Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.
(Friedrich Nietzsche)
Das Münchner Label GLM hat einen bemerkenswerten Katalog, aus dem wir heute drei aktuelle Alben vorstellen möchten. Sie haben vor allem eines zu bieten: genussvolle Entspannung für Ohren und Geist, und wir legen Ihnen diese Alben – schon einmal vorweg gesagt – sehr ans Herz.
Martin Kälberer ‘between the horizon’
Die Musik auf between the horizon des Multiinstrumentalisten Martin Kälberer könnte man sich als akustische Untermalung eines Films über Segelfliegen oder Gleitschirmfliegen vorstellen. Schon bei den ersten Klängen sieht man vor dem geistigen Auge ein weites Bergpanorama vor sich oder kleine grüne Inseln inmitten klarer Seen. Im wörtlichen Sinne ist dies eine Musik zum Davonschweben. Ungewöhnliche Instrumentenkombinationen tun ihr übriges, um der Musik etwas Zeitloses und nicht an einen einzigen Kulturkreis gebundenes zu geben. Musik pur.
Martin Kälberer ist ein alter Hase im Musikgeschehen. Am Anfang war das Jazz-Piano. Frühe Vorbilder waren Herbie Hancock und Keith Jarrett, aber auch George Duke, Lyle Mays und Joe Zawinul.
Mit 17 verließ er die Schule und ging ins Ausland. Nach einem abgebrochenen Jazz-Studium an der Musikhochschule in Graz kehrte Martin Kälberer nach München zurück, wo er bald ein festes Mitglied der Jazzszene wurde. So stand er u.a. gemeinsam mit Wolfgang Schmid, Tony Lakatos, Klaus Doldinger, Johannes Enders oder Costa Lukas auf der Bühne, entdeckte aber auch bald seine Liebe zur brasilianischen Musik und spielte jahrelang in verschiedenen brasilianischen Bands. In den 90ern wurde er zu einem der vielseitigsten Studiomusiker in Süddeutschland und spielte auf über 80 CD- und Studioproduktionen mit.
1994 nahm er seine erste CD unter eigenem Namen auf, aufwändig und detailreich produzierte Weltmusik mit dem Titel «Espaço». Es folgten weitere, teils nur in kleinster Auflage veröffentlichte Werke, 2003 schließlich die erste komplett allein produzierte und eingespielte CD «Malawi Mystery Man». Sein musikalisches Spektrum hatte sich inzwischen schon weit über stilistische und instrumentale Grenzen hinweg erweitert, hin zu einer «universellen Musiksprache».
Seit über 12 Jahren tourt er nun als kongenialer Partner mit Werner Schmidbauer und ist ein gefragter Multi-Instrumentalist in vielen Projekten, so mit W. Ambros, W. Niedecken, K. Wecker, Haindling, etc..
Ob mit Willy Astors «Sound Of Islands» (siehe weiter unten), mit dem brasilianischen Saxophonisten Márcio Tubino (TUKAMAMA), der Sängerin und Gitarristin Zélia Fonseca oder der chinesischen Gruppe «WuXing», mit der er in China unterwegs war – ob am Akkordeon, Klavier oder einem seiner vielen zum Teil auch kuriosen anderen Instrumente, Martin Kälberer ist in vielen musikalischen Welten zu Hause. Als Filmkomponist hat er bei über 50 Filmen mitgewirkt, u.a. bei der deutschen Kino-Produktion «Winterreise», für die er Schubert-Lieder mit Josef Bierbichler und Hanna Schygulla einspielte und dem deutsch-armenischen Kinofilm «Mein Bruder, meine Mutter und ich».
Seit einigen Jahren ist er auch mit seinem Soloprogramm unterwegs. Mit einer Vielzahl von Instrumenten baut er auf der Bühne Klangwelten auf, teils schwebend und jedem Ton nachlauschend, aber auch sehr rhythmisch – wobei seine Liebe zur brasilianischen und afrikanischen Musik unüberhörbar ist. Auf between the horizon spielt er wiederum alle Instrumente selbst, neben Klavier, Elektronik und Akkordeon auch Mandola, Udu, diverse Perkussion, Kalimba, Vibrandoneon, Bass und natürlich das HANG, ein Metallinstrument, das in Kälberers Klangsprache eine immer größere Rolle spielt.
between the horizon ist eine Platte, die man zu jeder Jahreszeit und in jeder Stimmung hören kann, und mit jedem weiteren Abspielen entdeckt man neue Klänge und Nuancen, die Kälberers Klasse beweisen. Ein großartiges Album, dem man viele Hörer wünscht.
Mulo Francel & Evelyn Huber ‘Songs of Spices’
Ebenso entspannt kommt ‘Songs of Spices’ von Mulo Francel & Evelyn Huber daher. Entspannt und spannend, denn die beiden Musiker haben sich, unterstützt von einigen Mitspielern, der Aufgabe angenommen, die von Gewürzen ausgehenden Empfindungen, die man ja ansonsten nur mit dem Gaumen wahrnehmen kann, in Töne umzusetzen und so auch für die Ohren zu erschließen. Das Ergebnis ist ein Album, das den Hörer in die Welten mitnimmt, aus denen die Mehrzahl der Gewürze stammt, nämlich in die Tropen und den Orient.
Wie also klingen wohl Safran, Cacao, Paprika, Zimt, Mohn, Sternanis, Koriander, Rosmarin, Kreuzkümmel, Ingwer? Oder Silphion, die heute veschollene Würze der Römer und Griechen? Wie seltener Wein oder ergreifende Musik sind Gewürze dazu bestimmt, den Genuss des Augenblicks zu verschönen. Mal süss, mal pikant.
