Ryan Bingham lebt im Flugzeug und im Hotel, und er liebt dieses Leben so sehr, dass er es unerträglich findet, in einer eigenen Wohnung zu sitzen. Quer durch die USA und auch ins Ausland führen seine Reisen, und den Job, für den er unterwegs ist, betreibt er mit Engagement und Überzeugung. Dabei ist der alles andere als sympathisch: Bingham feuert Leute. Er ist für ein Unternehmen tätig, das von Firmen gerufen wird, die Angestellte entlassen müssen oder wollen, und so sitzt der smarte Reisende in Sachen “schlechte Nachrichten” täglich Menschen gegenüber, für die durch diese Begegnung die Welt zusammenbricht. Bestimmt und eloquent redet Bingham ihnen ein, die Entlassung sei nicht etwa das Ende, sondern der Anfang für eine neue Chance, aber das kommt bei den Gefeuerten, die oft im höheren Alter sind, nicht gerade gut an.
Heute Denver, morgen Dallas, Binghams Leben wird vom Reisen bestimmt, und so sind auch seine Beziehungen mit anderen Menschen ständig in der Schwebe. Als er Alex, eine attraktive Frau, kennenlernt fasziniert ihn an ihr vor allem die Tatsache, dass auch sie ein ähnlich unstetes Leben führt, man ist zu nichts verpflichtet, gleicht am Notebook die Terminkalender ab und trifft sich zu Zwischenstops in Saint Louis oder San Francisco. Binghams Welt ist in Ordnung.
Das ändert sich, als eine neue Kollegin, frisch von der Uni, in Bighams Firma eintritt und revolutionäre Ideen einbringt: nicht mehr Auge in Auge, sondern per Videokonferenz sollen die Entlassungsgespräche geführt werden, und das würde für Bingham das Ende seines geliebten Reiselebens bedeuten. Entsprechend unerfreut ist er über die Ideen seiner neuen Kollegin.
Binghams Lebensflugplan gerät nach und nach vom Kurs ab. Zu Alex fühlt er sich mehr hingezogen als er möchte, dann wird er noch von seiner Familie gebraucht, zu der er, der ewige Reisende, kaum mehr Kontakt hat, und nach und nach erkennt der smarte Überflieger, dass er auch nur ein Mensch mit Gefühlen und unerfüllten Wünschen ist.
Mit rasant geschnittenen Bildern führt der neue Film von Jason Reithman in die Geschichte ein, wir sehen Bingham bei seiner Tätigkeit und erleben die Reaktionen der Menschen, für die das Gespräch mit ihm zu einer Lebenskatastrophe wird; das alles so eindringlich durch die Rasanz der Darstellung, dass der Zuschauer wie von einem Sog in das Geschehen gezogen wird. Zudem wirft man auf diese Weise einen Blick hinter die Kulissen eines Wirtschaftsgeschehens, in dem für menschliche Probleme kein Platz ist (wenn man von den Problemen der Manager einmal absieht, die sie durch Entlassungen zu beheben versuchen). George Clooney verkörpert diesen glatten, eiskalten “Cleaner” auf perfekte Weise, dass er nicht nur ein attreaktiver Mann sondern auch ein brillianter Schauspieler ist weiß man inzwischen längst durch Rollen in Filmen wie Syriana und Michael Clayton. Brilliant auch Anna Kendrick als Berufsneuling Natalie Keener, die mit ihren Ideen zunächst das Rausschmeißerunternehmen noch profitabler machen möchte, dann aber die Realität des Geschehens hinter den nackten Zahlen hautnah erleben muss und zuletzt aus diesem Geschäft aussteigt. Etwas blass Vera Farmiga als Alex, zudem sieht die Schauspielerin aus, als sei bei einem Gesichtslifting etwas schwer daneben gegangen. Das tut dem Film aber keinen Abbruch, er ist eine eindringliche Darstellung des Lebens hier und heute, er zeigt auf, von welchen Faktoren und Personen das Wirtschaftsleben gesteuert wird. Die Dialoge sind ausgefeilt, und, wie es sich für eine Tragikkomödie gehört, auch der Humor kommt nicht zu kurz. Ein ernstes Thema in einen überaus unterhaltsamen Film zu verpacken, das ist Reithman – der auch für das Drehbuch mitverantwortlich ist – bestens gelungen. In diesem Jahr war Up in the Air daher auch zu Recht für 6 Oscars nomiert, des weiteren für mehrere Golden Globes, von denen er einen errang, sowie zahlreiche weitere Filmpreise.
Jetzt auf DVD und Blue Ray.





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