestandenen Formulierungen, die nicht immer witzig oder gar geistreich sind. Als Buch würde der Rezensent das Werk daher wohl nach den ersten paar Seiten aus der Hand gelegt haben.
Das Hörbuch hingegen ist ein wahres Vergnügen, bei dessen Genuss man gerne über die Unzulänglichkeiten des Autors hinweg sieht. Denn die beiden Sprecher machen aus der Geschichte einen wahren Ohrenschmaus. Da ist zum einen Anneke Kim Sarnau, die Rosa ihre Stimme leiht, und zum anderen Christoph Maria Herbst, per se so etwas wie ein Garant für beste Unterhaltung. Wobei der Rezensent unumwunden zugibt, dass es ihm vor allem die Sprecherin angetan hat – wie sie der Figur Rosa Leben verleiht, das klingt absolut authentisch und miterlebbar. Völlig zu Recht ist sie mehrfache Preisträgerin renommierter Auszeichnungen, so des Grimmespreises, des Deutschen Fernsehpreises und des Bayerischen Fernsehpreises. Derzeit ist sie TV Kommissarin in der Reihe “Polizeiruf”.
Über Christoph Maria Herbst muss man nicht viel sagen, er ist seit der Verkörperung des Versicherungsangestellten Stromberg eine feste Größe im deutschen Mediengeschehen, und auch als Hörbuchsprecher ist er bestens bekannt. Unser Rat: Vergessen Sie Safiers Buch in der gedruckten Fassung und genießen Sie stattdessen das bei Argon erschienene Hörbuch, das ein gutes Beispiel dafür ist, dass mit den richtigen Sprechern auch eine schwache Vorlage noch gerettet werden kann. In diesem Falle sogar mit größtem Erfolg. Sie werden es hören.


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