Die Weltmusik-Harfenistin Evelyn Huber und Mulo Francel, Saxophonist von Quadro Nuevo, entführen musikalisch in die Welt der Gewürze. In ihrer langjährigen Zusammenarbeit erregten die beiden Virtuosen mit ihrer extravaganten Instrumentenkombination und temperamentvollen Spielweise internationales Aufsehen. Ihre CD ‘Tango Lyrico’ wurde mit dem Deutschen Jazz Award ausgezeichnet.
Evelyn Huber gilt in der internationalen Musik-Szene als absolute Ausnahmeerscheinung, da sie der großen Orchesterharfe auf faszinierende Weise eine bisher ungeahnte rhythmische und klangliche Vielfalt entlockt. Unter ihren virtuosen Händen wird das Instrument mal zur Flamenco-Gitarre, zur Trommel oder zur orientalischen Lyra. Auf zahlreichen Konzertreisen in Europa, Afrika, Nord- und Südamerika arbeitete sie unter anderem mit Giora Feidmann und Mstislav Rostropovich zusammen. Daneben ist sie Lehrbeauftragte für Harfe an der Musikhochschule in München und Gastprofessorin an der Guildhall School of Music in London.
Mulo Francel tourt mit dem Ensemble Quadro Nuevo 200 Abende im Jahr quer durch die Welt. Seine CDs stürmten auf die ersten Plätze der Jazz-, Weltmusik- und Pop-Charts. Neben seinem erfolgreichen Tango-Quartett Quadro Nuevo pflegt Mulo Francel die Liebe zum Duo-Spiel: mit Harfe, zwar nur 50 mal im Jahr, aber ebenso intensiv, nachzuhören auf den gemeinsamen CDs Rendezvous, Tango Lyrico und Aventure for saxophone and harp.
Für ihr neues Album Songs of Spices boten die Herkunfts- und Kulturräume der Gewürze Inspiration und Assoziationsmöglichkeiten. Die Musiker bedienen sich hierbei charakteristischer Spielweisen, Stilistiken und Instrumente. So ertönen etwa die chinesische Harfe Cheng für Sternanis, die lateinamerikanische Volksharfe für Cacao, die Sansa für die afrikanischen Paradieskörner, Sitar und Tablas für den Ingwer, die Lyra für das verlorene Silphion.
Brilliante Musiker, wohlklingende Kompositionen und eine schöne Aufmachung – dieses Album bietet alles. Es ist im wahrsten Sinne perfekt abgeschmeckt.
Willy Astor ‘Sound of Islands “SommernachtsRaum”‘
Wenn auf einer Platte Stücke sind, die “Ich schenk Dir auf Hawaii eine Inselkette”"Mexikubanischer Kuckudil-Schmunzler oder “ heißen, ist der Rezensent eher zurückhaltend, aber in diesem Falle hat das seine Ordnung, hier schaut halt der Schalk des Willy Astor hervor, der als Komödiant und Wortspieler seit vielen Jahren bekannt ist. Vielleicht bekannter denn als Musiker, jedenfalls oberhalb des Weißwurstäquators. Dabei ist Astor ein ernsthafter Musiker, der mit seiner Gitarre in vielen Stilen zuhause ist, wie sein neues Album The Sound Of Islands – SommernachtsRaum beweist. Selbst den Gypsy Swing beherrscht der Gitarrist, wie er in seiner schönen Komposition Song for Biréli beweist, natürlich dem großen Biréli Lagrène gewidmet.
Als der Münchner Künstler Willy Astor neben seiner Arbeit als Komödiant und Silbendrechsler vor 9 Jahren das Instrumental-Projekt “The Sound Of Islands” in Leben rief, ahnte er wohl selbst nicht, wie viele Fans er in so kurzer Zeit für seine “zweite Schublade” gewinnen würde. Der veritable Gitarrist und Komponist schuf mit seinem musikalischen Projekt “Sound Of Islands” melodische Klanginseln, die einem weltmusikalischen Anspruch gerecht werden und den Zuhörer zum “Entschleunigen” animieren.
Nun feiert er mit der fünften Produktion der Reihe sein 25-jähriges Bühnenjubiläum und lädt die Zuhörer auf eine weitere Klangreise in ferne Welten und wundersame Orte ein.
Bekannt wurde Willy Astor ab den frühen 1990er Jahren vor allem durch seine wortspielerischen Kabarett-Nummern, bei denen er gleich oder ähnlich klingende Wörter in an sich sachfremde Texte verpackt.
Und dennoch blieb neben dem Wort immer auch die Musik wichtiger Bestandteil seines Lebens. Die andere „Saite“ von Willy Astor, die er seit Mitte der 90er-Jahre ebenfalls mit großem Erfolg betreibt. Mit seinen selbstkomponierten, vorwiegend für Gitarre geschriebenen Instrumentaltiteln füllt er auf zahlreichen Konzerten nicht nur die Hallen, sondern mittlerweile fünf Alben.
Mit dabei ist auf The Sound of the Islands – SommernachtsRaum neben Titus Vollmer und Kiko Pedrozo auch Martin Kälberer. Für die Liebhaber von gepflegter Gitarrenmusik ist dieses Album eine unbedingte Empfehlung, und man kann Willy Astor nur wünschen, dass seine musikalischen Qualitäten auch über die süddeutschen Grenzen hinaus bekannter werden.


RSS
Lade...